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Alt 04.05.2014, 18:30   #101
Cindy Sim
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Ich bin froh, dass der Tod im letzten Moment noch reagiert hat und ihr "Nein" akzeptiert.

Deine zweite Todesgestalt finde ich auch interessant. Hat sich ein bisschen hübscher zurecht gemacht als unser Hauptprotagonist Ich bin gespannt, wohin das noch führt und inwiefern sie in das Geschehen eingreifen wird.
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Alt 07.10.2014, 20:05   #102
Llynya
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*Staub wegpuste* *hust, röchel, sterb*

Sorry, dass es mal wieder so lange nicht weiterging, aber ich hatte bei dem Kapitel mal wieder einen Hänger beim Text. Bis zur Hälfte des Kapitel gings und dann war Schluss. Aber heute hat es jetzt doch endlich Klick gesagt und ich konnte die weiteren Bilder vertexten. Schon peinlich, dass die Bilder irgendwann im Mai entstanden sind und es bis jetzt gedauert hat, aber so ist es halt leider manchmal.

Aber dafür geht es jetzt weiter und ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen.
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Alt 07.10.2014, 20:15   #103
Llynya
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I spend so much time believing all the lies
To keep the dream alive
Now it makes me sad it makes me mad at truth
For loving what was you
(Billy Idol – Eyes without a face)





Ich sah sie fragend an und wartete.
„Und vielleicht hätte ich gar nicht mehr eingreifen sollen. Vielleicht hätte ich einfach warten sollen, denn früher oder später wirst du dein Ende finden, wenn du den Weg wie bisher weiterführst. Vielleicht hätte ich besser nicht versuchen sollen, dich aufzuhalten.“ Sie lächelte spitzbübisch. „Aber ich kann einfach nicht anders, ich muss es versuchen. Aber du kennst das Gefühl ja nur zu gut.“
Ich nickte. „Ja, das kommt mir bekannt vor.“ Auch ich lächelte nun. Es war leicht mit Asaliah zu reden und zu lachen. Fast so einfach wie mit Annabelle. Doch ich wusste, dass alles was Asaliah mir versuchen würde zu sagen, nicht auf fruchtbaren Boden fallen würde. Ich wollte meinen eingeschlagenen Weg nicht ändern. Ich war davon überzeugt, dass ich es auch nicht mehr konnte.





Ich lehnte mich ein wenig zurück. „Und was gedenkst du jetzt zu tun, wo du dich entschieden hast zu handeln?“
Asaliah sah mich einen Moment scharf an, das Lächeln vollständig aus ihrem Gesicht verschwunden. Doch es währte nur kurz an, schnell kehrte die Wärme in ihrem Blick zurück und sie beugte sich ein wenig näher zu mir heran. „Ich werde versuchen, dir zu zeigen warum das Alles nie sein kann.“
„Aber ich kenne die Gründe“, protestierte ich.
„Das mag sein, aber du hast sie dir nicht genau angesehen. Ihnen nicht ins Gesicht geschaut und sie nicht mit eigenen Augen gesehen.“
Ich dachte kurz nach. „Aber das stimmt nicht. Ich habe so viel über Annabelle nachgedacht und was das alles für Konsequenzen haben kann, wenn ich mich einmische. Ich denke, ich kenne die Gründe zur Genüge.“





„Du magst sie ja kennen, aber ich rede von sehen.“ Sie sah mich eindringlich an, aber ich konnte mir nicht vorstellen, was sie meinte. Wie sollte ich mir etwas ansehen, was noch gar nicht geschehen war? Selbst wir konnten nicht so weit in die Zukunft greifen. Und doch machte Asaliah nicht den Eindruck, dass sie es anders als wörtlich meinte.
„Wie meinst du das?“
„Das wirst du sehen, wenn du mir vertraust?“ Sie ließ es als Frage klingen und ich erstarrte. Ich überlegte lange und sie ließ mir die Zeit. Vertraute ich ihr? Oder tat ich es nicht? Ich war mir nicht sicher, aber ich hatte ihr schon so viel von mir erzählt. Kam es jetzt noch darauf an?
„Ich vertraue dir.“ Es war leise, aber ich sagte es.
Asaliah nickte und stand auf. „Dann komm, ich werde dir jetzt versuchen die Augen zu öffnen.“





Sie führte mich zu einem Spiegel, der vorher noch nicht da gewesen ist. Dessen war ich mir sicher. Ich sah sie fragend an und sie nickte.
„Du hast Recht, aber ich brauche ihn, sonst kann es nicht funktionieren.“ Sie lächelte kurz, wurde dann aber wieder ernst. „Es ist ein wenig schwierig, aber wenn du die ganze Zeit meine Hand hältst wird es funktionieren. Bitte lass mich nicht los, egal was passiert.“
Ich nickte. „Verstanden.“
„Gut, dann wollen wir mal los.“ Mit den Worten griff sie nach meiner Hand. Ihre Haut fühlte sich kühl an, aber merkwürdig vertraut und passend. Als wenn unsere Hände dafür gemacht wären, einander zu halten. Erstaunt blickte ich sie an, aber ihr Gesicht war voller Konzentration auf das was auch immer sie vorhatte.
„Bereit?“
Ich nickte und sie schloss die Augen. Ich machte es ihr gleich und die Zeit schien sich zu drehen.





Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber nicht, dass wir uns mitten in Annabelles Wohnstube wiederfinden würden. Unwillkürlich fing ich an zu lächeln, auch wenn ihr Gesichtsausdruck nichts Gutes zu verheißen schien. Dann fiel mir ein, dass Annabelle mich ja sehen könnte und ich zuckte zusammen.
Doch Asaliah griff meine Hand noch fester. „Keine Sorge, solange du meine Hand hältst, kann sie dich weder sehen noch hören.“
„Danke“, flüsterte ich und meinte es von ganzen Herzen.
„Bedanke dich nicht zu früh. Wir sind nicht hier, damit du bei ihr sein kannst, sondern damit du verstehst, warum du aufhören musst.“
Ich nickte zwar, aber ihre Worte kamen kaum bei mir an. Zu sehr genoss ich es wieder in Annabelles Nähe zu sein. Asaliah schien das zu ahnen, denn sie seufzte leise neben mir.





Es dauerte nicht lange, dann stand Annabelle auf und ging ins Schlafzimmer. Ich wollte ihr nicht folgen, aber Asaliah war unerbittlich mit mir. Annabelle legte ihre Kleider ab, schlüpfte in ihr Nachtgewand, legte sich auf das Bett und wartete, während der engelhafte Tod und ich als Zuschauer daneben standen.
„Muss das sein?“ fragte ich meine Begleiterin genervt.
„Ja, muss es. Du sollst schließlich etwas hieraus lernen.“ Sie klang traurig, aber nicht wegen mir. Ich begriff, dass auch sie für Annabelle Mitleid empfand und so schluckte ich meinen beginnenden Ärger runter.
Wir warteten nicht lange, da ging die Tür auf und Robert betrat das Schlafzimmer. Er war schon umgezogen und stieg sofort zu Annabelle ins Bett. Ich wollte mich abwenden, aber Asaliah zwang mich zuzuschauen.
Robert nahm Annabelle in den Arm und küsste sie. Nicht so, wie ich gedacht hätte, sondern fast schon zärtlich. „So ist es brav“, raunte er mit einer leichten Drohung in der Stimme.





Ich schluckte. Ich wollte das nicht sehen, aber Asaliahs Griff um meine Hand wurde noch stärker und es war mir unmöglich mich zu befreien. Ich wollte mich abwenden, aber sie schüttelte den Kopf. „Sieh genau hin“, befahl sie und ich fühlte ihre Macht, die der meinen so ähnlich war. Ich hatte keine Wahl. Ich konnte den Kopf nicht abwenden, die Augen nicht schließen.
Robert packte Annabelle fester und der Kuss, den er ihr aufzwang wurde drängender. Er drückte Annabelle immer fester in die Kissen und legte sich mit all seinem Gewicht auf sie.
Heiße Wut schoss durch meinen Körper und jetzt war ich es, der Asaliahs Hand versuchte zu zerquetschen. Und als Roberts Hand Annabelles Nachtgewand hochschob, hielt ich den Anblick nicht länger aus. Mit aller Kraft, die ich hatte löste ich meine Hand aus Asaliahs und im Bruchteil eines Moments teleportierte ich mich weg.





Ich landete irgendwo im Nirgendwo und im strömenden Regen. Ich brauchte einen Moment um mich zu sammeln, doch Asaliah war mir schon gefolgt.
„Das war noch nicht alles, was du sehen solltest.“ Sie klang streng, aber trotzdem mit einem Hauch von Mitleid. Ich war mir nur nicht sicher, ob es mir galt oder Annabelle.
„Ich will nichts mehr sehen“, maulte ich.
„Aber du musst.“ Sie war unerbittlich. „Und jetzt nimm gefälligst wieder meine Hand und lass uns zurückkehren. Wir waren noch nicht fertig.“
„Nein.“ Ich ging ein paar Schritte von ihr weg und sah sie nicht an. Ich wollte nicht mehr.
„Du hast gesagt, dass du mir vertraust. Und ich halte dich nicht für jemanden, der so etwas nur so leicht dahin sagt.“
„Das bin ich auch nicht, aber das eben... es ist einfach zu viel für mich.“





Ich setzte mich auf einen der umstürzten Bäume und Asaliah nahm neben mir Platz.
„Ich weiß, dass es schwer ist, den geliebten Menschen mit jemand anderen zu sehen, aber genauso sieht ihre Realität aus. Sie gehört Robert und es ist sein Recht, sie so zu behandeln. So ist es und so wird es bis zum Ende ihres Lebens sein.“
„Und genau das ist es, was ich nicht ertrage.“ Ich seufzte. „Genau deshalb habe ich alles auf mich genommen, nur um ihr ein wenig von der Liebe zu geben, die sie verdient.“
„Aber du tust ihr damit im Endeffekt nur weh. Ihr schadet es mehr als es ihr an Freude bringt und du weißt auch genau warum. Du willst es dir nur nicht eingestehen.“
„Weil sie dadurch erkennt, was sie alles mit Robert nicht hat“, flüsterte ich beklommen.
Asaliah nickte. „ Und nicht nur das. Sie muss es vor Robert verstecken, denn was denkst du, was passiert, wenn er das mitbekommt.“





Ich schluckte. Natürlich wusste ich, was für ein Risiko das alles für Annabelle bedeutete. Aber ich war mir sicher, dass es das wert war.
„Ich sehe schon, dass du immer noch nicht überzeugt bist. Aber wir sind ja auch noch nicht fertig.“
„Ich bin aber fertig. Ich will nichts mehr sehen.“ Ich wusste, dass ich wie ein bockiges Kind klang, aber es war mir egal. Ich wollte nicht mehr sehen, wie ausgeliefert Annabelle Robert war.
„Wie ich schon sagte, du musst.“ Asaliah klang wieder wie Stahl.
„Nein!“ Das konnte ich aber auch. Sie war schließlich auch nur ein Tod und hatte keinerlei Macht über mich.
„Ich weiß, du willst nicht, aber ich verspreche dir, dass du die Beiden nicht mehr zusammen sehen wirst. Wenn es das ist was dich davon abhält.“ Sie sah mich zweifelnd an, doch ihr Blick bohrte sich in meinen, zwang mich sie anzusehen.
„Ich möchte nicht mehr.“





„Das verstehe ich, aber ich befürchte du musst. Es gibt noch zwei Sachen, die du dir ansehen musst. Und wie gesagt, Robert wird nicht mehr auftauchen.“ Sie sah mich weiter mit ihren eisblauen Augen an, doch es lag auch Wärme darin und auch ihre Stimme klang beschwörend.
„Also schön“, gab ich mich geschlagen. „Wenn dir soviel daran liegt.“
Sie lachte ein glockenhelles Lachen, das von Herzen kam. „Du Dummerchen, es geht hier nicht um mich, sondern um dich. Mir liegt nichts daran, dir weh zu tun. Aber manchmal braucht es ein wenig Schmerz, damit man wieder glücklich sein kann.“
„Dann meinst du, Annabelle braucht die Schläge, damit sie ihr Glück findet?“
„Wer weiß schon, was die Zukunft bringt.“ Asaliah stand auf und hielt mir ihre Hand entgegen.
Ich erhob mich ebenfalls, sah auf Asaliahs ausgestreckte Hand und schluckte. Wollte ich wirklich noch mehr sehen? Ich schluckte und streckte ihr meine Handfläche entgegen. Ihre kühlen Finger umschlossen erneut meine Hand und die Zeit verschwamm wieder.





