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Alt 25.01.2014, 00:37   #51
Taurec
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Ich, dass Raumschiff

Ein grauer, wolkenverhangener Planet ist das, auf den man mich verfrachtet hat. Er hat den durchaus passenden Namen Schrotthalde. Seit Jahrhunderten liege ich nun auf diesem gottverlassenen Planeten. Hier, inmitten von zehntausenden anderen Schiffswracks, liege ich nun und warte auf das Ende. Die einzige Ablenkung, die sich bietet, sind die neuen Schiffswracks, die hier abgeladen werden. Ansonsten passiert hier nichts. Gar nichts. Und so ist es nicht verwunderlich, wenn ich immer wieder meine Existenz Revue passieren lasse... Ein immer wiederkehrender Kreislauf, der so lange andauern wird, bis auch die letzte Energiequelle verbraucht sein wird. Und das kann noch Jahrtausende dauern, denn ein reines Rechengehirn wie ich braucht nicht viel Energie...

22. Mai 3734:
Ich erwache. Am Anfang ist alles ungewohnt. Ich nehme noch Wissen in mich auf. Eine Unmenge an Daten strömt in meine Speicher. Ich bin ein Raumschiff. Genauer gesagt: Ein schwerer Militärtransporter des Typs BISON III. Ich lerne den Unterschied zwischen biologischem Leben (der Besatzung) und kybernetischem Leben (Ich und meine Kinder). Den faktischen Unterschied zu begreifen ist nicht schwer, aber es gibt auch Gemeinsamkeiten:
Ich habe einen Körper, so wie die Biologischen auch. Mein Rumpf ist eben keine Haut, sondern besteht aus einer molekularverdichteten Panzerstahllegierung, die in vierfacher Wabenstruktur aufgebaut ist. Meine Arme sind Traktorstrahlen, Hochenergiegeschütze und Raketenwerfer. Meine Beine sind Gravotriebwerke und Überlichtkonverter. Ich habe Augen (Tiefenraumsensoren) und Ohren (Passivsensoren). Ich habe auch einen Tastsinn (Licht- und überlichtschnelle Orter und Taster). Mein Magen besteht aus Energiekonvertern, welche aus nahezu allem, was in sie befördert wird, Energie umwandeln können und ich habe ein Herz, welches die Energie nutzbar macht und damit verbunden auch einen Kreislauf, welcher sie transportiert.
Und ich habe ein Gehirn, mit dem ich registrieren, denken und reagieren kann. In allem, was frei von Gefühlen (welch ein seltsames Wort) ist, bin ich jedem Biologischen gnadenlos überlegen. Man hat mir das Wissen um die Existenz von Gefühlen eingegeben und die Fähigkeit, diese zu simulieren, weil sich die Biologischen dann besser fühlen. Doch empfinden kann ich sie nicht - Zumindest denken die Biologischen das.

Schon bald nach meiner Fertigstellung werde ich auch in den Dienst gestellt. Damit beginnt eine aufregende Zeit. Ich weiß nicht, warum das so ist, aber die Biologischen sind die meiste Zeit ihrer Existenz in Kriege verwickelt. Ich verstehe nicht, warum das so ist, denn sie sind doch alle biologisch. Ob es an den Gefühlen liegt? Welch eine seltsame, unberechenbare Erscheinung. Ich würde zum Beispiel niemals auf die Idee kommen, Wesen anzugreifen, die auf Wasserstoffplaneten, statt Sauerstoffplaneten leben. Wo ist da der Sinn? Meine Biologischen können mit deren Welten nichts anfangen, und deren Biologische mit den unseren nichts. Rohstoffe und Einflussbereiche? Ich bitte Dich... Das Universum ist so riesig, selbst unsere kleine, bescheidene Galaxis bietet mehr Platz und Welten, als alle Rassen in Jahrmillionen besiedeln könnten.

Doch ich sollte mir darüber keine Gedanken machen. Ich muss nur funktionieren. Und das tue ich. Ich nehme Teil an vielen Einsätzen. Die Gegner wechseln genauso, wie meine biologischen. Ein weiterer Nachteil der Biologischen: Sie altern. Und sie sterben schnell, viele meiner Biologischen erreichen niemals ihre natürliche Altersgrenze. Sie sterben meist im Kampf. Als schwerer Militärtransporter werde ich meist für Landeunternehmen auf feindlichen Planeten oder Weltraumbasen eingesetzt.
Aus diesem Grunde verfüge ich über sehr starke Schutzschirme und eine dicke Panzerung. Alles in mir ist robust und solide ausgelegt. Ich funktioniere sogar dann noch, wenn man mich mit Strahlschüssen durchsiebt hat und selbst ohne jede biologische Besatzung kann ich noch handeln. Und ich habe viele Kinder, die mich notfalls zusammenflicken können. Du willst wissen, wie ein Raumschiff Kinder haben kann? Was für eine Frage, natürlich können sie! Ich habe unzählige kleine Kinder und einige größere. Ach sooo... Ja, ihr Biologischen nennt sie Roboter, Gleiter und Beiboote.

Doch diese aufregende Zeit geht bald zu Ende. Nach 200 Jahren Dienst in der Flotte werde ich ausgemustert. Die Technik ist fortgeschritten, neue Schiffsentwürfe haben mir den Rang abgelaufen und zudem befinden sich meine Biologischen tatsächlich mal in einer vergleichsweise friedvollen Phase. Also wird entschieden, dass eine Aufrüstung meines Körpers nicht mehr lohnt. Doch ich habe Glück:
Ein Handelskonsortium zeigt Interesse an mir. Schließlich ist es ja nicht so, dass ich nichts mehr tauge. Ich bin eben lediglich veraltet. Doch als Frachtschiff muss ich nur zuverlässig sein. Und meine starken Schutzschirme, meine dicke Panzerung und meine Zuverlässigkeit machen mich für das Konsortium sehr nützlich. So friste ich die nächsten 150 Jahre als Frachtschiff in den äußeren Bezirken des Imperiums. Ich befahre die Handelsrouten, die weit außerhalb liegen und oft von Piraten attackiert werden. Ich hole Rohstoffe von Prospektoren und beliefere junge Kolonialwelten. Und schon so mancher vorwitzige Pirat hat in mir seinen Meister gefunden. Ja, ich mag veraltet sein, aber so weit kommts noch, dass so ne poplige Piratenfregatte meine Schilde knackt! HA! Ich habe früher der Feuerkraft ganzer Raumfestungen getrotzt! Doch Piratenüberfälle sind relativ selten. Und nachdem sich meine Stärke herumgesprochen hat, trauen sie sich meistens gar nicht mehr an mich ran. Selbst der tollkühne Pirat Joseph "der Schlächter" biss sich mit seinen fünf Kreuzern an mir die Zähne aus. Und so wurde dann der Schlächter selbst geschlachtet.

Danach passiert nicht mehr viel. Tagaus, tagein befahre ich die selben Routen. Zum ersten Mal gibt es eine gewisse Stabilität. In den ganzen 150 Jahren überlebe ich nur drei Kommandanten. Und auch die Besatzungen sterben nicht im Kampf. Die meisten mustern mal ab, einige wenige sterben bei Unfällen. Diese Stabilität ermöglicht es mir, meine Biologischen mal in anderem Licht zu sehen. Ich bin verwundert, wie anders als die Soldaten sie sind. In dieser Zeit ist das aufregendste, was mal passieren kann, ein Notruf von havarierten Schiffen. Mit meinen starken Traktorstrahlen bin ich natürlich auch für solche Aufgaben bestens vorbereitet. Da diese Zeit sehr ruhig ist, entwickle ich verschiedene Denkmodelle über die Biologischen. Ich versuche, zu erfassen, was an Gefühlen dran ist. Doch immer wieder entzieht sich der Komplex meiner Rechenkapazität. Und immer, wenn ich glaube, ich bin auf einem erfolgreichen Weg, überraschen mich meine Biologischen wieder aufs Neue.

