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Alt 27.07.2013, 14:25   #51
SimDieter
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R.I.P. J.J. Cale
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Alt 22.08.2013, 17:56   #52
The Wolf
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in Memoriam - J. J. CALE



Zum Einstimmen:

J J Cale feat. Eric Clapton (2009) ROLL ON

https://www.youtube.com/watch?v=3Umeco1Z-j4



Beschäftigt man sich mit JJ CALE, so stellt man schon sehr bald fest, dass von ihm nur spärliche persönliche Daten bekannt sind. Und trotzdem: Als er neulich verstarb, gab es keine Zeitung, kein Magazin, dass nicht einen Artikel über ihn im Köcher hatte. Und das, obwohl JJ Cale niemals ein Superstar war. Selbst der “Spiegel” fand lobende Worte, eine Ehre, die unserem letzten Club Member hier, RAY MANZAREK, nicht vergönnt war.

Um JJ Cale`s Leben ranken sich zahlreiche Legenden. Burger-Brater bei McDonald`s soll er gewesen sein, das mag wohl wahr sein. Unbestritten ist, dass er sehr lange in Trailerparks in der Umgebung von TULSA City lebte und sein Wohnmobil sein Zuhause war; er soll, selbst als er schon Alben produzierte, weder ein Telefon noch ein Bankkonto gehabt haben, und es geht weiter das Gerücht um, er habe seine Barschaft in der Verkleidung seines Wohnmobils deponiert….
Es gibt Menschen, die haben JJ Cale mit Jimmy Hendrix verglichen, so Neil Young, was natürlich völlig blödsinnig ist. Tatsache ist jedoch, dass Amerika einen seiner großartigsten Musiker verloren hat, mit Sicherheit jedoch seinen authentischsten.



WER WAR DER MANN MIT DEN VIELEN GESCHICHTEN?

Nun, vielleicht sollten wir erst mal den offiziellen Kram abarbeiten, den bürokratischen Überbau sozusagen:

JJ CALE war ein amerikanischer Sänger, Komponist, Multi - Instrumentalist, Arrangeur und Toningenieur. Er musizierte in den Genres Rock ´n´ Roll, Rockabilly, Country, Blues, Jazz, Cajun und Reggae. Er entwickelte den so genannten “TULSA SOUND” zusammen mit anderen, und seine Musik wird auch kategorisiert als “Amerikana” und/ oder “Roots Rock”.


Schätze, wir sind jetzt genauso schlau wie zuvor….. Vielleicht sollten wir uns erst mal ein bisschen umschauen, wo er herkam. Das erklärt bei dem Mann vielleicht einiges…



OKIELAND

JJ Cale war ein “Okie”, so nennen sich die Bewohner des Bundesstaats Oklahoma. Sie selbst sind stolz drauf, aber für die anderen Amerikaner ist das eher ein Schimpfwort, und das kam so:
Als die Vereinigten Staaten fertig waren - durch Eroberungen, Zukäufe ganzer Landstriche und Bundesstaaten usw., da war in der Mitte – nun ja - ein LOCH.
Ja, Ihr lest richtig, ein LOCH. Jeder Staat der Welt hat das wahrscheinlich, irgendeinen Platz, wo der Hund begraben liegt, wo sich Fuchs und Hase “Gute Nacht” sagen, oder salopp ausgedrückt: Einen Platz, den man den A……..h der Welt nennt! Auch die USA haben so einen Hinterausgang, der heißt Oklahoma….

Als die Vereinigten Staaten fertig waren, blieb Oklahoma mitten in der Prärie übrig und zunächst wollte niemand dorthin. “Das ist der richtige Platz für Rothäute, ” hatten einige in Washington die Idee, und der Plan kam auf, aus dem Staat Oklahoma ein einziges großes Indianerreservat zu machen. Flugs wurden die übrig gebliebenen Indianerstämme aus den umliegenden Bundesstaaten aus ihren Reservationen vertrieben und auf den langen Treck geschickt. Die Appalachen wurden von Ureinwohnern regelrecht “gesäubert” und die Rothäute in die Prärie vertrieben. Die im Oklahoma State lebenden Indianer nennen das heute noch “Den Marsch der Tränen”.

Zwar wurden viele Indianer im Oklahoma - Territorium angesiedelt, zur Gründung eines Indianerstaates kam es indessen nie. Aus Europa stürmten um 1880 immer neue Auswanderermassen herbei, und die Alteingesessenen dachten nicht daran, zusammen zu rücken. So kam es zu immer mehr illegalen Landnahmen durch weiße Siedler im Oklahoma - Territory, bis der Plan eines Indianerstaates von der Regierung in Washington aufgegeben werden musste und eine ganz normale Besiedelung organisiert wurde. Die zuerst Gekommenen, die illegalen Siedler also, nannten sich trotzig “Sooner” mit dem Hintergedanken, sich ein paar Sonderrechte zu sichern.- und deshalb heißt der Bundesstaat Oklahoma noch heute der “Sooner State”…

Großes Glück hatten die Leute nicht, die am Arsch Amerikas siedelten. Das Land war damals nicht besonders fruchtbar, es taugte nicht recht zum Ackerbau. Die Sommer waren heiß und trocken und öfters von Dürre gekennzeichnet, und anschließend kam Wasser in rauen Mengen und dazu die verfluchten Tornados - “Tornado Alley” nennen sie diesen Landstrich bis heute.

1929 kam die Weltwirtschaftskrise, die insbesondere die kleinen Leute der USA traf und Millionen von ihnen ruinierte. Die Siedler von Oklahoma waren nie reich gewesen, nun waren sie bettelarm. Einher ging eine lang andauernde Dürreperiode, die das Land in eine einzige Staubschüssel verwandelte. In der Folge verließen zehntausende Farmer ihre Höfe, packten ihr weniges Hab und Gut auf ihre altersschwachen PickUps, die zahlreiche Kinderschar oben drauf und dann ging es über damals noch holprige Straßen ins Gelobte Land, nach Kalifornien….
Dort mochte man die “Okies”, wie sie geringschätzig genannt wurden, absolut nicht. Sie wurden in überfüllte Flüchtlingscamps gesperrt, mussten die allerletzten Dreckjobs annehmen und wurden mies bezahlt - wenn überhaupt. Wenn irgendwas geklaut wurde, war ´s ein Okie, wenn eine Frau vergewaltigt wurde oder sonst was vorkam, immer waren die verfluchten Okies schuld. Der Schriftsteller JOHN STEINBECK hat die Schicksale dieser Menschen aufgegriffen und zu dem hervorragenden Roman “Früchte des Zorns” verarbeitet….

1928 änderte sich das Blatt: Nahe Oklahoma wurde Erdöl entdeckt - und die Region um Oklahoma und Tulsa wurde zum Zentrum der Erdölindustrie in den Vereinigten Staaten (heute ist es Houston/ Texas). Oklahoma begann rasant zu wachsen und wurde zu der Stadt, die sie heute ist.
Geblieben ist der Stolz und der Trotz der Menschen hier, die stolz darauf sind, “Okies” zu sein - JJ CALE ist ein ganz typischer Vertreter dieses Menschenschlags, der dieses kantige Hinterwäldler - Image ein Leben lang pflegte und eines seiner Alben bezeichnenderweise “Okie” nannte.

JJ Cale (1972) - GOT THE SAME OLD BLUES
https://www.youtube.com/watch?v=8JvyxKJToJs



KINDHEIT UND JUGEND


JJ CALE kam am 5. Dezember 1938 in Oklahoma City als JOHN WELDON CALE zur Welt. Über seine Eltern ist nichts bekannt; nur dass diese schon recht bald in die östlicher gelegene Großstadt Tulsa umzogen, wo John Weldon Cale seine Kindheit und Schulzeit verbrachte. Im Alter von 10 Jahren soll er Gitarrenunterricht bekommen haben; seinen Schulabschluss machte er auf der Tulsa Central High School im Jahr 1956.

Zwischen 1956 und 1960 muss John W. Cale ein sehr hektisches Leben geführt haben; die Lebensdaten überschlagen sich geradezu. Nach meinem momentanen Wissenstand spielte er als Teenager in einigen lokalen Bands, darunter den “Starlighters” von LEON RUSSELL, ein Kollege, der im Leben für John Weldon Cale noch eine große Bedeutung erlangen sollte. Eine Zeitlang hatte er seine eigene Band “Johnny Cale & the Valentines”. Dazu leistete er auch noch seinen Wehrdienst ab…… Was wird hier wohl wahr und was Übertreibung sein?

1959, frisch vom Wehrdienst entlassen, ging John Weldon Cale zusammen mit Leon Russell und anderen Musikern aus dem Tulsa County nach Los Angeles, und Cale versuchte, sich als Gitarrist durchzuschlagen. Das kann, wenn überhaupt, nicht lange gewesen sein, denn für 1959 liegen noch weitere Lebensdaten vor:
Eine Zeitlang wollte John W. Cale Countrysänger werden. Er zog nach Nashville, lebte hier eine Weile und ging mit der "Grand Ole Opry Road Company" auf Tour. In dieser Eigenschaft begleitete er u.a. Red Sovine und Little Jimmy Dickens.

Irgendwann hatte John Weldon Cale das Kapitel “Country” für sich abgeschlossen und ging zurück nach L.A. Er spielte mit seinen Oklahoma - Freunden Carl Radle und Chuck Blackwell. Sie lebten praktisch von der Hand in den Mund, traten in irgendwelchen Kaschemmen am Sunset Strip auf, John Cale jobbte mal bei einem Imbissladen, mal half er im Plattenstudio aus, als Helfer, dann als Ton-Ingenieur. Dabei erwarb er sich Fähigkeiten, die später für ihn bares Geld werden würden.



LEON RUSSELL und JJ CALE

Um den Werdegang von JJ Cale zu verstehen, muss man sich mit seinem Musikerkollegen LEON RUSSELL etwas auskennen:
Leon Russell stammt wie Cale ebenfalls aus dem Tulsa County; er wurde 1942 in einem Kaff nahe Tulsa geboren und wie wir gehört haben, spielten sie als Halbstarke eine Zeitlang in Leons Band „The Starlighters“. Dann gingen sie gemeinsam mit anderen Tulsa – Freunden nach L.A. Hier gelang es Leon Russell im Gegensatz zu allen anderen Tulsa – Musikern, sehr schnell Fuß zu fassen, und das kam so:
Leon Russell gelang es, beruflich einen Fuß in das Aufnahme- und Plattenstudio von PHIL SPECTOR zu bekommen und er wurde Mitglied der Studioband, also Sessionmusiker. Phil Spector war der Popstar unter den damaligen Plattenbossen, kreativ und exzentrisch zugleich. Phil Spector betreute nahezu alle Größen der Popmusik seiner Zeit, darunter die Beatles und die Stones, Eric Clapton, die Beach Boys, Byrds usw.
Leon Russell wurde einer der begehrtesten Studiomusiker seiner Zeit, der buchstäblich mit allen Größen der damaligen Musikszene zusammenspielte und sie als so genannter “Sideman” unterstützte (als solcher wurde er 2009 in die Rock´n Roll - Hall of Fame aufgenommen). Prinzipiell war sich Leon Russell nicht zu schade, in jeder Musikrichtung seinen Beitrag zu leisten, Berührungsängste schien er keine zu haben.
1968 gründete Leon Russell sein erstes eigenes Plattenstudio und 1969 sein eigenes Plattenlabel SHELTER RECORDS, auf dem er sein erstes Soloalbum veröffentlichte.
1971 saß Leon Russell als Sideman beim ersten Live-AID – Konzert der Geschichte, dem „Concert for Bangla Desh“, neben George Harrison, Eric Clapton und Bob Dylan auf der Bühne und wurde dadurch weltweit bekannt.


JJ Cale - DURANGO
https://www.youtube.com/watch?v=3G_msX9iHwg



HUNGERJAHRE IN L.A. – DIE GEBURT VON „JJ CALE“


JOHN W. CALE und seine Kameraden hatten kein so großes Glück wie Leon Russell. Immerhin konnten sie 1965 eine Single aufnehmen. Es handelte sich um die Urform des späteren Welthits “AFTER MIDNIGHT
Bei einem Auftritt mit Freunden im “WHISKEY A`GO-GO” in L.A. nahm ihn der Betreiber auf die Seite und sagte ihm. “Hör mal, John, da gibt’s schon einen Typen, der John Cale heißt, da drüben in New York, der spielt bei VELVET UNDERGROUND. Gib Dir lieber einen anderen Namen! Wie wär´s mit JJ ?”
So, erzählt man, soll aus JOHN WELDON CALE schließlich J.J. CALE geworden sein. Das Gründungsjahr der Velvet Underground war 1965 gewesen, so dass sich diese Szene wahrscheinlich irgendwann 1966 abgespielt haben wird.
Über seine Arbeit als Toningenieur gibt JJ Cale in seiner Biografie an, dass “die Jungs da einfach besser bezahlten, als Gitarrist war ja kein müder Buck zu verdienen.”.
Man darf wohl vermuten, dass die Arbeit, von der JJ Cale hier spricht, von Leon Russell mit seinen vielen Beziehungen vermittelt worden ist und dass es sich bei dem Tonstudio um kein geringeres als das berühmte Phil – Spector – Studio gehandelt haben kann – also eine Arbeit wie beim lieben Gott persönlich….

JJ Cale, der später so berühmt wurde für seine gradlinige Musik, hat auch eine Drogenvergangenheit und eine “psychedelische Phase” wie alle aufgeschlossenen Menschen seiner Generation. 1967 nahmen JJ Cale, Leon Russell und die Tulsa - Gang unter dem Bandnamen “THE LEATHERCOATED MINDS“ ein psychedelisch geprägtes Album mit dem Titel “A TRIP DOWN SUNSET STRIP” auf, das wohl nicht so ernst gemeint war und heute eine gesuchte Sammlerrarität ist. JJ Cale bekam einen ersten Solisten - Plattenvertrag bei Liberty Records und machte einige Singles, die allesamt floppten. Danach, das war 1968, verließ er völlig desillusioniert die Westküste und ging zurück nach Tulsa. Den Hippie – Hype hat er nie mitgemacht.

JJ Cale - SENSITIVE KIND
https://www.youtube.com/watch?v=_Vc63l5CdJc



DER DURCHBRUCH

JJ Cale dachte nach diesem Rückschlag allerdings nicht daran, die Musik an den Nagel zu hängen, er dachte eher daran, seine Erfahrungen als Toningenieur zu nutzen und seine Platten selbst zu machen. Er richtete sich ein Heimstudio in Tulsa ein und feilte mit einigen der Tulsa - Boys an einen eigenständigen Sound herum. Dies war die Geburtsstunde des später weltberühmten TULSA - SOUNDS.

Und der TULSA – Sound geht so:
Man nehme eine große Portion ROCKABILLY, eine ordentliche Portion COUNTRY, eine ordentliche Portion RHYTHM‘ N‘ BLUES, und als Zutaten kommen in Frage eine gehörige Prise JAZZ, wahlweise auch CAJUN oder REGGAE, fertig ist der Tulsa – Sound. Das Ganze trage man gelassen vor, es geht nicht darum, ins Schwitzen zu geraten, sondern COOL zu bleiben.

Auch Leon Russell verleugnete seine Wurzeln im Tulsa - County nicht, obwohl er in L.A. weiterhin groß im Geschäft blieb. Von seinem Plattenlabel SHELTER RECORDS haben wir schon gehört, dazu kaufte Russell in der Nähe von Tulsa eine leerstehende Gemeindekirche und machte daraus ein Aufnahme- und Remixingstudio samt Wohnmöglichkeiten für Angestellte und die Gastmusiker, das so genannte CHURCH STUDIO. Leon Russell veröffentlichte hier sein erstes eigenes Album, und er war es, der JJ CALE einen Plattenvertrag bei SHELTER REC. bot. Im Church Studio entstand JJ CALES erstes Album “NATURALLY (1972) und auch die vier Folgealben bis 1976, als sich Leon Russell und sein Partner Denny Cordell zerstritten und eigene Wege gingen.
Zum Zeitpunkt des Erscheinens von “NATURALLY” war der Big Bang schon passiert: Im Jahr 1971 hatte Eric Clapton den JJ Cale - Song “AFTER MIDNIGHT” veröffentlicht, der binnen Tagen hohe Chartspositionen erreichte und Clapton zu dem Superstar machte, der er heute ist.



DIE FRAU AN SEINER SEITE - CHRISTINE LAKELAND


Es gibt Kerle, die haben besonderes Glück bei den Frauen, auch wenn sie eine Knollennase haben, ständig unrasiert rumlaufen und nicht sehr gesprächig sind, so auch JJ Cale. Der hat eine wunderbare Frau an seiner Seite, seit Jahrzehnten schon - CHRISTINE LAKELAND. Irgendwann in den Siebzigern tauchte sie an JJ Cales Seite auf - und ist seitdem nicht mehr weggegangen. Auf Cale`s Album "5" ist sie das erste Mal vertreten, da sang sie die Backing Vocals von Cales Welthit “COCAINE” und seitdem gibt es kein Album mehr, auf dem sie nicht dabei ist. Normalerweise begleitet sie JJ Cale auf der Rhythmus- Gitarre, was ihm die Möglichkeit zu ausgeprägteren Gitarrenriffs bietet. Christine Lakeland ist aber auch eine ausgezeichnete Pianistin und Keyboarderin, sie spielt passabel Mundharmonika und macht die Backing Vocals. Ihr werdet sie in vielen der späteren Musicclips zu sehen kriegen. Christine hat auch mehrere Solo - Alben veröffentlicht. Natürlich spielt sie ebenfalls Tulsa - Sound wie ihr Mann.
Beobachtet man die beiden beim Auftritt, dann sieht man ein lange eingespieltes Paar, bei dem die Chemie stimmt. Wenn sie sich wegdreht und lächelt, dann hat er wahrscheinlich einen Witz gemacht und wir haben es nicht gemerkt. Wahrscheinlich hat er gerade einen Millimeter mit der Augenbraue gezwinkert. Ein sehr sympathisches Paar…..



ERIC UND JJ - EINE MÄNNERFREUNDSCHAFT

Die Wege von Eric Clapton und JJ Cale haben sich öfters im Leben gekreuzt - zuletzt ist eine offenbar recht enge Freundschaft daraus geworden, die musikalisch so erfolgreich war, dass daraus ein Grammy - gekröntes Album entstanden ist:

ROAD TO ESCONDIDO”.

JJ Cale & Eric Clapton (2006) DANGER
https://www.youtube.com/watch?v=V6HoUYFbQTU


Um etwa 1970/ 1971 müssen sich JJ Cale und Eric Clapton das erste Mal begegnet sein, und das verbindende Element ist mit Sicherheit – wie kann es anders sein - Cale`s Kumpel Leon Russell……
Eric Clapton war damals schon ein Superstar:
Schon zu Zeiten, als er noch mit “John Mayalls Bluesbreakers” spielte, schrieben seine Fans in London auf die Hausmauern “Clapton is God”. Sein Gitarrenspiel in der Supergruppe “Cream”, seine Rolle bei “Blind Faith” und sein Auftritt an der Seite von George Harrison beim “Concert for Bangla Desh”, (bei dem Leon Russell ebenfalls als Sideman teilnahm) zementierten seinen Ruf als Supergitarristen.
Und dann war es die Komposition eines bislang unbeachteten Toningenieurs, der an seinen eigenen Songs herumbastelte, die Clapton über Nacht zu DEM Weltstar machte, der er seitdem ist: “AFTER MIDNIGHT” geschrieben von JJ Cale…… Bis heute gibt Clapton kein Konzert, in dem er nicht Cales “AFTER MIDNIGHT” zum Besten gibt. Toppen lässt sich das meistens nur noch durch einen weiteren JJ Cale - Song: “COCAINE”. Danach hat man das Publikum in der Tasche…..

Es kommt einmal der Tag im Leben eines jeden Menschen, wo er sich seiner Endlichkeit bewusst wird und wo die Frage auftaucht: “Was ist mir noch wichtig?” Bei Clapton war es der Wunsch, mit Cale zusammen zu spielen und eventuell mit ihm zusammen ein Album zu machen. Im Jahr 2004 war es soweit: Es gelang Eric Clapton, JJ Cale, seine Frau Christine Lakeland und seine Jungs aus Tulsa einzuladen als Gast des von Clapton veranstalteten jährlichen “CROSSROADS GUITAR FESTIVAL“.
Der Live- Auftritt der beiden war so überzeugend und befriedigend, dass sie beschlossen, ein gemeinsames Album zu machen: “THE ROAD TO ESCONDIDO”. Das Album war von großem Erfolg gekrönt und wurde mit einem Grammy ausgezeichnet - der einzige Grammy, den JJ Cale jemals erhalten hat.

Siehe Rezension # 32 “Eric Clapton & JJ Cale - The Road to Escondido”
http://www.simforum.de/showpost.php?...7&postcount=32

Danach wurde es zur Gewohnheit, dass auf jedem Nachfolgealbum der jeweils andere ein Stück beisteuert. So spielten Cale und Clapton auf Claptons Album "ERIC CLAPTON" (2010) noch einmal den alten Cale - Song “River Runs Deep” von Cales allererstem Album nach und auch auf Claptons aktuellem Album “OLD SOCK” (2013) gibt es eine JJ Cale - Komposition, die von ihm akustisch begleitet wird. Umgekehrt gibt es Eric Clapton zu hören auf den Cale - Alben “TO TULSA AND BACK” (2004) und auf Cales letztem Album “ROLL ON” (2009), wo wir Clapton im Eingangssong schon hören konnten.



KRITIKER UND NEIDER

Man will es kaum glauben: Dieser zurückgezogen lebende und äußerst bescheidene Mann hatte nicht nur Freunde, so scheint es zumindest. Manches Lob hatte einen vergifteten Stachel im Inneren, so das Kompliment „Meister des ökonomischen Gitarrespiels“. Das heißt im Klartext: Der ist FAUL.
Zugegeben, er hat nicht gern geredet, über Privates sowieso nicht, war also maulfaul. Auch daraus kann man den Begriff „FAUL“ ableiten, ebenso aus seinem entspannten Gitarrespiel und den Veröffentlichungen, zwischen denen schon mal 2, 3 oder 4 Jahre vergehen konnten.
Dass die entspannte Musikatmosphäre auf der Bühne, das Sitzen auf Stühlen vielleicht nur ein Show- Element sein könnte, auf diese Idee scheinen seine Kritiker gar nicht zu kommen. Und dass der Tulsa- Sound das Ergebnis jahrelanger Bastelarbeit sein könnte, wird ebenfalls verkannt. „Mein Teil des Business ist es, Songs zu schreiben und an die Kollegen weiterzugeben und die gelegentlich auf der Bühne vorzuspielen, nicht mehr,“ so JJ Cale im Interview des Konzertmitschnitts „To Tulsa and Back“.

Was die Kritiker nicht wissen: Alle fertigen Songs waren das Ergebnis monatelanger Bemühungen von der Komposition bis zum Einspielen im eigenen Heimstudio: JJ CALE und seine Frau Christine waren beide Multi-Instrumentalisten und spielten die Songs mit allen Instrumenten in der Regel selbst ein. Bestimmte Musiker – Leistungen wurden dazugekauft, Freunde wollten mitspielen und wurden eingebunden, die Liste von Kollegen, die dabei sein wollten, wurde immer länger: Jedes JJ Cale – Album hatte mindestens ein dutzend Mitwirkende, darunter hochkarätige Leute. Was später so lässig daher kam, war das Ergebnis sorgfältigster Arrangement - Arbeit mit einem harten Kern von befreundeten Musikern.



DIE LETZTEN JAHRE

Die letzten 10 Jahre seines Lebens wurde JJ Cale doch noch ernsthaft sesshaft. Er lebte zuletzt im südlichen Kalifornien in der Nähe von San Diego, in LA JOLLA, einem ehemaligen Fischerdorf. Gartenarbeit sei jetzt sein neues Hobby, auch ganz schön, aber der Musik bleibe er treu, so verkündete er. Im Fripps - Hospital von La Jolla ist er am 26. Juli 2013 an den Folgen eines Herzinfakts gestorben.