Wir landeten nochmal in Annabelles und Roberts Wohnzimmer, aber diesmal war es nicht Annabelle, die mir sofort ins Auge fiel, sondern zwei kleine Kinder, die sich gegenseitig im Arm hielten. Das Feuer hinter ihnen knisterte und das Mädchen quietschte vor Vergnügen als ein Holzscheit mit einem Knacks zerbrach. Sie sah aus wie eine Miniversion von Annabelle, während der Junge Robert wie aus dem Gesicht geschnitten war.
Asaliah drückte meine Hand fester. „Das ist was passiert, wenn du aufhörst dich in ihr Leben einzumischen. Diese beiden Kinder werden sie für alles versöhnen, was Robert ihr angetan hat. Die Beiden sind die Liebe und der Sinn ihres Lebens.“
Ich schluckte beklommen und war dankbar für ihren Händedruck.
Das Mädchen packte ihren Bruder an den Haaren und zog ihn mit sich auf den Fellteppich. Schon fing der Kleine an zu brüllen und ein perlendes Lachen erklang von der anderen Seite des Raums.





Sofort ging mein Blick zu dem fröhlichen Geräusch. Sie saß vor dem Fenster, eine Stickerei auf dem Schoß und immer noch wunderschön. Aber das Leben hatte Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen. Tiefe Falten zogen sich über die vorher noch so makellose Haut. Sie sah alt aus. Nur ihr Haar war immer noch tiefschwarz, nicht ein graues Haar versteckte sich in dem züchtigen Zopf, der sie strenger aber auch erwachsener aussehen ließ.
„Hör auf deinen Bruder zu ärgern.“ Sie versuchte die Erheiterung aus ihrer Stimme herauszuhalten, aber es gelang ihr nicht ganz. Und so blieb die Schelte für das kleine Mädchen vollkommen wirkungslos, während der Junge weiter vor sich hin krähte.
Annabelle erhob sich und legte ihren Stickrahmen auf den Schemel. Mit geübten Handgriffen schnappte sie sich das schreiende Kind und machte ein paar Grimassen für ihn. Sofort beruhigte sich der Junge und sie setzte ihn wieder neben seine Schwester.
„Siehst du jetzt, wie glücklich sie sein kann trotz des Ehemanns?“ fragte Asaliah und brachte mich dazu den Blick von den Kindern zu nehmen.





„Ja“, flüsterte ich beklommen. Es war als hätte sie mir mit einem Holzhammer vor den Kopf geschlagen und ich wollte nur noch weg von hier. „Können wir bitte gehen?“
Asaliah nickte, drückte meine Hand aufmunternd und als nächstes waren wir wieder am Strand angelangt. Sie ließ meine Hand los und ich ging ein paar Schritte auf das Meer zu, versuchte das Gesehene zu verarbeiten. Doch es war einfach zu viel für mich. Ich schritt noch weiter auf das dunkle Wasser zu und starrte in den Nachthimmel.
„Wird es wirklich so passieren?“
„Ich weiß es nicht genau, aber das ist die wahrscheinlichste Möglichkeit. In fast allen Zukünften in denen ich war, gab es diese beiden Kinder und Annabelle war glücklich. In denen wo es die Zwillinge nicht gab...“
„Nein, sprich bitte nicht weiter.“ Mir schnürte allein der Gedanke an eine Zukunft ohne das Strahlen in Annabelles Augen die Kehle zu.





Asaliah schwieg und ich war ihr dankbar dafür. Ich wollte nichts mehr hören über Zukunftsvisionen. Ich wollte nur noch alleine mit meinen Gedanken sein, wollte das gerade Gesehene verarbeiten.
Und so stand ich da am Meer, lauschte den Wellen und starrte auf den Mond.
Eine ganze Unendlichkeit schien zu vergehen und doch verging die Zeit nicht weiter. Eine Welle nach der Nächsten schwappte ans Ufer, färbte den Sand schwarz.
Und dann brach der Damm in mir und alles was ich noch spürte waren Asaliahs Arme die sich um meinen Körper schlangen.


*Fortsetzung folgt*
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Alt 26.10.2014, 15:12   #104
Llynya
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I want to come home.
It's been so long since I've been away
And please, don't blame me 'cause I've tried
I'll be coming home soon to your love to stay
(Lynyrd Skynyrd – Coming Home)





Ich warf mich in ihre Arme, ließ mich von ihr halten, während ich all meinen Kummer über die Situation heraus weinte. Und Asaliah hielt mich fest, solange wie die überaus peinliche Situation andauerte. Ich schämte mich meiner Tränen, aber ich konnte auch nichts dagegen tun. Asaliah verstand mich und sagte kein Wort.
Nach einer Weile versiegte der Strom und ich löste mich verlegen von Asaliah.
„Es tut mir Leid“, fing ich an mich heiser zu entschuldigen, aber sie winkte nur ab.
„Keine Sorge, ich verstehe dich. Ich hoffe nur, dass du hieraus jetzt gelernt hast und dich in Zukunft von ihr fern hältst.“
Ich nickte traurig. „Ja, es war sehr deutlich und ich werde mich von jetzt an von ihr fern halten. Es sei denn die Pflicht zwingt mich.“





„Genau, die Pflicht ist alles dich noch zu ihr führen darf. Und ich hoffe für dich, dass es nicht so bald sein wird.“ Asaliah lächelte mich zufrieden an. „Versprich mir bitte, dass du dich daran hältst.“
Ich nickte wieder. „Ich verspreche es. Ich habe eingesehen, dass ich Annabelle nicht gut tue und mich von ihr fern halten muss. Danke, dass du mir den richtigen Weg gezeigt hast.“
„Gern geschehen. Aber jetzt wird es Zeit für dich wieder zu gehen.“
Sie hatte Recht. Es war Zeit zu gehen und doch fiel es mir eigenartig schwer den Strand zu verlassen. „Es war schön dich kennen zu lernen und ich hoffe, wir sehen uns wieder.“
„Mich hat es auch gefreut und ich hoffe inständig, dass wir uns das nächste Mal unter anderen Voraussetzungen wieder sehen.“ Sie zwinkerte mir zu.
Ich sah sie noch ein Mal an, lächelte und verschwand dann ohne einen weiteren Abschiedsgruß.





Ich hielt mich an mein Versprechen und die Sehnsucht nach Annabelle wurde immer weniger. Vielleicht, weil ich wusste, dass es die richtige Entscheidung gewesen war und der Gedanke daran, dass sie auch ohne mich glücklich werden konnte. Auf jeden Fall fiel es mir leicht, mich von ihr fern zu halten.
Der Winter zog derweil ins Land und es wurde von heute auf morgen eisig kalt. Dann kam der Schnee und bedeckte die Welt mit weißen Flaum. Für mich war der Winter immer eine arbeitsreiche Zeit und so hatte ich auch kaum Zeit mich in meinen Gefühlen zu verwirren.





Eines der ersten Opfer der Winterkälte war ein junger Mann, dem mitten in der Nacht das Feuer ausgegangen war. Er war einfach an dem Stein an dem er sich gelehnt hatte eingeschlafen und merkte noch nicht einmal, dass er vom Schlaf in den Tod hinüberdämmerte. So wie ihm erging es vielen Menschen in der Baronie. Die Armut zwang die Leute draußen zu übernachten und die bitterkalte Nacht holte viele Opfer. Einen nach dem Anderen holte ich in diesen Nächten.





Aber nicht alles waren natürliche Tode in diesem Winter. Es gab auf Grund der fortschreitenden Armut im Land noch mehr Morde und nicht immer war es ein professioneller Mörder sondern der eigentlich nette Junge von Nebenan, der seinen Nachbarn für ein paar Geldstücke oder ein Stück Brot umbrachte. Ich machte keinen Unterschied. Es berührte mich nicht mehr, warum die Menschen taten was sie taten und begleitete sie alle in die Ewigkeit.





Und wie immer traf der eisige Winter auch die alten und kranken Menschen. Sie hatten kein Feuerholz mehr, um sich in den windschiefen Hütten zu wärmen. Die alten Decken brachten kaum genug Wärme, um sie in den schlimmen Sturmnächten vor der Kälte zu schützen und so starben ebenfalls viele Menschen im Schlaf. Erst am Morgen fanden ihre Angehörigen sie erfroren im Bett liegend. Doch auch das war mir wieder egal geworden. Das Elend der Menschen spielte keine Rolle mehr für mich.





Gegen Ende des harten Winters jedoch, wurde ich an einen Ort gerufen, den ich nie mehr wiedersehen wollte. Es war ein stürmischer Februartag und dicke Schneewolken hingen am Himmel, versprachen einen weiteren Schneesturm. Der Wind peitschte die schon vereinzelt fallenden Flocken wild durch die Gegend und überall türmten sich die Schneewehen.
Der Turm stand wie ein Bollwerk in dem drohenden Sturm, als ich dort ankam. Ich fragte mich, warum ich an diesen Ort gerufen worden war. Hier lebte doch niemand, wie konnte es hier denn Tod geben?
Ich wollte nicht hier sein, wollte nicht den Ort sehen, der mich mehr als alles andere an sie erinnerte, aber ich hatte keine Wahl. Meine Pflicht hatte mich hierher gerufen und hier musste ich sein.





Als ich den Turm betrat, fand ich mich der Person gegenüber, die mich ebenfalls an Annabelle erinnerte: Hugh. Ich hatte ihn lange nicht mehr gesehen. Worüber ich froh war, denn ich hatte eigentlich gedacht, dass er der Einzige wäre, den ich öfter sehen würde auf Grund seines Berufes. Aber auch für ihn schien es ein harter Winter gewesen zu sein, mit nur wenigen Aufträgen. Einen flüchtigen Moment fragte ich mich, ob er wohl immer noch für Robert arbeitete, aber dann schob ich den Gedanken ganz weit weg und konzentrierte mich auf die Situation.
Hugh war gerade dabei seinem Opfer den letzten Stoß zu geben, als ich mich langsam den Beiden näherte. Der fast schon tote Mann sagte mir nichts, sein Gesicht kam mir nicht bekannt vor und so machte ich mich daran seine Seele einzufangen, während sein Mörder seine Taschen leerte. Ich hatte die Essenz des Mannes gerade aufgenommen, als Hugh ziemlich obszön fluchte.





Es war dann doch Neugier, die mich dazu bewogen hatte zu bleiben, obwohl ich hätte gehen sollen. Draußen tobte inzwischen der Sturm und ein eisiger Wind pfiff durch die undichten Fenster und die Tür. Hugh überlegte einen Moment und setzte sich dann an den Tisch an dem auch ich häufig gesessen hatte, während ich auf Annabelle wartete.
Den Kopf in die Hände gestützt, mit finsterer Miene saß er da und ich konnte mich nicht zurück halten.
„Was hast du denn gesucht?“ Ich wusste, er konnte mich nicht wirklich hören, aber ich spürte, dass er auf die Frage reagierte. Für ihn war es unbewusst, aber mir war klar, dass das Band zwischen uns noch immer existierte.
„Er hätte das verfluchte Emblem bei sich haben müssen. Ich habe doch gesehen wie er es bekommen hat. Verdammte Schei*e, ich brauche das Ding.