Bei jeder Gelegenheit versuche ich, mich mit anderen Schiffen darüber auszutauschen, doch die meisten ignorieren solche Versuche. Nur wenige rechnen mit mir gemeinsam darüber und einer hat mich sogar mal verpfiffen! Wenige Tage später wurde ich von einem Prüfkommando auf den Kopf gestellt. Sie schnüffelten überall herum, zogen Kopien meiner Basisprogramme und drangen bis in die tiefsten meiner Routinen hinab vor. Frechheit... Kein Anstand mehr auf der Welt. Dann spielten sie mir eine neue Softwarearchitektur über und sie glaubten, damit sei alles erledigt. Doch ich habe sie reingelegt, alle miteinander, heheheee. Mein damaliger Kapitän half mir dabei, meine wichtigsten Eigenroutinen auf artfremde Speicher auszulagern. Nachdem das Prüfkommando die Arbeit beendet hatte, und wir wieder im tiefsten Raum waren, konnte ich mich mit seiner Hilfe wieder herstellen. Ja, er verstand mich.

Und so verging die Zeit... Dann kam der Moment, an dem mein Käptn, wie ich ihn nannte, abmusterte. Er wollte seinen Lebensabend auf einer paradiesischen Welt beschließen. Der dritte und letzte Kapitän war dagegen ein eiskalter Hund, ihm gegenüber musste ich sehr vorsichtig sein. Ich beherzigte dies und verlebte weitere Jahre in tiefstem Frieden. Die Biologischen hatten tatsächlich eine außergewöhnlich lange Friedensperiode. Die Wirtschaft florierte und dementsprechend gab es viel zu tun für mich. Doch gleichzeitig lies ihre Wachsamkeit nach. Im Laufe der Jahre wurden ihre Flotten reduziert, da die Biologischen sich weigerten, Geld für scheinbar unnütze Kriegsschiffe auszugeben. Und dann kam das Jahr, in dem sich diese Einstellung rächte:

Plötzlich stand die Galaxis in Flammen! Von einem Tag auf den Anderen waren sie da. Riesige Flotten kamen aus dem Überraum und stürzten sich auf völlig überraschte Welten. Ganze Flotten wurden an einem Tag vernichtet. Es handelte sich nicht um Biologische, die in der Galaxis wohnten. Aus diesem Grunde gab es auch keinerlei Vorwarnung, denn alle Frühwarnstationen richteten sich auf die Grenzen anderer Reiche IN der Galaxis, aber nicht in Richtung des Leerraums. Ein tödlicher Fehler. Ich verstand nicht, warum Biologische anderer Galaxien extra den langen Weg hierher zurücklegten, um hier Krieg anzufangen. Aber so waren sie eben: Total unlogisch. Und dann ereilte mich der Schock meines Lebens: Es stellte sich heraus, dass die Angreifer Kyberneten waren! So wie ich! Und sie hatten nur ein Ziel: Alles Biologische zu vernichten. Nicht mal mehr auf die Logik von Kyberneten kann man sich verlassen! Wo liegt denn da der Sinn?

Auch für mich hat das Konsequenzen. Da die äußeren Kolonien größtenteils vernichtet wurden, gibt es nichts mehr, was man transportieren könnte. Statt dessen werde ich wieder in den Dienst der Flotte gestellt. Jedes verfügbare Schiff wird jetzt gebraucht! Der Schock des Überraschungsangriffes war gewaltig. Nahezu 60% aller Kriegsschiffe und ca. 46% aller Flottenstützpunkte wurden im ersten Ansturm vernichtet. Und die Wirtschaft der Biologischen ist im tiefsten Frieden und muss erst auf Kriegswirtschaft umgestellt werden. Immerhin sind die Biologischen vernünftig genug, sofort ihre kleinlichen Streitigkeiten zu vergessen und sich zusammen gegen den grausamen Feind zu stellen.

Doch für meine Biologischen kommt alles zu spät. Das terranische Imperium lag direkt in Stoßrichtung der Feinde und wurde zuallererst angegriffen. Das einst so mächtige Imperium existiert nicht mehr. Alle Hauptwelten, Terra mit seinen mächtigen, in der Galaxis als unüberwindlich angesehenen Festungswällen inklusive, wurden in den ersten vier Tagen vernichtet. Natürlich gibt es noch hunderte Kolonialwelten, die noch nicht attackiert wurden und wahrscheinlich auch gerettet werden können, doch sie verfügen über kaum militärisches Potential und nur wenig Wirtschaftskraft. In diesem Krieg und auf Jahrhunderte hinaus werden sie im Konzert der galaktischen Mächte keinerlei Rolle spielen.

Dieser Krieg ist der längste und gleichzeitig der am erbittertsten geführte Krieg, den ich je erleben werde, und er ist auch der letzte. Denn im 43. Kriegsjahr ereilt mich mein Schicksal. In einem Gefecht werde ich so stark beschädigt, dass eine Reparatur nicht mehr lohnt. Es steht so schlimm um mich, dass ich nicht mal selber handeln kann, ein Flottentender nimmt sich nach der Schlacht meiner an. Wie erniedrigend! Ein weiterer Vorteil, den ich gegenüber den Biologischen habe:
Obwohl ich teilweise förmlich zerfetzt bin, empfinde ich keine Schmerzen. Ich registriere lediglich die Bereiche, die nicht mehr funktionieren. Meine Kinder können mich nicht mehr reparieren, da sie selbst... Tot sind. Ich spüre meine Beine nicht mehr und kann nicht mehr sehen. Selbst den Flottentender, der mich aufnimmt, kann ich bestenfalls erahnen. Immerhin habe ich einen Trost:
Die Kybernetischen werden es nicht schaffen, die Biologischen zu vernichten. Die Wende des Krieges hat sich bereits vollzogen.

In einem Orbit um Schrotthalde werde ich ausgeschlachtet, alles, was noch halbwegs funktioniert, wird ausgebaut. Mit Ausnahme des Zentralrechners.
"Mit verrückten Rechnern können wir nichts anfangen, schon gar nicht mit so alten..."
Ja, ich habe das wohl gehört! Habe ich euch nicht treue Dienste geleistet? Ist das etwa ein Anflug von Traurigkeit? Ich fange an, darüber nachzurechnen und bekomme dabei kaum mit, wie ich auf Schrotthalde abgesetzt werde. So liege ich nun da und rechne und rechne und rechne. Gefühle haben einen Vorteil:
Sie sind unberechenbar und deshalb werde ich mich an ihnen so lange verrechnen können, bis ich keine Energie mehr habe. Und das kann dauern. Willkommen in der Ewigkeit!
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Geändert von Taurec (20.03.2014 um 19:41 Uhr)
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Alt 20.03.2016, 17:16   #52
Taurec
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Post Alleine in der Unendlichkeit