John Weldon Cale wurde 74 Jahre alt.



DISKOGRAPHIE:

Naturally (1972)
Really (1973)
Okie (1974)
Troubadour (1976)
5 (1979)
Shades (1980)
Grasshopper (1982)
#8 (1983) mit Jim Keltner und Steve Ripley
Special Edition (1984)
Travel-Log (1990)
Number 10 (1992)
Closer to You (1994)
Guitar Man (1996)
Anyway the Wind Blows: The Anthology (1997)
The Very Best of J.J. Cale (1998)
Universal Masters Collection (1999)
Live (2001)
To Tulsa and Back (2004)
The Road to Escondido (2006) mit Eric Clapton
Rewind: Unreleased Recordings (2007)
Gold (2007)
Roll On (2009) (DE: #32)
The Silvertone Years (2011)



COVERVERSIONEN (Auswahl)

ANYWAY THE WIND BLOWS : Bill Wyman’s Rhythm Kings, Brother Phelps
AFTER MIDNIGHT: Chet Atkins, Eric Clapton, Sérgio Mendes,
Merl Saunders mit Jerry García, Reiner Schöne („So um Mitternacht“), The Seldom Scene, The Yardbirds
BRINGING IT BACK Kansas, Lynyrd Skynyrd
CAJUN MOON: Randy Crawford, Igor Flach, Herbie Mann, Maria Muldaur, Poco
CALL ME THE BREEZE: The Allman Brothers Band, Bobby Bare,
Johnny Cash, David Allan Coe, Dr. Hook,
Waylon Jennings, Lynyrd Skynyrd, Tom Petty, Spiritualized Clyde, Dr. Hook, Waylon Jennings
COCAINE : Eric Clapton, Joe Cocker, Nazareth, ZZ Top
CRAZY MAMA: The Band, Larry Carlton, Redbone, Johnny Rivers
I GOT THE SAME OLD BLUES: Bobby „Blue“ Bland, Bryan Ferry, Freddie King, Lynyrd Skynyrd
MAGNOLIA: José Feliciano, David Kitt, Poco, Chris Smither, Pat Travers
THE SENSITIVE KIND John Mayall, Carlos Santana
TRAVELIN`LIGHT Eric Clapton, Widespread Panic



MUSIKBEISPIELE:


JJ Cale & Band live (2004) MAMMA DON `T
https://www.youtube.com/watch?v=GxT9N8Pw5RE
Der Clip stammt von der DVD "To Tulsa and Back", die einen Live-Mitschnitt der gleichnamigen Tour darstellt


Die folgenden Clips stammen aus der Session in Leon Russells Paradise - Studio in LA aus dem Jahre 1979 - die komplette Session gibts am Ende in voller Länge. Unbedingt ansehen!

JJ Cale & Leon Russell live (1979) - AFTER MIDNIGHT
https://www.youtube.com/watch?v=2IZ9feKpJkk

JJ Cale & Leon Russell live (1979) - SENSITIVE KIND

https://www.youtube.com/watch?v=qMWMq-TNn7s

JJ Cale & Leon Russell live (1979 - 24 HOURS A DAY

https://www.youtube.com/watch?v=2qct...345FE788560992



Die beiden folgenden Clips zeigen die JJ Cale Tourband zu Gast im TV - Channel "LATER... from Jools Holland" anläßlich ihrer Europa - Tournee 1994

JJ Cale live
(1994) - CALL ME THE BREEZE
https://www.youtube.com/watch?v=mPME...YPzctQ&index=6

JJ Cale live feat. Jools Holland
(1994) - COCAINE
https://www.youtube.com/watch?v=gBxeILWGSWQ


Die folgenden drei Clips zeigen JJ Cale und Band UNPLUGGED im Dutch TV Studio anläßlich ihrer Europa- Tournee im Jahre 1994:

JJ Cale - AFTER MIDNIGHT (
1994)
https://www.youtube.com/watch?v=D0RPSDEOxTA

JJ Cale & Christine Lakeland - TRAVELIN`LIGHT (
1994)
https://www.youtube.com/watch?v=_OgjB6y70ew

JJ Cale & Christine Lakeland - DEVIL IN DISGUISE
(1994)
https://www.youtube.com/watch?v=qVj6QBhdmiw


Die beiden Clips zeigen JJ Cale und Eric Clapton zusammen beim "Crossroads Guitar Festival 2004"

JJ Cale & Eric Clapton (2004) - AFTER MIDNIGHT
https://www.youtube.com/watch?v=gaT5O72-CnY

JJ Cale & Eric Clapton (2004) - CALL ME THE BREEZE

https://www.youtube.com/watch?v=hncn...zctQ&index=336


So, liebe Freunde, es ist an der Zeit, endgültig Abschied zu nehmen von einem der brilliantesten Musiker Amerikas. Manche sagen, das Beste an den USA sind die Harley, die Dampfloks vergangener Tage und die unvergleichlichen Musiker. Was die Musiker angeht, so müssen sie wohl JJ Cale gemeint haben mit seiner ehrlichen Musik und seiner supercoolen Spielweise. Musik direkt aus dem Herzen Amerikas, amerikanischer gehts nicht! danke, JJ, für diese tolle Musik - und ROLL ON!
Zum Abschied noch ein letzter sentimentaler - und für JJs Verhältnis seeehr privater Einblick - in sein Fotoalbum......

JJ Cale - HIGHSCHOOL (Instrumental)

https://www.youtube.com/watch?v=k7NM...YPzctQ&index=8




Und hier gibt es einige komplette JJ Cale - Alben aus verschiedenen Jahrzehnten:

1972 - JJ Cale - NATURALLY (Complete Album)
https://www.youtube.com/watch?v=lcdtbIW0m4U

1974 - JJ Cale - OKIE
(Complete Album
https://www.youtube.com/watch?v=R-fb7Bmde8M

1979 - JJ Cale & Leon Russell at Paradise Studio, LA
(Complete Live Session)
https://www.youtube.com/watch?v=IaHxPi9dM7o

2006
- Eric Clapton & JJ Cale - THE ROAD TO ESCONDIDO (Complete Album)

https://www.youtube.com/watch?v=5DW2V0KS0O0



Danke für Euer Interesse! Die Firma dankt!

W.E. am 22./23.08.2013


credits:
pecvillian/
Rakam Tarigides/
mylomaster/
ceekay1952/
Aqualung1989/
D.J.Slim/
cassiopeiaA1/
marco fratini/
THEMUSICMAN311/
okee9/
FastforwardFolkert/
Razor1234x/
Fabio Mucke/
Arien de Nobel/
Sir Darco eddie/
austinpickers

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Geändert von The Wolf (23.08.2013 um 01:40 Uhr)
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Alt 24.08.2013, 17:34   #53
The Wolf
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in Memoriam - Fritz RAU

Um Musik zu machen, braucht es nicht nur Musiker - es braucht auch Veranstalter!

Leute also, die uns unsere geliebten Stars nahe bringen, die die Organisation von Tourneen übernehmen und ganz oder teilweise für das finanzielle Risiko übernehmen.

Um einige Namen zu nennen:

BILL GRAHAM für die USA, ROBERT STIGWOOD für U.K. und USA - und eben FRITZ RAU für West-Deutschland, solo oder zusammen mit seinem Partner Klaus LIPPMANN (Konzertagentur Lippmann + Rau)

Ohne ihn wäre in meiner Jugend gar nichts gelaufen; er hatte sie alle im Gepäck:

Die ROLLING STONES, JETHRO TULL, JIMI HENDRIX, DEEP PURPLE, BOB DYLAN, DAVID BOWIE und dutzende, wenn nicht Hunderte andere. Sein Veranstaltungskalender liest sich wie das Who-Is-Who der Blues-, Rock- und Popmusik.
Alle waren sich einig in der Super-Betreuung, die Fritz Rau ihnen bot, legendär sein gutes Verhältnis zu Mick Jagger, Ian Anderson und David Bowie. Er promotete sie alle - bis auf die BÖHSEN ONKELZ

Rau wurde 1930 in Pforzheim geboren, war im bürgerlichen Beruf Rechtsanwalt und kümmerte sich schon in den Fünfziger Jahren um den ersten Heidelberger Jazzclub "CAVE 54"

Wegen seiner tatkräftigen, manchmal aufbrausenden Art trug Fritz Rau den Spitznamen "AYATOLLAH CHOLERI"

Fritz Rau lebte zuletzt in einer Seniorenresidenz in Kronberg im Taunus in Südhessen. Er starb vergangene Woche im Alter von 83 Jahren.


Es gibt einen hervorragenden Wikipedia - Artikel in deutscher Sprache, und der ist hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Rau


Danke für Ihr lebenslanges Engagement für gute Musik, Herr Rau!
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Alt 27.10.2013, 20:59   #54
SimDieter
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Alt 22.12.2013, 23:31   #55
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In Memoriam - PAUL KUHN


Er hatte immer etwas Melancholisches an sich, trat bescheiden auf und blieb im Hintergrund - in Wahrheit war Paul Kuhn ein Gigant. Ein Leben lang war er “Paulchen Kuhn” und ließ sich lächelnd vereinnahmen. Obwohl kein Berliner, gehörte Paul Kuhn jahrzehntelang zu Berlin wie der Funkturm - und viele glaubten wohl, er sei ein Berliner; das Aushängeschild West - Berlins im Kalten Krieg. Er sang mit sanfter Stimme, schien sich selbst zu parodieren - irgendwie hatte Paul Kuhn etwas an sich wie Don Quichotte, der ewige Ritter von der traurigen Figur… Lag an den zu großen Ohren und den tiefen Augenringen, die er in späteren Lebensjahren entwickelte?
Wir vergessen dabei, dass es sich bei Paul Kuhn um einen der versiertesten Jazz - Pianisten Deutschlands gehandelt hat….

PAUL KUHN wurde am 12. März 1928 in Wiesbaden geboren als Sohn eines Croupiers. Die Familie soll nicht wohlhabend gewesen sein, auch wenn die schicke Dienstkleidung des Vaters über diesen Umstand hinwegtäuschen mochte. Als Paul Kuhn starb, lauteten seine Dienstbezeichnungen SÄNGER/ KOMPONIST/ ARRANGEUR/ ENTERTAINER/ SCHAUSPIELER/ PRODUZENT/ BANDLEADER - und natürlich PIANIST und MULTI - INSTRUMENTALIST, der zunächst Akkordeon, dann Piano und schließlich Klarinette zu spielen lernte.


KINDHEIT UND JUGEND
Pauls musikalische Fähigkeiten traten schon in ganz jungen Jahren zutage: Im Alter von acht Jahren trat Paul Kuhn mit seinem Akkordeon auf der Berliner Funkausstellung von 1936 auf. Da der schmächtige Junge mit seiner großen Brille hinter dem gewaltigen Akkordeon kaum zu sehen war, verpassten ihm die Zuschauer den Kosenamen “Paulchen” - einen Namenszusatz, den er Zeit seines Lebens nicht mehr los wurde oder nicht loswerden wollte. Schon bald trat er mit seinem Akkordeon in Erwachsenen - Lokalen auf, zum Beispiel im Weinlokal “EIMER” vor zahlenden Gästen.
Wie viele seiner Altersgenossen war Paul Kuhn früh reif - er musste es sein.: Er genoss einige Jahre Ausbildung am Musischen Gymnasium Frankfurt am Main bei Kurt Thomas, dann wurde er Hitlerjunge und war im zarten Alter von nur 16 Jahren bereits Truppenbetreuer bei Wehrmachtssoldaten im besetzten Paris, wo er vor Soldaten aufspielte. Als Paris im August 1944 von der Wehrmacht aufgegeben wurde, kam Paul Kuhn nach Deutschland zurück. Ausgerechnet während seiner Zeit als Hitlerjunge entdeckte der junge Paul seine Liebe zur Feindmusik - zum amerikanischen Jazz, wie ihn z.B. GLENN MILLER spielte, und der ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen sollte.

Zu Kriegsende 1945 war Paul Kuhn 17 Jahre alt und er tat das, was er am besten konnte: Er spielte vor Soldaten auf. Hessen war nun amerikanische Besatzungszone, und Paul Kuhn spielte vor amerikanischen GIs auf. Er und seine Band hatten sich das Repertoire von Glenn Miller so gut angeeignet, dass die Soldaten begeistert waren. Sie luden ihn ein, im amerikanischen Soldatensender “AMERICAN FORCES NETWORK” (AFN) zu spielen. Während Paul Kuhn noch einige Monate - mehr können es kaum gewesen sein - das Konservatorium in Wiesbaden besuchte, spielte er fast täglich live im Studio des AFN die Stücke von Glenn Miller und anderen Swing - Größen.


FRÜHE JAHRE IN WEST - BERLIN
Als bezahlter Musiker des Soldatensenders AFN muss Paul Kuhn das erste Mal in den späten vierziger oder frühen fünfziger Jahren nach West - Berlin gekommen sein. Hier spielte er neben dem AFN auch in den angesagten Jazz - Clubs der Stadt, zum Beispiel in der “FEMINA - BAR” in der Nürnberger Straße. Amerikanisch orientierter Jazz war auch während der Nazizeit niemals völlig aus Berlin verschwunden, da auch eine Reihe Nazi - Größen begeisterte Jazz - Anhänger waren und entgegen der Partei - Propaganda ihre Hand schützend über einige Musiker hielten, zum Beispiel über den in der Türkei geborenen Halbjuden FREDDIE BROCKSIEPER (1912 - 1990), in dessen Band auch der junge Paul Kuhn zeitweise spielte.
Das Engagement beim AFN konnte für Paul Kuhn auf Dauer nicht tragbar sein und der junge Mann suchte Zugang zur Unterhaltungsmusik der jungen Bundesrepublik, und das hieß in den fünfziger Jahren SCHLAGERMUSIK. Mit dem von Horst Heinz Henning komponiertem Song “Der Mann am Klavier” wurde Paul Kuhn einem größerem Publikum bekannt; 1957 nahm Kuhn an den Vorauscheidungen zum EUROPEAN SONG CONTEST teil und belegte Platz 3. Seinen vorläufigen Karriere - Höhepunkt erlangte Paul Kuhn mit dem Gassenhauer “Es gibt kein Bier auf Hawaii”, entstanden im Jahr 1963. Paul Kuhn förderte auch den Nachwuchs; er gilt als Entdecker von Howard Carpendale.


DER BANDLEADER PAUL KUHN
In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann das Medium “Fernsehen” den Rahmen der reinen Informationsvermittlung zu sprengen und es entwickelte sich das, was wir heute als “Entertainment” bezeichnen. Das Öffentlich- Rechtliches Fernsehen begann mit einer Reihe von Unterhaltungssendungen, die fester Bestandteil des Lebens der Deutschen wurde. Paul Kuhn konnte von dieser Entwicklung profitieren. Er wurde einem Millionenpublikum bekannt durch Sendungen wie “PAUL´S PARTY”, Sendungen, die damals in jedem deutschen Haushalt mit Fernsehempfang populär waren.
Paul Kuhns wichtigstes Werkzeug war dabei die langjährige Leitung der Bigband des Westberliner Senders “SENDER FREIES BERLIN” (SFB) ab 1968. Als Leader des berühmten SFB - Tanzorchesters war Paul Kuhn in zahlreichen TV - Sendungen Dauergast, zum Beispiel in der Sendung “GALA DER SCHALLPLATTE” zuerst moderiert von Vivi Bach und Dietmar Schönherr, dann von Eva Renzi und Paul Hubschmidt und zuletzt von Rudi Carrell. Paul Kuhn war fast jahrzehntelang einer der erfolgreichsten Musiker Westdeutschlands und - obwohl gar kein Berliner - so etwas wie der musikalische Botschafter Westberlins an die Bundesrepublik


PAUL KUHN - ABSTURZ UND NEUBEGINN
1980 erlebte Paul Kuhn einen sagenhaften Absturz, der wohl manch anderen zerschmettert hätte. Die Bigband des Senders Freies Berlin wurde aufgelöst, aus Kostengründen, wie das begründet wurde. Schlimmer noch: Paul Kuhn verlor auch seinen Plattenvertrag bei EMI - Electrola - und seine zweite Ehefrau. Seine neue Sendung GONG SHOW wurde nach vier Folgen sang- und klanglos eingestellt. Die Gründe für dieses Schicksalsjahr sind mir nicht bekannt, gemunkelt wird von schweren Alkoholproblemen…..

Paul Kuhn erwies sich jedoch als Vollprofi und als Stehaufmännchen: Er verließ noch im Jahr 1980 Berlin, ging nach Köln und gründete unverzüglich sein eigenes Orchester. Mit diesem Orchester, nun nicht mehr als verbeamteter Staatsmusiker mit Pensionsanspruch, sondern als Privatmann, feierte Paul Kuhn im Alter von 52 Jahren einen Neuanfang. Er stellte seinen Klangkörper auf dem Kölner Presseball 1981 vor und begleitete Peter Alexander 1983 auf dessen Tournee im deutschsprachigen Raum, desgleichen noch einmal 1990/91 bei dessen Abschiedstournee. Das Orchester hatte zahllose Engagements und bestand etwa bis 1995.


PAUL KUHNS ALTERSWERK
Seit 1980 hatte Paul Kuhn eine Wohnung in der Schweiz und lebte hier mit seiner 3. Ehefrau UTE HELLERMANN, die den Chor seines Orchesters leitete.
1994 fiel Paul Kuhn noch einmal in ein tiefes Loch: Er und seine Ehefrau standen als Steuerhinterzieher mit einer fast siebenstelligen Steuerschuld vor einem deutschen Gericht und wurden zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Mag sein, dass dieser Umstand das Ende des Paul - Kuhn - Orchesters bedeutet hat.
Wie schon 1980 gab Paul Kuhn nicht auf: Nunmehr nahezu siebzig Jahre alt, tat Paul Kuhn das, was er offenbar schon immer hatte tun wollen: Er gründete das “PAUL KUHN TRIO” und widmete sich abseits großer Verpflichtungen seiner eigentlichen Liebe, dem Jazz. Das Trio bestand aus PAUL KUHN (Piano), WILLY KETZER (Drums), MARTIN GJAKONOVSKI oder GARY TODD (Bass)
Zusammen mit wechselnden Gastmusikern ging das Trio aus hochkarätigen Jazzmusikern auf gefeierte Tourneen und begeisterte eingefleischte Altfans und zahlreiche junge dazu. Aus dem jahrzehntelangen Orchesterleiter Paul Kuhn war eine gefeierte Legende geworden. Und Paul Kuhn gestaltete noch eine weitere Konzertlegende: Er ging mit den Bandleader - Kollegen HUGO STRASSER und MAX GREGER als Trio auf Tournee unter dem Tournamen LEGENDS OF JAZZ.
Im Jahre 2011 flog Paul Kuhn, nunmehr 83 Jahre alt, in die USA und nahm in den Capitol Studios in Los Angeles die Platte “L. A. SESSIONS” auf. Begleitet wurde er dabei von JOHN CLAYTON und JEFF HAMILTON. Die Platte wurde 2013 veröffentlicht und erhielt wegen ihrer Improvisationen und des dichten Zusammenspiels aller drei Musiker enthusiastische Kritiken.

Paul Kuhn war noch nie in seinem Leben zu einer Kur gereist. Bis zum Alter von 85 Jahren wollte er davon nichts wissen. Als er es dennoch tat, endete das tödlich für ihn: Am 27. September 2013 ist er bei einem Kuraufenthalt in Bad Wildungen gestorben.



Ich verneige mich in tiefer Ehrfurcht vor einem Musiker, der der Musik nahezu 80 Jahre seines Lebens gewidmet hat und dabei Höchstleistungen vollbracht hat, selbst in hohem Alter noch. Danke, Paul Kuhn - RESPEKT!


Paul Kuhn - HEADING SOUTH
http://www.youtube.com/watch?v=QSQPsMRFUpc

Paul Kuhn Trio (2009) - ALMOST THE BLUES
http://www.youtube.com/watch?v=JoiATLplM7o

Paul Kuhn (2011) - THE GIRL NEXT DOOR
http://www.youtube.com/watch?v=M2V5uHZOLm4

Paul Kuhn Trio - GET YOUR KICKS ON ROUTE 66
http://www.youtube.com/watch?v=zAxy2gCJmJU

Paul Kuhn Trio - AS TIME GOES BY
http://www.youtube.com/watch?v=ZrbAgQPAsrI

Paul Kuhn & Filmorchestra Babelsberg (28.03.2013) im Burghof Lörrach
http://www.youtube.com/watch?v=lcP3PjQWyPk
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Geändert von The Wolf (23.12.2013 um 00:28 Uhr)
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Alt 23.12.2013, 00:43   #56
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Danke!

Liebe Freunde, der Club der Toten Musiker ist keineswegs tot - nur manchmal dauert es hat etwas länger, wenn es gut werden soll. Ich bin sehr erfreut, Paul Kuhn doch noch die Würdigung zukommen zu lassen, die ihm gebührt...

Und es ist Zeit, wieder einmal danke zu sagen an die über 10 000 Leute, die hier hereingeschaut haben, das ist mehr, als ich jeweils in meinen kühnsten Träumen erhofft habe.
Jeder einzelne Klick war hilfreich und sorgt dafür, dass auch mein Interesse an diesem Projekt nicht erlischt.

Weihnachten und Silvester gehören in dieem Thread den lebenden Musikern - und Euch und mir, so haben wir es schon zum letzten Jahresausklang gehabt. Ich überlege mir gerade was.
Und Anfang Januar wird es ein neues und hoffentlich spannendes Projekt geben, das ebenfalls mit Musik zu tun hat - und mit einer fremden Kultur, die längst vergangen ist, aber bis in die Gegenwart ausstrahlt. Aber das merkt Ihr dann ja..

Viel Spaß!

Den Doppelten Thread über Paul Kuhn habe ich entfernt, die Clips übernommen.
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Alt 24.12.2013, 13:51   #57
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Frohe Weihnachten!

Der Club der Toten Musiker grüßt alle Simies, die Moderatoren, die ihre Zeit und ihr Geld hier reinstecken und alle Gäste, die vorbeischauen und wünscht allen ein frohes, sorgenfreies und glückliches Weihnachtsfest!

Wie schon im letzten Jahr soll es auch dieses Jahr was Besonderes sein - meine Überlegung schwankte zwischen dem Christmas - Album von Jethro Tull oder Loreena McKennitt mit einem Konzertabend aus der spanischen Alhambra.
Da es sich um ein komplettes Live-Konzert handelt, habe ich mich für die Alhambra entschieden. Es wird Irisches geben, Keltisches, aber auch Andalusisch-Marrokkanisches, wie es dem Platz entspricht. Viel Spaß!


LOREENA McKENNITT - Live From The Alhambra
http://www.youtube.com/watch?v=fR3jRhqSkUk


Thanks to Alex Phoenix
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Geändert von The Wolf (24.12.2013 um 15:26 Uhr)
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Alt 31.12.2013, 15:48   #58
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So, liebe Freunde,

das Jahr 2013 neigt sich dem Ende zu - für mich persönlich war es kein gutes, deshalb hoffe ich, dass es 2014 besser wird, für mich, aber auch für Euch alle.
Ganz so einfach lassen wir das alte Jahr aber nicht ziehen, vorher gibt es noch etwas auf die Ohren! Ich hoffe, Ihr habt Spaß und es ist für möglichst viele von Euch was Passendes bei. Der Anfang und das Ende ist diesmal den Rolling Stones gewidmet, die in 2013 ihr fünfzigjähriges Bandjubiläum feiern und ihren Auftritt in Glastonbury zum Konzertereignis des Jahres machen konnten. Mal sehen, was 2014 an tollen neuen Konzerten bringt.

Guten Rutsch für Euch alle!