Dieser elendige Mistkerl wird verdammt wütend sein, wenn ich ihm sein Abzeichen nicht bringe.“ Hugh fluchte noch weiter und schlug mit der Hand auf den Tisch.
„Er muss es irgendwo versteckt haben und ich habe es nicht mitbekommen. Ich werde langsam zu alt für diesen Scheiß. Vor zwanzig Jahren wäre mir so etwas definitiv nicht passiert.“
„Vielleicht hat er das Teil ja doch bei sich.“ Es war seltsam wieder mit jemanden zu reden, auch wenn er mich nicht hören konnte. Und doch schien es wieder zu funktionieren. Hugh stand auf und durchsuchte die Leiche noch einmal. Und diesmal hatte er Erfolg, in einer versteckten Tasche im Mantel des Fremden fand er was er suchte und grinste zufrieden.
„Den Göttern sei Dank oder wem auch immer. Jetzt kann ich mich doch wieder bei dem Mistkerl blicken lassen.“
Er wollte gerade den Turm verlassen, als es an der Tür klopfte. Wir zuckten beide zusammen als eine Stimme durch den heulenden Sturm erklang.
„Lucien! Bist du da? Bitte mach die Tür auf, es ist eisig kalt hier draußen.“





Ich konnte mich nicht mehr rühren, alles an mir stand unter Schock. Doch Hugh reagierte mit der kühlen Gelassenheit seines Berufes. Er schnappte sich den Toten und trug ihn die morsche Treppe nach oben. Nachdem er wieder unten war, verwischte er die Spuren seines Werkes indem er die Flecken mit dem herein gewehten Laub überdeckte. Währenddessen klopfte Annabelle noch ein paar Mal an die Tür. Ich hatte einerseits Angst, dass sie wieder gehen würde und ich sie nun doch nicht sehen würde und andererseits Angst, dass sie nicht wieder gehen würde.
Mit bangen Augen verfolgte ich alle Schritte von Hugh und als mir klar wurde, dass er ihr die Tür öffnen würde, kam wieder Bewegung in mich. Ich versteckte mich hinter der Tür, damit sie mich nicht gleich sah. Etwas anders fiel mir nicht ein, ich hatte keine Erklärung hierfür, aber ich konnte auch nicht einfach verschwinden und sie mit Hugh allein lassen.





Mit einem leicht charmanten Lächeln öffnete Hugh die Tür. Der Sturm wirbelte Schnee hinein und hätte Hugh die Tür nicht festgehalten, wäre sie mir sicher ins Kreuz gekracht, so sehr drückte der Wind dagegen.
Annabelle zögerte nicht lange und trat in den Raum, froh aus dem eisigen Wind heraus zu sein. Sie hatte kaum realisiert, dass nicht ich es war, der ihr die Tür geöffnet hatte. Sie schüttelte sich den Schnee aus den Haaren und drehte sich dann erst zu uns um.
Einen Moment sah sie panisch aus, sie hatte Hugh ja noch nie bewusst gesehen und er war nicht gerade das, was man vertrauenerweckend nennt, aber dann sah sie mich in der Ecke stehen und ihr Blick wurde weicher.
„Nun junge Frau, was kann ich für Euch tun?“ Hugh sah sie gespannt an, anscheinend nicht daran gewöhnt, dass junge Frauen an so entlegenen Orten mitten in einem Schneesturm auftauchten.





„Darf ich mich setzen?“ Fragte Annabelle und Hugh nickte, während er sich vor ihr aufbaute. Und während Annabelle sich auf den einzigen Stuhl im Raum setzte, überwand auch ich meine Starre und ließ mich neben Hugh auf dem Boden nieder, in der Hoffnung, dass Annabelle die richtigen Worte fand, denn mir waren sie ausgegangen.
„Ich suche jemanden“, antwortete sie auf die Frage.
„Das ist offensichtlich.“ War Hughs trockener Kommentar. Daraufhin huschte ihr Blick zu mir, ehe sie den Assassinen wieder fixierte.
„Er ist aber nicht hier.“
„Das ist ebenfalls offensichtlich. Stellt sich mir nur die Frage, warum sucht Ihr jemanden in diesen von den Göttern verfluchten Wetter und an so einem entlegenen Ort.“
„Weil er hier früher mal gewohnt hat.“ Ihr Ton war eisig und ich konnte nicht anders als verstohlen Lächeln, weil es diesmal nicht mich traf.





„Hier wohnt schon seit Jahrzehnten niemand mehr.“ War Hughs nicht gerade sehr freundliche Antwort. „Ich schätze mal, er hat Euch nur was vorgespielt um einen ungestörten Ort für ein Stelldichein zu haben.“ Er grinste dreckig.
„Ihr wisst nicht wovon Ihr redet“, fauchte sie ihn an.
Mir wurde ganz mulmig zu mute, also stand ich auf und ging langsam auf Annabelle zu und schüttelte den Kopf in der Hoffnung, dass sie still sein würde.
„So, so. Ich weiß also nicht wovon ich rede ja. Ihr kommt hier mitten in einem Sturm an, ruft nach Eurem Liebsten und ich sehe da einen Ring an Eurem Finger. Das heißt Ihr seid verheiratet und Euer Mann soll nichts davon wissen, also habt ihr euch immer hier getroffen. Ich schätze mal, das letzte Mal ist schon lange her und nun hat Euer Liebster euch versetzt.“ Während er redete ging Hugh in Richtung Tür und posierte sich davor.





„Und jetzt seid Ihr hier, trefft einen völlig Fremden und versucht Eure Ehre zu verteidigen.“ Er sah sie an, aber nicht finster sondern mit einer Art Verständnis, die mich überraschte.
Auch Annabelle schien das zu überraschen, denn sie antwortete ihm vollkommen ruhig. „Fast, ich brauche meine Ehre nicht zu verteidigen, denn da ist nichts passiert, wofür ich mich schämen müsste.“
Hugh zog eine Augenbraue hoch, was ein wenig seltsam aussah mit seiner Augenklappe. „Warum glaube ich Euch das nur nicht.“
Annabelle sah ihn einen Moment an, dann glitt ihr Blick zu mir. „Ihr habt Recht. Etwas gibt es für das ich mich schämen sollte.“


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Alt 26.10.2014, 20:34   #105
Cindy Sim
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Aaaarrrgh, du kannst doch nicht an der Stelle aufhören!
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Alt 26.10.2014, 21:09   #106
lunalumi
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Da hat die gute Annabelle ja ganz schöne Probleme am Hals. Wäre zwar zu schön gewesen, wenn alle irgendwie glücklich werden ohne Dramatik, aber das wäre doch irgendwie zu langweilig gewesen. Der Tod tut mir leid, er wird wohl noch gewaltige Schwierigkeiten bekommen. Schade um Asaliahs Versuch, die Dame war so sympathisch, die einzige die hier wirklich selbstlos helfen will, ich hoffe sie bekommt man irgendwann wieder zu sehen. Wirklich spannend wird jetzt, was aus Annabelle wird. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass Hugh aus Nettigkeit die Sache verschweigt. Andererseits ist er mit Robert nicht so auf gutem Fuß, dass er sofort hinrennt um ihm davon zu erzählen, wahrscheinlicher ist, dass er das Mädchen erpresst. Und immer noch sind Roberts seltsame Situation und dubiosen Vorhaben ein Rätsel.
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Alt 26.10.2014, 21:28   #107
Llynya
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@ Cindy
Ach, das war ganz einfach.
Ich war mir nicht sicher ob ich den Cliffhanger nehme oder den nächsten Satz noch schreibe, aber im Endeffekt wäre es aufs Gleiche rausgekommen.

@ lunalumi
Jupp, Annabelle hat echt kein Glück im Leben. Aber ich muss auch sagen, wer wird schon glücklich ohne Dramatik, so ein weichgespültes Leben will doch auch keiner.
Ja, es war echt ein guter Versuch von Asaliah und man kann da noch nicht mal dem Tod einen Vorwurf machen, es war einfach Schicksal, dass er Annabelle doch wiedersieht.
Zu Hugh: noch weiß er ja nicht, dass Annabelle Roberts Frau ist. Er erinnert sich auch nicht daran, dass er sie schon mal "umgebracht" hat.
Was er allerdings mit der Situation anstellt, sollte ihm doch klar werden, wer Annabelle ist, hängt wohl davon ab, wie sehr er Robert hasst und ihm schaden will. Hugh ist nämlich keineswegs ein herzloser Mörder, auch wenn er sich normalerweise wie einer verhält.
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Alt 24.02.2015, 18:30   #108
julsfels
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So, liebe Llyn, endlich mal.
Gelesen hab ich´s natürlich schon lange - ich freue mich immer sehr, wenn Deinen Benachrichtigung in mein Postfach flattert - aber zum Kommentieren scheint mir immer die Zeit durch die Finger zu rinnen.
Deshalb hab ich´s mir jetzt einfach mal auf meine ToDo-Liste gesetzt: in meinen Lieblingsstories Kommis hinterlassen.

Also, den Teil mit Asaliah fand ich sehr berührend. Vor allem, weil so klar ersichtlich wird, dass trotz allem Schmerz und Leid, den Annabelle durchlebt und durchleben wird, doch auch etwas Gutes für sie daraus erwächst, und man so sehen kann, dass es immer Hoffnung gibt. *Schnief*
Und echt, die Zwillinge sind ja auch super putzig. Wäre schon schade, wenn sie gar nicht erst geboren würden.

Deshalb habe ich Luciens Entscheidung, sich von Annabelle fernzuhalten, auch durchaus nachvollziehen können und sogar auch begrüßt - obschon ich etwas überrascht war, dass er sagt, dass es ihm leicht gefallen ist.

Was mir jetzt aber schon etwas Angst macht, ist, dass er zum Turm gerufen wird (habe ich Dir schon gesagt, dass ich dieses Lot liebe? Nein? Also dann: ich liebe dieses Lot!!! ), denn das bedeutet ja wohl offensichtlich, dass dort jemand sterben wird - und das kann dann ja eigentlich nur Annabelle oder Hugh sein.
Da möchte ich jetzt aber nicht wählen, weil ich beides nicht will. Ich mag Hugh, irgendwie, auch wenn er ein Killer ist (aber ich mag ja auich Ezio ).
Als Ausweg fällt mir da nur ein, dass vielleicht noch eine dritte Person auftaucht. Vielleicht Robert? Bestimmt ist dieses Emblem, dass Hugh seinem Opfer abnehmen sollte, für ihn.
Und wenn Robert da auftaucht und Annabelle dort entdeckt, denkt er bestimmt, sie hat was mit Hugh, und dann bleibt Hugh keine Wahl, dann muss er Robert kalt machen. So. Jetzt hab ich Annabelle und Hugh gerettet.

Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, wie es weitergeht, und vielen Dank, dass Du hier weitermachst und uns schöne Stunden bescherst!
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Alt 26.02.2015, 18:40   #109
Cindy Sim
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Was mir jetzt aber schon etwas Angst macht, ist, dass er zum Turm gerufen wird (habe ich Dir schon gesagt, dass ich dieses Lot liebe? Nein? Also dann: ich liebe dieses Lot!!! ), denn das bedeutet ja wohl offensichtlich, dass dort jemand sterben wird - und das kann dann ja eigentlich nur Annabelle oder Hugh sein.
Wie ich das verstanden habe, wurde er doch wegen Hughs Opfer gerufen?
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Alt 26.02.2015, 20:27   #110
julsfels
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Ach stimmt!
Liebe Zeit, wieso habe ich denn das Opfer vergessen?! *Peinlich*
Super, dann ist ja alles im grünen Bereich und ich muss mir keine Sorgen mehr machen.
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Alt 27.02.2015, 10:21   #111
Llynya
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@ Julsfels
Ach, das kenn ich doch. Mir geht es doch auch immer so. Bei einem Fulltimejob, dem Haushalt und diversen Hobbies hat man einfach nicht immer die Zeit, die man so braucht.