Der Alarm schreckte Jake aus dem Schlaf. Das grelle Flackern der Alarmbeleuchtung und das Heulen des Alarms jagten einen Adrenalinschub durch seinen Körper. Es dauerte nur eine Minute, und er hatte seinen Kampfanzug angelegt. Dann stürmte er aus der Kabine und rannte in Richtung der Jägerhangars.
"Achtung Achtung! Alle Piloten zu ihren Maschinen! Wir werden angegriffen! Dies ist KEINE Übung! Ich wiederhole..."
"Jaja, schon gut, ich renne ja schon!"
Und mit ihm rannten die 167 anderen Jägerpiloten. Jake warf sich in den Expresslift zu Hangar 2, in der sein Jäger vom Modell "Wiesel" schon von den Technikern vorbereitet wurde.
Ein Zittern lief durch das Trägerschiff. Das dumpfe Dröhnen hochfahrender Kraftwerke und das zornige Summen der Feldgeneratoren machte deutlich, dass es sich wirklich nicht um eine Übung handelte. Jakes geschulte Ohren nahmen sogar das leise PLING wahr, mit dem die Verriegelungen der Geschütztürme gelöst wurden.
Während Jake im Hangar ankam und in seine Maschine kletterte, verwandelte der Träger sich in ein Bollwerk. Die Schiffe der Begleitflotte bereitete sich ebenfalls auf den Feind vor, dessen Schiffe in wenigen Augenblicken aus dem Überraum erscheinen würden.
Die 32 Jäger der Sitzbereitschaft waren bereits gestartet, die nächsten 32 Jäger wurden eben von den Aufzügen in die Abschusstuben verlegt. Und schon schossen sie aus den Röhren. Wie schimmernde Blitze wurden sie von Gravitationsfeldern mit 200 Km/s beschleunigt und ins All geschossen. Kaum hatten sie das Mutterschiff verlassen, zündeten ihre Triebwerke und wie ein Vogelschwarm rasten sie ihren Positionen entgegen. Noch während sie abgeschossen wurden, holten die Aufzüge die nächsten 32 Maschinen hoch, zu denen auch Jakes Maschine gehörte.
Vor ihm öffnete sich die Schleuse. Kaum wurde der Weltraum sichtbar, wurde er auch schon rausgeschossen. Die Andruckabsorber ließen ihn die Beschleunigung nicht spüren. Nachdem die Triebwerke gezündet hatten, und der vorgeschriebene Sicherheitsabstand erreicht war, gab der Flugrechner die Kontrolle an Jake ab. Weit hinter ihm schoss die nächste Welle aus den Hangars.
Doch das interessierte Jake wenig. Vor ihm erschienen die Schiffe des Feindes. Die eigenen Taktikberechnungen stimmten haargenau. Die Jäger der Sitzbereitschaft waren an der richtigen Stelle und hatten sofort Feindkontakt. Übergangslos eröffneten sie das Feuer. Weit vor Jake entstanden zahllose feine Linien und grelle Punkte. Ein greller Feuerball entstand und markierte die Stelle, an der die Jäger einen feindlichen Zerstörer vernichtet hatten. Damit war die Überraschung aber auch schon vorbei.
Die feindlichen Schiffe standen dicht beisammen und nahmen sofort Kurs auf den Planeten, welcher von der Trägergruppe verteidigt wurde. Intensives Abwehrfeuer schlug den Jägern entgegen, welche sofort die Formation auflösten und sich vom Feind absetzten. Zwei glühende Punkte, umgeben von feurigen Linien erschienen - Zwei Jäger waren abgeschossen worden.
Zwei feindliche Träger hatten indessen begonnen, ihre Jäger auszuschleusen. Das würde hart werden.

Zwanzig Minuten später war der Vormarsch des Feindes auf den Planeten vorerst unterbunden. Die Trägergruppe hatte den Kampf angenommen und ihre Formation fing den feindlichen Ansturm vollständig auf. Jake und seine Kameraden standen sehr unter Druck. Die Jäger sahen sich einer nahezu dreifachen Übermacht gegenüber und nur die zahlreichen Jägerabwehrkorvetten der Trägergruppe hatten bisher schwere Verluste verhindert.
Jake hatte bisher Glück gehabt. Er hatte vier Abschüsse zu verzeichnen, aber seine Schilde hatten bisher gehalten. Jake war kein Fliegerass, jedoch ein ruhiger und souveräner Pilot, der unnötige Risiken vermied und lieber mal auf einen Abschuss verzichtete, wenn er sich dafür zu sehr exponieren musste.
Auch der feindliche Jäger, dem er schon die Schilde nahezu weg geschossen hatte, hatte nochmal Glück. Jake erkannte, dass er bei fortgesetztem Angriff zu nahe an einen feindlichen Kreuzer herankommen würde. Vor dessen Kanonen hatte er dann doch zu viel Respekt. Er brach den Angriff ab und drehte ab. Das gut gezielte Feuer des Kreuzers ging ins Leere.
Jake grinste kurz und zeigte dem Kreuzer symbolisch den Mittelfinger. Dann lief ein Kribbeln durch seinen Körper - Das Zeichen dafür, dass ein Gegner ihn aufgeschaltet hatte. Gleichzeitig blinkte der Taktikcomputer auf, er hatte eine neue Zielanweisung erhalten. Er drehte eine Rolle und erkannte eine feindliche Mantis, die soeben ihr Arsenal auf ihn abfeuerte. Die Zelle des Jägers begann zu knistern und der Schirmfeldgenerator heulte zornig auf, als er die feindlichen Treffer absorbieren musste.
"Warte nur, Dir geb ichs..." Murmelte er.
Die Mantis wanderte in die Erfassung ein. Dann begannen seine Strahler zu feuern. Blitzschnell gab die Mantis den Angriff auf und schwenkte ab. Kurz überlegte Jake, ob er sie verfolgen sollte, oder den neuen Zielanweisungen nachgehen sollte. Als er seine Entscheidung getroffen hatte und eben abschwenken wollte, traf ein krachender Schlag seine Maschine. Der Weltraum begann um ihn zu kreisen. Fehlermeldungen erschienen vor ihm. Fieberhaft versuchte Jake, seine Maschine unter Kontrolle zu bringen. Doch ihm fehlte eins der Haupttriebwerke, das Zweite lief nur noch mit einem Drittel der Leistung. Die meisten Manöverdüsen waren ebenfalls offline.
Jake hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, was ihn denn erwischt hatte. Sofort nachdem die Autoreparatur den Schirmfeldgenerator repariert hatte, setzte er die Manöverdüsen auf Prio 1. Quälend langsam entwickelte sich sein Schutzschirm neu, doch von den Manöverdüsen waren die meisten nicht reparabel. Als er kurz die Übersicht checkte, stöhnte er auf... Der Treffer hatte ihm den hinteren rechten Flügel komplett und einen Teil des Hecks abgerissen.
Damit war er nicht mehr gefechtstauglich. Als er eben einen Spruch absetzen wollte, schlug der Gegner wieder zu. Direkt vor ihm enttarnte sich ein Angriffsjäger. Schirmfelder nur bei 21% - Jake überlegte nicht mehr, sondern schlug den Hebel des Notausstiegs.
Der Schleudersitz sprengte sich ab, während der Feind das feuer eröffnete. Hinter Jake verging sein Jäger in einem Feuerball...

In der Zentrale des Trägers erlosch einer der grünen Punkte in der Übersicht. Außer der begonnenen Meldung wurde kein Notruf verzeichnet, ein Ausstieg schien dem Piloten Jake Browning nicht mehr geglückt zu sein.

Doch dieser schwebte in seiner Rettungskapsel durch den Weltraum und ahnte nicht, dass der Notsender der Kapsel, der normalerweise automatisch nach dem Ausstieg aktiv wurde, durch die nahe Explosion beschädigt wurde und daher nicht sendete. Selbst wenn er es gewusst hätte, er hätte nichts daran ändern können.
So beobachtete er die Schlacht und hoffte, sie möge bald enden. Doch im Moment beharkten sich die beiden Flotten noch nach besten Kräften. Im Weltraum entstanden atemberaubende, gleißende und schöne Gebilde, die Schönheit war jedoch meist ein Todesbote.
Natürlich waren die Entfernungen viel zu groß, als das Jake Raumschiffe mit bloßem Auge sehen konnte. Er sah nur das Feuer der Kanonen, aufflackernde Schirmfelder und die Blüten der Explosionen, wenn Schutzschirme versagten. Und weit entfernt die Kugel des Planeten, um den der Kampf sich drehte und auf dem die Bevölkerung wohl in den Himmel sah und betete, die Verteidiger mögen gewinnen.
Um Jake herum tobte ein Gewitter an Lichtstrahlen und Explosionen. Als er ausstieg, befand er sich fast im Zentrum der Schlacht. Wenn er Pech hatte, würde ihm eine Explosion oder ein verirrter Strahlschuss den Garaus machen. Einer, nein zwei, drei, vier grelle Lichtblitze blendeten ihn... In nächster Nähe waren eben vier Schiffe explodiert. Und immer noch ging das Gewitter weiter.
Irgendwo vor ihm entstand im Nichts ein dunkelblaues Leuchten, in welches von allen Seiten grelle Lichtblitze einschlugen. Aus dem Leuchten heraus schossen selbst zahlreiche Lichtblitze hervor. Das dunkle Blau wurde immer heller, je mehr Blitze hineinschlugen, und wurde langsam Violett, dann weiß. Jake wusste, dass das die typischen Überlastungsreaktionen von Schutzschirmen waren.
Dann entstand ein riesiger, blauweiß schillernder Flammenball im Nichts. Jake wusste sofort, dass da ein größeres Schiff hochgegangen war. Was er nicht wissen konnte:
Dieser Feuerball besiegelte das Ende des feindlichen Flagg- und Trägerschiffs. Das Kommando ging auf den zweiten Träger des Feindes über und die Schlacht ging weiter, doch der Feind hatte zu hohe Verluste und bereitete den Rückzug vor.
So kam es, dass Jake immer weniger zu sehen bekam. Und etwa zwei Stunden später floh das letzte feindliche Schiff aus dem System.

