Nachbarschafts-Doku Little Stories

Kalypso

Newcomer
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August 2020
Hallo liebe Simmer!

Ich hoffe, ich mache hier alles richtig beim Thread erstellen.

Meine Sims, die ich euch hier vorstellen möchte spiele ich schon eine ganze Weile.
Allerdings rauscht die Spielzeit nur so davon und irgendwie habe ich das Bedürfnis ihr
Leben nicht nur in Bildern, sondern auch in Worten festzuhalten.

Darum diese Geschichte hier. Mehr möchte ich erst einmal noch nicht verraten.

Viel Spaß!


INHALTSVERZEICHNIS:

Prolog: Unser Fotoalbum
Folge 01 - Meine kleine Welt
Folge 02 - Meine erste Zugfahrt
 
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Kalypso

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Prolog: Unser Fotoalbum

Ich liebe es in dem Fotoalbum meiner Eltern herumzublättern. Die Bilder faszinieren mich einfach.
Und das Buch erzählt die Geschichte meiner Eltern auf sehr, sehr seltsame Weise.


Zum Beispiel dieses Foto hier: „Unsere WG“. Das Foto entstand am ersten Abend als meine Mama
in die WG in San Myshuno zog. Dieser Abend war der Beginn von Freundschaften und vieler solcher
Abende zusammen.
Fotografiert wurde allerdings nur dieser Abend.
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Es fühlt sich an als könnte ich ein wenig Zeitreisen, wenn ich durch die bebilderten Seiten blättere.
Oder als würde ich ein Märchen lesen, nur dass ich die Hauptpersonen darin kenne. Zumindest ein

bisschen. Denn diese Personen auf den Bildern wirken irgendwie ganz anders als jetzt. So jung und na ja,
irgendwie anders eben.

Oder das hier! Das ist auch eines der Fotos, die ich immer wieder ansehen muss. Das erste und vermutlich

einzige Gruppenfoto meiner Mama mit ihren Freundinnen.
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Ich weiß natürlich, wer darauf meine Mama ist, weil ich genau dieselben Augen und Haare habe – aber

irgendwie kommt mir die Person auf dem Foto ganz anders vor als ... nun ja,meine Mama eben. Und
dieser Gesichtsausdruck ... verrückt.
Unser Fotoalbum ist unser kleines Heiligtum. Meine Eltern holen es immer gerne hervor um in Erinnerungen

zu schwelgen und ich wage dann auch immer gerne einen Blick in das Buch.
Eigentlich könnte dieses Fotoalbum auch „Unsere ersten Male“ heißen und nicht „Unser Fotoalbum“.

Warum? Nun, ihr habt es sicherlich schon bemerkt. Weil meine Eltern mit großer Begeisterung all die

ersten Male in ihrem Leben festhalten. Zum Beispiel ihr erstes gemeinsames Date.
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Ein tolles Foto! Und meine Eltern sehen so jung aus – so anders. Ach, das verwirrt mich einfach!

Aber na ja, was ist eigentlich mit dem zweite Date? Oder das danach und das danach? Keine Ahnung.
Darüber ist in diesem komischen Fotoalbum nichts zu finden.

Auch ein schönes Beispiel:
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Die erste Hochzeit ihrer Freunde hat natürlich auch seinen Ehrenplatz in unserem Fotoalbum bekommen.
Alle anderen Hochzeiten gingen leider leer aus. Mit unserem Fotoalbum könnte man also keinen

Lebenslauf schreiben. Es ist nicht vollständig. Wer danach kommt hat einfach Pech gehabt und darf
sich nicht in unserem Fotoalbum verewigen.

Und so sammeln sich in diesem Album alle ersten Male meiner Eltern.

Vom Uniabschluss ...
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... zur eigenen Hochzeit ...
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... zum ersten Haus ...
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(Das sieht jetzt übrigens nicht mehr so düster und löchrig aus wie auf diesem Foto. Gott sei Dank,

sonst würde ich hier wohl ständig Albträume kriegen.)

... und natürlich zu guter Letzt: das erste Baby.
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Und nein! Da bin übrigens nicht ich drin. Auf diesem Foto war Mama mit meinem Bruder Dylan

schwanger. Ich kam später – und hatte Pech. Von mir gibt es kein Schwangerschaftsbäuchlein-Foto.
Und natürlich wurde auch ein schönes Geburtsfoto von Dylan aufgenommen. Das erspar ich euch
aber lieber. Von mir dann nicht mehr.