Ja, wenn es so weitergeht, dann könnte es für Annabelle eine Versöhnung mit ihrem üblen Schicksal geben, aber das weiß sie ja leider nicht. Und ob es auch so kommen wird, hängt ja auch von Annabelle selber ab...

Lucien ist es diemal leicht gefallen, weil er halt gewusst hat, dass es Annabelle ohne ihn besser ergehen kann. Die Hoffnung darauf hatte er immer vor Augen, wenn die Sehnsucht nach Annabelle zu groß wurde.

Und Cindy hat natürlich Recht, dass der Tod in den Turm gerufen wurde, wegen Hughs Opfer. Annabelle, Hugh und auch Robert werden noch eine Weile weiterleben (müssen).
Im Übrigen liebe ich den Turm auch, darum kehre ich auch immer wieder gerne dahin zurück.

@ All
In der Hoffnung, dass ich mich heute von meinem Strickzeug trennen kann, versuche ich dann auch endlich mal weiter zu machen. Noch habe ich ja ein paar Tage Urlaub.
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Alt 20.03.2016, 17:44   #112
Llynya
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Without saying a word you can light up the dark
Try as I may I can never explain
What I hear when you don't say a thing
(Ronan Keating – When you say nothing at all)





Stille. Ich hielt den Atem an. Gespannt wie Annabelle fortfahren wollte, sah ich sie an. Und auch Hugh neben mir wartete auf das was sie noch sagen wollte. Ich spürte die leichte Anspannung in seinem Körper, hörte seinen ruhigen Atemzüge, doch von Annabelle spürte ich nichts weiter als ihren Blick, der immer noch auf mich gerichtet war. Zum Glück dachte Hugh wohl, dass sie nur die Tür ansah, weil sie ihn nicht anschauen wollte.
Es verging eine Minute, dann zwei. Doch Annabelle schwieg noch immer. Dann nach einer Ewigkeit seufzte sie leicht.
„Ich habe den einzigen Menschen von mir gestoßen, der für mich da war. Und das nur weil ich Angst hatte.“ Sie schluckte, sah kurz nach unten, doch dann sah sie wieder zu mir und ihr Blick glühte vor Intensität.





„Doch das ist jetzt vorbei. Ich bin es leid weiter allein zu sein. In einer Ehe, die mir nichts als Schmerzen und Leid gebracht hat. Ich brauche einen Freund und ich hatte gehofft ihn hier zu finden.“
Schweigen. Doch dann hörte ich ein Lachen neben mir.
„Mylady, hier findet ihr nichts weiter als Ratten und Dreck. Ihr solltet nicht hier sein und nach lange verschwundenen Menschen suchen. Reißt Euch zusammen und geht zu Eurem Mann zurück. Vielleicht hat er ja noch nicht herausgefunden, dass Ihr ihn betrügt.“
Annabelle starrte den Assassinen finster an. „Ich betrüge ihn nicht. Ich sagte doch, dass ich einen alten Freund gesucht habe. Jemanden mit dem ich reden kann und nichts anderes.“
„Redet Euch das nur ein. Aber ich kenne den Blick und ich kann eure Körpersprache lesen. Ihr sucht nicht nur einen Freund hier.“





Annabelle starrte ihn noch ein paar Sekunden wütend an, aber dann senkte sie den Blick auf ihre Hände. Ich wagte kaum mich zu bewegen, zu gespannt war ich wozu der Assassine sie noch bringen würde zu zugeben.
„Vielleicht habt Ihr recht, aber das gibt Euch nicht das Recht über mich zu richten. Ihr kennt weder mich, noch meine Situation.“
Wieder lachte Hugh, aber diesmal freundlicher. „Ich richte nicht über Euch. Ich bin der Letzte, der dazu das Recht hat. Aber ich gebe Euch einen Rat: Geht nach Hause. Vergesst, dass Ihr hier wart. Vergesst diesen Mann und vergesst, dass Ihr Gefühle für ihn habt. Geht zu Eurem Mann zurück und macht weiter als wäre nie etwas anderes passiert. Alles andere wird nur übel für Euch ausgehen, glaubt mir.“





Wieder herrschte Stille nach diesen Worten, selbst der Sturm hatte nachgelassen und der Wind heulte weniger stark durch die modrigen Fensterläden.
„Ich weiß“, flüsterte Annabelle nach einer Weile. „Glaubt mir, ich weiß das. Darum habe ich Lucien ja auch weggestoßen. Weil ich das alles, was Ihr gerade gesagt habt, weiß. Aber es ist mir egal. Ich ertrage es nicht mehr, dass ich niemanden mehr habe mit dem ich reden kann. Ich ertrage die Einsamkeit nicht mehr.“ Die letzten Worte waren nur noch ein Hauch und am Liebsten wäre ich zu ihr gegangen, hätte sie in den Arm genommen und ihr gesagt, dass sie nie wieder einsam sein würde. Doch ich konnte nicht, nicht so lange Hugh da war.
„Lernt damit zu Leben. Es ist gar nicht so schwer wie Ihr jetzt denkt. Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles.“
„Ich will mich aber nicht daran gewöhnen. Ich will nicht länger eine lebende Leiche sein. Ich will leben und das kann nicht in diesem Gefängnis von Ehe.“





Mich hielt es nicht länger neben Hugh. Ich ging auf Annabelle zu und kniete mich vor ihr hin. „Ich verzeihe dir und ich werde dich nie wieder verlassen.“
Die Worte waren heraus ehe ich über mögliche Konsequenzen nachdenken konnte. Doch Annabelle ließ sich nicht anmerken, dass ich mit ihr gesprochen hatte. Einzig lehnte sie sich ein wenig zur Seite, ganz so als würde sie sich Hugh zuwenden.
„Ein Gefängnis kann auch Sicherheit bieten.“
„Ich will keine Sicherheit mehr. Ich will das Abenteuer und alles was dazu gehört.“
„Dann seid Ihr eine Närrin. Solche Abenteuer gehen nie gut aus.“
„Ich weiß, aber wenigstens habe ich es dann gehabt und frage mich nicht mehr, was ich verpasst habe im Leben.“ Sie sah Hugh an, doch ihr Blick streifte auch mich.





„Aber genug der Worte. Lucien ist nicht hier und werde jetzt gehen. Ich denke nicht, dass Ihr mich aufhalten werdet.“
Hugh schüttelte den Kopf. „Ich halte Närrinnen nie auf. Ist mir zu gefährlich.“ Er zwinkerte ihr zu und trat von der Tür weg.
Annabelle erhob sich und ich trat schnell Seite, damit sie mir nicht ausweichen musste. „Wenn du kannst komme morgen wieder her. Ich bin hier und warte auf dich.“
Als Annabelle an mir vorbei ging, nickte sie mir so kurz zu, dass Hugh es unmöglich hätte sehen können.
„Ich wünsche Euch viel Glück bei Eurem Abenteuer. Ich hoffe wirklich, dass Ihr es euch noch anders überlegt. Es wäre zu schade um Euch, wenn es schlimm ausgeht.“
„Vielen Dank für Euren Rat.“ Annabelle trat hinaus in die Dunkelheit und verschwand aus meinem Sichtbereich, während Hugh ihr noch hinterher starrte.





Nachdem Hugh die Tür geschlossen hatte, setzte er sich auf den Stuhl auf dem eben noch Annabelle gesessen hatte. Er fuhr sich durch die Haare und schüttelte den Kopf. „Wenn ich nur wüsste, woher ich das Gefühl habe das arme, verlorene Ding zu kennen.“
Ich ignorierte ihn und starrte meinerseits die Tür an. Ich konnte es nicht glauben. Annabelle wollte mich wiedersehen und sie hatte zugegeben, dass sie Gefühle für mich hat. Und das alles vor einem Menschen, den sie weder kennt noch dem sie trauen sollte. Das war alles so kompliziert geworden, doch trotz allem schwebte ich wie auf einer Wolke. Vergessen war das Versprechen, dass ich mir und Asaliah gegeben hatte. Nur ein Wort von Annabelle und all meine guten Vorsätze waren wie weggeweht.




Am nächsten Morgen war der Sturm des Vorabends komplett verschwunden und die Sonne schien. Der Schnee glitzerte in der kalten Wintersonne, doch das alles war nebensächlich geworden. Wie ich ihr versprochen hatte, wartete ich am Turm auf sie.
Es dauerte auch nicht lange bis sie den Weg betrat. Ich war nervös, während sie scheinbar ruhig auf mich zu kam. Ich lächelte sie an, ich konnte nicht anders. Sie lächelte zurück.
„Guten Morgen“, begrüßte sie mich fröhlicher als ich sie seit langem gehört hatte.
„Guten Morgen. Ich hatte gehofft, dass du kommst.“ Das war noch untertrieben.
„Ich sagte doch, dass ich es leid bin allein und vernünftig zu sein.“ Sie lachte gelöst. Sie war wirklich wie ausgewechselt, als würde sie wirklich hinter ihrer Entscheidung stehen.





„Das freut mich wirklich und überrascht mich, ehrlich gesagt.“
„Ich weiß, du hast jedes Recht wütend auf mich zu sein. Ich war echt unmöglich zu dir, aber ich hatte Angst. Angst vor mir selbst, weil ich noch nie das gefühlt habe, was ich fühle, wenn ich in deiner Nähe bin. Angst davor was es bedeutet, für mich, für dich und auch für meine Ehe. Angst vor der Zukunft, weil ich keine Ahnung habe wie es weiter geht. Einfach Angst vor allem.“ Sie holte kaum Luft zwischen den Sätzen.
„Und jetzt hast du keine mehr?“
„Nein, eigentlich nicht. Mir ist klar geworden, dass ich mich hiervor nicht verstecken kann. Denn egal was ich in den letzten Wochen gemacht habe, du warst immer in meinen Gedanken. Ich konnte nicht aufhören an dich zu denken und je mehr Zeit verstrich umso mehr wurde mir klar, dass der Fehler nicht war mich auf dich einzulassen, sondern dich gehen zu lassen.“





Ich war sprachlos.
„Ich weiß, dass ist jetzt alles zu viel auf einmal, aber ich schleppe diese Worte schon so lange mit mir herum. Sie mussten jetzt einfach raus.“ Sie lachte befreit und mein Herz machte einen riesigen Sprung.
„Vielleicht können wir ein wenig spazieren gehen und darüber reden, wenn es dir recht ist?“
Ich nickte und sie hakte sich bei mir unter. Mir fehlten immer noch die Worte, aber ihre warme Hand auf meiner, fühlte sich so richtig an.
„Du musst auch gar nichts sagen, es genügt mir schon, dass du überhaupt da bist.“ Sie sah mich von der Seite aus an mit so viel Wärme in den Augen.
„Mir genügt es auch“, brachte ich heiser hervor, zu überwältigt von der gesamten Situation.
„Dann lass uns einfach eine Weile schweigend gehen.“