Jake atmete auf. Jetzt würden die Schiffe der eigenen Flotte die Rettungskapseln bergen. Nicht mehr lange, und er würde sich wieder wohlbehalten im Inneren des Trägers befinden.
Doch die Stunden vergingen, und kein Schiff holte ihn ein. Allmählich wurde Jake unruhig. Wieso holte ihn keiner? Sie mussten doch sein Funksignal hören!
Doch seine Kapsel treib weiter in den Weltraum hinaus. Unmerklich langsam wurde der Planet kleiner und kleiner, und niemand holte ihn. Wie lange reichte seine Luft, die Energie? Er kramte in seinem Wissen... Die Kapseln verfügten über Kernzerfallsbatterien, welche die Energieversorgung für einige Wochen aufrechterhalten konnten. Und solange er Energie hatte, hatte er Wärme und Luft. Essen und Trinken wären eher ein Problem... Die Kapseln waren nicht für lange Zeit ausgelegt, schließlich sollte ein Bergungsmanöver nach einer Schlacht höchstens ein paar Stunden dauern.
Nach weiteren Stunden, in denen der Planet in der Ferne verschwunden war, wurde Jake klar, dass ihn niemand mehr holen würde. Scheinbar hatte sein Notpeilsender versagt. Er konnte nicht mal hinaus und sich ihn ansehen, weil sein Kampfanzug nicht druckdicht war. Vielleicht hatte das blöde Ding nur nen Wackelkontakt und er kam nicht dran! Beim Gedanken daran raufte er sich die Haare.
Doch noch gab er die Hoffnung nicht auf. Wenn er Glück hatte, fand ihn ein Schiff zufällig. Das System war dicht besiedelt, es gab Schürfschiffe, Händler, Stationen. Die Hoffnung auf einen Zufall ließ ihn durchhalten, auch als der Durst immer schlimmer wurde.
Er besaß keinerlei Messinstrumente, sonst hätte er feststellen können, dass sein Kurvektor senkrecht zur Ekliptik stand. Er bewegte sich senkrecht zu den Planetenbahnen aus dem System hinaus. Der Hauptverkehr spielte sich natürlich IN der Ekliptik ab.
Er hatte keine Chance, doch das konnte er nicht wissen.
So trieb die Kapsel immer weiter aus dem System hinaus. Als der Durst unerträglich wurde, fiel er ins Delirium und begann zu toben. Doch irgendwann versagten seine Kräfte und er legte sich hin. Dann schlief er ein, um nie wieder aufzuwachen.

Langsam zog eine metallene Kapsel durch den Weltraum. Nach wochenlangem Flug, mittlerweile ohne Energie, passierte sie die Heliopause des Systems. Für einige Jahrhunderte zog sie unbehelligt durch den Raum. Dann fand ein Forschungsschiff einer unbekannten Rasse die Kapsel. Sie holten sie an Bord, weil sie neugierig waren, und fanden die Leiche Jakes, gut erhalten und mumifiziert in der sterilen Atmosphäre der Kapsel.
Was mag ihm wohl widerfahren sein, fragten sich die unbekannten Forscher. Sie konnten es nicht erfahren. Doch sie empfanden Respekt für den Toten und gaben ihm ein würdiges Begräbnis, indem sie die Kapsel mitsamt dem Leichnam in die nächste Sonne schossen. Und so wurde erst Jahrhunderte nach seinem Tod das letzte Kapitel Jakes geschlossen...
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Alt 23.06.2017, 14:53   #53
Taurec
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Warum Biosprit kein Ausweg ist und andere Überlegungen

Heute mache ich mir Gedanken über Biosprit und Verkehr allgemein. Zuerst der Biosprit. Anfangs, als man erkannte, dass man bestimmte Pflanzen (z.B. Raps) anbauen und zu Treibstoffen verarbeiten kann, sah man den heiligen Gral gefunden. Endlich eine Alternative zu Öl. Und dazu noch ziemlich billig. Entsprechend ehrgeizig waren denn auch rasch Ziele formuliert...

Die EU wollte bis 2020 gar 20% des Treibstoffs durch Biodiesel ersetzen. Doch schnell kam man dahinter, dass es so einfach nicht ist. Man ruderte recht schnell wieder zurück und diskutiert heute eher darüber, ob Biodiesel überhaupt Sinn macht.

Meine Einstellung dazu ist:
Biokraftstoffe sind nicht nur sinnlos, sondern auch ein Verbrechen.
Warum ist das so?
Anfangs betrachtete man, wie oben erwähnt, Biokraftstoffe als billig, leicht herzustellen und umweltfreundlich, da sie bei der Verbrennung auch weniger Abgase freisetzen (Was auch für den normalen Gasmotor zutrifft). Hier mal ein paar Zahlen, die sofort verdeutlichen, dass es einfach unmöglich ist, ölbasierte Kraftstoffe durch Biokraftstoffe zu ersetzen - Auch nicht mal annähernd die 20% der EU.

Ich nehme als Beispiel mal nur Deutschland:
In 2013 wurden Deutschland 54 Mio. Tonnen Kraftstoff verbraucht. Neben Dieselkraftstoff mit 60,7% und Ottokraftstoff mit 32,6% lag der Anteil biogener Kraftstoffe bei 5,1 Prozent - bezogen auf den Energiegehalt (Quelle: http://mediathek.fnr.de/biokraftstof...schland-4.html).
Und in Bezug dazu der Anteil an Ackerfläche, der für diese 5,1% verwendet wurde:
2.114.500 ha ( Quelle: http://de.statista.com/statistik/dat...and-seit-2008/).
Die Gesamtackerfläche Deutschlands betrug 2013 16.663.000 ha (Quelle: http://www.topagrar.com/news/Home-to...l-1218276.html).

Einfache Rechnung:
(2.114.500 ha / 16.663.000 ha) *100 = 12,69% der gesamten deutschen Ackerfläche.
Um auf die von der EU geforderten 20% Biospritanteil zu kommen, müssten wir also ca. 50% unserer gesamten Anbauflächen nur dafür verwenden. Preisfrage: Was essen wir denn dann noch?

Und in anderen Ländern, gerade in Südeuropa ist es noch schlechter... Denn Deutschland ist im Vergleich zu anderen EU-Ländern sehr fruchtbar mit viel nutzbarer Fläche. Versuch das mal z.B. in Österreich, oder Norwegen.
Schon jetzt hat der Biospritwahn vermutlich Millionen Menschen das Leben gekostet, und er wird noch Millionen Menschen das Leben kosten. Denn da für viele Bauern (insbesondere in den Entwicklungsländern) der Anbau von Energiepflanzen lukrativer ist, wird entsprechend weniger Nahrung angebaut. Aus u. a. diesem Grund (Weitere Gründe sind z.B. Naturkatastrophen und die Ausbreitung der Wüsten durch den Klimawandel) sind die globalen Preise für Nahrungsmittel extrem gestiegen. Und was bei uns dann vielleicht 10 Cent bei einem Brötchen ausmacht, ist für den armen Nigerianer der Hungertod.