The Rolling Stones Jumpin`Jack Flash - LIVE IN GLASTONBURY 2013 HD
http://www.youtube.com/watch?v=dgbZ1uiwKKU

Jeff Beck Live AT RONNIE SCOTT`S - Full Show
http://www.youtube.com/watch?v=uIwSt2R54Xs

The Best of Eric Clapton CROSSROADS 2010 HD
http://www.youtube.com/watch?v=6D03OnzI1Nk

Joe Bonamassa - MONTREUX JAZZ FESTIVAL 2010 HD
http://www.youtube.com/watch?v=0qfTPoKEbLg

Santana - SUPERNATURAL JAPAN TOUR 2000 HQ
http://www.youtube.com/watch?v=95Gjq7Jqjg0

Cream - LIVE AT THE ROYAL ALBERT HALL 2005 Part 1
http://www.youtube.com/watch?v=nIKfECOE7GI

Cream - LIVE AT THE ROYAL ALBERT HALL 2005 Part 2
http://www.youtube.com/watch?v=KHOG929FmHA

Tangerine Dream live - THE ELECTRIC MANDARINE TOUR 2012
http://www.youtube.com/watch?v=GyiKD3YUEDI

The Rolling Stones - LIVE AT GLASTONBURY 2013
http://www.youtube.com/watch?v=3PFIJzWRvgk


Thanks to:

vatnable
BassRenata
Francesco Caridi
ruslan capush
MegaGuitarGods
inettvradio
BFMvMetaOCore u.a.
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Geändert von The Wolf (31.12.2013 um 16:07 Uhr) Grund: Hoffe, alle Links gehen jetzt...
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Alt 04.01.2014, 19:53   #59
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R.I.P. Phil Everly

Okay, das sagt vielleicht den Jüngeren nicht viel, den Ältern sicherlich um so mehr.
Phil Everly war einer beiden Brüder des Duos "The Everly Brothers".

Sie haben doch sehr viel geprägt, bzw. nachkommende Musiker beeinflußt, obwohl sie eher zur "weichen Welle" gehörten.

Zahlreiche Hits ab Mitte der 50er bis Anfang der 60er, die noch heute gehört werden:
"Bye Bye Love", "Wake Up Little Susie", "All I Have to Do is Dream", "Crying in the Rain", etc.
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Alt 07.01.2014, 20:18   #60
The Wolf
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Zitat:
Zitat von SimDieter Beitrag anzeigen
R.I.P. Phil Everly

Okay, das sagt vielleicht den Jüngeren nicht viel, den Ältern sicherlich um so mehr.
Phil Everly war einer beiden Brüder des Duos "The Everly Brothers".

Sie haben doch sehr viel geprägt, bzw. nachkommende Musiker beeinflußt, obwohl sie eher zur "weichen Welle" gehörten.

Zahlreiche Hits ab Mitte der 50er bis Anfang der 60er, die noch heute gehört werden:
"Bye Bye Love", "Wake Up Little Susie", "All I Have to Do is Dream", "Crying in the Rain", etc.

Danke, dass Du Phil Everly erwähnt hast. Die waren nicht unbedingt mein Fall, aber ich erinnere mich, dass sie in den frühen sechziger Jahren ein ganz starker Act waren. An die von Dir angesagten Songs erinnere ich mich noch gut, die waren Gassenhauer. alle haben sich auf die Everlys berufen oder von ihnen profitiert, selbst die Beatles. Wer vermutet schon, dass ausgerechnet Keith Richard ein Fan der Everlys ist? Behauptet er zumindest in seiner Biographie. Ich meine mich auch erinnern zu können, dass die Stones 1963 zusammen mit den Everlys auf Tour gingen, wenn nicht sogar als deren Vorgruppe....

So, und damit jeder weiss, wie die Everly Brothers klangen, krame ich mal ein bißchen bei YouTube... Ei, was haben wir denn da....


WAKE UP, LITTLE SUZIE (1957) - The Everly Brothers
http://www.youtube.com/watch?v=4X7b2E_Jq-k

BYE, BYE LOVE (1957) - The Everly Brothers
http://www.youtube.com/watch?v=fUoN50lkRi4

ALL I HAVE TO DO IS DREAM/ CATHY´S CLOWN (1960) - Everly Brothers
http://www.youtube.com/watch?v=lTYe9eDqxe8


Die Everly Brothers mögen auf uns heute etwas angestaubt wirken, sie waren aber nie völlig weg, sondern so eine Art Graue Eminenz, die zahlreiche Collaborations mit anderen Künstlern hatten, wie hier z.B. 1986:

WHY WORRY? (1986) - Chet Atkins, The Everly Brothers, Mark Knopfler
http://www.youtube.com/watch?v=CkFcQRiFL68


In Ehren ergraut nach fast 50 Jahren im Musikbusiness:

WAKE UP, LITTLE SUZY (2004) - The Everly Brothers
http://www.youtube.com/watch?v=E6Q6zg90dxk


Farewell, Phil!


(und Dir vielen Dank, SimDieter, dass Du daran erinnert hast)
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Alt 07.01.2014, 20:29   #61
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Fernsehtipp!

Heute Abend:

"THE VOICE OF PEACE - DER TRAUM DES ABI NATHAN"

Dieser Film erinnert ABI NATHAN, der als Nachfahre sefardischer Juden im Iran geboren wurde, nach Israel auswanderte, dort als Bomberpilot Menschen bombardierte und arüber zum Friedensaktivisten wurde.

Abi Nathan kaufte sich ein Schiff und richtete einige Seemeilen vor Tel Aviv den ersten schwimmenden Piratensender ein. Angefeindet von diversen israelischen Regierungen, drangsaliert, verhaftet, eingesperrt, verbreitete Abi Nathan einige jJahre seine Friedensbotschaft mittels Musik in allen Nahost - Anreainerstaaten und turnte die Menschen dort an. Legendär seine Musikliebe, seine umwerfende Wirkung auf Frauen und seine rauschenden Feste an Bord des Piratensenders - Flower power auf israelisch...

Der Film heute Abend ist gespickt mit Musikclips aus der damaligen Zeit, die heute allesamt wertvolle Zeitzeugnisse sind und viele unserer "Clubmitglieder" enthalten (viele noch unbesungen, schnüff..). damals lebten die noch und agierten, z.B. John Lennon.

Wann? Wo?

Dienstag, 7. Januar 2014 um 22.45 Uhr ARD. Nicht versäumen!
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Alt 28.01.2014, 20:47   #62
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in memoriam....

PETER "PETE" SEEGER" (1919 - 2014)


Heute verstarb im hohen Alter von 94 Jahren der Soziologe, Musiksammler, Musik - Ethnograph, Arbeiter- und Protestlieder - Sänger und bekennender Kommunist PETE SEEGER.

Seeger war das Gewissen Amerikas, der Sänger für die kleinen Leute, Minderheiten, der Protestsongs in den Vereinigten Staaten aus der Vergessenheit holte und sie wieder zugänglich machte. Mit seiner Arbeit inspirierte er Tausende, darunter Menschen wie Woodie Guthrie, Bob Dylan, Joan Baez, Bruce Springsteen, The Byrds und viele andere.
Seine Songs begleiteten Bürgerrechtler wie Dr. Martin Luther King auf ihrem Weg.
Ein langes, großes, erfülltes Leben ist zu Ende gegangen.

Farewell, PETE!


DOWN BY THE RIVERSIDE - Pete Seeger, Sonny Terry & Browny McGhee
http://www.youtube.com/watch?v=I9eDU045u_E


WHERE HAVE ALL THE FLOWERS GONE? - Joan Baez
http://www.youtube.com/watch?v=cDZ8BN0ZfvU


COLORS (1966) - Donovan & Pete Seeger
http://www.youtube.com/watch?v=LoG3FUZGcyA


CINDY - Buffy Sainte - Marie & Pete Seeger
http://www.youtube.com/watch?v=Y8_9mohCUeE


ROCK ISLAND LINE - Pete Seeger , Sonny Terry & Brownie McGhee
http://www.youtube.com/watch?v=6bSQKOGD8AU
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Alt 19.07.2014, 03:04   #63
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in Memoriam - Johnny Winter

Liebe Freunde,

ich bin sehr traurig über den Tod des großen alten Blues - Mannes JOHNNY WINTER, der vor zwei Tagen den Weg aller irdischen Menschen gegangen ist. Johnny Winter war ein zu wichtiger Musiker, als dass man ihn unbeachtet ließe.

In den nächsten Tagen wird es also eine ausführliche Widmung dieses großartigen Gitarristen geben. ich weiss nicht, ob das am Wochenende noch wird, wahrscheinlich eher in der kommenden Woche. Wichtig ist mir neben dem möglichst gut recherchierten Artikel vor allem eine Sammlung ausdrucksstarker Musikclips.

Dann liegt mir noch ein anderer großer Musiker am Herzen: der spanische Flamenco - Gitarrist PACO DE LUCIA, dessen Rezension im Rahmen fertig ist. Ich möchte Winter aber vorziehen.
Im Herbst dann soll es an einige Berühmtheiten gehen, ich dachte an John Lennon, George Harrison und die Gründer der Stones und Pink Floyd, Brian Jones und Syd Barrett.....

Glaubt also nicht, dass dieser Club hier tot ist. Ganz im Gegeteil, ich fürchte, da kommen in diesem Jahr noch einige dazu.
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Alt 19.07.2014, 03:15   #64
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Leider wird dieser Club nie aussterben
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*** Lass dir bitte nicht zuviel Zeit damit. Ich bin 39 und kurz vorm Sargnagel! ***
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Alt 08.08.2014, 11:40   #65
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R.I.P. Johnny Winter

Zitat:
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Leider wird dieser Club nie aussterben
Im Gegenteil, der wird sich leider jetzt immer schneller vergrößern.
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Alt 20.10.2014, 13:18   #66
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In memoriam JOHN HOLT


The Tide is High - THE PARAGONS (Original, 1967)
https://www.youtube.com/watch?v=SQXqkiKXiHc


Liebe Freunde, soeben erreichte mich die Nachricht vom Tode des jamaicanischen REGGAE - Musikers JOHN HOLT, der in seinem Leben zahlreiche Reggae - Hits komponiert hat und zusammen mit anderen diesen Teil der Welt - Musik weit über die Grenzen seines Landes hinweg bekannt - und unsere Welt etwas fröhlicher und farbiger - gemacht hat. Sein bekanntester Song war "THE TIDE IS HIGH", mit dem die New Yorker Band BLONDIE einen Super - Hit hatte und er 2002 noch einmal von ATOMIC KITTEN gecovert wurde. John Kenneth Holt wurde 69 Jahre alt.


The Tide is High - BLONDIE (Cover - Version, 1983)
https://www.youtube.com/watch?v=ppYgrdJ0pWk

The Tide is High - JOHN HOLT (live 2010 Garange Reggae Festival, Frankreich)
https://www.youtube.com/watch?v=P7LjRtI93aE
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Alt 20.10.2014, 13:36   #67
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Zitat:
Zitat von Dany
Leider wird dieser Club nie aussterben
Im Gegenteil, der wird sich leider jetzt immer schneller vergrößern.
Tja und vielleicht ist es nur meine sonderbare Sichtweise,aber ich habe nicht das Gefühl dass diese Zeit schon genug zukünftige Musik und Showbizz Legenden hervorgebracht hat....

Rest in Piece JOHN HOLT

Eins meiner Lieblingslieder ist immer noch das hier

Police in Helicopter 1983

https://www.youtube.com/watch?v=smWVKR_LYjs
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Alt 26.10.2014, 01:51   #68
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In Memoriam - JACK BRUCE (1943 - 2014)


Und wieder ist dieser Club um ein Mitglied größer:

Heute verstarb der schottische Komponist und Bassist JACK BRUCE, der Mitbegründer, Songwriter, Sänger und Bassist der legendären Supergruppe CREAM war. Obwohl CREAM nur zwei Jahre lang bestand, verkaufte die Gruppe, bestehend aus Eric Clapton, Ginger Baker und Jack Bruce, in dieser Zeit 35 Millionen Tonträger und wurde eine der bekanntesten und innovativsten Gruppen ihrer Zeit. "Cream" und "Jimi Hendrix Experience" waren die ersten Rockgruppen der Geschichte und begründeten den Übergang von der "Beatmusik" zur modernen Rockmusik. Jack Bruce hat dabei an entscheidender Stelle mitgewirkt.

Farewell Jack!



CREAM - I FEEL FREE (1967)
https://www.youtube.com/watch?v=n4EUlyduEb4


CREAM - WHITE ROOM (2005, Live from Royal Albert Hall, London)
https://www.youtube.com/watch?v=dCc00pX_pFA
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Alt 14.12.2014, 15:47   #69
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Johnny winter 1944 - 2014

In memoriam: JOHNNY WINTER


Johnny Winter (1988) - CLOSE TO ME
https://www.youtube.com/watch?v=jQ0u...PzctQ&index=19




Texaner, das sind Leute, die tragen Stetson – Hüte, karierte Hemden und Cowboystiefel, können vor Kraft kaum laufen und stelzen breitbeinig daher. Sie züchten Rinder, ernähren sich vornehmlich von Barbecue im Kreis von Freunden und Familien, lieben unter Kumpels Lagerfeuer, Bohneneintopf aus Blechnäpfen und schlüpfrige Witze und zeigen ihren Frauen, wo`s langgeht, notfalls auch handgreiflich. Die texanischen Gesetze erlauben so was….
Solche Texaner mag es ja sicherlich geben, sie sind aber nicht alle so. JOHNNY WINTER war auch Texaner, und breitkrempige Hüte trug er auch, zumindest, als er etwas älter war. In früheren Jahren bevorzugte er eine Art Arbeitermütze, oder er trug seine langen weißen Haare pur.
Was wäre aus Johnny Winter wohl geworden, wenn er nicht Blues - Gitarrist geworden wäre? Betrachten wir zunächst mal, was er geworden ist:


JOHNNY WINTERS HERKUNFT

Sein richtiger Name war JOHN DAWSON WINTER III., und er war ein amerikanischer Blues-Gitarrist, Multi - Instrumentalist, Sänger, Komponist, Arrangeur und Produzent. So sagt es seine offizielle Biographie. Aber stimmt das wirklich?
Geboren wurde er am 23. Februar 1944 in Leland, Mississippi. Wirklich?

Johnny Winters Leben war von einigen Mythen und Legenden umgeben, die es aufzulösen gilt:
Schon beim Geburtsort nennen verschiedene Quellen verschiedene Orte, wenn sie sich auch zumindest beim genauen Geburtsdatum einig sind. LELAND liegt in Mississippi, BEAUMONT dagegen in Texas. Die Familie war in Mississippi ansässig, siedelte aber schon sehr früh nach Texas um, und zwar nach BEAUMONT, und dort kam 1944 Johnny und 1946 sein jüngerer Bruder EDGAR WINTER zur Welt. Streng genommen ist Johnny Winter also gar kein richtiger Texaner, aber er hat seine gesamte Kindheit und Jugend hauptsächlich in Beaumont verbracht.
Beaumont hat nicht unbedingt was Texanisches an sich, zumindest was das Rinderzüchten angeht. Die Stadt liegt ganz im Osten an der Grenze zu Louisiana und nur einige Meilen von der Golfküste entfernt; die Kultur Louisianas ist den Einwohnern mit Sicherheit näher als die Prärie- und Pferdekultur des texanischen Nordens. Heute wird Beaumont dominiert von der texanischen Ölindustrie. Hätte aus Johnny Winter also auch ein Ölarbeiter werden können?

Wegen seiner Geburt in Beaumont gilt Johnny Winter als Texaner, dabei darf man aber die stark ausgeprägte väterliche Linie nicht vergessen, und die führt nach Mississippi, mitten ins Gebiet des „Delta Blues“ – in die ärmste Gegend der USA und in eine der am stärksten vom Rassismus geprägten Gegenden des amerikanischen Südens.
Johnny Winter trug ja den offiziellen Namen JOHN DAWSON WINTER III.; mit dieser dem europäischen Adel nachempfundenen Genealogie betonen amerikanische Familien gerne ihren Reichtum, ihre Bedeutung, ihre gesellschaftliche Stellung und sie demonstrieren vor allem, dass sie „Natives“ sind, also in den USA Ansässige und nicht etwa Leute, die erst vor wenigen Wochen aus Tarnopol, Pozzuoli, Hintertupfing am Walde oder Mexiko zugewandert waren. Die Botschaft ist klar: „WIR sind hier wer und haben uns etwas aufgebaut, schafft ihr euch erstmal etwas Eigenes, bevor ihr mitreden wollt.“

Die Dynastie der Winters wurde begründet von John Dawson Winter SEN. (1879-1938), der nach LELAND, Mississippi, kam und in den Baumwollhandel einstieg. Das muss so um 1920 herum gewesen sein. Er gründete das Unternehmen „John D. Winter & Son, Cotton Manufacturing“. Er kaufte Roh – Baumwolle von den Farmen auf und verkaufte sie zur Weiterverarbeitung. Dadurch gelangte er zu Geld, Macht und Ansehen in Leland und stellte bald den (inoffiziellen) Bürgermeister. Dazu war der alte Winter auch selbst bald Baumwollfarmer und betrieb aller Wahrscheinlichkeit die Stovall – Plantation, die noch eine Rolle spielen wird; ebenfalls ein Ort einer Legende aus Johnnys Leben.

Johnnys Vater, also John Dawson Winter JUN. (1909-2001) setzte die Arbeit seines Vaters tatkräftig fort – bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges. 1936 wurde er ganz offiziell zum Bürgermeister von Leland gewählt. Im Zuge seines Baumwollhandels kam er viel in der Gegend herum, und bei einer Geschäftsreise in BEAUMONT, Texas, traf er seine künftige Frau, Johnny Winters Mutter Edvina, eine Städterin.
Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde John D. Winter Jun. zur amerikanischen Marine eingezogen und tat Dienst im Offiziersrang; Edvina teilte das Schicksal von Millionen Kriegsbräuten und bekam ihren Mann nur zu Gesicht, wenn dieser Heimaturlaub hatte. Bei einem dieser Urlaube wurde sie schwanger und kehrte Leland den Rücken, um ihr Kind in ihrer Heimatstadt Beaumont zu Welt zu bringen.
Die Gründe leuchten ein: Beaumont ist eine Großstadt mit knapp 130 000 Einwohnern und entsprechenden Einrichtungen, wohingegen Leland bei der Volkszählung von 2001 eine Einwohnerzahl von 5200 Seelen aufwies. Oder noch deutlicher: LELAND ist ein Dorf, in dem es vermutlich auch heute nicht ein einziges Gebäude gibt, das zweistöckig ist; es leuchtet ein, dass Edvina ihr erstes Kind nicht in einem solchen Kaff zu Welt bringen wollte. So kam ihr erstgeborener Sohn am 23. Februar 1944 in Beaumont zur Welt, und der Familientradition folgend erhielt er den Namen JOHN DAWSON WINTER III. Der Junge kam mit Albinismus zur Welt und schielte stark.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges versuchte Johnnys Vater den Baumwollhandel wieder in Gang zu bringen, aber das gelang ihm nicht. Die großen Konzerne machten jetzt das große Geld im Baumwoll – Anbau und -handel, die kleinen Farmer mussten aufgeben. Johnnys Vater verlegte seine Geschäfte nach Beaumont, sodass die Familie Winter Leland bald ganz verließ und nach Beaumont übersiedelte. Hier kam 1946 Johnnys Bruder EDGAR WINTER zur Welt, der ebenfalls an Albinismus litt. Die Familie Winter blieb jedoch dem Staat Mississippi noch viele Jahre lang eng verbunden wegen der vielen Verwandten und Familienmitglieder in Leland, und jeden Sommer verbrachten sie ausgedehnte Ferienwochen im „Cotton Country“. Dies ist nicht bedeutungslos, denn hier war der Ort, wo der junge Johnny Winter seine Vorliebe für den Blues der schwarzen Bewohner Lelands entdeckte, und hier soll sich angeblich auch die schicksalhafte Begegnung zwischen Johnny Winter und seinem schwarzen Vorbild MUDDY WATERS ereignet haben; ein Ereignis, das ins Reich der Fabel gehört, wie so vieles im Leben Johnny Winters.


KINDHEIT UND JUGEND

Der Vater legte großen Wert darauf, dass seine Söhne musikalisch erzogen wurden. In späteren Jahren beklagte sich Johnny Winter in Interviews schon mal darüber, dass der Vater seine Söhne mit eiserner Hand zum Musiklernen angehalten habe; sein Ziel war es, mit seinen Söhnen gemeinsam aufzutreten und zu musizieren und singen. Johnnys Vater war selbst musikalisch begabt und spielte Saxophon und Gitarre; er sang und spielte in der Kirche, auf Hochzeiten und bei Treffen des Rotarierclubs. Johnnys Mutter Edvina war eine begabte Klavierspielerin. Auch gab es im Haus eine große Musiksammlung mit vielen Bluesplatten, einer Musikrichtung, die bei Weißen damals durchweg verpönt war; man lebte im Zeitalter der strikten Rassentrennung im Süden.

Schon im Alter von 5 Jahren zeigte Johnny Winter Interesse an der Klarinette, dann bekam er eine Ukulele geschenkt und hielt im zarten Alter von 11 Jahren zum ersten Mal eine Gitarre in der Hand, nachdem seine Hände für das Griffbrett groß genug geworden waren. Ein Jahr zuvor, mit 10 Jahren, absolvierte Johnny seinen ersten öffentlichen Auftritt mit seinem Bruder Edgar; Johnny spielte Ukulele und sang Songs der “Everly Brothers” in der Ted Mack Amateur - Show, einer lokalen Talentshow im Fernsehen.
Mit seinem jüngeren Bruder Edgar spielten sie in verschiedenen Schulbands. Sie gaben sich so phantasievolle Namen wie “Black Plague” oder “It & Them” und „Johnny (Macaroni) and the Jammers“, und als Johnny Winter 15 Jahre alt war, nahmen sie ihre erste eigene Single auf: „SCHOOL DAY BLUES“, herausgegeben von „Dart Records“, einem unbekannten Kleinlabel in Houston.

Zwar war der Baumwoll – Boom zu Ende, aber die Eltern hatten für ihren ältesten Sohn eine zukünftige Karriere als Geschäftsmann vorgesehen, schließlich hieß er ja John Dawson Winter III. und sollte die Geschäftstradition der Dynastie fortsetzen. So schickten sie ihn zu einer kaufmännischen Ausbildung auf das Lamar Technical College in Beaumont, um die Grundlagen des Business zu erlernen. Johnny langweilte sich zu Tode.
Mit 18 Jahren tat Johnny Winter den entscheidenden Schritt: Er verließ Texas und sein Elternhaus und trampte nach Chicago, dorthin, wo alle großen Bluesleute vor ihm getrampt waren und wo man den “City Blues” spielte. Das war 1962.


MUSIKALISCHE WANDERJAHRE

1962 brach John Dawson Winter III. sein Studium am Lamar Technical College in Beaumont ab und aus ihm, gerade 18 Jahre alt, wurde JOHNNY WINTER. Er verließ seine Heimatstadt, trampte zuerst vermutlich nach Leland, der Stadt seiner Vorfahren, und dann den Mississippi hinauf bis nach Chicago, so wie das in den vergangenen Jahrzehnten zehntausende schwarze Farmarbeiter vor ihm getan hatten. Hier begann sich Johnny Winter in den einschlägigen Clubs der Chicago Southside herumzutreiben, und hier begegnete er Menschen, denen er bald wichtige Erfahrungen und Connections verdanken würde. Wenn er nicht in Clubs spielte, dann versuchte er, damals noch mit Elvis – Tolle, später mit Pilzkopf, auf der Straße Geld zu verdienen, indem er den damaligen Modetanz „Twist“ spielte. Es wäre ihm wohl nie in den Kopf gekommen, dass er, „das schielende weiße Monster“, wie er sich selbst sah, 6 Jahre später im New Yorker „Fillmore East“ vor 4700 Leuten spielen würde und ein Jahr später in Woodstock vor einer halben Million Menschen…..
Chicago war die Blues – Hauptstadt der USA, hier spielte man den harten elektrischen „City Blues“ im Gegensatz zum akustischen Country Blues des Südens, und hier traf Johnny Winter auf weiße Blues – Gitarristen wie Mike Bloomfield, Al Cooper und andere. Die erkannten das Talent des schmächtigen superweißen Jungen und luden ihn ein, mitzuspielen und äußerten sich lobend über ihn, auch gegenüber Plattenbossen.
Der schwarze Blues war eigentlich auf dem absteigenden Ast; es waren Weiße, die diese Musik hochhielten, in Chicago und ebenso begeistert, aber eigentlich unverständlich, ausgerechnet in Großbritannien.
Junge Schwarze äußerten sich eher abfällig über den Blues; sie wollten mit der Musik der Armut und Schande ihrer Eltern nichts mehr zu tun haben, ihr neues Credo hieß SOUL. In den Fabriken von Chicago, Detroit, Cincinatti und anderen Städten des Nordens konnte man viel mehr Geld verdienen, und die jungen Schwarzen begannen, ihr Geld in Goldkettchen, scheußliche rosa Anzüge, bananengelbe Hemden, weiße Hüte, Plateaustiefel und aufgemotzte PS – Karren zu investieren. „Tamla Motown“ hieß das neue Zauberwort.