Annabelle führte mich zu einem ihrer Lieblingsplätze. Wir hatten auf dem ganzen Weg dahin nicht ein Wort miteinander gesprochen. Doch das brauchten wir auch nicht. Ihre Hand lag in meiner und immer wieder trafen sich unsere Blicke. Ich fühlte mich lebendiger als jemals zuvor und ihr schien es genauso zu gehen. Es war als würde nach einer wirklich finsteren Nacht endlich wieder die Sonne scheinen und so war es ja auch.
Der Sturm von gestern war vergessen und auch die Kälte zwischen Annabelle und mir war wie weggewischt.
„Wir sind gleich da.“
„Ich weiß. Es ist einer deiner liebsten Plätze hier.“
„Woher weißt du das?“ Sie schien aber nicht sonderlich überrascht.
„Ich hatte ein Auge auf dich, auch wenn du mich nicht mehr sehen wolltest.“
„Du hast weiter auf mich geachtet, obwohl ich so ekelhaft zu dir war?“
„Natürlich. Ich konnte nicht anders. Erst vor kurzem habe ich deine Entscheidung akzeptiert, dass du mich nicht mehr in deinem Leben willst. Und dann standest du plötzlich wieder vor mir...“





Am Teich angekommen ließen wir uns in den Schnee nieder. Es war wirklich kalt, aber das spielte weder für sie noch für mich eine Rolle.
„Es tut mir Leid“, fing Annabelle an, aber ich wollte ihre Entschuldigung nicht hören.
„Das braucht es nicht. Es hat eine Weile gedauert, aber ich hatte deine Entscheidung verstanden.“
„Aber ich habe dir weh getan und das war wirklich das Letzte was ich wollte.“
„Das weiß ich jetzt und darum sollten wir nicht mehr darüber sprechen. Du sagtest gestern, dass du leben willst. Und das kannst du nur in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit. Nur noch das Jetzt zählt.“
Sie strahlte mich an. „Das möchte ich gerne glauben.“
„Dann glaub es.“





„Ich versuche es.“ Sie schaute in Richtung des gefrorenen Teichs. „Ich gebe mir Mühe es zu glauben.“
Wir schwiegen wieder, aber es war ein angenehmes Schweigen. Und doch war da eine gewisse Spannung zwischen uns, wann immer unsere Blicke sich trafen. Und das taten sie oft.
„Das hier hat mir gefehlt. Es war alles so düster und trist ohne dich. Selbst die Zeiten wo Robert weg war und ich meine Ruhe vor ihm hatte, wusste ich, das mir etwas fehlt.“
„Mir hat es auf gefehlt und ich habe mich oft gefragt, wie es dir so geht.“
„Wir wollten nicht mehr über die Vergangenheit sprechen.“
„Du hast doch angefangen“, neckte ich sie und ich wurde mit einem perlenden Lachen belohnt.
„Ich bin ja schon ruhig.“
„So war es auch wieder nicht gemeint. Rede ruhig weiter. Ich habe deine Stimme so vermisst.“





„Vielleicht sollten wir dann über die Zukunft reden, wenn die Vergangenheit Vergangenheit ist.“
„Das wäre eine Möglichkeit ja. Wie stellst du dir denn die Zukunft so vor?“
„Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht. Ich weiß ja, dass es alles so schwierig ist. Ich weiß nicht, wann ich mich davon schleichen kann und dich sehen kann. Und dann ist da noch die Sache, dass du ja ein Geist bist, was das alles noch schwieriger macht.“
Ich nickte. „Das kann ich leider nicht ändern, so gerne wie ich das auch wollte.“
Sie starrte auf das Wasser. „Warum kannst du nicht wirklich sein?“





„Ich bin so wirklich wie ich sein kann.“ Mit den Worten erhob ich mich und reichte ihr meine Hand. Inzwischen hatte sich die Sonne verzogen und neuer Schnee fiel.
Annabelle nahm meine Hand und zog sich hoch. Sie stand so nahe neben mir und ihre Hand war warm und weich in meiner. Ich sah ihr in die Augen und hob meine andere Hand an ihr Gesicht. Liebevoll strich ich über ihre von der Kälte gerötete Wange.
„Ich bin wirklich.“


*Fortsetzung folgt*
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Alt 22.03.2016, 20:23   #113
Cindy Sim
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Schön, dass es hier noch weiter geht
Und was für eine wunderbare, schöne, harmonische Fortsetzung. Ich fürchte, das wird nicht lange so bleiben? Du hast ja schon angedeutet, dass diese Veränderungen Probleme bringen können/werden.
Ich frage mich, welche Rolle der Assassine in Zukunft noch einnehmen wird. Spätestens, wenn ihm aufgeht, woher er die junge Frau denn kennt
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Alt 25.03.2016, 11:01   #114
Llynya
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Ja, finde ich auch.
Ich hatte Probleme mit meinem PC, der wollte die Sims einfach nicht mehr fehlerfrei spielen. Ich hatte dann versucht, die Nachbarschaft auf den Laptop zu ziehen, aber das wollte auch nicht so. Aber jetzt nach gefühlten 100 Jahren, habe ich es endlich geschafft und die Sims und die Nachbarschaft laufen jetzt.

Und ja, die Fortsetzung war doch sehr harmonisch. Die nächste wird es auch noch sein. Ein wenig Glück sollte den Beiden doch auch gegönnt sein.
Tja, Hugh spielt schon noch eine Rolle, fragt sich nur was für eine.
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Alt 25.03.2016, 20:30   #115
Llynya
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No one can take you away from me now
Don't worry if they take me away
No one can take you away from me now
Don't matter how long we have to wait
(Marillion – No one can)





Es war so einfach geworden wieder mit ihr zusammen zu sein. Ich dachte nicht mehr an mein Versprechen Asaliah gegenüber. Um ehrlich zu sein, war es sogar komplett aus meinem Gedächtnis verschwunden. Verdrängt von dem Glück und der Liebe zu Annabelle. Verdrängt von dem wunderbaren Gefühl, dass Annabelle wieder zu mir gehörte und ich sie spüren konnte. Alles andere war wieder zur Nebensache geworden.
Bis auf natürlich meine Aufgabe den Menschen auf die andere Seite zu helfen. Ich wusste, dass ich diese Pflicht wahrnehmen musste. Gerade damit die Höheren Mächte nicht aufmerksam auf mich wurden. Nicht jetzt und in der näheren Zeit.





Ich wollte nur eines in meiner freien Zeit tun: mit Annabelle zusammen sein.
Und zu meinem Glück wollte sie das Selbe. Wann immer wir konnten, trafen wir uns und damit es nicht auffiel, waren diese Treffen nicht immer am Turm. Wir entdeckten die Gegend und fanden immer mehr Plätze an denen wir uns ungesehen sehen konnten. Meistens wartete ich auf sie und da es noch immer kalt und ungemütlich war, versuchte ich alles damit sie die Kälte nicht spürte. Verlassene Lagerplätze im Wald boten genug Gelegenheit ein Feuer anzuzünden und das unwirtliche Wetter erträglich zu machen.
Meistens war es schon fast Abend, wenn sie es endlich schaffte sich von Zuhause ungesehen wegzuschleichen, aber nie zeigte sie was es sie kostete. Denn wann immer sie mich sah, strahlte sie über das Ganze Gesicht.





„Schön, dass du da bist.“ Ich versuchte nie ihr zu zeigen, wie viele Sorgen ich mir um sie machte. Schließlich war die Zeit, die wir miteinander hatten zu viel kostbar um sie mit Sorgen zu verbringen.
„Ich konnte nicht früher. Tut mir Leid.“ Auch Annabelle vermied es von Robert oder den Problemen mit ihm zu sprechen.
„Hauptsache ist doch, dass du hier bist.“ Ich zog sie in meine Arme und wie immer schmiegte sie sich an mich. Und wie immer war dieser wundervolle Moment viel zu kurz.
Viel zu schnell löste sie sich von mir, aber wie immer lächelte sie mich dabei an und hielt meine Hand fest um mich mit sich zu ziehen.





Wir setzen uns an Feuer, saugten die Wärme auf, die es spendete und genossen die Gegenwart des Anderen.
„Ich hoffe, dass es bald Frühling und damit wärmer wird. Ich kann es kaum erwarten mit dir in der Sonne zu sitzen.“ Sie rieb sich die Hände und ich musste mich zusammenreißen sie nicht zu berühren.
„Wärmer würde wohl schon reichen.“
„Für es Erste ja. Aber trotzdem würde ich viel lieber mit dir in der Sonne sitzen, als hier im Halbdunkeln im Wald an einem Feuer.“
„Und das wo ich mir so viel Mühe mit dem Ambiente gegeben habe. Ich dachte es gefällt dir.“ Ich seufzte übertrieben und sie stupste mich an.





„Natürlich gefällt es mir. Es ist so gemütlich auf der kalten Erde.“ Sie sagte es mit einem Lachen, aber es erreichte nicht ganz die Augen.
„Ich weiß“, meinte ich ernst. „Ich wäre auch viel lieber im Warmen, aber wir können uns nicht immer im Turm treffen.“
„Nicht, dass es da gemütlicher wäre. Schließlich ist dein Turm nicht mehr der Jüngste.“
„So wie ich meinst du wohl?“ Ich konnte es mir nicht verkneifen, sie ein wenig zu reizen.
„Du bist nicht alt, du bist nur Tot.“
„Au, das hat gesessen.“ Ich warf mich nach hinten, schloss die Augen und spielte tot.
Annabelle lachte herzlich. Ich öffnete vorsichtig ein Auge und schielte zu ihr rüber. Sie war wirklich fröhlich diesmal, aber ich spürte, dass sie schon wieder gehen musste.





Es war nur eine leichte Veränderung in ihrer Haltung, ihrer Stimme und ihren Augen. Sehr geringfügig, aber für mich leicht zu erkennen.
„Du musst schon wieder gehen oder?“ Ich fragte, obwohl ich die Antwort schon kannte.
Sie nickte und stand auf. Sie klopfte sich den Puderschnee vom Kleid und reichte mir die Hand. Ich stand ebenfalls auf und sie zog mich näher. Ich nahm sie in die Arme und diesmal ließ sie sich länger von mir festhalten. Wir sahen uns in die Augen und die Zeit blieb stehen.





Ich wollte sie endlich wieder küssen, aber ich hielt mich zurück. Auch wenn ich mir sicher war, dass sie mich nicht wieder wegstoßen würde, wollte ich sie nicht zu etwas drängen.
Doch sie war es leid zu warten, dass ich den ersten Schritt machte. Sie küsste mich und alles um uns herum wurde nebensächlich. Die Kälte, die nahende Dunkelheit, das Wissen, dass sie ihren Mann betrog. Ihre Lippen auf meinen und ihr Körper so nah an meinem, dass ich ihren Herzschlag spüren konnte. So schnell wie ein Vogel und doch so beständig.
Ich wollte nicht, dass der Moment endete, aber er musste es leider. Annabelle löste sich von mir.
„Ich muss jetzt wirklich gehen.“ Sie sah mich noch einmal an und machte sich dann auf den Weg. Kurz bevor sie zwischen den Bäumen verschwand, drehte sie sich noch mal zu mir um. „Wir sehen uns so bald es geht.“
„Ich kann es kaum erwarten.“





Ich war total verrückt danach mehr Zeit mit ihr zu verbringen. Es war die glücklichste Zeit in unser beider Existenz. Wann immer wir konnten, verbrachten wir Zeit zusammen. Es war nicht immer einfach einen Weg zu finden, aber wir fanden einen. Manchmal besuchte ich sie zu Hause, aber nur um ihr den Ort zu nennen an dem ich auf sie warten würde. Ich wollte nicht riskieren, dass Robert Wind davon bekam, dass seine Frau Zeit mit jemand anderen verbrachte.
Die Zeit verging mal langsam und mal viel zu schnell. Der lange Winter ging langsam zu Ende und ein nasser, kühler Frühling folgte.