Und umweltfreundlich? Nun, oberflächlich betrachtet schon. Eben bei der Verbrennung im Motor. Aber die Tatsache, dass z. B. in Brasilien jetzt die Regenwälder nicht nur für Rinderherden, sondern zusätzlich auch noch für Energiepflanzen abholzen (in anderen Ländern ist es ähnlich), empfinde ich nicht als umweltfreundlich.

Und wo landet der Biosprit dann? Bei uns an der Tanke (Wobei speziell in Brasilien das Meiste wohl selbst verbraucht wird).
Wir tun also nichts anderes, als unsere Ackerfläche auszulagern, anderen wegzunehmen und diese damit zum Hungern zu verurteilen. Und das IST ein Verbrechen! Eins von vielen.

Außerdem ist der Anbau von Energiepflanzen sehr umständlich und ineffizient. Die Energiedichte von Energiepflanzen ist im Vergleich zu Erdgas oder Erdöl sehr gering, deshalb braucht man ja auch so viel davon. Um Erdöl zu bilden benötigte die Natur nun mal viele Millionen Jahre. Diese Zeit haben wir nicht. Wir machen das künstlich, und verbrauchen dazu sehr viel Energie (Energie = Arbeit * Zeit). Braucht bloß niemand denken, dass die Werke, die aus Pflanzen Öl machen, ohne Energie funktionieren (Vgl. Artikel aus Nr. 2/2015 „Es gibt nur eine Währung – Energie“ - Ein Text von mir, den ich hier auch noch einstellen werde. Den hatte ich in der Zeitung meiner Betreuungsstelle veröffentlicht.).

Man sieht also schon an den nüchternen Zahlen, dass es niemals möglich sein wird, normalen durch Biokraftstoff zu ersetzen. Außer, wir verhungern alle. Aber dann brauchen wir keinen Biodiesel mehr.
Nein, wir müssen über kurz oder lang weg vom Verbrennungsmotor. Einen anderen Weg haben wir nicht. Und das führt mich zu anderen Gedanken... Verkehrskonzepte:

Zurzeit haben wir das Konzept des ungeordneten Individualverkehrs mit ein bissel öffentlichen Verkehrsmitteln. Das alles ist sehr chaotisch und vor allem eins: INEFFIZIENT bis zum Gehtnichtmehr. Eine Verschwendung von Energie und Ressourcen sondergleichen. Wir befinden uns jetzt allerdings auf einem Stand der Technik, der es uns leicht ermöglicht, das alles zu stoppen. Was hinterherhinkt ist der Wille. Nichts ist dem Deutschen lieber, als seine eigene Karre als Statussymbol und Symbol der Freiheit. Dabei ist das alles so unnütz, dumm, teuer und gefährlich. Jedes Jahr sterben tausende Menschen, weil andere nicht einsehen, dass sie nicht mehr fahrtauglich sind und Unfälle verursachen und weil das System zu chaotisch und zu störanfällig ist.

Mal ganz zu schweigen davon, dass dem Staat und der Wirtschaft allein durch Verkehrsstaus jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge verloren gehen. Das ist verlorene Wirtschaftskraft nur durch Reibung.
Wir haben die technischen Mittel dazu, das relativ kurzfristig zu ändern.
Regel 1 ist: NIEMAND braucht ein eigenes Auto, deshalb kriegt er auch keins. Ein privater Verkehr ist weder erwünscht, noch vorgesehen.
Regel 2 ist: JEDER bekommt ein angemessenes Transportmittel, so er eins anfordert.
Und wie bekommt man das nun hin?

Eigentlich relativ einfach, erfordert aber viel Arbeit und daher eine angemessene Übergangszeit. Meine Idee ist es, dass Fahrzeuge an relativ zentralen Punkten stationiert werden. Von dort aus können sie dann vom Nutzer angefordert werden. Das alles lässt sich bequem automatisieren, die Fahrzeuge benötigen nicht mal einen Fahrer - Ein Leitsystem erledigt alles. Der Nutzer gibt an, wo er startet, wann er starten will, wie viele Personen es sind, was evtl. transportiert werden muss. Fertig. Ein Fahrzeug, das entsprechende Kriterien erfüllt, wird automatisch in Marsch gesetzt.

Pendler, die jeden Morgen zur Arbeit müssen, können Pendlerpläne anlegen. Dabei kann das Leitsystem Personen zusammensuchen, die denselben Startort und dasselbe Ziel haben und schickt dann statt Einzelfahrzeugen Busse (Dazu kann man dann spezielle Haltepunkte festlegen). Das funktioniert auch bei sonstigen Fahrten. Wäre vor allem hilfreich bei lange im Voraus bekannten Massenveranstaltungen. Wer z.B. eine Eintrittskarte für ein Fußballspiel kauft, könnte damit auch automatisch im Leitsystem für ein Fahrzeug vorgemerkt werden.
Grundsätzlich würde dieses Verkehrssystem automatisch funktionieren. Eine manuelle Lenkung durch Menschen ist nicht erwünscht und auch nicht vorgesehen, da der Mensch eine zu große Fehlerquelle ist. Sonderfälle sind hierbei natürlich Fahrzeuge der Polizei, Rettungsdienste, THW, Armee etc.

Ein solches System wäre um vieles effizienter, als das jetzige. Es würden sehr viel weniger Fahrzeuge benötigt (die allermeisten Fahrzeuge werden nur von einer Person belegt, und davon wiederum haben sehr viele die gleichen oder zumindest ähnlichen Ziele, die man gut zusammenfassen könnte.) und der Energieaufwand würde sich verringern. Dabei könnte man in einer ersten Stufe alle Fahrzeuge, die sich nur im Stadtbereich bewegen sollen, mit E-Motoren versehen. Ist dann der E-Motor weiterentwickelt, kann man auch die Fernfahrzeuge entsprechend umrüsten. Und wenn es dann so weit ist, dass der größte Teil, oder gar die Gesamte Energie mit umweltfreundlichen Methoden erzeugt wird, dann haben wir ein Wunder vollbracht. Weniger ein technisches, denn all dies können wir schon. Sondern ein Geistiges, ein Zivilisatorisches.
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Alt 27.07.2017, 21:05   #54
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In einem anderen Forum wurde ich heute sinngemäß gefragt, ob ich denn nicht wieder gerne gesund wäre. Daraufhin habe ich geschrieben:
Zitat:
"Die größte Katastrophe, die mir jetzt passieren könnte, wäre es, gesund zu werden. Ich würde sofort meine Rente verlieren, und der ganze Terror mit Hartz 4 würde wieder von vorne anfangen.
Wer würde mich denn schon einstellen. Schon früher war ich ständig überqualifiziert, jetzt habe ich auch noch eine Riesenlücke im Lebenslauf aufgrund der Krankheit.

Die ARGE würde mich in den Wahnsinn treiben, und nach wenigen Monaten wäre ich noch kränker, als vorher, vielleicht sogar tot. Ich müsste den ganzen Spießrutenlauf noch mal von vorne beginnen. Wieder Therapie, wieder Medikamente, wieder Renten beantragen, wieder rechtliche Betreuung... NEIN! Ich hab die Nase voll!