ENTDECKUNG UND DURCHBRUCH

Johnny Winter blieb ca. anderthalb Jahre in Chicago, dann kehrte er musikalisch gereift nach Beaumont zurück und tat sich wieder mit seinem Bruder Edgar und alten Freunden von früher zusammen (ab 1964?). Sie traten unter ständig wechselndem Namen auf: „The Coastaleers“, The Chrystaleers“ u.a. und sie waren durchaus erfolgreich in Beaumont und Umgebung, es gab zwei, drei kleine Singles und Johnnys und Edgars Band hatten so eine Art Geheimstatus. Die Band änderte jedes Jahr einmal den Namen und strukturierte sich ständig um.
Irgendwann im Jahr 1967 gründete Johnny Winter eine Dreierband, bestehend aus Tommy Shannon (Bass), „Uncle“ John Turner (Drums) und ihm selbst als Leadgitarristen. Sie nannten ihre Band „THE PROGRESSIVE BLUES EXPERIMENT“ Als Vorbild für dieses Bandprojekt dürften Powertios wie „Cream“ oder „The Jimi Hendrix Experience“ gewesen sein, die 1967 die Popmusik revolutionierten und die Ära des „Progressiven Rock“ einläuteten. Des größeren Publikums wegen verließ das Trio Beaumont und siedelte sich in Austin, Texas an.
Die renommierte Musikzeitschrift „Rolling Stone“ war auf die texanische Musikszene aufmerksam geworden und die Journalisten Larry Sepulvedo und John Rufus schrieben über Johnny Winter: „Ein hundertdreissigpfündiger schielender Albino mit langen, fließenden Haaren, der so ziemlich die flüssigste Gitarre spielt, die man je gehört hat.
Dieser Artikel machte neugierig und einer setzte sich sofort in Bewegung, um dieses Wunderkind mit eigenen Augen zu sehen. Sein Name war STEVE PAUL; der Mann lebte in New York und betrieb in der Bronx einen Musik- Club mit Namen „The Scene“. Da hingen bekannte Musiker ab, wenn sie in New York waren und ihre Shows zu Ende waren: Jimi Hendrix; Janis Joplin, Brian Jones….
Steve Paul setze sich sofort in den nächsten Flieger nach Houston und suchte die örtlichen Clubs ab: in Austin wurde er fündig. Johnny Winters Trio hatte gerade ihr erstes eigenes Album aufgenommen unter dem Titel „THE PROGRESSIVE BLUES EXPERIMENT“, die Platte war bei „Sonobeat Records“ erschienen. Sie enthielt eine Reihe von Coverversionen bekannter schwarzer und weißer Musiker – Kollegen, und Johnny Winter würde bis an sein Lebensende neben umfangreichen Eigenkompositionen an einigen der Coverversionen festhalten und sie als sein Erkennungszeichen verwenden, zum Beispiel „Johnny B. Goode“, „Suzie Q“, „Jumpin`Jack Flash“, „Good Mornin´ Little Schoolgirl“, also Songs, die sowieso schon Kultstatus hatten und die jeder kannte, der in der Lage war, Musik zu hören.
Steve Paul war begeistert von dem, was er hörte und überredete Johnny Winter und Kollegen, ihm unverzüglich nach New York zu folgen. Er machte sie mit berühmten Kollegen bekannt, verschaffte Auftrittsmöglichkeiten, überzeugte Plattenbosse….
Für Johnny Winter explodierte plötzlich die Welt:

-Jam – Sessions mit berühmten Kollegen im „The Scene“, z.B. die berühmte Session mit Jimi Hendrix;

-die Bekanntschaft und eine kurzlebige Affäre mit Janis Joplin;

-John Lennon begeisterte sich für Johnny Winter und widmete ihm den Song „Rock´n´ Roll People“ und die Stones schrieben den Song „Silver Train“ über ihn.

Alte Freunde aus Chicago erinnerten sich an den schmächtigen weißen Jungen und empfahlen ihn ihren Plattenbossen, und Steve Paul wurde sein Manager für 15 Jahre. Er sorgte dafür, dass Johnny Winter einen Auftritt im berühmten „Fillmore East“ vor 4700 Zuschauern bekam, dem damaligen Mekka der progressiven Musik. Steve Paul organisierte für Johnny Winter einen Plattenvertrag bei Columbia Records (CBS) und eine Vorauszahlung von 600 000 US-Dollar, und 1969 spielte der schmächtige Texaner in Woodstock vor 500 000 Zuschauern und ein Jahr später vor 22 000 Zuschauern im ausverkauften New Yorker "Madison Square Garden" zusammen mit Janis Joplin….


JOHNNY WINTERS ERSTE ALBEN

Fast zeitgleich mit Johnny Winters erstem Album „The Progressive Blues Experiment“ kam 1969 auch sein erstes CBS – Album auf den Markt: JOHNNY WINTER. Es erreichte Platz 24 in den US-Album Charts. „The Progressive Blues Experiment“ war eine technisch verbesserte Zusammenstellung früherer Demo – Aufnahmen gewesen. Auf dem ersten offiziellen Johnny Winter –Album spielten neben Tommy Shannon (Bass) und Uncle John Turner (Drums) auch sein Bruder Edgar Winter (Saxophone & Keyboards) und gestandene Blues – Musiker wie Willie Dixon (Upright Bass) und Walter „Shakley“ Horton (Harmonica) mit, die Johnnys Bluesverständnis außerordentlich lobten. Neben der ersten Platte gab es drei Veröffentlichungen älteren Demo – Materials, von denen Johnny Winter gar nichts wusste.
Johnny Winter hatte soviel Material, dass schon wenige Monate später ein zweites CBS – Album entstand: „SECOND WINTER“, ein Doppelalbum, bei dem die 4. Plattenseite unbespielt blieb. Das Album enthielt unter anderem die Coverversionen „Johnny B. Goode“ von Chuck Berry und „Highway 61 Revisited“ von Bob Dylan. Ansonsten blieb Winter seiner Blues – Wurzel treu.


„JOHNNY WINTER AND“ – ABSTURZ UND NEUBEGINN

1970 trennten sich die Winter – Brüder musikalisch und Edgar strebte eine eigene Karriere an mit „Edgar Winter`s White Trash“.
Johnny Winter tat sich mit den „McCoys“ zusammen. Die waren eine Teenybopper – Band und hatten in den Sechziger Jahren bereits einen Nummer-1 Hit gehabt mit „Hang On Sloopy“. Mit Winter spielten Rick Derringer (Guitar), sein Bruder Randy Z (Drums) und John Hobbs (Bass). Rick und Randy waren zwei Brüder deutschen Ursprungs, die eigentlich Zehringer mit Nachnamen hießen und ihren Namen zu „Derringer“ amerikanisiert hatten. Johnnys neue Band gab sich den Namen „JOHNNY WINTER AND“ und brachte unter diesem Namen ein Album heraus, das mehr rock-orientiert war als Johnny Winters Blues – Alben zuvor. Das Album verkaufte sich gut.

Über dieser erfolgreichen Zusammenarbeit liegt aber ein Schatten: Es ist diese Zeit mit den McCoys, in denen Johnny Winter abhängig von Heroin wurde und einen Zusammenbruch erlitt. Sein Entzug und die nachfolgende Heilung und Stabilisierung dauerte nahezu zwei Jahre.
Was den Zusammenbruch Johnny Winters gerade an diesem Punkt seiner Karriere hervorrief, wird bis heute in Fankreisen kontrovers diskutiert. 600 000 US-Dollar soll die Plattenfirma CBS ja für Johnny Winter locker gemacht haben; es muss klar sein, dass die Geldgeber dafür auch eine Gegenleistung erwarteten: Man erwartete schlicht, Johnny Winter zum zweiten Jimi Hendrix aufbauen zu können, aber Winter wollte lieber Blues spielen, und bald wurde auch klar, dass der Blues Winters eigentliches Metier war, auch wenn er Rock und Rock´n´Roll auch gut beherrschte. Wie groß müssen die Erwartungshaltungen gegenüber diesem schmächtigen Mann gewesen sein, es Hendrix zu zeigen und die Lücke zu füllen, die dessen Tod im Herbst 1970 hinterlassen hatte?
Über die Zeit seines Heroin – Kollapses erzählte Johnny Winter in einem Interview mit einer bekannten Musik - Zeitschrift , wobei er seinen damaligen Manager Steve Paul schwer belastet:
„Es war Steve Paul, der den ganzen Druck gemacht hat, er war es, der diesen ganzen Hype um mich organisiert hat, dieses ganze Jimi – Hendrix – Ding, Woodstock, den Hype um mich und die Stones. Ich bin noch nie ein besonders selbstbewusster Mensch gewesen, und wenn du da raus gehst vor die Meute, dann hast du eine Heidenangst! Könntest ja die Klampfe fallen lassen oder im entscheidenden Moment keinen Ton rauskriegen! Und hinterher ist´s nicht besser, da bist du plötzlich mutterseelenallein. Das war ich doch gar nicht eben, oder? War das alles nur ein Witz, was du soeben erlebt hast? Klar kannst du mit den Jungs einen saufen gehen, aber davon wird’s nicht besser. Du kannst mit ihnen ja auch nicht darüber reden, denn du bist ja das Aushängeschild und nicht die; die verlieren ihren Job, wenn du Mist baust, das bleibt alles an dir hängen, und die Plattenbosse wollen irgendwann ihr Geld zurück, wenn du nicht lieferst.“
Johnny Winter nahm immer härtere Drogen und Beruhigungsmittel, zuletzt Heroin – dann kam der Absturz: Zuerst drei Monate weicher Entzug, vergebens. Danach knallharter Entzug in einer Suchtklinik in New Orleans – neun Monate lang. „Du willst nur noch sterben, machst dir zwischen den Suizidphasen Selbstvorwürfe. Du schämst dich vor deinen Eltern: warum tust du ihnen sowas an? Welch eine Schande! Andere können auch ohne das Zeug leben, warum nicht du? Weil du ein Loser bist, das hast du ja schon immer gefühlt. Du bist ein Zombie, wie du schon aussiehst! Nach einigen Monaten ohne Stoff geht die Sonne auf am Horizont, und du weißt, dass du leben wirst! Du brauchst das Zeug nicht mehr, nie mehr. Das ist, als ob dir Flügel wachsen.“
Manager Steve Paul half nach Kräften, Johnny Winter wieder ein Rückgrat einzuziehen. Er zwang seinen Schützling, sich in der Welt wieder zurückzumelden. „Geh raus, Johnny, tritt vor das ganze Pack da draußen (gemeint war die Musikpresse) und zeig´s denen! Zeig denen, dass du noch nicht abgeschrieben bist, das hast du gar nicht nötig!“ Mit dem Album „STILL ALIVE AND WELL“ („Noch am Leben und Wohlauf“ 1973) meldete Johnny Winter sich furios zurück und festigte auch mit den Folgealben seinen Ruf als Blues – Gitarrist stetig:

-SAINTS AND SINNERS (1974)
-JOHN DAWSON WINTER III (1974)
-CAPTURED LIVE! (1976)

„CAPTURED LIVE“ wurde das kommerziell erfolgreichstes Album seiner bisherigen Karriere, Johnny Winter hatte aber einen erneuten drogenbedingten Absturz zu verkraften. 1979 hatte Johnny Winter einen eindrucksvollen Auftritt im westdeutschen „Rockpalast“, der ihn quasi über Nacht in weiten Teilen Europas bekannt machte. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete der superweiße Johnny Winter schon einige Jahre mit dem schwarzen Bluesmusiker Muddy Waters zusammen.


JOHNNY WINTERS UND MUDDY WATERS

Eines der größten Vorbilder Johnny Winters war der schwarze Blues – Sänger und Gitarrist MUDDY WATERS. Der berühmte Muddy Waters, der die Rolling Stones zu ihrem Namen inspiriert hatte; der berühmte Muddy Waters, der im Stones – Gitarristen Keith Richard einen ebenso glühenden Anhänger hatte wie in Johnny Winter. Beide haben einen Baumwollfarmer – Hintergrund, Johnny als Enkel eines Baumwollhändlers und Muddy als Traktorfahrer auf der Stovall – Ranch, und beide haben enge Bindungen an den Bundesstaat Mississippi, das Cotton – Country….

Über Muddy Waters und Johnny Winter sind zahlreiche Gerüchte im Umlauf, die immer wieder hartnäckig wiederholt werden, deshalb aber trotzdem falsch sind. So behauptet „Uncle“ Ted Turner, einer von Johnnys frühen Mitmusikern wider besseren Wissens, Muddy Waters und Johnny Winter seien sich auf der väterlichen Farm erstmals begegnet, auf der Stovall – Plantation bei Leland. Da sei Muddy Waters Traktorfahrer gewesen…..
Nun ja, richtig ist zwar, dass Muddy Waters tatsächlich dort Traktorfahrer gewesen ist, aber bekanntlich brach das Baumwollgeschäft während des 2. Weltkrieges zusammen. John Dawson Winter II., Johnnys Vater, konnte wegen des Militärdienstes das Geschäft nicht mehr weiterführen. Muddy Waters verließ deshalb 1943 die Farm und ging nach Chicago, wo er als Fabrikarbeiter unterkam und nachts in den Clubs von Chicago seine erfolgreiche Karriere als Bluesmusiker begann. Johnny Winter wurde bekanntlich erst 1944 geboren, ein Jahr nach dem Weggang von Waters…. Unwahrscheinlich, dass sich die beiden da begegnet sein sollten.....

Die Kenntnis von Muddy Waters erlangte Johnny Winter in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren, indem er ganz profan Radio hörte. „Ich hörte alle Radiostationen in der ganzen Gegend ab, da gab es spezielle DJs, die immer das Blues – Zeug spielten. Ich hatte mein Ohr von früh bis spät am Radio und kannte jede Sendung.“ 1972, da war Johnny Winter selbst schon ein Star, begegnete er seinem Idol Muddy Waters zum ersten Mal leibhaftig, das war in Austin, Texas in einem Club namens „Vulkan Gas Company“. Die beiden kamen ins Fachsimpeln und der Ältere bot dem Jüngeren an, mit ihm auf der Bühne etwas zu jammen. Da muss Johnny 27 Jahre alt gewesen sein. Kurze Zeit später hatte Johnny Winter Gelegenheit, sich bei seinem Idol zu bedanken, als Waters in Not geriet.

Muddy Waters war für viele Jahre bei der Plattenfirma Chess Records unter Vertrag, dem Independence – Label der Chess – Brüder in Chicago. 1969 starb einer der beiden Chess - Brüder und der andere war zu alt, um die Firma allein weiter zu führen. 1975 wurde die Firma Chess abgewickelt und die Künstler standen im Regen, unter ihnen auch Muddy Waters, der zu diesem Zeitpunkt bereits 62 Jahre alt war. Muddy Waters drohte abzurutschen, als Johnny Winter seinem großen Idol seine Hilfe anbot. Winter brachte Muddy Waters auf seinem neuen eigenen Plattenlabel „Blue Sky Records“ unter und ging dann mit ihm ins Studio.
Die Zusammenarbeit zwischen Winter und Waters war außerordentlich erfolgreich. Zunächst spielten sie ein wunderbares Album ein: „HARD AGAIN“ (1977), dass auf Muddy Waters prekäre Lage Bezug nahm. Johnny Winter produzierte das Album und begleitete Muddy Waters auf der Gitarre, während Waters alter Kumpel James Cotton zur Mundharmonika griff.
Das Album war super – erfolgreich, und die beiden Brüder im Geiste machten gleich weiter. „I´M READY“ (1978) und „KING BEE“ (1980) waren ähnlich erfolgreich und brachten Muddy Waters drei Grammies in Reihe ein. 1979 ging Muddy Waters auf Tournee und Johnny Winter begleitete ihn. Sie produzierten das Live – Album „MUDDY `MISSISSIPPI` WATERS - LIVE“
Die gewaltige Reputation, die Muddy Waters gewann, schlug sich auch in seinem Einkommen nieder; er erzielte dank der tatkräftigen Hilfe seines weißen Freundes Johnny Winter das höchste Einkommen seiner gesamten Karriere. Auch für Johnny Winter zeitigte die Zusammenarbeit großen Erfolg: Sein eigenes Album aus dieser Zeit „NOTHING BUT THE BLUES“ (1977) erreichte ebenfalls Grammy – Status. Bei den Aufnahmen begleiteten ihn Mitglieder aus Muddy Waters Band.


JOHNNY WINTER´S ZENIT

„1980, nach dem überwältigenden Erfolg der letzten Jahre zog sich Johnny Winter aus dem Musik – Business zurück und ordnete sein Leben neu. Erst 1984 kehrte er ins Business zurück.“
Wow, was bedeutet das nun wieder? Kann man vermuten, dass Johnny Winter wieder einmal süchtig geworden war und außer Gefecht war?
Nun, die Meldung, die so über die Musikmedien verbreitet wird, ist schlichtweg falsch. Verfolgt man die Tourkalender jener 3-4 Jahre, dann sieht man schnell, dass Johnny Winter in diesen Jahren hoch aktiv war und fast ständig auf Tournee. Er hatte nur keinen Plattenvertrag mehr und spielte, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, also das Normalste der Welt. Er absolvierte Jahr um Jahr ca. ein Dutzend Auftritte in den USA und Europa, ehe er 1984 sein erstes Album für „Alligator Records“ herausbrachte: „GUITAR SLINGER“. Das Album fand starke Beachtung und gilt bis heute als eines seiner stärksten. Es wurde für den Grammy nominiert. Auch das Nachfolgealbum „SERIOUS BUSINESS“ wurde Grammy – nominiert, 1986 erschien das Album „THIRD DEGREE“ und 1988 „THE WINTER OF 88“. Danach wurde es still um Johnny Winter; wie so viele seiner Musikerkollegen war seine Musik plötzlich außer Mode und die Interpreten, selbst Spitzenleute, gerieten schnell in Vergessenheit. Der Blues schien am Ende.

Johnny Winter ließ sich davon nicht beeindrucken. Jedes Jahr ging er in den USA, in Kanada und in Europa auf Tournee und spielte rund ein Dutzend Gigs. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich kontinuierlich, und 1993 musste er wieder für längere Zeit ins Krankenhaus. Die alten Angstgefühle, bekämpft mit Alkohol und Beruhigungspillen, waren der Grund. Johnny erklärte den Reportern die Sache auf seine ganz ureigene Weise: „Ich rauche jetzt nicht mehr, deshalb ist meine Stimme jetzt kräftiger. Und seit ich nicht mehr saufe, bin ich auch besser zu Fuß.“
Er ging weiter jährlich auf Tournee und hatte von seiner Virtuosität auf der Gitarre nichts eingebüsst, wie sich Fans 2007 bei einem Open - Air - Konzert auf dem Bonner Museumsplatz überzeugen konnten: Zuerst trat Rick Derringer auf, dann Edgar Winter und als Höhepunkt des Abends Johnny Winter mit Band und Jam-Session. Einen ähnlich fulminanten Auftritt legte Johnny Winter 2010 auf den „Leverkusener Jazztagen“ hin.
In den letzten Lebensjahren konnte Johnny Winter wegen eines schlecht verheilten Hüftschadens nur noch sitzend spielen, das tat seiner Spielfreude keinen Abbruch. Seinen letzten Bühnenauftritt hatte er zwei Tage vor seinem Tod beim „Cahors Blues Festival“ im französischen Burgund.

Johnny Winter verstarb am 16. Juli 2014 in einem Hotel in Bülach im Kanton Zürich in der Schweiz. Er wurde 70 Jahre alt.


RASSISMUS, ALBINISMUS UND DER BLUES

Den Blues kann man nicht lernen, den Blues hat man oder man hat ihn nicht. Eine Floskel oder mehr? Blues- Feeling, das bedeutet irgendwie zwischen allen Stühlen zu sitzen, nicht ganz dazu zu gehören, schlechte Erfahrungen machen zu müssen, ein Pechvogel zu sein. Bei Johnny Winter war es nach eigener Auskunft der Albinismus, der das Außenseitergefühl erzeugt hätte.
Beide Brüder, Johnny ebenso wie der jüngere Edgar, litten seit ihrer Geburt an Albinismus, einer Pigmentstörung, verursacht durch einen Gendefekt des 5. Chromosoms. Menschen mit dieser Störung haben schneeweiße Haut, weiße Haare und im Extremfall rötliche Augen. Die Beeinträchtigungen können durchaus schwer sein: Die Haut bleibt ein Leben lang sehr anfällig gegen Sonnenbrand, und die Augen können schwer geschädigt werden bis zur Altersblindheit, wenn man sie nicht schützt. Johnny Winter schielte sein ganzes Leben lang stark und Altersbilder von ihm lassen vermuten, dass er zuletzt sehr schlecht sah. Aufgrund dieser Anomalien fühlte sich Johnny oftmals abgelehnt und verspottet: „Ich war gar nichts. Ich war weißer als weiß, und das kommt nicht so gut an bei den anderen Boys.“ Diese gefühlte Ablehnung sei der Grund gewesen, dass er sich eher der schwarzen Kultur verbunden gefühlt habe, denn den Schwarzen erging es ja ähnlich. Daraus habe sich sein Blues - Gefühl entwickelt - und wer ihn spielen und singen hörte, würde bestätigen, dass der Mann seine Musik aus tiefster Seele vortrug.

Ich persönlich verbeuge mich vor einem Mann, der dem Rassismus in seinem Leben keinen Raum einräumte und als Weißer engen Kontakt zu seinen schwarzen Mitbürgern und ihrer Kultur pflegte:
Als Johnny Winter seine Kindertage in Leland verbrachte, herrschte dort strengste Rassentrennung. Als ab 1958 die schwarze Bürgerrechtsbewegung begann, führte das zum Erstarken des Ku - Kux - Klan, und der Baumwollstaat Mississippi wurde zu einer seiner Hochburgen. Der KKK verübte zahlreiche Morde an Schwarzen, während die örtliche Polizei wegsah oder gar mitmachte bei Lynchjustiz - Vorfällen. Als es zur Ermordung mehrerer Bürgerrechtler, darunter auch weißer Mitbürger in Mississippi kam, rief das das FBI, die CIA und die Nationalgarde auf den Plan, um mit massiver staatlicher Gewalt die Rechte auch schwarzer Mitbürger durchzusetzen. Im Film „Mississippi Burning“ mit Gene Hackman als FBI - Ermittler wurden die Zustände eindrucksvoll cineastisch nachgestellt, ein wichtiger Film, wenn man die Welt verstehen will, aus der Johnny Winter stammte.


JOHNNY WINTERS GITARREN

Johnny Winter spielte zwei Solidbody Gitarren: Seine Hauptgitarre war die „Gibson Firebird V“ mit zwei Tonabnehmern, dazu in späteren Jahren die „Erlwine Lazer Fretless“ Gitarre mit nur einem Tonabnehmer. Dazu gibt es auch eine sehr seltene Verwendung einer halbakustischen Resonatorgitarre der Fa. Dobro. Für das Slideguitar - Spielen war die Gibson Firebird unerlässlich, schon wegen ihrer beiden Pick-Ups, während die Erlwine Lazer vor allem durch ihre Kleinheit und Handlichkeit besticht. So sagt es uns Johnny zumindest, der die Erlwine Lazer rundheraus als seine Spielzeug - Gitarre bezeichnete…..