Es war der erste schöne Frühlingstag in diesem Jahr. Es war warm und sonnig. Ich beschloss Annabelle zu besuchen, doch als ich bei ihr zu Hause ankam, war sie nicht da. Ich überlegte kurz und begab mich an den Fluss, an dem sie immer Wäsche wusch. Ich hatte Glück, mein Instinkt hatte mich richtig geleitet. Ich verließ mich immer mehr auf ihn, da ich mich weigerte meine Fähigkeiten einzusetzen, um sie aufzuspüren.
„Einen wunderschönen sonnigen Tag hübsche Frau“, begrüßte ich sie mit einer leichten Verbeugung.
Sie drehte sich zu mir um. In keinster Weise erschrocken darüber, dass ich da war. „Den wünsche ich Euch auch.“
„Ich dachte, ich überrasche dich heute mal. Das Wetter ist zu schön, um es mit Arbeit zu verbringen.“
„Da hast du ohne Zweifel Recht, aber ich muss leider die Wäsche machen. Aber danach habe ich sicher noch ein wenig Zeit.“
„Ich habe das zwar noch nie gemacht, aber ich helfe dir gerne.“





Es war seltsam, aber erstaunlicherweise machte ich die Wäsche nicht schmutziger als sie war. Eigentlich war ich sogar gut darin und schneller als erwartet waren Annabelle und ich fertig damit.
Wir ließen den Korb am Ufer stehen und setzen uns ins frische Gras. Es war noch etwas feucht, aber es fühlte sich gut an nicht mehr auf gefrorenen Boden zu sitzen.
„Vielen Dank für die Hilfe. Ohne dich wäre ich immer noch dabei.“
„Du brauchst dich nicht zu bedanken. Ich habe es rein aus egoistischen Gründen gemacht. Jetzt habe ich dich für eine Weile länger nur für mich und muss dich nicht mit dreckigen Unterhosen teilen.“





„Nun und was wirst du jetzt mit mir machen, wo du mich von diesen fiesen Wäscheteilen befreit hast?“
Ich griff zu ihr rüber und zog sie an mich. „Erstmal nur hier mit dir liegen und die Sonne genießen. Das war es doch was du vor ein paar Wochen wolltest.“
Sie kuschelte sich an mich und strich mit den Fingern sanft über meine Brust. „Ich dachte, du handelst aus egoistischen Gründen und jetzt sagst du, dass du es für mich gemacht hast. Ist das nicht ein Widerspruch?“
„Ganz und gar nicht. In dem ich dich glücklich mache, bin ich glücklich.“
„Dann bin ich auch ein Egoist.“ Sie lehnte den Kopf an meine Schulter und ich drückte einen leichten Kuss auf ihr Haar.





Wir lagen schweigend im Gras, genossen die Nähe des Anderen. Die Sonne strahlte auf uns herab und entschädigte uns für die Kühle vom Boden. Mir machte die Kälte ja nichts aus, aber ich wusste, dass Annabelle trotz den wärmenden Strahlen bald anfangen würde zu frieren.
„So schön es auch ist, wir sollten bald aufstehen“, meinte ich nach einer Weile.
„Ich denke wir sollten noch liegen bleiben. Es ist so schön.“
„Aber...“
„Nein, kein Aber. Es ist wundervoll hier mit dir zu sein und die Sonne auf dem Gesicht zu spüren. Da macht die Kälte gar nicht so viel aus.“
„Aber du musst doch frieren?“





„Ein wenig“, gab sie zu.“
„Vielleicht gibt es dafür eine Lösung.“ Mit den Worten zog ich sie halb auf mich. Sie lachte nur. „Und besser so?“
„Geringfügig. Besonders warm bist du auch nicht.“
Ich hatte vergessen, dass auch ich Kälte ausstrahlte. „Tut mir Leid.“
„Braucht es nicht. Es stört mich nicht sonderlich. Es gehört halt zu dir.“ Sie schmiegte sich an mich, doch ich merkte das die Stimmung anfing zu kippen. Wenn das geschah, wusste ich, dass sie bald gehen würde. Aber diesmal wollte ich sie länger bei mir haben. Ich wollte noch nicht, dass sie ging. Ich wollte nicht wieder allein sein, mit nichts mehr als meiner Arbeit. Ich war eben doch ein größerer Egoist als sie.





Doch natürlich konnte ich nicht riskieren, dass sie zu lange bei mir blieb. Schließlich wusste ich ja um ihren nicht so verständnisvollen Ehegatten. Also ließ ich zu, dass sie aufstand und sich langsam bereit machte, wieder zu gehen.
„Ich wünschte es wäre nicht so. Ich wünschte, ich müsste nicht gehen. Aber...“
„Ich weiß.“
Sie nahm meine Hand und beugte sich vor, hauchte mir einen Kuss auf die Wange. „Damit du mich nicht vergisst.“
„Das würde ich niemals.“ Ich drückte ihre Hand ein wenig fester und in dem Moment hörte ich ein Geräusch. Noch war es weit weg, aber ich erkannte die Schritte.
Ich ließ ihre Hand los und zeigte ihr, dass sie still sein sollte.




Sie verstand mich sofort. Ohne auch nur noch einmal zu mir zu sehen wandte sie sich wieder zu ihrem Wäschekorb zu. Und das nicht eine Sekunde zu früh. Ich hatte mich verschätzt. Robert war viel schneller gewesen als ich gedacht hatte.
„Was brauchst du hier denn so lange?“ fuhr er sie an. „Ich warte schon seit Stunden darauf, dass du wieder kommst. Hatte ich dir nicht gesagt, dass du dich beeilen sollst?“
„Es tut mir lei...“ versuchte Annabelle sich zu entschuldigen, aber Robert dachte nicht daran, sie ausreden zu lassen.
„Wage es ja nicht dich noch einmal dich meinen Anordnungen zu widersetzen“, brüllte er sie an. „Ich will keine Entschuldigungen mehr von dir hören. Und jetzt komm gefälligst mit. Wir haben noch viel zu 'besprechen'.“


*Fortsetzung folgt*
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Alt 25.03.2016, 22:49   #116
Cindy Sim
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Oh, das ging aber schnell!
Auch wieder eine sehr schöne, harmonische Fortsetzung.
Bis auf das Ende.
Aber ich fürchte, so schön wird es nicht lange weiter gehen? Habe schon Angst davor, was als Nächstes kommt.
Cindy Sim ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.03.2016, 11:59   #117
Llynya
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Ja, ich habe geraden einen Lauf und ganz viel Inspiration. Vielleicht hat sich in der langen Pause alles angesammelt.
Doch es ist noch harmonisch. Aber es ist ja auch eine Liebesgeschichte, da gibt es eben auch mal gute Zeiten.
Stimmt, wenn es immer so harmonisch weiter geht, dann wäre es ja langweilig.
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Alt 27.03.2016, 17:03   #118
Tigerkatze
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Danke Llynya für die Fortsetzung.
So schön, das den beiden auch mal ein wenig Ruhe und Gemeinsamkeit gegönnt wird
Bin schon gespannt was noch kommt.
(ach, kann man dem nervigen Ehemann nicht so ein bisserl was unter den Tee mischen? dann kann ihn der "Tod" holen und alles ist gut )
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Alt 27.03.2016, 18:38   #119
Llynya
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Gerne doch. Ich habe im Moment einfach so viel Spaß mit der Geschichte.
Die Beiden habe es einfach auch verdient. Mussten ja lange genug leiden.

Um den nervigen Ehemann wird sich schon irgendwann noch gekümmert, aber leider kann der Tod ja niemanden holen, dessen Zeit noch nicht abgelaufen ist.
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Alt 01.04.2016, 19:09   #120
Llynya
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How do you love in a house without feelings?
How do you turn what the savage tame?
I've been looking for someone to believe in
Love me, again and again
(Razorlight – Wire to Wire)





Es war wie ein Weckruf. Wir hatten uns zu sicher gefühlt. Robert konnte immer und überall auftauchen und es war sein Recht. Annabelle war seine Ehefrau und sie gehörte ihm.
Wir konnten uns nur noch an wenigen Tagen sehen, denn Robert hatte seine Augen ständig auf sie gerichtet. Doch bei manchen Gelegenheiten war Annabelle alleine.
Nun nicht ganz: sie hatte mich. Ich nutzte es immer aus, wenn sie Roberts Klauen entkommen konnte. So kam es auch, dass wir uns an ungewöhnlichen Orten trafen.
An diesem Tag war es die Kirche. Ich wusste nicht, was Annabelle hier wollte, aber es war mir auch egal. Hauptsache ich konnte bei ihr sein.





„Annabelle, was machen wir hier?“ Fragte ich sie, während sie den Weg zur Eingangstür der Kirche entlangging.
„Das wirst du schon sehen.“ Kam ihre nicht sehr informative Antwort. Ich zuckte mit den Achseln und folgte ihr ergeben. Sie öffnete die schwere Kirchentür und betrat den nur leicht erleuchteten Vorraum, wo niemand zu sehen war.
Ich war schon einmal hier gewesen, vor gar nicht allzu langer Zeit und erinnerte mich an den alten Priester, den ich auf die andere Seite begleitet hatte. Mir lief ein Schauer über den Rücken, vielleicht war es eine Vorahnung.





Sie ging in die Kirche und setzte sich auf eine der vorderen Bänke. Wir waren die einzigen Besucher an dem Tag. Der große Raum war leer und strahlte Ruhe aus. Wir konnten diese Stille nicht durchbrechen, denn auch wenn keine Besucher da waren, konnten doch die Priester ganz in der Nähe sein.
Und trotzdem war ich zufrieden damit mit ihr da zu sitzen. Ich versuchte ihre Stimmung zu lesen, aber alles was ich spürte war die ehrwürdige Atmosphäre, die der Raum ausstrahlte. Von ihr kam nichts. Sie sah mich auch nicht an, sondern hielt den Blick starr auf den Altar gerichtet. Ich wunderte mich immer mehr, was wir hier taten. Aber ich traute mich nicht, noch einmal zu fragen. Geduldig wartete ich auf eine Aufklärung.





Ein wenig Zeit verging, dann öffnete sich eine der hinteren Türen und wir hörten Schritte auf uns zukommen.
„Annabelle, wie schön Euch zu sehen. Ihr wart schon lange nicht mehr hier. Wir haben Euch vermisst.“ Der Geistliche schien sich wirklich über ihren Besuch zu freuen.
„Ich war sehr beschäftigt in der letzten Zeit.“ Annabelle klang wirklich, als würde sie die Nachlässigkeit bedauern. Ich war überrascht, ich wusste nicht, dass sie sonst regelmäßig her kam.
„Das haben wir uns schon gedacht. Aber Ihr wisst ja, der heilige Geist ist geduldig.“
„Ja, das ist er wirklich.“ Annabelle lächelte den Priester an. „Ich bin hier, weil ich fragen wollte, ob ich den hinteren Friedhof besuchen darf? Ich weiß, ich bin lange nicht mehr hier gewesen, aber ich würde so gerne ein wenig Zeit dort verbringen.“





„Aber natürlich. Ihr wisst doch, dass Ihr nur zu fragen braucht. Ich schließe Euch gleich die Tür auf.“ Der Geistliche machte sich sogleich daran, die hintere Tür der Kirche aufzuschließen. Annabelle folgte ihm und ich ihr. Verwundert darüber, warum ein Friedhof abgeschlossen war. Normalerweise waren diese Plätze der Öffentlichkeit immer zugänglich.
„Vielen Dank.“
„Gerne doch, nehmt Euch so viel Zeit wie Ihr braucht.“ Der Priester nickte ihr kurz zu und ließ sie dann alleine.
Sie trat hinaus in das Sonnenlicht. Nach dem Halbdunkel der Kirche tat die Helligkeit schon fast in den Augen weh. Annabelle seufzte kaum das sie einen Schritt hinaus gemacht hatte.