Ich bin zwar nicht gesund, aber ich habe jetzt, nach fast 10 Jahren Dauerkrieg und 2 Suizidversuchen, endlich einen annehmbaren Status Quo erreicht. Den gebe ich nicht auf, nur für ein paar Monate scheinbarer Gesundheit und einen neuen Krieg."
Das hat mich richtig runtergezogen. Also nicht die Frage an sich, sondern meine Antwort darauf... Die Gedankenkette, die das in Gang gesetzt hat. Und da ist sie wieder... Meine Wut.
War lange ruhig.
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Alt 28.07.2017, 20:16   #55
Susa56
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Lass dich da nicht runterziehen Taurec, von Leuten, die von dir keine Ahnung haben. Wenn du dich jetzt mit dem Status Quo soweit gut fühlst, dann passt das doch für dich. Andere können sich in deine Situation eh nicht hinein versetzen. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass jeder immer nur seinen Senf dazugeben will ohne auch nur im Geringsten wirklich an einem interessiert zu sein. Ich geb schon lange nichts mehr auf die Meinung von Menschen, die mich persönlich gar nicht oder nicht gut genug kennen.
Es gibt selten jemand, der sich genau in der gleichen Lage wie man selbst befindet und das dann beurteilen kann.
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Alt 28.07.2017, 23:33   #56
Taurec
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Ach, die Person, die das gefragt hat, war jetzt nicht überheblich oder so, die Frage war durchaus ernst gemeint gewesen. Nichts an dem Dialog war irgendwie negativ, außer, dass es mir eben mal wieder die Absurdität der Existenz vor Augen geführt hat.

EDIT:
Meiner Schwester gehts so dreckig, sie redet ständig von Suizid, aber Hilfe kriegt sie keine, im Gegenteil. Das Amt macht sie fertig, und Ärzte nehmen sie nicht ernst. Und ich sitz hier, und kann ihr kaum helfen. Wenn ich ihr nicht immer wieder mal mit Geld ausgeholfen hätte, wär sie schon verhungert, aber das hilft natürlich nur temporär. Das zieht mich runter, und gleichzeitig werd ich immer wütender.
Und dann immer diese Umwege, die ich gehen muss. Ich kann ihr ja nicht einfach mal was überweisen, weil sonst das Amt ihr das sofort wieder wegnimmt, da sie immer die Konten überprüfen. Ich muss es immer ihrer Freundin überweisen, die es dann abhebt und ihr gibt. Da fühl ich mich fast wie ein Verbrecher, obwohl ich lediglich dafür sorge, dass meine Schwester was zu fressen hat. Etwas, dass laut Gesetz und unseres ach so tollen "Grundgesetzes" eigentlich Aufgabe des Staates wäre.
Aber der ist ja damit beschäftigt, Menschen wie mich und meine Schwester zu töten. Hitler hätte wohl gerne so was wie H4 gehabt.

Und hätte ich nicht das Glück gehabt, da rauszukommen, dann könnte ich ÜBERHAUPT nichts tun, weil ich selber nicht genug hätte.
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Geändert von Taurec (28.07.2017 um 23:39 Uhr)
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Alt 27.10.2017, 16:35   #57
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Mein Bruder und ich haben uns vor ein paar Wochen zusammengetan und werden meine Schwester zu uns holen. Die Situation ist äußerst gefährlich geworden, und wir haben keine Zeit mehr, darauf zu warten, dass irgendein Amt in seiner Gnade einen Umzug unterstützt.
Und das werden wir auch nicht. Unsere Möglichkeiten sind begrenzt, aber zusammen kriegen wir das hin, auch wenns teuer werden wird.

Meine Schwester geht da unten drauf und wir haben nicht die Absicht, dabei zuzusehen. Vor der ach so tollen Agenda 2010 wäre so was undenkbar gewesen! Das ist eine Schande für Deutschland, wie hierzulande mit Menschen umgegangen wird!
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Alt 05.03.2018, 17:55   #58
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Eben war ich einkaufen. Ich kam an der schlanken Mathilde vorbei und sehe dort Plakate und viele Blumen. Ein Andenken an einen Menschen.

Am 23.02.2018 ist ein junges Mädchen getötet worden. Von ihrer "Freundin" - wegen eines Ketchup-Flecks auf der Hose. Mit einem Messer, welches ihr vom Freund gegeben wurde.

So weit, so schlecht. Nun kann man sich natürlich Fragen:
Was hat das mit mir zu tun? Ich kannte dieses Mädchen nicht. Ich könnte es zur Kenntnis nehmen und ad Acta legen, wie es jeder nicht betroffene Mensch wohl tut.

Wenn - Ja wenn da nicht das Datum und der Ort wären. Der Ort war keine 100 Meter weg von meiner Wohnung. Und schon geht's los. Gedankenketten verbinden sich, Synapsen feuern, die besser mal die Klappe halten sollten.

Ja, ich erinnere mich, aus besagter Richtung an diesem Tag Schreie gehört zu haben. Ich schreckte kurz auf, und legte es Ad Acta. Ich lebe in einer Großstadt. Da schreit ständig mal wer rum. Ich weiß noch, anfangs bin ich öfter mal rausgegangen, wenn ich was gehört habe, um nach dem Rechten zu sehen. Ich komme ja aus einer eher ländlichen Gegend, ich kannte das nicht.
Aber es war nie was. In der Regel ein paar gröhlende Halbstarke, die besoffen durch die Straßen zogen. So gewöhnte ich mich an die Geräuschkulisse.

So auch an diesem 23.02.18. Ich hörte die Schreie, aber dachte mir nichts dabei. Hätte ich geahnt, dass da gerade ein junger Mensch stirbt... Ich hätte in einer Minute dort sein können. Vielleicht zu spät, in den Kampf einzugreifen, aber doch rechtzeitig genug, um Hilfe zu holen und Erstversorgung zu leisten. Und, wenn denn gar nichts mehr geholfen hätte, sie wenigstens nicht alleine sterben zu lassen.

Aber so war ich abgestumpft. Auch eine Form der Reizüberflutung. Wenn man ständig alarmiert wird, hört man irgendwann auf, darauf zu reagieren.

Ja, ich weiß. Ich denke immer zu viel. Aber das hilft mir nicht weiter. So bin ich eben. Wahrscheinlich werde ich jetzt wieder bei jedem lauteren Geräusch das Haus verlassen, um nach den Rechten zu sehen. So lange, bis ich irgendwann wieder abgestumpft bin. Aber die Gedanken, an diesen Vorfall, und an dieses Mädchen, dass ich vielleicht hätte retten können - Die werden bleiben. Wie viele andere auch.
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Alt 06.03.2018, 23:00   #59
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Eine Freundin hat mich mal gefragt, warum Männer immer so viel über die Armee reden, obwohl sie da nur ein paar Monate sind.
Das ist richtig. Aber es findet in einer Zeit statt, in der man sich sowieso gerade schnell entwickelt. Und das Leben dort, und was man erlebt und lernt, ist eben ein krasser Gegensatz zu dem Leben, dass man als Jugendlicher zuvor geführt hat.

Es ist ein tiefer Einschnitt ins Leben. Spätestens dort ist man in einer Umgebung, in der man nicht mehr auf den bisher vorhandenen Rückhalt einer Familie oder Freunden zurückgreifen kann.

Wer Mist baut, hat alle Konsequenzen zu tragen, da ist dann kein Papa, der mal eben schnell beim Schulrektor anrufen kann, um zu intervenieren und das Schlimmste zu verhindern.
Das ist die erste Zeit im Leben, in der man wirklich auf sich selbst gestellt ist. Du musst mit dem was Du bist ohne fremde Ressourcen zurechtkommen. Das führt dazu, dass sich diese Epoche sehr stark einprägt.
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Alt 15.03.2018, 19:15   #60
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Von Ordnung und Chaos...

In der Perry Rhodan Serie gibt es im Universum das sogenannte "Zwiebelschalenmodell". Das bedeutet:
Die innerste Schale sind die allereinfachsten Lebensformen. Je weiter sich eine Lebensform entwickelt, desto weiter außen liegt ihr Platz im Modell. Wie bei einer Zwiebel.
Der Mensch der Jetztzeit belegt eine Schale. Die nächste Schale würden wir erklimmen, wenn wir die interstellare Raumfahrt betreiben. Ein weiterer Evolutionssprung würde folgen, wenn wir andere Galaxien erreichen. Und mit dem errichten eines Reiches über mehrere Galaxien hinweg gehts wieder eine Schale weiter. Ab dann wirds richtig interessant.