EHRUNGEN

1988 Aufnahme in die „BLUES HALL OF FAME“ in Chicago als einziger weißer Gitarrist.
2003 nahm ihn die angesehene Fachzeitschrift „Rolling Stone“ in die Liste der „100 Greatest Guitarists of All Times“ auf, wo er auf Platz 63 rangiert.


DISKOGRAPHIE

Studio – Alben:
· The Progressive Blues Experiment (Sonobeat 1968, re-released by UA/Imperial 1969)
· Johnny Winter (Columbia 1969)
· Second Winter (Columbia 1969)
· Johnny Winter And (Columbia 1970)
· Still Alive and Well (Columbia 1973)
· Saints & Sinners (Columbia 1974)
· John Dawson Winter III (Columbia 1974)
· Nothin' But the Blues (Blue Sky 1977)
· White, Hot and Blue (Blue Sky 1978)
· Raisin' Cain (Blue Sky 1980)
· Guitar Slinger (Alligator 1984)
· Serious Business (Alligator 1985)
· Third Degree (Alligator 1986)
· The Winter of '88 (MCA/Voyager 1988)
· Let Me In (Point Blank 1991)
· Hey, Where's Your Brother? (Point Blank 1992)
· I'm a Bluesman (Virgin 2004)
· Roots (Megaforce 2011)
· Step Back (Megaforce 2014)


Live – Alben:
· Live Johnny Winter And (Columbia 1971)
· Captured Live! (Blue Sky 1976)
· Together with Edgar Winter (Blue Sky 1976)
· Live in NYC '97 (Virgin 1998)
· The Woodstock Experience (Sony/Legacy 2009)
· Live at the Fillmore East 10/3/70 (Collectors' Choice 2010)
· Rockpalast: Blues Rock Legends Vol. 3 (2011)


Live Bootleg Series:
The Live Bootleg Series are authorized, official releases, on the Friday Music label. Many of these recordings had previously circulated as bootleg albums.
· Live Bootleg Series Vol. 1 (2007)
· Live Bootleg Series Vol. 2 (2008)
· Live Bootleg Series Vol. 3 (2008)
· Live Bootleg Series Vol. 4 (2009)
· Live Bootleg Series Vol. 5 (2009)
· Live Bootleg Series Vol. 6 (2010)
· Live Bootleg Series Vol. 7 (2011)
· Live Bootleg Series Vol. 8 (2012)
· Live Bootleg Series Vol. 9 (2013)
· Live Bootleg Series Vol. 10 (2013)
· Live Bootleg Series Vol. 11 (2014)


Compilation Alben:
· Early Times (Janus 1970)
· The Johnny Winter Story (also titled Raised on Rock) (Columbia 1980)
· Scorchin' Blues (Columbia 1992)
· A Rock n' Roll Collection (Columbia 1994)
· Anthology (Sony 1996)
· Return of Johnny Guitar (The Best of Johnny Winter 1984–86) (Empire 1996)
· White Hot Blues (Sony 1997)
· Deluxe Edition (Alligator 2001)
· The Best of Johnny Winter (Sony 2002)
· Winter Essentials 1960 – 1967 (Varese 2003)
· The Johnny Winter Anthology (Shout! Factory 2009)
· The Essential Johnny Winter (Columbia 2013)
· True to the Blues: The Johnny Winter Story (Legacy 2014)
·
·
· As producer and guitarist
· Thunderhead – Thunderhead (1975)
· Hard Again – Muddy Waters (1977)
· I'm Ready – Muddy Waters (1978)
· Muddy "Mississippi" Waters – Live – Muddy Waters (1979)
· King Bee – Muddy Waters (1980)
· Whoopin' – Sonny Terry (1984)
· Breakin' It Up, Breakin' It Down – Muddy Waters, Johnny Winter, and James Cotton (2007)


JOHNNY WINTER - SEINE MUSIK


JOHNNY WINTER - WOODSTOCK (1969)
https://www.youtube.com/watch?v=M6kPQLLLYAc

JOHNNY WINTER feat. Tommy Shannon & Uncle John Turner (1970) - BE CAREFUL WITH A FOOL
https://www.youtube.com/watch?v=8Tyg5SJDpiQ

JOHNNY WINTER
feat. Tommy Shannon & Uncle John Turner - MEAN TOWN BLUES (1970)
https://www.youtube.com/watch?v=VqJOsNMhIRo

JOHNNY WINTER AND - JUMPING JACK FLASH
(1974 live U.K. TV)
https://www.youtube.com/watch?v=wQPlU5q1CBI

JOHNNY WINTER - SUZIE Q
(1979; Rockpalast)
https://www.youtube.com/watch?v=3GU04myyK90

JOHNNY WINTER - DON`T TAKE ADVANTAGE OF ME
(1987)
https://www.youtube.com/watch?v=QfUauVQYXng

JOHNNY WINTER - SOUND THE BELL (1987) Stockholm, Schweden
https://www.youtube.com/watch?v=d1E1EH6bXfA

JOHNNY WINTER - RED HOUSE (2008) Uhersky Brod, Tschechien
https://www.youtube.com/watch?v=EnaI1ZGCNhU

SWEET HOME CHICAGO Blues Sessoin feat. Johnny Winter, Eric Clapton, Buddy Guy et a. (2011) Crossroads Guitar Festival
https://www.youtube.com/watch?v=ZEmvBdRLg4k

JOHNNY WINTER - DUST MY BROOM (2011) Hondarribia Blues Festival, Spanien
https://www.youtube.com/watch?v=d1E1EH6bXfA



FULL SHOWS:

JOHNNY WINTER LIVE COPENHAGEN
(1970)
https://www.youtube.com/watch?v=VqXYuWOoBl4

JOHNNY WINTER - ROCKPALAST (1979)
https://www.youtube.com/watch?v=LiBsqbtLn-I

JOHNNY WINTER - OLD GREY WHISTLE TEST (1979)
https://www.youtube.com/watch?v=V4BcI-o-R88

MUDDY WATERS feat. JOHNNY WINTER - ChICAGO FEST (1981)
https://www.youtube.com/watch?v=uXIkpj5BsDE

JOHNNY WINTER - LEVERKUSENER JAZZTAGE (2010)
https://www.youtube.com/watch?v=jvkuFHlIiH8



credits:
slideguitarblues
ognet
JebusJames
GreatGuitarHeroes
Nadine Jensen
xkecoupe
Mofromusic
Michael Jensen
The Bootleg Man
Cornelis van Ginkel
Rochesters Earl
CoolAmnesia
u.a.




VIEL SPASS !

W.E. - 2014-12-13
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Geändert von The Wolf (15.12.2014 um 14:53 Uhr) Grund: Hrrrrgrumph - Links funzen nicht... grummel....grummel
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Alt 15.12.2014, 15:51   #70
The Wolf
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Club der Toten Musiker - GESAMTÜBERSICHT

Liebe Freunde, noch einmal eine Zusammenfassung, die sich besonders an die Neueinsteiger in diesen Thread wendet:


#2: SCOTT McKENZIE
#6: JON LORD (Deep Purple)
#12: JIM MORRISON (The Doors)
#15: BO DIDDLEY & Norma Jean Mofford
#18: RICHARD WRIGHT (Pink Floyd)
#20: FLORIAN FRICKE (Popol Vuh)
#28: JOHN LEE HOOKER
#29: CONRAD (Conny) PLANK
#34: KLAUS DINGER & Thomas Dinger (Kraftwerk/ Neu!/ La Düsseldorf)
#36: ALVIN LEE (Ten Years After)
#37: Deutschrock - Special
#43: RAY MANZAREK (The Doors)
#52: JJ CALE
#53: FRITZ RAU
#55: PAUL KUHN
#60: PHIL EVERLY (Everly Brothers)
#62: PETER (Pete) SEEGER
#66: JOHN HOLT
#68: JACK BRUCE
#69: JOHNNY WINTER


Man soll gehen, wenn die Party am schönsten ist, oder? Für mich bedeutet das, dass der Johnny - Winter -Artikel der vorerst letzte Artikel war, den ich hier schreibe. Ich bedanke mich bei allen, die hier hereingeschaut haben und diesen Thread mehr als achtzehntausend mal angeklickt haben. Einen solchen Erfolg hätte ich mir zu Beginn der Arbeiten nicht erwartet. Wenn es Euch gefallen hat, dann wäre jetzt der richtige Moment, um den "Danke" - Button zu betätigen. Das würde mich sehr freuen.

Der Club schließt hiermit seine Pforten, zumindest vorläufig. Ob es weitergeht, weiß ich noch nicht. Meine Position in diesem Forum ist zur Zeit etwas - nun ja - ungeklärt. Es blieben noch Dutzende Kandidaten für den Club übrig, ich nenne nur John Lennon, George Harrison, Frank Zappa, Amy Winehouse, Syd Barrett - und im Jahr 2015 werden leider neue Kandidaten dazu kommen.

Ich wünsche Euch von dieser Stelle Frohe Weihnachten für Christen und Heiden!

Dazu was Passendes: Wie wärs mit dem Christmas Album von JETHRO TULL? Viel Spaß!

JETHRO TULL - CHRISTMAS ALBUM (2003)
https://www.youtube.com/watch?v=tUTWQ361aNE


credits:
Luis Hermoso Amaya
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Alt 22.12.2014, 20:55   #71
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Bisher habe ich in diesem Thread nur still mitgelesen und nichts kommentiert.
Wolf, ich danke dir für die vielen aufschlußreichen Artikel. Manche dieser Personen kannte ich, manche Namen las ich das erste Mal, vieles davon trifft auch meinen Musikgeschmack.

Nachfolgend möchte ich nur kurz auf zwei kürzliche Tode in der Musikwelt hinweisen:
- Udo Jürgens, gestern im Alter von 80 Jahren
- Joe Cocker, heute im Alter von 70 Jahren
beide Legenden in ihren jeweiligen Musikgenres.
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aber sonst alles in Ordnung
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Alt 31.12.2014, 14:13   #72
The Wolf
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An dieser Stelle.....

gibts sonst immer die Fete der Lebenden für die toten Clubmitglieder; und da hatten wir ja viele:

Udo Jürgens;
Joe Cocker;
Johnny Winter;
Jack Bruce;
Paco de Lucia;
Manitas de Plata;
John Holt.....

Welche vergessen? Wahrscheinlich


Für eine große Silvesterfete habe ich aber keine Lust, bin irgendwie krank (oder nur alt, oder beides?) - und wenn ich aus dem Fenster hier schaue - nur Regen und Nebel - könnt ich mich auf der Stelle besaufen oder sofort in Winterschlaf gehen für 10 Wochen, deshalb heute nur ganz kurz, und zwar mit dem hier:


"VOLKSMUSIK? KENNE ICH NICHT, HAB ICH NIE GEMACHT - WAS IST DAS?"
https://www.youtube.com/watch?v=ABhI...4&spfreload=10



HEINO (2014): "SCHWARZ IST DER ENZIAN..."
https://www.youtube.com/watch?v=2tY57TYnr9w






Guten Rutsch für Euch alle!
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Geändert von The Wolf (31.12.2014 um 14:15 Uhr) Grund: Neujahrsgrüße vergessen - schöne Grüße aus Bad Alzheim...
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Alt 25.01.2015, 01:23   #73
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In Memoriam - EDGAR FROESE

“Es gibt keinen Tod, es ist nur eine Veränderung unserer kosmischen Adresse“ – EDGAR FROESE



Wie ich soeben erfahren habe, ist bereits vor 4 Tagen, am 20. Januar 2015, der Elektronikpionier EDGAR FROESE, der Begründer und jahrzehntelange Bandleader der Berliner Elektronikrockgruppe TANGERINE DREAM verstorben. Deutschland verliert damit einen seiner innovativsten und mit seiner Band erfolgreichsten Musiker.


Edgar Froese gründete 1967 das Musikprojekt „Tangerine Dream“ in West – Berlin und beschritt mit seinen Kollegen, unter anderem Klaus Schulze, Christopher Franke, Peter Baumann und vielen anderen völlig neue musikalische Wege. Verlacht im eigenen Land, dagegen hoch angesehen in Großbritannien, Frankreich und ab Ende der siebziger Jahre vor allem in den USA, war „Tangerine Dream“ die erste Band weltweit, die auf herkömmliche Instrumente verzichtete und nur vollelektronische Klangerzeuger benutzte. Zusammen mit Klaus Schulze, ihrem ehemaligen Schlagzeuger, begründete „Tangerine Dream“ die sogenannte „Berliner Schule“, bis heute die einflussreichste Musikrichtung im Bereich Elektronische Musik mit weltweiter Beachtung und Nachahmung. Auch die moderne Musikrichtung AMBIENT wäre ohne die „Berliner Schule“ und die Pionierarbeit Edgar Froeses und seiner frühen Mitstreiter gar nicht denkbar. Für mindestens drei Jahrzehnte blieb „Tangerine Dream“ darüber hinaus West - Berlins kommerziell erfolgreichstes Musikunternehmen, ehe der Firmensitz in die USA umzog.


Berlin trägt seit ca. 1880 die Bezeichnung „Elektro City“, weil hier bahnbrechende Innovationen auf dem Gebiet der Elektrotechnik gemacht wurden: Elektromotor, Elektrolokomotive und elektrische Straßenbahn wurden hier erfunden und erstmals angewendet, in den dreißiger Jahren wurde in Berlin der Computer erfunden und die erste Programmiersprache „Plankalkül“. Der Name der Stadt ist verbunden mit frühen Global Playern wie SIEMENS und AEG, und Namen wie Halske, Siemens, Emil Rathenau (AEG) oder Konrad ZUSE haben hier einen guten und unvergessenen Klang. Der elektronische Soundpionier Edgar Froese hat mit seinem Bandprojekt „Tangerine Dream“ auf würdige Weise diese Entwicklung aufgegriffen und weiter geführt; ohne die Arbeit seiner Gruppe und anderer ehemaliger TD – Musiker hätte sich Berlin niemals zur führenden Location für Techno- und andere elektronisch basierte Clubmusic – Styles entwickeln können, die Berlin bis heute zu einem der angesagtesten Partyplätze dieser Welt macht, aus der die Stadt hohe Tourismus- Zahlen und –einnahmen generiert.

Ich hoffe deswegen, dass die Stadt Berlin sich relativ rasch der Bedeutung Edgar Froeses entsinnt und ihn zum Ehrenbürger Berlins ernennt.

Edgar Froese wurde 70 Jahre alt.

Diese Widmung erfolgt in aller Kürze, wie immer viel zu wenig Zeit. Nichtsdestotrotz noch ein Musikbeispiel:

Tauchen wir noch einmal ein in die Atmosphäre eines der innovativen „Tangerine Dream“ – Konzerte der Frühzeit, als das noch „Kosmische Musik“ hieß - ein Live – Mitschnitt des Konzerts im englischen Coventry, in eben der Kathedrale, die von Nazideutschland in Schutt und Asche gelegt worden war von 1975. Den „Tangerine Dream“- Fans ist diese Musik bekannt unter ihrem damaligen LP- Namen „RICOCHET“




Tangerine Dream - LIVE AT COVENTRY CATHEDRAL 1975 part 1

https://www.youtube.com/watch?v=4w8pbGz7E8c


Tangerine Dream - LIVE AT COVENTRY CATHEDRAL 1975 part 2

https://www.youtube.com/watch?v=4uPfuh6rkAw


Und da das hier ein Spieleforum ist, habe ich noch ein besonderes Schmankerl: Die Musik zum bekannten Computergame "GRAND THEFT AUTO V". Was kann es Besseres geben, wenn ein hier geehrter Musiker die Musik zu einem der bekanntesten Computer - Games der Welt mit seinem speziellen Sound umrahmt? Es handelt sich um eines der neuesten Werke Edgar Froeses (2014) und Tangerine Dreams, und die Musik scheint mit der Spielatmosphäre aufs Beste zu harmonieren....

Tangerine Dream - GRAND THEFT AUTO V - The Cinematographic Score (2014)
https://www.youtube.com/watch?v=QwVWpcKAOKs






credits:
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Alt 25.01.2015, 14:32   #74
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Alt 23.02.2015, 17:56   #75
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CLUB DER TOTEN MUSIKER - ein Werkstattbericht

Der „Club der Toten Musiker“ ist zur Zeit im Winterschlaf – Zeit vielleicht, einmal Resumee zu ziehen und darüber nachzudenken, wie diese Idee entstanden ist, wie sie sich entwickelt hat und was die Essenz des Ganzen ist. Vielleicht ergibt sich ja auch ein Ausblick und eine Perspektive.
Am Anfang stand die Idee, sich über Musik auszutauschen, um es ganz allgemein zu formulieren. Dabei hatte ich die Idee, dass das auf eine etwas vertiefte Weise stattfinden sollte und eben nicht in der Form „Was hörst du denn gerade?“ Das hat selbstverständlich seine Berechtigung, aber mir lag eigentlich die Frage auf der Zunge: „Warum gerade der Künstler oder die Künstlerin?“ Ich wollte erfahren, warum es denn gerade diese Musik sein sollte und was das ganz Spezielle daran ist, dass aus uns Menschen Fans bestimmter Künstlerinnen und Künstler werden.
Zu Anfang war dieser Thread ein offenes Projekt und ein Angebot an jede/jeden von uns, mitzumachen und eigene Ideen einzubringen. Es kristallisierte sich aber schnell heraus, dass ich in diesem Projekt allein bleiben würde. Das habe ich zu akzeptieren und akzeptiere es auch gerne, weil es mir einen großen Freiraum gegeben hat, meine Vorstellungen einzubringen und weiter zu entwickeln, hoffentlich zur Freude meiner Leser und Hörer.
Ich müsste Euch allerdings anlügen, wenn ich Euch verschweigen würde, dass ich mit jeder abgeschlossenen Musiker – Biographie letztendlich mir selbst die größte Freude gemacht habe. Ich danke dem Forumsbetreiber und euch Moderatoren an dieser Stelle sehr herzlich für den mir gewährten Freiraum und das in mich gesetzte Vertrauen und in euer Interesse.
Im Folgenden soll beschrieben werden, wie die bisherige Arbeit zustande kam und was ihre Grundlagen sind.


VORAUSSETZUNGEN

Es gibt zwei Grundvoraussetzungen:
  • Die Liebe zur Musik
  • Die Lust am Schreiben
Das hört sich ganz einfach an, ist es aber nicht: Ich kann keinen Roman schreiben, der sagen wir, im bäuerlichen Milieu spielt, wenn ich von Landwirtschaft und von den Freuden (oder auch Zwängen) des Landlebens keine Ahnung habe. Das heißt hier: Wenn ich keine Ahnung von Musik habe, kann ich auch nicht drüber schreiben. Der zweite Punkt ist genauso wichtig: Man muss Spaß am Schreiben haben, die Worte müssen locker und möglichst ohne Anstrengung aus der Feder quellen, mit Formulierungen ringen kann man bei der Korrektur immer noch.
Und da haben wir das Problem schon: Wie viele von uns ringen mit dem Schreiben von Aufsätzen und dem Umsetzen von Gedanken in geschriebene Worte? Jeder Schullehrer kennt das Problem zu Genüge, wie manche seiner Schüler zu kämpfen haben mit der anspruchsvollen deutschen Sprache und nicht von der Stelle kommen, während andere einfach die Flügel ausbreiten und davonfliegen…. Und das Resultat solcher erfolgreicher oder eben auch nicht so erfolgreicher Bemühungen können wir tagtäglich in den Foren großer Zeitungen nachlesen…
Mein Schöpfer hat mich offenbar mit einer überreichlichen Portion intuitiver Begabung ausgestattet, dafür danke ich IHR von Herzen, wenn ich IHR mal begegnen sollte.


WIE ENTSTEHT EIN ARTIKEL?

Am Anfang steht die Idee, über welchen Künstler ich schreiben will, danach kommt die Suche von Musikclips bei YouTube, die zum Thema passen könnten. Die Idee steht allerdings erst einmal für sich; ein Geistesblitz allein bewirkt keinesfalls, dass ich sofort mit dem Schreiben beginne, im Gegenteil: Zwischen Idee und ihrer Umsetzung können durchaus Monate liegen, da ich ja keinem Terminplan unterliege und ich allein arbeite. Es kommt auch vor, dass ich Gedanken zu Papier bringe und dann nicht weitermache; es gibt meist immer mehrere solcher auf Eis liegender Fragmente.
Auf die Idee zu einer Biographie erfolgt in der Regel zunächst die Suche nach entsprechendem Videomaterial bei „YouTube“, worauf ich auf zwei Kriterien Wert lege: Auf Aussagewert und/oder möglichst gute Qualität, möglichst in HD. Ich suche Material, dass euch möglichst eine hochwertige Qualität bietet, sodass das Zusehen Spaß macht; die Tonqualität sollte auch stimmen. Das zweite Kriterium ist möglichst authentisches Material, das aus dem historischen Zusammenhang und zum Verständnis des Künstlers wichtig ist. Bei historisch wertvollem Videomaterial versuche ich einen Kompromiss zu finden zwischen Authentizität und Qualität. Filmmaterial, das 50 Jahre alt ist, ist nun mal oftmals von sehr schlechter Qualität, hier ist ein Kompromiss zu finden. Es gibt Künstler, über die gibt es nur sehr wenig Filmmaterial; stehende Hintergrundbilder über einem Musikstück finde ich wenig reizvoll und verwende sie nach Möglichkeit nicht.


ETWAS GRUNDSÄTZLICHES ZU „YOUTUBE“

Dieser Videokanal hat sich als unerschöpfliche Schatzkiste gemausert; täglich wird das Angebot, so habe ich zumindest das Gefühl, sehr viel breiter, dabei finde ich auch historisches Musikmaterial. Musste ich zu Beginn meiner Arbeit mit dem Thread sehr oft die ärgerliche Erfahrung machen, dass sich meine Links schon nach kurzer Zeit wegen irgendwelcher Urheberrechtsverletzungen in Nichts auflösten, gehört dies mittlerweile fast völlig der Vergangenheit an. Offenbar haben viele Künstler mittlerweile realisiert, dass sie eine bessere Werbung als über „YouTube“ gar nicht bekommen können, und auch deren Vertriebsorganisationen spielen längst als Promoter mit.
Meine eiserne Regel ist es hier, jeden Produzenten eines „YouTube“ – Clips unter „credits“ zu nennen, das ist ein Gebot der Höflichkeit und Dank an ihre Arbeit, schließlich schöpfe ich aus deren Quellen und ich sichere mich gegen den Vorwurf von Urheberrechtsverletzungen ab. Mittlerweile habe ich nur durch „YouTube“ zahlreiche Künstler entdeckt, von denen ich sonst nie etwas gehört hätte: ANA ALCAIDE, JULIE FOWLIS, AMIR-JOHN HADDAD, RADIO TARIFA, SALSA CELTICA, ANOUSHKA SHANKAR – es gibt sicherlich noch mehr.