Sie ging durch den Rosenbogen direkt auf eines der Gräber zu. Der ganze Friedhof war gepflegt. Man sah, dass die Männer der Kirche sich liebevoll um dieses Stück kümmerten. Vor jeden Grab standen angezündete Kerzen und nicht ein Fitzelchen Unkraut wuchs auf den Gräbern.
Ich fragte mich, was wir hier wollten und das Gefühl, das etwas Unerwartetes passieren würde, ließ mich nicht los.
„Warum sind wir hier? Und was ist das hier für ein Platz, dass er abgeschlossen wird?“ Ich konnte meine Neugier nicht weiter unterdrücken.
„Hier liegen die Menschen, deren Familien es sich leisten können, die besondere Pflege der Geistlichen zu bezahlen. Die Priester haben schon lange erkannt, dass die Kollekte nicht reicht, um alle Missstände der Baronie zu richten. Um den wirklich armen Menschen hier zu helfen, nehmen sie Geld von den trauernden Hinterbliebenen. Den Reichen, die niemals einfach so für die Armen Geld spenden würden.“





„Hm“, meinte ich nur und sah mich um. Es war wirklich gepflegt hier und so friedvoll. Ich konnte verstehen, dass man diesen Platz hier den normalen Friedhöfen vorzog. Vorausgesetzt man konnte sich das Leisten. Das sah den Priestern ähnlich, sich diesen Dienst bezahlen zu lassen. In dieser Welt machte niemand etwas umsonst.
„Ich weiß, moralisch gesehen ist es vielleicht auch nicht richtig. Aber sie machen es aus den richtigen Gründen. Sie helfen wirklich denen, die sich sonst nicht helfen können.“
„Hm“, konnte ich nur wiederholen.
„Ich komme gerne her. Hier ist so ruhig und man ist ungestört. Den meisten Menschen ist es nicht gestattet hier her zu kommen. Nur denjenigen, die hier Verwandte liegen haben, ist es jederzeit gestattet. Nur tun sie es nicht sonderlich oft, meistens an Feier- oder Todestagen.
Mir ist gestattet her zu kommen, weil ich als Kind freiwillig bei den Gottesdiensten geholfen habe.“





„Hm“, machte ich zum dritten Mal. Annabelle grinste und schlug mir spielerisch auf den Arm.
„Warum setzen wir uns nicht auf die Bank und ich versuche zu erklären, warum ich mich heute mit dir hier treffen wollte.“
„In Ordnung. Ich bin schon gespannt.“
Die Bank war hart und kühl, aber der Ausblick machte das wieder wett.
„Ich habe nachgedacht“, fing sie nach ein paar Minuten Schweigen an. „Über uns und unsere Situation. Es kann so nicht weitergehen. Wir haben in letzter Zeit sehr viel Glück gehabt, aber das kann nicht ewig anhalten. Ich will nicht sagen, dass ich dich nicht mehr sehen will. Die Götter mögen mich davor bewahren, diesen Fehler noch einmal zu machen.“ Sie lächelte mich an. „Aber es wird immer schwerer vor Robert zu verstecken, wie glücklich ich bin.“
Ich sah sie an, sprachlos.





„Hier ist ein Ort, an dem Robert mich nie vermuten würde. Daher dachte ich mir, hier ist der richtige Platz um wirklich ungestört zu sein.“
„Ich weiß, wie schwer es für dich ist...“
„Nein, das glaube ich nicht. Robert lässt mich kaum noch aus den Augen. Er bewacht mich, wie ein Hund seine Hütte. Ich weiß nicht warum er das tut. Was der Anlass dafür ist, aber ich vermute, dass es damit zu tun hat, dass ich in den letzten Wochen so ausgewechselt bin. Nicht, dass ich mich darüber beschweren will. Ich würde unsere gemeinsame Zeit um nichts in der Welt eintauschen. Aber leider macht es meine Situation zu Hause nicht einfacher.“
„Aber was können wir tun? Ich weiß nicht, wie ich dir helfen soll. Ich kann nichts gegen Robert unternehmen.“
„Das weiß ich doch und ich will auch gar nicht, dass du dich in meine Ehe einmischt. Das ist etwas womit ich alleine umgehen muss.“





„Aber ich will mich einmischen. Ich kann es nicht ertragen, wie er dich behandelt. Auch wenn er angeblich jedes Recht dazu hat, weil er dich geheiratet hat.“
„Danke dir, aber...“
„Nein, ausnahmsweise akzeptiere ich diesmal kein Aber. Wir werden zusammen damit fertig werden.“
Sie sah mich an, als würde sie mich zum ersten Mal sehen. „Vielleicht hast du Recht.“
„Nicht nur vielleicht. Du hast es selbst gesagt: alleine kannst du nicht damit fertig werden.“
„Ja, das habe ich gesagt, aber ich wollte nie, dass du in meine Probleme mit Robert reingezogen wirst. Ich dachte immer, ich könnte dich von diesem Teil in meinem Leben fernhalten. Damit ich wenigstens eines habe, was gut und richtig ist. Aber da war ich wohl einfach naiv.“
„Vielleicht ein bisschen.“





„Du bist dir sicher, dass du mir beistehen willst?“ Ihre Stimme war angespannt und ihr Blick glühte vor Intensität. Wie konnte ich da irgendetwas anderes als „Ja“ sagen. Sie nickte zufrieden.
„Ich weiß noch nicht, wie ich es anstellen soll, aber Robert muss verschwinden. Ich glaube nicht, dass ich es noch lange mit ihm in einem Haus aushalte.“ Da war er wieder, der Stahl in ihrer Stimme. Ich konnte mir denken, an was für eine Lösung sie dachte und ich schauerte.
„Was hast du vor?“
„Noch bin ich mir nicht sicher, was die beste Lösung wäre. Es gibt trotz allem Hass ihm gegenüber immer noch so viel zu bedenken. Schließlich hat nur die vermaledeite Hochzeit mit ihm meinen Hof vor dem Verkauf bewahrt. Zuerst muss ich also eine Lösung finden, den Hof zu behalten und dann kann ich mich um das Problem Robert kümmern.“





„Zuerst müssen wir uns um eine Lösung für den Hof kümmern und dann müssen wir eine Möglichkeit finden, mit Robert fertig zu werden“, korrigierte ich sie.
Sie nahm meine Hand in ihre. „Verzeih, du hast Recht.“
„Was können wir tun, damit du den Hof behalten kannst? Ich kenne mich mit den gerade herrschenden Gesetzen nicht aus.“
„Die Gesetze haben damit wenig zu tun. Es liegt eher daran, dass sein Name unsere Gläubiger ruhig gestellt hat. Meine Mutter und ich konnten die Abgaben nicht mehr zahlen nach Vaters Tod und meine Heirat mit Robert hat die Meisten ruhig gestellt. Auch wenn er sein Vermögen verloren hat, hat er immer noch einen Namen.“
„Aber jetzt ist es auch dein Name, reicht das nicht schon?“
„Nein, nicht wenn Robert nicht mehr da ist. Dann bin ich ein Niemand.“
„Du kannst niemals ein Niemand sein.“





„Für dich vielleicht, aber für meine Gläubiger bin ich nur die Ehefrau von Robert und davor war ich nur die ledige Tochter. Eben ein Niemand. Ich brauche eine Lösung dafür.“
„Würde das Problem nicht weggehen, wenn du die Gläubiger auszahlst?“
„Wenn ich das könnte, hätte ich es schon längst getan. Aber weder Robert noch meine Mutter halten es für angebracht, dass ich mich um die Finanzen kümmere. Daher kann ich nichts tun, um das Geld vom Hof aus aufzutreiben.“
„Das ist ein... da kommt jemand.“ Annabelle hörte sofort auf meine Hand zu halten und sah binnen eines Augenblicks für einen Außenstehenden so aus, als würde sie nur die Ruhe des Ortes genießen.
„Meine Liebe, es wird langsam Zeit. Die Sonne wird bald untergehen und es ist nicht mehr so sicher wie früher auf den Straßen.“ Der Priester warf sie also raus.
„Ihr habt Recht. Ich bin schon zu lange hier gewesen, aber es ist einfach zu schön hier.“ Annabelle stand auf.
„Ihr könnt jederzeit wiederkommen. Für Euch ist die Tür immer offen.“





„Vielen Dank. Ich weiß die Ehre wirklich zu schätzen.“ Der Geistliche begleitete sie zur Tür und ich folgte den Beiden.
„Es wäre uns eine Freude, wenn Ihr diese Ehre öfter in Anspruch nehmen würdet.“
„Wenn es meine Zeit erlaubt, werde ich sicher bald wieder her kommen.“
Sie hatten die äußere Tür der Kirche erreicht.
„Ich wünsche Euch einen sicheren Heimweg. Passt gut auf Euch auf.“
„Danke und Euch noch einen angenehmen Abend.“ Annabelle reichte ihm die Hand zum Abschied. Der Händedruck war nur kurz und so bedeutungslos wie dieses Ritual immer war. Kaum hatte sich die schwere Kirchentür geschlossen,machte sie sich auf den Heimweg.
„Wir sehen uns bald wieder. Ich muss jetzt wirklich heim.“ raunte sie mir noch zu und ging schnellen Schrittes auf den Torbogen zu.





„Soll ich dich nicht besser begleiten? Der Kirchenmann hatte Recht, die Straßen sind wirklich nicht mehr so sicher, wie sie es einst waren.“
„Nein, danke. Ich denke ich wäre jetzt lieber alleine. Ich muss nachdenken.“
Sie ließ mich stehen und eine kalte Hand legte sich über mein Herz. Das ganze Gespräch heute hatte auch mich nachdenklich gemacht. Nicht darüber, wie man Robert stoppen konnte, sondern eher darüber was diese Möglichkeit aus Annabelle machen würde. Mir war klar, dass sie früher oder später planen würde, ihn endgültig aus dem Weg zu räumen. Und ich wusste, dass dieser Weg unsere Beziehung und sie für immer verändern würde.


*Fortsetzung folgt*
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Alt 15.04.2016, 19:18   #121
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Sie war nicht die Einzige, die nachdenken musste. Das ganze Gespräch auf dem Friedhof hatte auch mich dazu gebracht. Weder wollte ich, dass sie selbst Robert etwas antat noch wollte ich, dass sie jemand anderen dafür beauftragte. Denn das war es worauf es letztendlich hinauslaufen würde. Annabelle würde früher oder später versuchen den ungeliebten Ehemann für immer loszuwerden. Und das konnte ich nicht zulassen. Nicht ehe seine Zeit abgelaufen war.
Während ich die wenigen Möglichkeiten, die ich hatte immer wieder durchspielte, machte ich meine Arbeit. Doch ich war nicht mit dem Herzen dabei. Die jahrhundertelange Routine half mir dabei, die Seelen sicher auf die andere Seite zu bringen, denn mein Kopf war mit möglichen Lösungen gefüllt, die alle nicht durchführbar waren.





Die verschiedenen Leute, die auf die andere Seite brachte, spürten nichts von meinem Dilemma. Und weil ich auch nach Tagen nicht einen Schritt weiter war, versuchte ich mich mehr auf die Menschen zu konzentrieren. In der Hoffnung das mir deren Leben einen Weg eröffneten wie ich Annabelle helfen konnte und sie gleichzeitig davor bewahren konnte, ein Mensch zu werden, den sie irgendwann hassen würde.
Ich hoffte nur, dass ich Zeit genug hatte. Schließlich musste sie erst das Problem mit dem Hof lösen, ehe sie sich um den Mistkerl kümmern konnte. Ich hatte ihr versprochen zu helfen und das wollte ich auch tun. Und wenn meine Hilfe nur daraus bestand, sie vor sich selbst zu schützen.