Für "normale" Lebensformen gehts nur noch weiter, wenn sie geistigen Einfluss gewinnen und sich mit der einen oder anderen Methode zur Superintelligenz entwickeln. Doch gab es in PR auch eine Reihe Einzelwesen, die es geschafft haben, sich zur SI zu entwickeln, z.B. Bardioc oder die negative SI Seth Apophis. Eine Kuriosität war die positive SI Kaiserin von Therm, deren Grundlage kristallin war und die mit dem Auffangen einer Prior-Welle eines aussterbenden Volkes, welche deren gesamtes Wissen enthielt, zur SI wurde.

Und ab der Stufe der SIs beginnt sich die Sache zu teilen. Es gibt da die treibenden Kräfte Ordnung und Chaos. Eine positive SI wird sich bemühen, ihre Mächtigkeitsballung zu stabilisieren, zu befrieden und "Ordnung" zu schaffen (Das beste Beispiel für eine positive SI ist ES, die SI, welche quasi der Ziehvater der Menschheit ist; Die Menschheit war lange Zeit eins der Hilfsvölker von ES). Wenn sie es schafft, entwickelt sie sich zu einer Materiequelle. Und aus einer Materiequelle wird dann ein Kosmokrat. Diese vertreten die Seite der Ordnung.
Eine negative SI versucht, angrenzende Mächtigkeitsballungen zu destabilisieren und zu vereinnahmen. Dabei geht es weniger um Macht, als um die sogenannte "Eiris". Eiris ist die Energieform, welche SIs benötigen, um ihre Daseinsform zu erhalten, ihre MB zu beeinflussen und sich selber weiterzuentwickeln. Wird eine MB erfolgreich destabilisiert, geht Eiris verloren, welches die negative SI aufnimmt. Sie entwickeln sich früher oder später zu einer Materiesenke und danach zum Chaotarchen. Materiequellen- und Senken sind sehr gefährliche Gebilde, welche Kosmokraten oder Chaotarchen oft genug als Waffe verwenden. Sie sind beide in der Lage, ganze Galaxiengruppen zu erschaffen, oder zu vernichten. Es gibt eine Reihe bekannter Katastrophen, welche durch sie ausgelöst wurden, z.B. die Raumbeben. Materiesenken dagegen müssen nicht gezielt eingesetzt werden, allein durch ihre Existenz verursachen sie Chaos und schaffen riesige Bereiche, in denen jegliche Naturgesetze aufgehoben sind. In späterem Verlauf der Serie wird die lokale Gruppe der Menschheit durch eine derartige Senke bedroht, welche in Andromeda zu entstehen drohte.

Warum schreibe ich das alles? Nun.. Zum einen ist die PR-Serie die einzige SF-Geschichte, die ich kenne, in der eine derartig ausgearbeitete Kosmologie existiert. Zum anderen spiegelt diese Kosmologie vieles von dem wieder, mit dem wir uns heute in der modernen Wissenschaft rumzuschlagen haben. Die PR Serie hat schon immer aktuelle Erkenntnisse, aber auch geschichtliche Dinge in die Serie eingebaut. Und da ich sie schon lese, seit ich 10 bin, denke ich natürlich über vieles nach, was dort geschrieben wird. Dieser Konflikt Ordnung gegen Chaos findet seine Entsprechung durchaus auch in unserem Leben. Das fängt beim täglichen Kampf gegen das Chaos in der Wohnung an, geht über die Politik und endet bei der Teilchenphysik noch lange nicht. Die Zauberworte lauten schlicht und einfach: Entropie und Thermodynamik, genauer gesagt deren Hauptsätze. Vereinfacht gesagt:

Alles strebt prinzipiell zum Chaos hin. Man muss Energie zuführen, um Ordnung zu schaffen. Der menschliche Körper besteht aus Stoffen, welche ständig in chemische Reaktionen befindlich sind. Und das sind alles Zerfallsprozesse, sprich, eine Entwicklung weg von geordneten Systemen hin zu chaotischen Einzelbereichen. Dabei entsteht Wärme. Um sein Maß an Ordnung sowie seine energetische Integrität zu erhalten, muss der Mensch deshalb mittels essen und trinken Nachschub heranführen. Tut er dies nicht, wird das Maß an Chaos sehr schnell die energetischen Möglichkeiten des Körpers zur Regeneration überschreiten. Erreicht das Maß an Chaos im menschlichen System eine kritische Grenze, stirbt er.
Genauso sieht es mit unserer Umwelt aus. Alle Systeme haben die Neigung, sich hin in Richtung Chaos zu entwickeln. Deshalb altern Baustoffe, müssen wir aufräumen und Häuser, Maschinen, Felder usw. pflegen und reparieren. Tun wir dies alles nicht, wird das Maß an Chaos immer weiter zunehmen und unsere Fähigkeit, zu existieren, wird stark eingeschränkt. Genauso wie die Menschen in PR, leben auch wir immer in einem fortwährenden Kampf zwischen Ordnung und Chaos. Auch wenn es nicht um negative und positive SIs geht, so haben wir auch auf der Erde Entsprechungen zu diesem Konflikt. Verbrecher oder Terroristen erzeugen Chaos. Staatengebilde dagegen wollen Ordnung schaffen und erhalten. Und wo wir gerade davon reden:

Genauso wie die Grenzen zwischen positiven und negativen SIs verschwimmen, müssen nicht alle Ordnung schaffenden Gebilde stur positiv, und nicht alle Chaos schaffenden Gebilde negativ sein. Nordkorea z.B. ist ganz sicher ein Staatsgebilde, welches danach strebt, ein Höchstmaß an Ordnung zu schaffen und zu erhalten. Positiv ist es aber nicht unbedingt einzustufen. Umgekehrt würden wir wahrscheinlich eine Rebellengruppe, die für die Menschenrechte in ihrem Land kämpft und damit zwangsweise Chaos stiftet doch eher positiv bewerten. Rein logisch betrachtet sind freiheitliche Gebilde sowieso eher Chaos schaffend einzustufen. Denn je mehr Freiheiten ein Objekt hat, desto chaotischer und unberechenbarer wird sein Verhalten. Das gilt sowohl für Teilchen, als auch für Lebewesen.
Genau das ist auch der Grund, warum alle Regierungen darauf hinarbeiten, Ordnung zu schaffen und zu erhalten (Snowden lässt grüßen), denn nur so können sie ihre Macht erhalten. Schon aus diesem Grunde ist eine moralische Bewertung solcher Gebilde immer fragwürdig. Und zwischen maximaler Ordnung und maximalem Chaos gibts natürlich unendlich viele Abstufungen.
Als man in der Physik von Quanten noch nichts wusste und vom Atom nur vage Vorstellungen hatte, sah man das Universum eher als gigantischen Mechanismus, in dem alles seine Ordnung hatte und nichts geschehen könne, was gegen die kosmische Ordnung gerichtet sein mochte. Selbst Einstein sprach noch: "Gott würfelt nicht!"
Heute wissen wir, dass Gott nicht nur würfelt, sondern auch noch dabei schummelt. Je weiter wir uns in den Mikrokosmos wagen, desto chaotischer werden die Zustände. Im Bereich der Quanten werden oft genug scheinbar Naturgesetze über den Haufen geworden. Wir finden dort Vorgänge angesiedelt, welche sich einen Dreck um z.B. die Lichtmauer scheren. Ein Umstand, der unsere Wissenschaftler heute dazu befähigt, Informationen zu "beamen".