Schon ganz am Anfang, als ich den Moderatoren dieses Projekt vorstellte, hatte ich die Idee, sowohl Fotos als auch Videoclips einzubinden. Spocky hat mich dahingehend beraten, von Fotos die Finger zu lassen wegen Urheberrechtsproblemen, einzig und allein gegen die Einbindung von fremden Videoclips gäbe es nichts einzuwenden. An dieser Stelle ist deswegen mein Dank an Dich, Spocky, fällig wegen dem Freiraum und der Beratung.
Im Rückblick hat sich die Verlinkung von Musikclips zu den passenden Artikeln als genial herausgestellt, die hör- und sehbare Musik ist sozusagen das Salz in der Suppe und hat sicherlich hauptsächlich zum Erfolg dieses Threads beigetragen. Wer guckt schon gerne Koch-Shows in der Glotze, ohne mal schnüffeln und probieren zu können? Wenn ich den eigentlichen Artikel schreibe, habe ich eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wie die ganze Biographie aussehen soll. Ich habe zu diesem Zeitpunkt eine sehr genaue Vorstellung vom vorhandenen Videomaterial, die entsprechenden Clips sind durch Bookmarks in meinem „YouTube“ – Channel gespeichert, damit ich sie jederzeit wiederfinde. Da zwischen der eigentlichen Idee und der Ausführung oft Monate liegen können, ist das Videomaterial oftmals umfangreich, Verschwundenes ist zwischenzeitlich wieder aufgetaucht bei „YouTube“, das Material ist mehrmals „begutachtet“ worden und im Regelfall gibt es auch schon ein oder mehrere Textfragmente, die per Hand geschrieben sind.
Das alles in Artikelform zu bringen, wie ihr ihn hier zu sehen bekommt, dauert trotzdem noch 1 -2 Tage mit entsprechenden Pausen, um den Kopf durchzulüften. Das alles geht ohne Drogen (Kaffee ist keine Droge, oder? Da bin ich ja beruhigt. )
Die Artikel sind immer gegliedert in einen Teaser, also einen Clip zum Einstimmen, dem eigentlichen Text und einem ausführlichen Musikteil. Den Text liest man nur einmal, die Musik hört man öfter, so erkläre ich mir die Klickzahlen. Musik – Clips mittendrin versuche ich nach Möglichkeit zu vermeiden.


MEINE QUELLEN

Am Anfang einer jeden Recherche steht zunächst einmal das Lesen des simplen deutschsprachigen „Wikipedia“ – Artikels. Das reicht bestenfalls für einen kurzen Überblick. Danach erfolgt die ausführliche Lektüre des englischsprachigen „Wikipedia“ – Artikels, der in der Regel vierfach so umfangreich ist wie der deutsche. Der Grund dafür: das Interesse an Musik ist im angloamerikanischen Raum ungleich stärker ausgeprägt als bei uns, das Publikum ist wesentlich besser informiert und der Beruf des Musikjounalisten ist angesehen und keine brotlose Kunst wie bei uns. Es gibt angesehene Musikzeitschriften auf hohem Niveau (siehe „ROLLING STONE“) Die Artikel sind durchweg gut durchrecherchiert und mit zahlreichen Quellen verlinkt, die ich in einem weiteren Rechercheschritt ebenfalls heranziehen kann, z.B. Original – Interviews, Fanprojekte, persönliche Websites der Künstler. Dadurch lässt sich nicht nur die Wissensdichte über einen Künstler entscheidend verdichten, sondern es lassen sich auch Legenden und Lügengespinste enttarnen: Johnny Winter lag gar nicht vier Jahre lang danieder, sondern tourte vier Jahre lang intensiv – oder der Tour-Kalender war gefälscht….
Ich benutze zwei Rock – Lexika in Buchform zum Nachschlagen, ein vierbändiges Lexikon „Rock von A bis Z“ von 1996 (?) und das alte Rock-Lexikon von Barry Graves/ Siegfried Schmidt-Joos von 1973. Auch das liefert wichtige Zusatz – Informationen: Wer hätte 1973 geglaubt, dass Joe Cocker nochmal von der Flasche wegkommt, nachdem ihm am Ende der monatelangen „Mad Dogs & Englishmen“ – Tour durch die Staaten 249 US-Dollar verblieben waren und er schwer zu saufen anfing?
Dazu gibt es auch noch Spezialbücher, zum Beispiel die Keith-Richards – Biographie „Ich“ oder das „Pink Floyd“ – Buch ua. Die könnten wichtige Einblicke ins Leben von Stones – Gründer Brian Jones oder dem Pink-Floyd Overhead Syd Barrett liefern, die dadurch allein schon auf die Kandidatenliste hier kommen.
Eine weitere wichtige Recherchequelle befindet sich in meinem Kopf: Alter und Lebenserfahrung. Sehr viele große Künstler der damaligen Zeit habe ich live gesehen, viele mehrfach. Eine Eintrittskarte kostete damals zwischen 8 und 20,- DM. Manches, was ich hier beschreibe, sind Erlebnis – Schilderungen.


DIE AUSWAHL DER KÜNSTLER

Das Alleine – Arbeiten bietet auch hier gewisse Vorteile: Ich kann selbst entscheiden, über wen ich schreiben will und über wen nicht. Das brachte mir bisher den Vorteil ein, nur über Künstler schreiben zu können, die ich mochte und hinter denen ich irgendwie stehe. Bei denen fällt das Schreiben dann auch leicht.
Wenn ihr also als Leser auf Künstler stoßt, von denen ihr noch nie etwas gehört habt, dann war mein Anliegen, dass ihr die kennenlernt. Das ist sozusagen meine persönliche künstlerische Freiheit. Wenn man über jemanden schreibt, der weitgehend unbekannt ist, dann hat man auch die kleine Freiheit, dass ein Fehler unbemerkt bleibt. Nimmt man sich dagegen einen weltberühmten, millionenfach akzeptierten Künstler vor, ist der Recherchedruck ungleich höher und auch die Anforderung, keine Fehler zu machen. Eine Biografie über John Lennon, Michael Jackson oder Elvis Presley zu schreiben ist ungleich anspruchsvoller als über Popol Vuh oder die Toningenieur – Legende Conny Plank, Leute, die kaum jemand kennt. Ich möchte für mich ausschließen, eine Biografie nachbessern zu müssen wie z.B. bei dem „Doors“ – Keyboarder Ray Manzarek geschehen.
Ganz verzwickt wird es dann, wenn man über einen Künstler schreiben müsste, den man gar nicht mag und dessen Musik einem nichts bedeutet. Ich mag nun mal weder die Bee Gees noch Elvis Presley, und trotzdem gebietet es die Fairness, sie angemessen zu würdigen, beide waren super – erfolgreich und stilbildend, ein Klub wie dieser kann eigentlich nicht ohne sie auskommen. Und auch die Großen der Musikszene gehören hier rein: John Lennon, George Harrison, Brian Jones, Curt Kobain, Frank Zappa, Amy Winehouse – ohne die ist ein solcher Klub nicht vollständig. Bisher bin ich vor den ganz Großen eher zurückgeschreckt…


WELCHE KÜNSTLER GEHÖREN HIER NICHT REIN?

Prinzipiell sollte man den Begriff sehr weit fassen: Was ich persönlich nicht mag, kann nicht die alleinige Richtschnur sein, ob man darüber schreibt oder nicht. Grenzen setze ich persönlich bei Musikern der Rechten Szene und derem Liedgut; da sehe ich nichts Lobenswertes dran und folglich auch nichts, worüber man einen Nachruf schreiben sollte, denn sterben müssen wir schließlich alle mal. Der Tod allein ist noch kein Verdienst an sich. Die Grenze verläuft bei mir bei Heino – jahrelang ein braunes Tuch für mich, ziehe ich dennoch vor seiner Persiflage der „Metal“ – Szene und insbesondere vor seinem Auftritt in Wacken den Hut. Gut gemacht!
Ich habe auch keine Lust, über RAP zu schreiben. RAP ist keine Musik, sondern Wortdichtung, von daher ist der Rapper streng genommen kein Musiker. Gewaltverherrlichung, Rassenhass, Frauen- und Schwulenfeindlichkeit, das ist nichts, worüber man den Glorienschein aufziehen sollte, auch wenn es vielleicht nur als Provokation gedacht ist. Ich halte nichts davon, einem Gangsta` - Schick zu huldigen, nur weil es „in“ ist. Also keine Würdigung von „Bushido“. Aber nun gut, es gibt ja auch „guten“ RAP.


GRENZEN DER BERICHTERSTATTUNG

Ein Artikel, den ich schreibe, sollte fair sein und niemals herabwürdigend. Was ich meine, beschreibe ich am Beispiel Amy Winehouse: Im Netz kursieren zahlreiche Videoclips negativer Art über Amy: Amy sternhagelvoll, Amy auf der Bühne gestürzt, Amy verprügelt…. Diese Videos werden millionenfach angeklickt von einer sensationsgeilen Meute. Das ist schlimm genug. Schlimmer noch: Es gibt auch zahlreiche Videos, die zeigen, wie schamlos, respektlos und übergriffig zum Teil ihre Interviewpartner ihr gegenüber waren. Das alles muss man nicht verlinken, und das tue ich auch nicht. Eine faszinierende Frau, eine faszinierende Stimme, die viel zu früh verstummt ist.
Amy Winehouse ist nur ein Beispiel: Der „Club der Toten Musiker“ bringt es mit sich, mit zahlreichen alten Menschen zu tun zu haben, deren körperliche Schönheit oft längst vergangen ist und deren musikalische und geistige Fähigkeiten deutlich nachgelassen haben. Was zeigt man, was nicht, und wo sind die Grenzen? Sollte man einen Johnny Winter zeigen, der kaum eine Gitarre halten kann, aber tapfer ins Micro flüstert? Soll man einen volltrunkenen Keith Richards zeigen? Ich denke nicht, es gibt genügend Clips, wo alte Leute durchaus angemessen in Echtzeit zeigen, was sie draufhaben, und damit soll gut sein, oder?


WIE DER CUB MICH VERÄNDERT HAT

Es war einmal ein Wolf, der glaubte, 80 Jahre alt zu werden. Andere werden auch so alt oder noch älter, und die rauchen, saufen, sind drei Tonnen zu schwer – Gottseidank mache ich das ja alles nicht, dazu bin ich fit wie ein Turnschuh, steige locker mit 5 Kilo Kameraausrüstung auf die Siegessäule, ohne Pause natürlich. Alterserscheinungen – was ist das? Kenne ich nicht, habe ich nie gehabt! Leben, ich komme!
Mein Asthma kam von einem Tag zum anderen – plötzlich brauchte ich auf dem Weg zum Bahnhof für die 300 Meter fünf Verschnaufpausen. Fahrradfahren? Keine 200 Meter weit…. Große Fototouren mit schwerer Kamera und Wechselobjektiven? Momentan nicht – wann ist „momentan“ zu Ende? Machu Picchu? Kann man wohl vergessen, zumindest in diesem Leben.

Was ich aus der Arbeit für diesen Thread lerne? Ich habe keine Zeit mehr – ich stehe MITTENDRIN!
Bei jeder Todesmeldung schrecke ich zusammen: Der ist aber nicht alt geworden – nur 70 Jahre. Na gut, bei dem Alkoholkonsum…. Es macht einen schon nachdenklich, wenn andauernd Leute sterben, die 5 Jahre älter sind, gleich alt oder sogar jünger. Wie lange werde ich noch haben? 15 Jahre? Oder nur noch zwei?


AUSBLICK

Weitermachen oder nicht? Der Arbeitsaufwand ist mir zu hoch: es tut mir in der Seele weh, vom Tode eines Musikers zu hören und den mit einer einzigen Zeile sozusagen „abzuspeisen“. Das ist ungeil. Hat Udo Jürgens nicht eine Würdigung verdient? Oder Joe Cocker? Oder Paco de Lucia? Jeder von ihnen verdient Respekt – und auch in diesem Jahr werden wieder Neue dazu kommen. Wer wird es diesmal sein? Geplant war, jeden Monat einen Künstler zu würdigen, aber auch das funktioniert so nicht. Wo bleibt da der Spaß an diesem Thread? Mal sehen, was noch kommt, vielleicht putzen wir ja den Tresen nochmal blank. Eines ist klar: Es gibt bei mir keine Würdigungen auf Vorrat. Ich habe keinen fertigen Text in der Schublade zu Mick Jagger, Keith Richard oder Sir Paul McCartney, den man dann nur noch rauszaubern braucht. Wär ja noch schöner….


W.E., am 23.02.2015

Musicians Who Died To Young

https://www.youtube.com/watch?v=vxoYqJDhxoY




credits: jord0hh


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Geändert von The Wolf (23.02.2015 um 18:00 Uhr)
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Alt 31.03.2015, 04:11   #76
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70 Jahre "Slowhand".... das ERIC CLAPTON SPECIAL

Liebe Freunde und Zuhörer,

gestern, am 30.03.2015. wurde einer der ganz Großen des Musikgeschäfts 70 Jahre alt:

ERIC CLAPTON,

stilprägender Gitarrist der Superklasse, der mit seinem eindrücklichen, aber unaufdringlichen Gitarrenspiel die Welt der Rockmusik revolutionierte und seit 50 Jahren zu den ganz großen Show - Acts zählt.

Aus gegebenem Anlass einige Goldstücke aus meinem Videoarchiv, die Clapton in seiner Bestform mit unterschiedlichen Partnern zeigt. Daraus habe ich für Mr. Clapton ein kleines Geburtstagsständchen gemacht. Und los gehts! LET`S ROCK!


Clapton & SHERYL CROW and friends: TULSA TIME
https://www.youtube.com/watch?v=z8JegMy6O3E
(Crossroads Guitar Festival 2007)

Clapton & CARLOS SANTANA - JINGO
https://www.youtube.com/watch?v=4n2d1_OIHZ4
(Crossroads Guitar Festival 2004)

Clapton und JJ CALE: AFTER MIDNIGHT / CALL ME THE BREEZE

https://www.youtube.com/watch?v=5WUeOEkl270
(Crossroads Guitar Festival 2004)

Clapton & GEORGE HARRISON - WHILE MY GUITAR GENTLY WEEPS
https://www.youtube.com/watch?v=oDs2Bkq6UU4
(live in Japan 1996)

Clapton & STEVIE WINWOOD - COCAINE
https://www.youtube.com/watch?v=DVl-oXi-TpY
(Madison Square Garden New York 2006)

Clapton & KEITH RICHARDS - KEY TO THE HIGHWAY
https://www.youtube.com/watch?v=_Kmlk5ll3oE
(Crossroads Guitar Festival 2010)

Clapton & MARK KNOPFLER - LAYLA UNPLUGGED
https://www.youtube.com/watch?v=kbiWP9GSg7c

Clapton & BB KING ua. - THE THRILL IS GONE
https://www.youtube.com/watch?v=dfqHLX3hdcs
(Crossroads Guitar Festival 2010)

Clapton & JOHN MAYALL BLUESBREAKERS - ALL YOUR LOVE
https://www.youtube.com/watch?v=evMb-4cWqIM
(Liverpool 2003 zu Mayalls 70th Birthday)

Clapton & JEFF BECK feat. Tal Wilkenfield - YOU NEED LOVE
https://www.youtube.com/watch?v=8ygnlWfperw
(Live at Ronnie Scott`S)

Clapton & ROGER WATERS - WISH YOU WERE HERE
https://www.youtube.com/watch?v=S-mHglW7Bp8
Tsunami Aid Concert

und zuletzt:
The Eric Clapton/Ginger Baker/Jack Bruce Formula: CREAM !!!

CREAM - IM SO GLAD
https://www.youtube.com/watch?v=iF-pMingp6A

CREAM - WHITE ROOM
https://www.youtube.com/watch?v=dCc00pX_pFA
(Farewell Concert 2006 Royal Albert Hall)


Thanks, Mr. Clapton!


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Geändert von The Wolf (02.04.2015 um 15:18 Uhr)
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Alt 14.04.2015, 22:45   #77
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In Memoriam - PERCY SLEDGE

Und wieder habe ich die traurige Pflicht, davon zu berichten, dass sich der Club wieder einmal vergrößert hat.

Heute verstarb der farbige Soul- und Rythm & Blues - Sänger PERCY SLEDGE. Sein bekanntester Song war in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts sein Song "WHEN A MAN LOVES A WOMAN", der ihn unsterblich gemacht hat. Ich erinnere mich, dass dieser Song auf keiner Klassenfete, in keinem Tanzkurs fehlte. Warum wohl? Da dürft Ihr raten. Percy Sledge wurde 73 Jahre alt.

Danke, Percy, für diesen Song! Ich hoffe, Du bist nun in einer besseren Welt, wo die Farbe Deiner Haut keine Rolle mehr spielt. Farewell!



PERCY SLEDGE - When A Man Loves A Woman
https://www.youtube.com/watch?v=7lp7FtJXp7k
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Alt 02.05.2015, 19:08   #78
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in Memoriam - BEN E KING

Erneut hat der Club Zuwachs bekommen:


in Memoriam - BEN E. KING (1938 in North Carolina, gestorben 2015 in New Yersey)

BEN E. KING trat 1955 der Sängergruppe "The Crowns" bei, die ab 1958 in "THE DRIFTERS" umbenannt wurde und mit einigen Hits hohe Chartsplazierungen erreichte. 1960 verließ Ben E King die Gruppe und strebte eine Solokarriere an. 1961 wurde sein bekanntester Hit "STAND BY ME" veröffentlicht, ein Song, der sich millionenfach verkaufte und von zahlreichen Kollegen gecovert wurde, z.B. von John Lennon.

Ben E King wurde 77 Jahre alt. Danke für diese zeitlosen Songs!




Ben E. King & The Drifters - SAVE THE LAST DANCE FOR ME (1959)
https://www.youtube.com/watch?v=n-XQ26KePUQ


Ben E. King - STAND BY ME
(1960)
https://www.youtube.com/watch?v=hwZNL7QVJjE

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Alt 15.05.2015, 21:02   #79
The Wolf
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The Thrill Is Gone - In memoriam - B.B. King

Und wieder einmal ist eine traurige Mitteilung zu machen:

Gestern verstarb im hohen Alter von 89 Jahren RILEY B. KING, genannt B.B. KING

Riley B. King wurde am 16. September 1925 in Itta Bena, Mississippi, geboren und verstarb am 14. Mai 2015 in Las Vegas, Nevada, nach langer schwerer Krankheit.

B.B. King, dessen Initialen sich auf "Blues Boy" King bezog, prägte zusammen mit den anderen B-Boys (Albert KING und Freddy KING) jahrzehntelang den amerikanischen Rhythm & Blues und war Vorbild für Legionen weißer und schwarzer Blues - Gitarristen und Blues - Sänger innerhalb und außerhalb der USA. Mit B.B. King verliert Amerika nicht nur seinen versiertesten und angesehendsten Bluesgitarristen und Sänger, sondern auch einen großen Teil seiner Identität und Seele.
Eine Ära geht zu Ende. Die Lücke, die BB King hinterläßt, wird sich wohl nie mehr schließen lassen.


Farewell, Blues Boy King!


B.B. King - THE THRILL IS GONE (Live at Montreux 1993)
https://www.youtube.com/watch?v=4fk2prKnYnI



credits:
EagleRock
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Alt 16.05.2015, 15:35   #80
Mathe Man
 
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Arte zeigt heute abend um 21:55 ein Portrait über B.B. King.
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Alt 15.06.2015, 00:02   #81
The Wolf
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In Memoriam...

JAMES LAST (1929 - 2015)



James Last ist nicht meine Musik, aber der Respekt gebietet es, vor diesem Mann den Hut zu ziehen:

17 Platinalben;
207 Goldalben;
mehr als 3 Dutzend Auszeichnungen;

das war James Last, Deutschlands mit Abstand erfolgreichster Musiker und der wohl erfolgreichste Bandleader weltweit.

James Last war als Bassist, Bandleader, Komponist, Arrangeur und Musikproduzent über 20 Jahre lang in der alten Bundesrepublik stilprägend und tourte mit seiner Bigband mehrfach um die ganze Welt, auch im ehemaligen Ostblock.
Als Hans Last wurde er 1929 in Bremen geboren als 6. und jüngstes Kind des ehemaligen Seemanns und späteren Stadtbeamten Louis Last. Zwei seiner Brüder wurden ebenfalls Musiker. Von ihrem Vater Louis erbeten alle drei Söhne ihr Musiktalent.

James Last wird musikalisch zur Stilrichtung "Easy Listening" gezählt und gilt als Begründer des sogenannten "Happy Sound". Sein Trick war es, die einzelnen Musikstücke durch Übergänge miteinander zu verbinden, sodass ein einziger durchgehender, immer gut tanzbarer Sound entstand. Diese Idee wurde extrem erfolgreich und wurde trotz ihrer eigentlichen Banalität sehr schnell mainstream - tauglich. James Last und seine Bigband wurden sehr schnell zur Musikikone der deutschen Mittelschicht und der Kreise, die dieser nacheiferten und fehlte (auch nach eigenem Erleben) in nahezu keinem deutschen Haushalt. Dies erklärt die extrem hohen Verkaufszahlen.

Trotz Multimillionärsstatus ist James Last aber immer eines geblieben - ein Vollblutmusiker aus ganzem Herzen.

James Last verstarb am 9.Juni 2015 in Florida. Er wurde 86 Jahre alt.




James Last & Orchester - Zigeuner - Medley (1975)
https://www.youtube.com/watch?v=77Hu1fa4EeE

James Last & Bigband: Aber Dich Gibts Nur Einmal Fuer Mich (2007 Royal Albert Hall, London)
https://www.youtube.com/watch?v=LJvegsPb9S4
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Alt 19.06.2015, 15:58   #82
hobome
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Zitat:
Zitat von The Wolf Beitrag anzeigen
Liebe Leute, der "Club der Toten Musiker" macht eine kleine Sommerpause. Wegen des schönen Wetters komme ich momentan nicht dazu, weitere Artikel zu schreiben. Keine Sorge, das bedeutet nicht, dass jetzt hier Schluss ist - im Herbst und im kommenden Winter werden weitere Artikel folgen, auf gewohnt hohem Niveau, versteht sich. Einige Projekte sind bereits in der Idee fertig, bedürfen aber noch der Ausarbeitung.
Hallo lieber @The Wolf,
ich war einige Zeit Offline und dies sind die ersten Worte seit Langem, die ich schreibe. Denn ich muss dir sagen, es ist schön zu hören das du scheinbar dein Asthma im Griff hast. Ich interpretiere den Grund der Pause einfach mal dahingehend positiv :-)
Und vielen Dank für die Stunden an Lese/Hör/Guck-Spass die du mir bereits bereitet hast und bestimmt noch wirst.


Ja, Spass. Auch wenn es traurig ist, vom Tode eines Menschen zu hören, der einem etwas bedeutet hat. Oder den man sogar kennen lernen durfte.
Dadurch bin ich überhaupt wieder hierher gekommen. Über Scott McKenzie, dessen Namen ich suchte weil ich an eine bestimmte Zeit erinnert wurde.
Nun, ich betrank mich einmal mit ihm und einigen anderen Musikern an der Hotelbar im "International" in Basel.
Das muss Anfang 1993 gewesen sein. Ich erkannte ihn erst, als er am Piano San Fran spielte. Das ich ihn hier in deinem Club in guter Gesellschaft wieder finde, würde ihm glaube ich gefallen. Und eine Runde Grappa!
Cheers, Scott!

Da auch schon der Conny Plank (unvergesslich seine Trompetensolos auf den Konzerten von GROBSCHNITT Anfang/Mitte der 1980er. Er am FOH) einen Platz an der Bar es Clubs der toten Musiker gefunden hat, möchte ich einem für das Netz leider unbekannten Tontechniker hier ebenfalls eine Clubkarte überreichen.
Klaus Kurtenbach
Leider ist selbst mir, dem er vieles am Live - Mischpult beigebracht hat, noch nicht einmal sein Geburtsdatum bekannt.
Bei einem Gespräch mit einem alten Arbeitskollegen musste ich erfahren, das er 2013 verstorben ist.
In den Pausen hinter der Bühne erzählte er gerne von seinen Anfängen in der Kölner Musikszene und wie er mit der "ZELTINGER BAND" seine Sporen verdiente. Ich lernte ihn kennen, als er 1991 in Zürich beim Musical CATS der Chef der Tontechnik war.
Diese Aufnahme stammt aus genau dieser Zeit.
Ich habe sie bis vor kurzem selbst nicht gekannt und war begeistert. Sie muss unter sehr schwierigen Umständen (Sicherheit) entstanden sein mit einer sehr schweren Kamera (Zeit und Technik). Die Qualität ist nicht gerade toll, aber ein schönes Zeitdokument und eine tolle Erinnerung an Klaus.
CATS Teil 1
CATS Teil 2

CATS Teil 3
Rock in Peace!!