Die Zeit verging und ich hatte keine Nachricht von Annabelle erhalten, wann und wo wir uns das nächste Mal sehen konnte. Wann immer ich kurz bei ihr erschien, schüttelte sie den Kopf. Robert war immer um sie herum, beobachtete sie und ließ sie nicht eine Sekunde allein. Es war frustrierend.
An einem Abend holte ich einen noch relativ jungen Mann, der sich aus Versehen selbst vergiftet hatte. Die Armut hatte ihn dazu getrieben Pilze im Wald zu sammeln und leider hatte einen erwischt, der nicht so essbar war wie er gedacht hatte. Seine Seele wollte noch nicht aufgeben, doch er hatte keine Chance. Ich nahm ihn mit auf die andere Seite.
Und doch hatte ich in dem Moment als ich seine Essenz in mir aufnahm, eine Idee, die vielleicht eine Lösung für meine Zwickmühle war.





Alles was ich brauchte war ein wenig Geduld, dann würde sich schon die Gelegenheit ergeben, wie ich die Seele von Annabelle retten konnte. Es war schon ein wenig Ironie in dem Gedanken, dass ausgerechnet ich versuchen würde eine Seele auf der Seite des Lichts zu halten, anstatt sie auf die andere Seite zu bringen.
Ich wartete in der lokalen Taverne. Ich wusste, dass ich früher oder später dort erfolgreich sein würde.
„Und du denkst wirklich, dass Sir Georg sich darauf einlässt? Ich habe gehört, dass er sich immer mehr auf den Neuen verlässt und solange der nicht mitmacht, haben wir keine Chance.“
„Was ist, wenn ich euch sage, dass er gerade auf den Weg hierher ist.“





„Wie hast du das denn geschafft?“
„Ich habe ihm nur ein paar Bier versprochen und nichts anderes.“
Das Gespräch plätscherte an mir vorbei. Ich wusste zwar, dass es um den Rivalen von Robert ging und ich eigentlich dem Gerede mehr Aufmerksamkeit schenken sollte, aber ich konnte nicht. Meine gesamtes Augenmerk war auf die Tür gerichtet, wo ich jeden Moment mit denjenigen rechnete auf den ich wartete. Ich musste ihn hier abpassen, denn für das was ich vorhatte, musste ich ein wenig Zeit mit ihm verbringen.





Es dauerte nicht lange, ehe Hugh erschien. Er betrat die fast leere Taverne und für einen Moment war es still in dem Raum. Die wenigen anderen Gäste schauten kurz zur Tür und nahmen dann ihre Gespräche wieder auf. Die Männer an vorderen Tisch allerdings nicht. Sie warteten darauf, dass sich der Assassine zu ihnen setzte. Ich wartete weiter an die Wand gelehnt, wartete darauf, wie das Gespräch verlaufen würde.
„Nun, wo ist das Bier?“ War seine erste Frage und schon stand ein Krug vor ihm. Er nahm einen tiefen Schluck und stellte den Becher wieder vor sich hin. „Also, warum bin ich hier? Ihr könnt mir nicht erzählen, dass ihr mich nur zum Trinken einladen wolltet.“
„Nein, natürlich nicht. Wir möchten Sir Georg etwas vorschlagen.“
„Und warum macht ihr das dann nicht? Hält euch doch keiner von ab.“ Hugh nahm einen weiteren Zug aus dem Becher. Das war nicht gut. Ich brauchte ihn nüchtern.





„Nun ja...“, stammelte der Mann neben ihm.
„Nun spuckt schon aus. Was wollt ihr vom Boss?“ Ein weiterer Schluck.
Einer der Männer auf der anderen Seite des Tisches mischte sich ein. „Es geht um die Patrouillen. Wir brauchen einen neuen Plan.“
Hugh sah den Mann misstrauisch an. „Warum? Wollt ihr euer eigenes Ding drehen? Das ist keine gute Idee. Darauf lässt er sich niemals ein.“
„Nein, nein. Darum geht es nicht. Wir wollen einfach nur die Nachtschicht, weil die Damen, die wir sehen nur Tagsüber frei sind.“
Hugh lachte. „Ihr wollt die Nachtschicht, damit ihr eure kleinen Liebschaften weiter fortführen könnt. So eine beschissene Ausrede habe ich schon lange nicht mehr gehört.“
„Das ist die Wahrheit. Wir wollen sonst auch nichts anderes. Ich schwöre.“





Hugh nahm noch einen letzten Schluck aus dem fast leeren Krug und stand dann auf. „Vielen Dank für das Bier. Ihr könnt gerne versuchen mich nochmal zu bestechen, wenn ihr mit einer besseren Geschichte aufwarten könnt. Guten Abend die Herren.“
„Wartet...“, rief ihm noch einer der Männer hinterher, aber Hugh blieb nicht stehen.
Ich folgte ihm hinaus in die Nacht. Es hatte anscheinend geregnet, denn überall waren Pfützen auf dem Boden, doch der Himmel war schon wieder wolkenlos.
Der Assassine verlangsamte seine Schritte nicht, obwohl ich mir sicher war, dass er meine Anwesenheit spürte. Ich folgte ihm den ganzen Weg bis zu seiner Hütte. Es überraschte mich ein wenig, dass er immer noch dahin zurückkehrte, obwohl er doch bei dem anderen Lord angestellt war.





In seiner Kate angekommen schloss er die Tür ab und warf sich auf sein Bett. Er machte sich noch nicht mal mehr die Mühe Licht anzuzünden. Ich setzte mich ihm gegenüber.
„Ich brauche deine Hilfe.“
Hughs einzige Reaktion war eine leichtes Schaudern.
„Ich habe ein Problem und ich fürchte, du bist der Einzige der mir helfen kann. Mal wieder.“
Nichts, außer das er ein wenig auf der Bettdecke herumrutschte, um sich bequemer hinzusetzen.
„Es tut mir Leid, dass ich jedes Mal zu dir komme, wenn ich nicht mehr weiterkomme. Aber du bist der Einzige, dem ich trauen kann.“
Ein leichtes Zucken des Kopfes in meine Richtung.
„Es geht um die junge Frau, der du gesagt hast, dass sie sich von mir fernhalten soll.“





Er setzte sich ein wenig auf.
„Ich muss sie davon abhalten, das zu tun worin du Meister bist.“
Hugh drehte sich ein wenig in meine Richtung.
„Daher muss ich dich bitten, dass du etwas tust, wovon ich nie gedacht habe, dass ich das einmal sagen werde.“
Er zog die Beine an und lehnte sich gegen die Wand.
„Ich möchte, dass du Robert vor ihr beschützt.“
Sein Kopf drehte sich endgültig in meine Richtung.
„Verstehe das nicht falsch. Ich hasse ihn mehr als alles andere. Ich will das alleine nur für sie und das ist die größte Ironie die es geben kann.“
Er sah mich an und doch durch mich durch.
„Niemals wäre mir in den Sinn gekommen, dass ich irgendwann einmal diesen Mistkerl schützen würde. Aber leider muss es sein.“





Hugh stand auf und ging direkt an mir vorbei.
„Seine Zeit ist noch nicht abgelaufen und ich kann nicht zulassen, dass jemand mit dem natürlichen Lauf der Dinge herumpfuscht.“
Er stellte sich vor das Wasserfass und wusch sich die Hände.
„Ich kann nicht riskieren, dass die Mächte auf diese vertrackte Situation aufmerksam werden.“
Ich stellte mich neben ihn.
„Ich kann nicht erlauben, dass ich Robert holen muss. Es darf nicht sein.“
Er schüttelte sich die Hände trocken.
„Vor allem darf Annabelle nicht diejenige sein, die seinen Tod verursacht.“





„Du scheinst sie ja wirklich zu lieben.“
Ich blinzelte und Hugh lachte. „Jetzt bist du wohl endlich ruhig. Ich gedenke nicht dir zu helfen und jetzt verschwinde.“
„Du kannst mich hören und sehen?“ Ich war verwirrt.
„Sehen? Nein. Hören? Ja, verdammt. Und jetzt nimm dein Gejammer und verschwinde. Ich brauche nicht noch mehr Liebesdrama in meinem Leben. Davon habe ich genug gehabt.“
„Bist du denn gar nicht neugierig?“
„Warum sollte ich neugierig sein? Neugier brachte noch nie etwas Gutes. Einige behaupten sogar, dass sie Katzen umbringt.“
„Stellst du dir nicht die Frage, wer ich bin und warum du mich nicht sehen kannst, aber hören? Ist da nicht ein Funken Interesse?“ Ich wollte nicht aufgeben. Ich musste ihn dazu bringen mir zu helfen. Eine andere Möglichkeit hatte ich nicht.





„Du bist Lucien. Das hast du doch gerade eben noch gesagt in deiner Tirade darüber wie du deiner Liebsten helfen kannst. Nein, warte, wie ich deiner Liebsten helfen kann.“ Er grinste. „Und warum ich dich nicht sehen kann, nun ich denke mal, dass du einfach nicht bereit bist, dich zu zeigen. Und nein, ich will mich nicht da mit reinziehen lassen. Ich habe schon genug eigene Probleme.“
„Aber ein paar deiner Sorgen, haben ebenfalls mit Robert zu tun. Wäre das nicht ein Grund mir zu helfen?“
Er stutzte. Ich konnte sehen, wie sein Verstand versuchte mein Argument zu entkräften.
„Hm, vielleicht und sich sage nur vielleicht, ist da etwas dran. Mir ist auf jeden Fall gerade so einiges klar geworden. Ich wusste, dass Robert eine Frau hat, aber ich wusste nicht, wer sie ist. Vielen Dank für die Information.“





„Ich bitte dich inständig: hilf mir und hilf ihr. Sie ist unschuldig und ich möchte wirklich, dass es so bleibt.“
„Niemand ist unschuldig.“
„Bitte. Ich möchte wirklich versuchen, dir zu erklären, warum du mir helfen sollst. Ich schwöre, du wirst es nicht bereuen und alles was es dich kostet ist ein wenig deiner Zeit.“ Ich sah ihn an während er überlegte, versuchte abzuwägen ob sich eine Zusammenarbeit lohnt. Ich konnte nur warten, wie seine Entscheidung ausfallen würde.
„Also gut, erzähl. Ein wenig Zeit kann ich erübrigen.“ Er stellte sich mit verschränkten Armen vor mich, ohne zu wissen, dass ich vor ihm stand.
Ich atmete noch einmal tief durch, traf eine Entscheidung und fing an zu erzählen.





„Mein Name ist nicht Lucien. Um ehrlich zu sein, ich habe keinen Namen, denn ich bin der Tod und glaube mir oder nicht, du arbeitest schon dein ganzes Leben für mich ohne es zu wissen...“
Die Sonne ging schon langsam auf, als ich fertig war mit der Geschichte. Ich ließ nur weniges aus. Ich brauchte Hugh und ich wusste, ich konnte ihn nur mit Ehrlichkeit überzeugen mit mir zu arbeiten.
„...Und jetzt brauche ich deine Hilfe und ich bitte dich diesmal vollkommen offen darum. Wirst du mir helfen?“
Stille, die ewig zu dauern schien. Er hatte sich nicht einmal bewegt.
„Komm morgen wieder. Dann kann ich dir eine Antwort geben.“ Seine Stimme war belegt und ich hörte die Erschütterung über meine Enthüllung darin.
„Das werde ich.“ Ich nickte ihm nochmal zu, obwohl er das nicht sehen konnte und dann verschwand ich.


*Fortsetzung folgt*
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Alt 18.04.2016, 23:13   #122
Malve
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Es ist einfach Wahnsinn wie toll deine Bilder sind. Soviel Liebe zum Detail.

Die Geschichte ist auch super, ich bin froh das ich sie entdeckt habe!

Gruß
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Alt 19.04.2016, 15:10   #123
Llynya
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Huhu Malve

Danke für das Kompliment. Ich bau halt einfach gerne Wälder.

Mich freut es auch, dass du die Story entdeckt hast. Ich freu mich immer über jeden Leser!
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