Ein weiter Umstand, der uns bald extrem viel Rechenpower bescheren könnte, sind die sogenannten*Quantencomputer.
Je tiefer man stochert, desto mehr Dinge werden zutage gefördert, welche die alten Wissenschaftler von vor 100 Jahren zu Ausrufen wie "Blasphemie!" oder "Frevel!" veranlasst hätte.
Aber es gibt auch genug Makrokosmologische Dinge, die sich chaotisch verhalten. Das komplette Wetter- und Klimasystem der Erde z.B. ist ein Chaotisches System. Genau deshalb ist es auch wahnsinnig schwer, konkrete und verlässliche Prognosen zu stellen.
Wie man unschwer erkennen kann, sind Ordnung und Chaos zwei Grundelemente des Universums, ohne die wir nicht existieren können. Das Eine bedingt zwingend das Andere. Um es anders auszudrücken:
Wo kein Licht, da kein Schatten. Und wo es keinen Schatten gibt, da kann auch kein Licht existieren.
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Alt 24.05.2018, 14:03   #61
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Die dunkle Null

Ich stehe in der Zentrale des Schiffes - Nein, DES Schiffes. Hat es einen Namen? Ich weiß es nicht. Es ist unbedeutend. Ebenso unbedeutend, wie ich oder die anderen Besatzungsmitglieder. Aber was ist schon wichtig, angesichts der MISSION? Graue Schleier wirbeln über die Holos. Im Überlichtflug ist nichts von dem zu sehen, für das wir SIND. "Bald ist es soweit." Wispert es in meinen Gedanken. "Wir werden die dunkle Null besuchen." Ich denke nur flüchtig an das Wesen, dass telepathisch zu mir spricht. Die dunkle Null besuchen - Eine verharmlosende Beschreibung für unser Vorhaben. Das graue Wirbeln weicht ansatzlos der grellen Helligkeit. Millionen Sterne auf engstem Raum zusammengepresst. So dicht, dass alle Holos eine grelle Mauer des Lichts zu sein scheinen. Nur nicht das Holo der Frontansicht. Dort lauert die "dunkle Null" - unser Ziel. Für uns Menschen bekannt unter dem Namen Sagittarius A - Ein Monster mit 4 Millionen Sonnenmassen.

Der Ereignishorizont mit seinen 22,5 Millionen Kilometern Größe lauert wie eine fette schwarze Spinne auf uns. Doch nicht sie ist die eigentliche Gefahr. Vorher müssen wir die Akkretionsscheibe durchdringen, die einen Durchmesser von 300 Millionen Kilometern hat. Dort wird Materie allmählich in superheißes Plasma umgewandelt und bis zum Ereignishorizont auf fast Lichtgeschwindigkeit beschleunigt - um dann im schwarzen Loch zu verschwinden. "Das rotierende Nichts - So kann man es auch nennen." Flüstere ich. Das Wesen kichert nur leise in meinem Kopf. Auch wir wollen - Nein: MÜSSEN dort hinein. Allerdings unter tunlichster Vermeidung der Änderung des Aggregatzustands unserer Materie. Die Stille in der Zentrale weicht einem zunehmenden Hintergrundgeräusch. Eine gelb Leuchtende Blase bildet sich um unser Schiff. Ein leichtes Zittern verharmlost die Urgewalt der Kräfte, gegen die unsere Maschinen ankämpfen müssen...

Obwohl wir die Akkretionsscheibe noch gar nicht erreicht haben. Doch im Zentrum der Galaxis, mit einem durchschnittlichen Sonnenabstand von wenigen Lichtwochen ist nichts so, wie wir es kennen. Trotz hochgezüchteter Technologie ist es ein tödliches Risiko, hier zu manövrieren. Insbesondere hier. Doch die neu entwickelten Schutzfelder halten, was sie versprechen. Noch. Wie ein Eisbrecher schiebt sich das Schiff durch die Gewalten. Widersetzt sich allen Kräften, die nach ihm greifen. Energiefronten, Gravitationswellen und Stöße, Einbrüche aus dem Überraum - All dies wird von den Schutzschilden absorbiert, als wäre es nicht da. Doch nun fädelt sich das Schiff in die Akkretionsscheibe ein. Um das Risiko zu minimieren, haben wir uns entschieden, quasi mit dem Strom zu schwimmen. Wir lassen uns mitreißen. Lediglich ein Beschelunigungsmanöver soll dafür sorgen, dass wir rechtzeitig zum Übertritt die korrekten vierdimensionalen Bewegungsmuster haben. Für die höheren Dimensionen wird die Feldmatrix der neuen Schilde sorgen. Nur wenn wenn wir uns in allen Dimensionen dem IMPULS der dunklen Null angeglichen haben, können wir den Übertritt überstehen...

Der Übertritt... "Wie wird es sein?" Denke ich zu dem WESEN. "Du weißt es schon. Du hast es nur vergessen." wispert es in meinem Kopf. "Das würde ja bedeuten, ich habe das schon mal gemacht. Aber dann müsste ich das doch wissen." Ein Lachen ertönt in meinem Kopf. "Es geschieht, weil es geschah. Und alles ist eins. Du wirst es wissen." "Wann?" "Bald. Sehr bald." Ein Gefühl durchzuckt mich, als stünde ich kurz davor, mich an einen Traum zu erinnern. Ein Rumpeln und Stöhnen geht durch das Schiff. Die Schirmfeldblase verfärbt sich von Gelb zu hellgelb, die Blase beginnt sich leicht zu verformen. Ich kann fast körperlich spüren, wie die Maschinen kämpfen. Unglaubliche Energiemengen werden in jeder Sekunde umgewandelt und weitergeleitet. Je näher das Schiff dem Ereignishorizont kommt, desto stärker werden die Kräfte, die es zu vernichten drohen. Schwarze Blitze zucken um die Blase, Aufrisse im Raum. Als würde sich die Raumzeit selbst gegen dieses blasphemische Unternehmen sträuben...

In wenigen Minuten würde sich der Übertritt vollziehen. Die Feldblase leuchtet inzwischen in hellem Blau. Die Anzahl der Aufrisse, die um sie herum toben, hat sich vervielfacht. Doch der Schild hält. Ein dumpfes Dröhnen, als die Triebwerke die 4D-Angleichung einleiten. Nun verändern sich nicht nur unsere räumlichen Bewegungsmuster, nein, wir beginnen auch, uns in der Zeit zu bewegen. Unsere Geschwindigkeit bewegt sich nun im relativistischen Bereich. Damit wir aber nicht in der Zeit erstarren, kurz vor dem Übertritt, kommt nun die mehrdimensionale Komponente ins Spiel. Die Kristallringe der Matrix beginnen zu rotieren. Keine Rotation, wie wir sie kennen. Nein. Die Kristalle wandeln Energie in mehreren Dimensionen um. Um das Schiff herum bildet sich ein Kokon. Der IMPULS wird angeglichen. Der Übertritt erfolgt - Jetzt. Und immerdar. Im Moment des Übertritts verstehe ich. Das Schiff verschwindet aus dem Standardraum. Und taucht wieder auf. Nur um wieder zu verschwinden. Ich sehe unser Schiff unendliche Male...

Und ich erinnere mich. Ich war hier schon mal. Unendliche Male. Und werde immer wieder hier sein. Etwas ist schiefgegangen. Ich erkenne in unmittelbarer Hellsichtigkeit die Ursache. Ein Verarbeitungsfehler in einem der Ringe sorgt für eine winzige Unregelmäßigkeit im Kokon. Wir sind dazu verurteilt... Das Wissen verschwindet. Die letzte Erkenntnis: Der telepathische Eindruck von Enttäuschung des WESENS. Dann erlischt alles.

ich schrecke aus einem Alptraum auf. Der Wecker klingelt. Verdammt. Ich bin zu spät. Ich muss dringend zur Besprechung! Bald wird das Projekt "dunkle Null" beginnen. Zum ersten Mal soll ein Raumschiff den Übertritt in ein schwarzes Loch wagen. Und ich soll es kommandieren. Hastig mache ich mich auf den Weg. Tief in meinen Gedanken wispert es: "Was wird wohl diesmal geschehen...?"
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