Live long and prosper Leonard Nimoy

Cheers
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Alt 20.06.2015, 01:27   #83
Mrs BellavonSim
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Ich hab hier eigentlich gar nichts zu melden, weil ich musikalisch unterbelichtet bin, aber zu San Francisco von McKenzie erinnere ich mich, wie ich einmal am Hafen von San Fran stand, aus einer alten Juke Box dieser Song kam, und wie manchmal Träume länger leben..und wie diese Stadt auf dem San Andreas Graben doch immer noch diesen Traum celebriert, obwohl man längst weiß, dass er ausgeträumt ist. Menschen brauchen einfach Hoffnung und Visionen. Dann kam als nächstes ein noch viel älteres Lied, es heißt auch San Francisco und auch dieses Lied feiert diese Stadt.... und ist aus einem uralten Film mit Gable und Tracy über das Erdbeben von 1906. Kann sich jemand hier von den Spezialisten daran erinnern?
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Alt 20.06.2015, 11:37   #84
hobome
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Zitat:
Zitat von Mrs BellavonSim Beitrag anzeigen
Ich hab hier eigentlich gar nichts zu melden, weil ich musikalisch unterbelichtet bin, aber zu San Francisco von McKenzie erinnere ich mich, wie ich einmal am Hafen von San Fran stand, aus einer alten Juke Box dieser Song kam, und wie manchmal Träume länger leben..und wie diese Stadt auf dem San Andreas Graben doch immer noch diesen Traum celebriert, obwohl man längst weiß, dass er ausgeträumt ist. Menschen brauchen einfach Hoffnung und Visionen. Dann kam als nächstes ein noch viel älteres Lied, es heißt auch San Francisco und auch dieses Lied feiert diese Stadt.... und ist aus einem uralten Film mit Gable und Tracy über das Erdbeben von 1906. Kann sich jemand hier von den Spezialisten daran erinnern?
Ich denke, hier hat jeder etwas zu melden, vor allem wenn er mit einer schönen Geschichte das Andenken an einen der Clubmitglieder ehrt.
Und das Lied, das du aus der Jukebox hörtest war der Song "Theme from San Francisco" aus dem Film "San Francisco", gesungen von der wunderbaren Schauspielerin und Sängerin Jeanette MacDonald.

Cheers
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Alt 20.06.2015, 11:56   #85
The Wolf
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Richtig, und den Song gibt es bei YOUTUBE - habe ihn gerade gefunden:


SAN FRANCISCO - Jeanette McDonald
https://www.youtube.com/watch?v=eNfwV_YF1Aw


Den ganzen Film gibt es ebenfalls bei YOUTUBE. Ich versuche ihn mal in den Thread "EURE SCHÖNSTEN VIDEOCLIPS" einzustellen.



Edit: Nochmal zurück!
Den kompletten Film gibt es NICHT bei Youtube umsonst, sondern bei einem anderen Anbieter, bei dem man sich registrieren muss. Ob das umsonst ist oder Geld kostet, habe ich in aller Schnelle nicht rausbekommen können, ist also nichts für uns. Tut mir leid. Bei YouTube, das sind alles nur Trailer für den Film, aber da hängen Verlinkungen dran. Die führen weiter.

Für Dich, MrsBella, noch ein Schmankerl:

Eine Fahrt mit der Cable Car durch San Franciscos Main Street, inmitten eines Gewühls aus Pferdewagen, Droschken, ersten Automobilen, Radfahrern, gefilmt 1906, zwei Tage bevor das Erdbeben alles in Schutt und Asche legte. Ein echtes Zeitzeugnis....
Und ja, es gibt Leute, die glauben, von Musik nichts zu verstehen so wie Du. Bist Du Dir da so sicher? Herzlich willkommen hier!
Du machst das!

So, und nun Platznehmen in der Straßenbahn:


San Francisco, Market Street 1906 (mit Sound!)
https://www.youtube.com/watch?v=8Q5Nur642BU

credits:
Mike Upchurch
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Geändert von The Wolf (20.06.2015 um 12:33 Uhr) Grund: Falsche Angaben...
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Alt 20.06.2015, 14:09   #86
Mathe Man
 
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Zitat:
Zitat von The Wolf Beitrag anzeigen
San Francisco, Market Street 1906 (mit Sound!)
https://www.youtube.com/watch?v=8Q5Nur642BU
Oh oh, die Zeit bevor es aufgrund der hohen Unfallzahlen auf den Strassen Verkehrsregeln eingeführt wurden. Einige haben sich aber auch in die heutige Zeit hinüber gerettet.
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Alt 20.06.2015, 15:56   #87
The Wolf
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in Memoriam.... Jeanette McDonald

Zitat:
Zitat von Mathe Man Beitrag anzeigen
Oh oh, die Zeit bevor es aufgrund der hohen Unfallzahlen auf den Strassen Verkehrsregeln eingeführt wurden. Einige haben sich aber auch in die heutige Zeit hinüber gerettet.

Neu war für mich, dass es den Film auch mit Tonspur gibt wie hier. Den Clip hatte ich im Nachbarthread "Eure schönsten YouTube - Clips" schon mal verlinkt, aber ohne Ton und nur mit Filmknistern. Dann spielte wohl ein Klavier, ein einsames.....


Ja, und dann Jeanette McDonald:

Nie gehört und Dank Euch erst heute entdeckt. Wenn der Song von 1936 ist, dann gehört sie ja auch zum "Club der Toten Musiker/Innen".
Welche Lebensträume hatten wohl diese Menschen, und was ist draus geworden?
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Alt 20.06.2015, 21:04   #88
Mrs BellavonSim
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Lieber Wolf, Liebe Hobome,

ihr habt mir eine riesige Freude gemacht. Denn ich wußte den Namen der Sängerin nicht. Und dieses Lied ist einfach großartig, genau wie San Francisco eine großartige Stadt ist. ...heart of the golden West..
Ich hab es heute gleich fünfmal gehört.

Alles hat sich ja auch nicht geändert. Das Cable Car fährt schließlich immer noch. Aber da es total überfüllt ist und irgendwie nicht richtig hält, ist es gar nicht so einfach da raufzuspringen...Vielen Dank also auch für das schöne Video mit der Stadtfahrt. War ja damals schon ganz schön viel Stau, finde ich...und ja wie Mathe Man erwähnt, sehr lustig dieses Verkehrsverhalten, ohne Regeln..

Aber hier ist noch mal das ganze Lied, wie ich es in einem Link unter dem von "The Wolf" gefunden habe, mit allen Höhepunkten.

https://www.youtube.com/watch?v=QvK_gD3ulaw

Obwohl ich die Segnungen der Neuzeit durchaus zu schätzen weiß, hab ich manchmal den Verdacht, was das Kulturelle betrifft, dass ich eher zur Welt von Gestern gehöre (Zweig)

Den Film habe ich auch nicht im Archiv. Der muß irgendwie her. Insofern nochmals vielen Dank, ich habe mich wirklich total gefreut.
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Alt 20.06.2015, 22:31   #89
hobome
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Hi Mrs Bella,
schön das es dir gefällt.
Das Video kannst du (noch) hier bekommen. Im Zweifelsfall immer mal wieder bei Ibäh vorbeischauen, ob einer seine Videosammlung verkauft. Einfach nach "San Francisco Clark Gable" suchen.

Cheers
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Alt 28.06.2015, 18:36   #90
SimDieter
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R.I.P. Chris Squire
Jetzt bin ich wirklich geschockt und sehr traurig.
Es war mein Lieblings-Bassist. (Gruppe Yes)
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Alt 14.07.2015, 10:24   #91
The Wolf
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Genie und Wahnsinn.... und früher Tod

Dieser Club könnte viel, viel erfolgreicher sein, wenn die Autoren, die hier schreiben, vor allem die tragischen Figuren des Musik- und Showbusiness mal durchleuchten würden. Ich gehe jede Wette ein, dass, wenn Namen auftauchten wie

-Amy Winehouse,
-Curt Cobain,
-Janis Joplin oder
-Freddy Mercury

die Klickzahlen sprunghaft in die Höhe gehen würden. Sind wir alle Voyeure? Oder sind wir wirklich "Mit" menschen, also Mitfühler?

Ich will das nicht weiter ausführen und schon gar nicht in irgendeiner Weise bewerten. Fakt ist (und das gilt hier nur für mich): Artikel über solche Menschen zu schreiben ist mit das Schwierigste, was ich mir persönlich vorstellen kann.
Es gilt im Prinzip das Gleiche, was ich im Werkstattbericht schon gesagt habe:
Es ist relativ einfach, einen Artikel über einen relativ unbekannten Musiker zu schreiben, dessen Schaffen für viele von uns nur so eine Art Nischenprojekt ist;
es ist ungleich schwieriger, einen Artikel über einen Superstar zu schreiben, den jeder von uns kennt. Da müssen alle Fakten stimmen, und obendrein sollte das Ganze noch etwas enthalten, was man SO noch nicht gehört hatte. Das macht viel Arbeit, wenn man den Anspruch hat, Copy & Paste außen vor zu lassen.

Noch schwieriger wird es, über jemanden zu schreiben, der irgendwie neben der Spur lag und gerade deswegen die Beachtung großer Mengen von Zeitgenossen fand. Diese "Crazy Diamonds" ziehen uns magisch an und strahlen perverserweise erst so richtig los, wenn sie tot sind. Manch einer wird erst nach seinem Tod ein richtiger Großverdiener; Leute wie Hendrix oder Michael Jackson, Presley und, und, und....
Wenn diese Menschen erst im Mainstream angekommen sind, ist es nahezu unmöglich, noch etwas Negatives über sie zu schreiben, der Panzer der Fanliebe ist nicht mehr zu durchbrechen. Selbst wenn diese Leute erkennbar "Opfer" waren, schon daran ersichtlich, dass sie viel zu früh starben, oder wenn ihre "Strangeness", ihre seelischen Verformungen und Verletzungen deutlich zu sehen und zu fühlen waren wie z.B. bei Johnny Rotten, Joe Cocker oder anderen, wie will man über sie schreiben? Wie stellt man ihre Kunst heraus, und wie beschreibt man ihre Schwächen, ohne sie herabzuwürdigen, ohne sie bloßzustellen und ohne in den Stil der Yellow Press zu verfallen?


Ich habe Euch hier einen, wie ich finde, sehr lesenswerten Artikel über die Psychologie von Rockstars und Bühnengrößen verlinkt, der der Frage aus psychologischer Sicht nachgeht, warum das frühe Sterberisiko in dieser Berufsgruppe um ein Vielfaches höher ist als bei uns Nichtmusikern:


DIE SCHATTENSEITE DES RUHMS
http://www.spektrum.de/news/warum-ro...paign=ZON_KOOP



Quelle: Spektrum.de
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Alt 01.08.2015, 20:31   #92
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ARTE: Jimi Hendrix...

Wozu ist Facebook gut? Nun ja, einer meiner Freunde hat mich auf ein prominentes Clubmitglied hingewiesen:

JIMI HENDRIX


ARTE sendet heute ein anderthalbstündiges Special über den ungeklrönten Meister der Elekrischen Gitarre, JIMI HENDRIX, der 1970 im Alter von 27 Jahren starb.

Wann und wo?

HEAR MY TRAIN A COMIN (90 Minuten)
http://www.arte.tv/guide/de/057828-0...-train-a-comin


auf ARTE, 1. August 2015 um 21.45 Uhr.

Viel Spaß!
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Alt 10.10.2015, 13:33   #93
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75 Jahre JOHN LENNON...

Gestern, am 9. Oktober, wäre JOHN LENNON 75 Jahre alt geworden. Leider wollte es das Schicksal, dass er nur 40 Jahre alt werden durfte.

Tot und trotzdem nicht vergessen; selbst den Breaking News war dieses traurige Jubileum gestern eine Meldung wert. Und auch hier sollte diese Tradition fortgesetzt werden, findet Ihr nicht auch?

John Lennon, der Rock´n Roller, der sich immer wieder wie eine Zwiebel häutete: Vom jugendlichen Großmaul zu einem guten Musiker, Bandleader und Komponisten, der weltweite Beachtung fand; dann zum gereiften Menschen, der konsequent die Pop - Vergangenheit abstreifte und zum Künstler und Politiker reifte...

Die Verehrung für John Lennon ist bis heute generationenübergreifend; John Lennon ist nicht nur was für alte Leute wie mich, die die Musik und die spätere Transformation hautnah erlebt haben, sondern auch bei der Jugend, bei der er bis heute hohes Ansehen geniesst...

Was wäre aus John Lennon wohl geworden? Ein angefetteter Reaktionär, der im Alter seine Liebe zum guten Essen und zum Establishment entdeckt und seine Jugend verrät? Wohl kaum... John Lennon wäre wohl heute bei der großen Demonstration gegen TTIP in Berlin vor dem Reichstag....

Für John Lennon wäre so viel möglich gewesen:

-Friedensnobelpreisträger
-UNO - Generalsekretär
-Hauptsponsor bei "Sea Shepherd"
-britischer Premier

Lennons Botschaft an uns alle:
NIEMALS EIN BLATT VOR DEN MUND NEHMEN, SONDERN SAGEN, WAS GESAGT WERDEN MUSS.
Für seine Botschaft musste John Lennon mit dem Leben bezahlen

John Lennon - unvergessen!


JOHN LENNON - WORKING CLASS HERO
https://www.youtube.com/watch?v=w_7_lEOaU10
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Alt 30.10.2015, 01:17   #94
The Wolf
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Die Reise von "Further"....


JEFFERSON AIRPLANE - WHITE RABBIT

https://www.youtube.com/watch?v=WANNqr-vcx0



Es war einmal ein Schulbus, der gehörte einer Gruppe von Spaßvögeln, die sich die "MERRY PRANKSTERS" nannten, also zu gut deutsch "Die fröhlichen Unruhestifter" - oder so ähnlich. Das war eine amerikanische Künstlerkommune, angesiedelt in Kalifornien in der Nähe von San Francisco (wo sonst?)
Die Jungs und Mädels machten sich auf, den "American Way of Life" ein bißchen aufzuwirbeln von unten her. Sie benutzten dazu einen zum Wohnmobil umgebauten, bunt angemalten ehemaligen Schulbus, den sie "FURTHER" nannten ("Weiter!" im Sinne von Vorwärts).
Um die Leute anzulocken, installierten sie auf dem Dach des Further Lautsprecherboxen, lockten überall dort, wo sie Pause machten, die Leute mit Musik an - und dann gaben sie ihnen LSD, um die Welt etwas bunter zu machen und die Gehirntätigkeit zu stimulieren. Da war damals nichts anrüchiges dran, denn LSD war damals legal, und die CIA tat das mit ihren Testpersonen ja auch. Die "Merry Pranksters" nannten ihre Vorgehensweise "ACID TEST" - der erste Acid Test fand gegen Ende 1965 statt.

Unter den "Merry Pranksters" befanden sich berühmte Leute:

-KEN KESEY, der als Soldat an den CIA- Tests mit LSD teilgenommen hatte und seine Erfahrungen in einem Weltbestseller verarbeitete: EINER FLOG ÜBERS KUCKUCKSNEST

-NEAL CASADY, ein notorischer Rumtreiber ohne festen Wohnsitz, Titelfigur in Jack Kerouacs Roman UNTERWEGS

-WAVY GRAVY, ein Clown mit Polit-Anspruch

-MOUNTAIN GIRL, die spätere Lebensgefährtin von Jerry Garcia, dem Bandleader von GRATEFUL DEAD und die Finanzchefin der Band

Mit den Merry Pranksters reiste ein junger Jounalist des "Herald Tribune" aus Washington DC, der ein Buch über die Pranksters und ihre Acid Tests schrieb und zum führenden Gesellschaftsschriftsteller der USA aufstieg. Sein Name war TOM WOLFE. Er gilt gemeinhin als Begründer des "New Jounalism"

Die Gruppe bezog ihr LSD und das, das sie für die Acid Tests verwendete, von OWSLEY STANLEY, einem ehemaligen US Air Force - Soldaten. Stanley, Enkelkind des Gouverneurs von Kentucky, war einer der begnadetsten Chemiker der USA, hatte an den Acid Tests der CIA teilgenommen und dann sein eigenes Geschäft aufgezogen. Er produzierte bis zu seiner Verhaftung weit mehr als eine Million Trips bester Qualität, genannt "WHITE RABBIT". Stanley belieferte nicht nur die Merry Pranksters, sondern er besorgte ihnen auch eine Band, die weltberühmt wurde: GRATEFUL DEAD. Und er hatte Einfluss bis nach London, zu den Beatles und Princess Ann.
Stanley kaufte von den Drogengewinnen ein Haus für die Dead und versorgte sie so gut mit Geld, dass die Band ihre Mucke umsonst abziehen konnte und deshalb bald in der San Francisco Bay Region eine Riesen - Fangemeinde hatte: Die amerikanische HIPPIE - BEWEGUNG war geboren mit ihren Sozialexperimenten, Landkommunentum, Freier Liebe und ihrem Drogenkonsum.

Die Utopie einer besseren Gesellschaft hielt offiziell nur bis zum Desaster beim Stones - Konzert in Altamont, CA. im Herbst 1969 und bis zu den Morden der "Manson Family". Hippie - Einflüsse lassen sich in den USA aber bis heute nachweisen (und nicht nur dort), ehemalige Hippie-Veteranen sind heute noch gesellschaftlich einflussreich; mindestens zwei Präsidenten outeten sich als Fans von Grateful Dead (Bill Clinton; Barak Obama). Die Freigabe von Cannabis spricht Bände, die Freigabe von LSD wird momentan diskutiert (LSD gilt als "weiche Droge", da nicht suchterzeugend).

Ja, und "FURTHER", der Art - Bus? Der steht nicht im Smithsonian Institute Museum, wo man ihn eigentlich bewundern sollte, sondern der steht zerfallen und vom Wald durchwuchert irgendwo, zum Gerippe mutiert und stirbt den Rost - Tod.... Er ist also eine Art Rollendes Klubmitglied bei uns hier..

Anläßlich des 50-jährigen Jubiläums von Furthers Reise von Kalifornien nach New York, vollgestopft mit Musikanlage und LSD-Trips, wurde ein neuer "Further" bemalt und eine Gruppe von Leuten hat die Reise wiederholt unter großen Presse - Echo, gesteuert von überlebenden Original - Mitgliedern der "Merry Pranksters" und ihren Nachfolgern...


Man kann FURTHER in aller Pracht bewundern, auf DIESEN Fotos hier:

KLASSENFAHRT AUF LSD
http://www.spiegel.de/einestages/mer...a-1057721.html


Viel Spaß und gute Nacht!
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Alt 31.10.2015, 01:07   #95
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in Memoriam - DIETER MOEBIUS

In Memoriam – DIETER MOEBIUS



CLUSTER - SOWIESOSO (1976)
https://www.youtube.com/watch?v=7i5lwRjLd_4


Dieter Moebius (* 16. Januar 1944 in der Schweiz; † 20. Juli 2015) war ein deutsch-schweizerischer Musiker. Er wurde am 16. Januar 1944 in Sankt Gallen geboren und wählte später Berlin zu seiner Wahlheimat. Hier starb er am 20. Juli 2015 nach langer Krebserkrankung.
Dieter Moebius war Multi-Instrumentalist mit Schwerpunkt Tasteninstrumente: Er spielte Synthesizer, Keyboards, Orgel und beherrschte auch die Gitarre leidlich. Wegen seines frühen Interesses an Elektronischer Musik gilt er als Pionier auf diesem Gebiet, und wir werden nachfolgend sehen, was es damit auf sich hat. Seine Musikstile sind weit gefächert:

· „Kosmische“ Musik
· Experimentalmusik
· Krautrock
· Psychedelic Rock
· Electronic Music
· Electronic Music (classics)
· Ambient


Leben

Sturm- und Drangjahre in West – Berlin

Als junger Mann verließ Dieter Moebius die Schweiz und ging zum Kunststudium zunächst nach Brüssel, dann lockten ihn die Ereignisse rund um die Studentenproteste und die Hoffnung auf eine bevorstehende Revolution nach West – Berlin, damals ein ebenso aufregender Ort wie Paris. Hier studierte er sehr lustlos weiterhin Kunst, wie er bekennt, und wohnte bei seiner Oma. Ansonsten besuchte er Studentenveranstaltungen, widmete sich dem Kampf gegen die Springer – Presse, dem Flaggschiff aller Lügenpressen, wie alle ordentlichen Studenten das damals taten – und begeisterte sich für den ZODIAC – CLUB.


Der Zodiac – Club – Keimzelle der „Berliner Schule“

Der „ZODIAC - CLUB“ ist so etwas wie der Urknall der Berliner elektronischen Musikszene. Der Club lag in den Kellerräumen eines berühmten Berliner Theaters, der „Schaubühne am Halleschen Ufer“ im Stadtteil Kreuzberg.
Dieses Theater hatte 1968 einen berühmten Neuzugang als Theaterdirektor. PETER STEIN kam aus München; da hatte man ihn rausgeschmissen, nachdem er nach einer erfolgreichen Aufführung eine Geldspendenaktion im Publikum zur Unterstützung des Vietcongs organisiert hatte. Das war damals in progressiven Kreisen so üblich, nur nicht in Bayern…
Binnen kurzer Zeit machte Stein die „Schaubühne“ am Halleschen Ufer in Berlin – Kreuzberg durch seine Inszenierkunst zu Deutschlands führendem Schauspielhaus, das Reputation in ganz Europa genoss. Es war die Zeit, als Berlin gleich zwei Theaterstätten von Weltrang besaß, besagte Schaubühne in West – Berlin und das „Berliner Ensemble“, die berühmte Wirkungsstätte von Bertolt Brecht und Helene Weigel in Ost – Berlin. Beide Theaterstätten spielten durchaus eine Rolle im Kampf der politischen Systeme nebeneinander.
Aber zurück zum ZODIAC CLUB:
Nach den Theatervorstellungen trafen sich die Musikverrückten der damaligen Zeit in den Kellerräumen zu unglaublich lauter Musik. Der Club wurde von zwei Menschen geleitet, die für die Berliner elektronische Urszene immens wichtig waren: HANS – JOACHIM ROEDELIUS und CONRAD SCHNITZLER. Letzterer kam aus Düsseldorf und war ein Schüler von Joseph Beuys, Roedelius war Verfolgter aus der DDR und hatte im Bautzener Knast gesessen. Hier unten im Keller spielte eine Band namens „TANGERINE DREAM“, die 1967 von einem gewissen Edgar Froese gegründet worden war. Froese war ein Anhänger von Jimi Hendrix und wollte so Gitarre spielen wie der King, die Gründung von Tangerine Dream erfolgte nach dem Vorbild von Hendrix Band „The Jimi Hendrix Experience“. Tangerine Dream spielte damals noch nicht elektronisch, aber es gab hier unten im Zodiac die ersten elektronischen Instrumente zum Ausprobieren für Jedermann.
Auch Dieter Moebius verkehrte hier, und man darf wohl annehmen, dass ihn hier das Electronic – Fieber packte….


Von „Kluster“ zu „Harmonia“

Der „Zodiac – Club“ hielt sich nicht lange – ca. anderthalb Jahre – dann kamen sich die Schaubühne oben und der Zodiac – Club unten in die Quere. Oben wurde nach dem Theater noch gearbeitet und an Verbesserungen gefeilt oder auch Party gemacht, und von unten drang entsetzlicher Lärm der Bands herauf. Der „Zodiac“ musste schließen. Die beiden Betreiber, Conrad Schnitzler und Hans-Joachim Roedelius, schlossen sich mit Dieter Moebius zusammen und gründeten die experimentelle Elektronikband KLUSTER. Nach sehr kurzer Zeit verließ Conrad Schnitzler Kluster wieder und schloss sich Tangerine Dream an. Roedelius und Moebius machten als Duo weiter und nannten sich fortan CLUSTER.
Cluster war im eigenen Land wenig bekannt, derlei Musikexperimente sprengten die Hörgewohnheiten der Leute, und das änderte sich erst, als das Ausland auf diese Musik aufmerksam wurde. Insbesondere in Großbritannien nahm man diese Musik wahr und nannte sie „Krautrock“, eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung, mit der sich Dieter Moebius und andere Musiker aus Deutschland nie identifiziert haben. Bekanntlich wurde ja auch Tangerine Dream erste in U.K. populär und begründete den späteren Ruhm der Plattenfirma VIRGIN und ihres Bosses Richard Branson, einem heutigen Milliardär.
1973 machten die beiden Großstädter Moebius und Roedelius die Bekanntschaft eines Landmannes: MICHAEL ROTHER, ehemaliger Gitarrist bei KRAFTWERK und NEU! der sich auf seinem Bauernhof an der Weser von seiner anstrengenden Partnerschaft mit seinem Kollegen KLAUS DINGER erholte. (siehe Rezension > KLAUS DINGER und >CONNY PLANK hier im Forum)
Rother, Roedelius und Moebius gründeten ein Trio mit Namen HARMONIA, wobei die Musik durch Micheal Rothers Gitarrenspiel deutlich hörbarer und harmonischer wurde als zuvor.


Brian Eno und die Geburtsstunde des „Ambient“

In Deutschland genossen die Musik von Harmonia und anderer elektronischer Gruppen ein Schattendasein nach dem Motto „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“. In England war man nach dem Durchbruch von Tangerine Dream und deren sensationellen Erfolgen hellhörig geworden und englische Musiker begannen, nach Deutschland zu pilgern. Legendär ist das Auftauchen von David Bowie im Studio von Toningenieur – Legende Conny Plank und dessen höflichen, aber bestimmten Hinauswurf Bowies.
Ein anderer englischer Musiker hatte mehr Erfolg: BRIAN ENO. Eno war damals Mitglied der englischen Glamourband ROXY MUSIC und stand in direkter Konkurrenz zu Roxy Musics eitlem Bandleader BRIAN FERRY, dem er oft genug die Show stahl.

Eno war bei Roxy Music für die Keyboards zuständig – oder sollte man sagen „Keyboards and more“? Brian Eno war offen schwul, machte auf Marlene Dietrich und lief nur im Fummel oder in Hosenanzügen rum, wie Marlene sie getragen hatte. Das war damals „shocking“, zumindest außerhalb des britischen Königreiches, wo schon immer so manche Verwerfung geduldet worden war.
Eno gab später an, mit der elektronischen Musik deutscher Gruppen, mit ihrem Puritanismus und Minimalismus, wie sie z. B. NEU! und CLUSTER gespielt hatten, seine ganz persönliche Inspiration gefunden zu haben. In Deutschland gab er seine exaltierte Tuntenhaftigkeit auf, legte sich eine Kurzhaarfrisur und Rollkragenpulli zu und wurde ein neuer Mensch: der Soundpionier Brian Eno, heute hoch geachtet, oftmals ausgezeichnet und Begründer des Begriffs AMBIENT.
Brian Eno kollaborierte mehrmals mit deutschen Musikern, mit Cluster, Harmonia, Conny Plank.



Ende des Elektronik - Booms

Zu Beginn der achtziger Jahre schwand das Interesse an elektronischer Musik plötzlich bzw. veränderte sich die „kosmische“ Synthesizermusik hin zu leicht konsumierbarem Synthi – Pop. Dann kam die Neue Deutsche Welle mit ihren auf Deutsch vorgetragenen Texten, die eher dem Genre der Schlagermusik zuzuordnen ist als dem Rock oder gar der Elektronik. Erfolgreiche deutsche E - Gruppen wanderten ganz ins Ausland ab, z.B. Tangerine Dream und ihre Ex-Mitglieder, die allesamt in den USA Karriere machten und dort offene Türen vorfanden, teilweise zu Weltstars aufstiegen. Die nicht so bekannten deutschen Gruppen tauchten ab, verschwanden aus dem Licht der Öffentlichkeit und fristeten von da ab ein Nischendasein. Cluster zum Beispiel brachte 1981 das letzte Album heraus, dann war 9 Jahre lang Sendepause bis zu einem einsamen zarten Lebenszeichen.
Roedelius und Moebius arbeiteten getrennt weiter und machten weiterhin zahlreiche Alben – die niemand kannte und mit Partnern, deren Namen nur in extrem spezialisierten Fankreisen bekannt waren. In den frühen Achtziger Jahren fand zudem der Übergang vom Analog- zum digitalen Synthesizer statt, die elektronische Musik wurde viel einfacher reproduzierbar und vor allem sehr viel kostengünstiger. In den USA vollzog sich schließlich der Übergang von Soul und Disco hin zu House mit seinen diversen Spielarten, wobei das Augenmerk auf möglichst gute Tanzbarkeit lag und liegt. Dieser Trend ist bis heute ungebrochen und konnte auch durch das Aufkommen von Hip Hop und Rap nicht überwunden werden.



Moderne Electronics seit dem Jahr 2000

So etwa seit dem Jahr 2000 setzte in Musikerkreisen ein Umdenken ein und eine Rückbesinnung auf die alten Tugenden. Ich sage bewusst „Musikerkreise“ und nicht Musikindustrie, denn die Musikindustrie selbst ist es ja gewesen, die die Musik zugrunde gerichtet hat, die Musiker nicht aufgebaut, sondern verschlissen hat und uns vormachen will, dass man Talente von der Straße weg casten kann.
Seitdem orientieren sich junge Bands wieder an alten Vorbildern; es gilt als ausgemacht, sich von Castingshows fernzuhalten oder nicht an Veranstaltungen teilzunehmen wie „Song Contests“. Man studiert eifrig die Musik älterer Bands und nimmt die zum Vorbild; oftmals kommt es zu Kollaborationen zwischen Newcomern und den überlebenden Altmusikern. Der Trend ist weltweit zu beobachten.
Deutsche Musiker und Bands, die man früher verächtlich als „Krautrock“ bezeichnet hat, stehen dabei besonders hoch im Kurs, man denke nur an den phänomenalen Erfolg von „Kraftwerk“ in Japan, wobei auch alle ehemaligen Mitglieder vom Boom profitieren können wie z.B. der ehemalige KD-Drummer Klaus Dinger, ein hochverehrtes Mitglied der japanischen Community in Düsseldorf, um nur ein Beispiel zu nennen, der in Japan ein Dutzend CDs veröffentlichte.


Dieter Moebius – später Erfolg

Völlig überraschend gab es am 27. November 2007 eine Réunion von HARMONIA in der Besetzung Roedelius/ Moebius und Michael Rother. Das Konzert fand im Berliner „Haus der Kulturen“ statt, der ehemaligen Kongresshalle, es war das erste Konzert von „Harmonia“ seit 1976. Das Konzert rief in Fachkreisen begeisterte Reaktionen hervor (und macht mich als Berliner besonders stolz). Als Dieter Moebius auf diese Art und Weise späte Genugtuung erfuhr, war er 63 Jahre alt.
Roedelius und Moebius nahmen in der Folgezeit neues Musikmaterial auf und gaben gelegentlich Konzerte zusammen. Roedelius belebte das Cluster-Projekt wieder und tat sich mit dem Tontechniker Onnen Bock zusammen. Die aktuelle Cluster-Version benannte Roedelius um in QLUSTER. Dieter Moebius tourte mit Michael Rother, dem Drummer Hans Lampe und weiteren Musikern, sie spielten Musik von NEU! Und HARMONIA, unter anderem in Japan und den USA, jedes Mal vor ausverkauften Häusern.

Dieter Moebius starb am 20. Juli 2015 im Alter von 71 Jahren an Krebs.


Meine persönliche Wahrnehmung von „Cluster“

Nein, Dieter Moebius bin ich nie persönlich begegnet, auch Musik von „Cluster“ habe ich nie besessen – zumindest bis vor kurzem nicht.
Ich habe mich immer amüsiert über die beiden römischen Namen Moebius und Roedelius und wollte nicht glauben, dass die wirklich so hießen. Das klang immer ein bisschen nach Asterix und Obelix, oder? Vielleicht sind sie mir deshalb in Erinnerung geblieben. Ein ähnliches Mysterium gab es immer um den Namen Michael Rother, der ein halbes Jahr bei „Kraftwerk“ spielte, aber in der Wahrnehmung immer „der von Kraftwerk“ blieb.
DIETER MOEBIUS bleibt mir in Erinnerung als ein kleiner, etwas verhutzelter Mensch, der irgendwo still am Rande saß und man sich fragte, was der dort eigentlich macht. Das macht ihn ja gerade so sympathisch, zumindest in meinen Augen.

Im Vergleich zu Moebius ist sein ehemaliger Partner HANS-JOACHIM ROEDELIUS ein sehr präsenter Mensch – und ihn kenne ich persönlich.
Im September 2015 veranstaltete das Berliner „Haus der Kulturen“ eine Konzertreihe zu Ehren von Roedelius, der 80 Jahre alt geworden ist, unter dem Titel „ROEDELIUS LIFELINES“. Da hatte ich Gelegenheit, QLUSTER live zu erleben sowie diverse andere Bands, die sich dem Analogen Synthesizer verschrieben hatten. Ich traf sehr viele junge Leute, die begeistert von „Cluster“ oder „Neu!“ sprachen, als seien das existierende Bands unserer Zeit. Und ich genoss noch einmal die unvergleichliche Klangfülle analoger Synthesizer und die dazu gehörige Raumschiffsatmosphäre….

Ein Weggefährte von Roedelius fehlte – Dieter Moebius. Es blieb Roedelius traurige Pflicht, uns als Konzertpublikum mitzuteilen, dass sein ehemaliger Partner vier Wochen zuvor verstorben war. Auf diese Weise habe ich von seinem Tod erfahren.
Ich habe zwei unvergleichliche Konzertabende erleben dürfen, habe Spitzenfotos gemacht und mein Smartphone als HD-Videokamera entdeckt. Ich bin stolz darauf, ca. 40 Minuten Konzertmitschnitte bester Qualität zu haben…

Und dann bin ich doch noch mit Hans-Joachim Roedelius ins Gespräch gekommen – und ich habe jetzt auch „Cluster“ – Alben, handsigniert. Inzwischen habe ich Roedelius das Konzertmaterial zugeschickt, und wenn Gott will, schickt er mir meinen neu angeschafften USB-Stick zurück – bei Künstlern weiß man ja nie….


Pressereaktionen zum Tod von Dieter Moebius

DIETER MOEBIUS - EIN ABENTEUERREISENDER IN SACHEN MUSIK
http://www.spiegel.de/kultur/musik/d...a-1044634.html


Diskographie


Als Kluster / Cluster

Als Kluster

Klopfzeichen (1970)
Kluster Zwei Osterei (1971)
Eruption (1971)

Als Cluster

Cluster 1 (1971)
Cluster II (1972)
Zuckerzeit (1974)
Sowiesoso (1976)
Cluster & Eno (1977) (mit Brian Eno)
After The Heat (1978) (mit Brian Eno)
Großes Wasser (1979)
Cluster ’71 (1980) (Neuveröffentlichung von Cluster 1)
Cluster & Farnbauer Live in Vienna (1980)
Curiosum (1981)
Apropos Cluster (1990)
Japan Live 1996 (1996)
First Encounter (1997)
Berlin 07 (2008)
Qua (2009)

Als Harmonia, mit Michael Rother und Hans-Joachim Roedelius

1973: Musik Von Harmonia
1975: Deluxe
1997: Tracks and Traces (Aufnahme 1976 mit Brian Eno)
2007: Live 1974

Bisher unveröffentlichte Werke

Als Cosmic Couriers, mit Mani Neumeier und Jürgen Engler

1996: Other Places

Mit Brian Eno und Hans-Joachim Roedelius

1977: Cluster & Eno
1978: After the Heat

Mit Liliental

1978: Liliental

Solo Alben und Kollaborationen

1980: Rastakraut Pasta (mit Conny Plank)
1981: Material (mit Conny Plank)
1982: Strange Music (mit Gerd Beerbohm)
1983: Tonspuren
1983: Double Cut (mit Gerd Beerbohm)
1983: Zero Set (mit Conny Plank und Mani Neumeier)
1986: Blue Moon (Original-Soundtrack)
1990: Ersatz (mit Karl Renziehausen)
1992: Ersatz II (mit Karl Renziehausen)
1995: En Route (mit Conny Plank)
1998: Ludwig’s Law (mit Conny Plank und Mayo Thompson)
1999: Blotch
2006: Nurton
2009: Kram
2011: Ding
2012: Moebius & Tietchens (mit Asmus Tietchens)
2014: Nidemonex


Musikbeispiele:


Cluster - CLUSTER 1 (1971) - Full album
https://www.youtube.com/watch?v=wRSyFd1KbvQ


Harmonia Live - VETERANISSIMO (1974)
https://www.youtube.com/watch?v=FpakAmF68JA


Brian Eno & Harmonia - TRACKS & TRACES (1976) - Full album
https://www.youtube.com/watch?v=4dVvUogQVtM


Cluster - SOWIESOSO (1976) - Full album
https://www.youtube.com/watch?v=QgV0bYt8iLU


Cluster & Eno - CLUSTER & ENO (1977) - Full album
https://www.youtube.com/watch?v=XOCSkXzLRJs


Cluster & Eno - HO RENOMO (1977)
https://www.youtube.com/watch?v=kfv8WeA-Vn4


Cluster - ES WAR EINMAL (?)
https://www.youtube.com/watch?v=CSAnwIBnZvc


Anmerkung:
Dieter Moebius war ein sehr bescheidener, ja publikumsscheuer Zeitgenosse, deswegen ist es fst unmöglich, Livematerial von ihm zu bekommen, und wenn, dann ist es von schlechter Qualität. Die folgenden Clips zeigen Dieter Moebius an der Seite von Michael Rother bei verschiedenen Kollaborationen. Zur Aufführung kam dabei musikalisches Material von Dieters Gruppe "HARMONIA" und Michaels Gruppe "NEU!" Den Part des Machine - Drummings für den verstorbenen Klaus Dinger übernahm hier Hans Lampe, ehemaliger Tonassistent von Conrad Plank.

ROTHER, MOEBIUS UND LAMPE PLAY NEU!
https://www.youtube.com/watch?v=rsN4fB1PFm4

Dieser Clip hier ist mein absoluter Lieblingsclip: Rother und Moebius zusammen mit der Berliner Newcomer - Band CAMERA spielen Musik von NEU! Eine gelungene Collboration über Generationsgrenzen hinweg, besser kann man die Faszination der Berliner Clubkultur eigentlich nicht rüberbringen. Moebius ganz rechts, fast nie zu sehen.

CAMERA, MICHAEL ROTHER & DIETER MOEBIUS (2011)
https://www.youtube.com/watch?v=XrPaWOhknro


So, ich hoffe, Ihr habt Spaß daran. Für die teilweise schlechte Bild- und Tonqualität bitte ich um Entschuldigung.
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Geändert von The Wolf (31.10.2015 um 01:15 Uhr)
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Alt 26.12.2015, 14:13   #96
The Wolf
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DER CLUB DER TOTEN MUSIKER – Inhaltsverzeichnis


Liebe Freunde des SIM – FORUMS, auch im Jahr 2015 hat Gevatter Tod einige sehr bekannte und auch weniger bekannte Musiker aus unserer Mitte genommen, Zeit also, sich ihrer nochmals zu erinnern. Im Jahr 2015 war unter ihnen der große Blues – Mann B.B. KING und der von mir besonders geschätzte Berliner Elektroniker EDGAR FROESE, der Begründer von Tangerine Dream.
Damit Ihr Euch hier etwas besser zurecht findet, gibt’s von Zeit zu Zeit diese Übersicht. Viel Spaß beim Herumstöbern und Herumhören!


# 3 SCOTT McKENZIE 1939 – 2012
# 6 JON LORD (Deep Purple) 1941 – 2012
# 12 JIM MORRISON (Doors) (1943 – 1971)+ Pamela Courson 1946 – 1974
# 15 BO DIDDLEY (1928 – 2008)+ Norma-Jean Wofford ca. 1942 – 2005
# 18 RICHARD WRIGHT (Pink Floyd) 1943 – 2008
# 20 FLORIAN FRICKE (Popol Vuh) 1944 – 2001
# 28 JOHN LEE HOOKER 1917 – 2001
# 29 CONNY PLANK 1940 – 1987
# 34 KLAUS DINGER (Kraftwerk; Neu!; LaDüsseldorf) 1946 - 2008
# 37 „Krautrock – Special“
# 43 RAY MANZAREK (Doors) 1939 - 2013
# 52 JJ CALE 1938 – 2013
# 53 FRITZ RAU 1930 – 2013
# 55 PAUL KUHN 1928 – 2013
# 60 PHIL EVERLY 1939 – 2014
# 62 PETE SEEGER 1919 – 2014
# 66 JOHN HOLT 1947 – 2014
# 68 JACK BRUCE 1943 – 2014
# 69 JOHNNY WINTER 1944 – 2014
# 73 EDGAR FROESE 1944 – 2015
# 77 PERCY SLEDGE 1940 – 2015
# 78 BEN E. KING 1938 – 2015
# 79 B.B. KING 1925 – 2015
# 81 JAMES LAST 1929 – 2015
# 95 DIETER MOEBIUS (Cluster, Harmonia) 1944 - 2015



Ich finde, es ist an der Zeit, alle von ihnen auch noch einmal musikalisch zu ehren; denn tot ist man erst, wenn man von allen vergessen ist, also lasst uns etwas dagegen tun, dass es nicht soweit kommt. Viel Spaß beim Hören!

SCOTT MCKENZIE - San Francisco
https://www.youtube.com/watch?v=VUjvI-2TiMg


JON LORD with DEEP PURPLE - Sweet in Time (1970)
https://www.youtube.com/watch?v=OorZcOzNcgE


JIM MORRISON (the Doors) & PAMELA COURSON - Love Street
https://www.youtube.com/watch?v=pldftoUbM80


BO DIDDLEY - Bo Diddley
https://www.youtube.com/watch?v=Q3-rf4EgAm8


RICHARD WRIGHT (Pink Floyd) - Us And Them
https://www.youtube.com/watch?v=wGYPOzfn6hI


FLORIAN FRICKE (Popol Vuh) - Der Ruf (aus "Herz aus Glas")
https://www.youtube.com/watch?v=oiFt3WnHPg8


JOHN LEE HOOKER & Van Morrison- Serves Me Right to Suffer
https://www.youtube.com/watch?v=hFSlQrB3iGY


KLAUS DINGER; Florian Schneider & Michael Rother: KRAFTWERK - Kakteen, Wüste & Sonne 1971
https://www.youtube.com/watch?v=ry64e6SVQGs


RAY MANZAREK & Doors - Love Me Two Times 1972
https://www.youtube.com/watch?v=Otkw2uCVEaE


JJ CALE & Leon Russell - After Midnight
https://www.youtube.com/watch?v=2rdsO5bkqDw


PAUL KUHN; Max Greger & Hugo Strasser - Mackie Messer 2012
https://www.youtube.com/watch?v=KjTmRgZzTBU


EVERLY BROTHERS - All I Have Is To Dream
https://www.youtube.com/watch?v=lTYe9eDqxe8


PETE SEEGER, Brownie McGhee & Sonny Terry - Down By The Riverside
https://www.youtube.com/watch?v=I9eDU045u_E


JOHN HOLT - The Tide Is High
https://www.youtube.com/watch?v=821Bj4NKT8M


JACK BRUCE with Cream - White Room live 2005
https://www.youtube.com/watch?v=dCc00pX_pFA


JOHNNY WINTER - Mississippi Blues (? kein "s" vergessen, hehe...)
https://www.youtube.com/watch?v=QMClreF1zyY


Tribute to EDGAR FROESE
https://www.youtube.com/watch?v=rjeqSdxNmZA


PERCY SLEDGE - When A Man Loves a Woman
https://www.youtube.com/watch?v=FOaDgS1RKK0


BEN E. KING - Stand By Me
https://www.youtube.com/watch?v=hwZNL7QVJjE


B.B. KING - The Thrill Is Gone
https://www.youtube.com/watch?v=4fk2prKnYnI


JAMES LAST - Abba Medley
https://www.youtube.com/watch?v=ODQ5kQ4qzgg


DIETER MOEBIUS mit Cluster - Breitengrad 20
https://www.youtube.com/watch?v=LfxAQ07nhg0



Ich wünsche Euch allen noch einen schönen zweiten Weihnachtsabend! Tut mir leid, dass das so spät kommt, sorry.... So, und jetzt bitte ich die Heilige Elektra, die Schutzpatronin der Elektroniker, und den Heiligen Musikus, dass alle Links funzen.

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Geändert von The Wolf (26.12.2015 um 16:31 Uhr)
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Alt 29.12.2015, 12:34   #97
The Wolf
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in memoriam..... LEMMY KILMISTER

Dass Lemmy Kilmister schwer krank war, wusste ich, seit das letzte Konzert von MOTÖRHEAD in Berlin vor wenigen Wochen ausfiel. Wie schlecht es wirklich um ihn stand, wusste ich nicht.

LEMMY KILMISTER, der "Mister Metal", ist gestern im Alter von 70 Jahren gestorben.

Farewell, Mr. Kilmister, und Danke für alles, insbesondere für die offene und ehrliche Art und Weise der Musik und des persönlichen Lebenssstils! Ich bin traurig.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/l...a-1069783.html


MOTORHEAD IN WACKEN - KILLED BY DEATH
https://www.youtube.com/watch?v=XUJ0IYZKLvE
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Alt 29.12.2015, 15:04   #98
Mathe Man
 
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Eine unschöne Nachricht die mich vorhin auch erschauern ließ.
Eigentlich gibt es eine wunderbare Arte-Reportage über ihn, sein Werken und seinen Ansichten, die aber Dank der Werbeterroristen von Springer & Co. nicht online verfügbar ist.
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Sterbe aktiv, nimm deine Übergangsjacke und geh ins Licht.
Kätzepyürin pümpeln
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Alt 29.12.2015, 15:45   #99
hobome
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Welch' eine f***ing Nachricht am frühen Morgen

Ich bin mit Hawkwind, Motörhead, ACDC, Black Sabbath und Co. aufgewachsen und kann es fast nicht fassen den Lemmy nicht beim Wacken sehen zu können

Der einzige Mann im Business, der R'n'R wirklich gelebt hat.

Seine Band sagt auf FB:

"We will say more in the coming days, but for now, please…play Motörhead loud, play Hawkwind loud, play Lemmy’s music LOUD.
Have a drink or few.

Share stories.

Celebrate the LIFE this lovely, wonderful man celebrated so vibrantly himself.

HE WOULD WANT EXACTLY THAT.

Ian ‘Lemmy’ Kilmister

1945 -2015

Born to lose, lived to win."

Ich lege jetzt die originale "Do Re Mi Fa So La Ti Do" von Hawkwind auf und schau' in die Hausbar!
CHEERS LEMMY! Es war eine geile Zeit mit dir!
Ride the Silver Machine!

hobome

EDITH sagt: @Mathe Man: Du meinst sicher diese Doku hier >> https://www.youtube.com/user/LEMMYMOVIE
Ich habe noch eine gefunden, leider in Englisch: The Guts and the Glory;
und noch eine, die sich zwar um Hawkwind dreht, aber Lemmy prägte diese Band um Dave Brock sehr:
Auch in Englisch. >> Hawkwind - Doku
__________________
Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, gib ihm Macht. Abraham Lincoln
Und 42 sowieso.

Geändert von hobome (29.12.2015 um 16:08 Uhr)
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Alt 30.12.2015, 08:25   #100
Pierce
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Ort: Im Breisgau, bei Mergi
Geschlecht: m
Mit Lemmy ist ein ganz Großer gegangen, ein Original, das den Rock'N'Roll und Metal so sehr verkörpert hat, wie sonst niemand.
__________________
Sims-Spieler seit Ende 2002, Mitglied im offiziellen Forum seit Anfang 2003, Moderator ebenda seit Mitte 2003
-----------------
aber sonst alles in Ordnung
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