Der Punkt ist: Wenn meine Eltern durch ihr Fotoalbum blättern, dann sehen sie nur die ersten Male

ihres Lebens. Klar, das sind ja auch große Momente. Aber die vielen kleinen Geschichten um diese
ersten Male herum fehlen.
Deshalb hab ich mir vorgenommen, mein Leben anders zu erzählen als meine Eltern ihres: in vielen

kleinen Geschichten.

Übrigens habe ich es jetzt endlich auch in dieses Fotoalbum geschafft:
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Das ist eindeutig nicht mein bester Moment.

Ja, ich weiß schon! Ihr habt sicherlich mit jemanden gerechnet, der schon größer ist. Aber mal ganz

ehrlich, wie viele Geschichten beginnen mit Kleinkindern? Eben! Okay, ihr seid noch nicht überzeugt.
Ich verstehe das. Schließlich kann ich noch nicht einmal sprechen. Hey, macht mir bloß keinen Druck.
Ich warte einfach noch auf den richtigen Zeitpunkt bis ich mit dem Gequassel anfange. Bis dahin
reichen mir meine Gedanken.
 
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Kalypso

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Folge 01 - Meine kleine Welt

Okay, ihr habt jetzt mein erstes Foto im heiligen Familienalbum gesehen.
Wie gesagt, das ist nicht mein bester Moment.
Aber das Foto allein erzählt euch gar nichts. So wie bei allen anderen Fotos in diesem Album erzählt
es nicht, was davor geschah. Aber ich mache das! Spulen wir mal ein bisschen zurück.
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Bevor wir allerdings direkt zur Ursache meines kleinen dramatischen Ausrasters kommen, stelle ich euch
meine kleine Welt einmal vor.
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Das ist Evergreen Harbor. Na ja, so ganz stimmt das nicht. Das ist nur ein Teil von Evergreen Harbor.
Das, was ihr da sehen könnt, ist die Ortschaft Grims Quarry. Hier wohnen wir. Ja, genau hier. Ihr könnt
sogar schon unser Haus sehen. Es ist ganz da vorne an der Ecke. Gegenüber vom Steinbruch. Ich mag
den Steinbruch nicht sonderlich. Er sieht ein wenig wie eine riesige weiße Wunde mitten im grünen Wald
aus.

Na ja, um ehrlich zu sein, ist Evergreen Harbor vermutlich nicht die schönste Stadt. Aber hier gibt es
dennoch den schönsten Ort auf der Welt. Zumindest finde ich das.
Nämlich unser Zuhause.
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Unser Zuhause ist wie ein kleines Schloss! Okay, zugegeben, unser Zuhause ist eigentlich der einzige Ort,
den ich wirklich gut kenne. Aber auch ohne Vergleich, bin ich mir sicher, dass es keinen schöneren Ort
gibt als unser Häuschen.
Ich habe zum Beispiel ein tolles großes Zimmer ganz für mich allein. Zwar platzt Dylan immer wieder gerne
in mein Zimmer rein, aber da ich das auch bei ihm mache ist das nicht so schlimm. Und wir haben einen
wunderschönen großen Garten. Sogar mit einem richtigen Schwimmteich. In den dürfen wir zwar nicht rein,
aber er dampft so schön und ich könnte Stunden lang da sitzen und das Wasser beobachten.

Es ist noch ziemlich früh am Morgen. Das weiß ich, weil nämlich gerade erst die Sonne aufgegangen ist.
Und in unserer Straße ist es noch ganz, ganz still.
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Wäre es später würde man schon das Brummen der Autos hören, die auf der Straße rauf und runter brettern.
Und man würde die Nachbarn plappern hören. Aber die schlummern wahrscheinlich alle noch. Bei uns
hingegen hat der Tag schon angefangen.
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Papa macht schon in der Küche das Frühstück, während Mama auf ihn einquasselt.
„Ich fahr mit den Kindern heute in die Stadt, da komm ich nicht mehr zum Einkaufen. Kannst du auf dem
Rückweg noch schnell in den Supermarkt springen? Oh, und denk an Puzzle. Ich geb‘ ihn heute Mittag zu
Mrs. Finch, aber wenn du ihn abholst, lass ihn erst mal in den Garten.“
„Mhmmm...“ summt Papa und wirft meiner Mama einen Luftkuss zu. Igitt.

Quasseln ist Mamas Lieblingsbeschäftigung. Na ja, neben Basteln, Gärtnern, Stricken, Wäsche waschen,
Putzen, mit uns spielen und was sie sonst noch alles so macht. Aber Quasseln steht definitiv auf Platz Eins.
Zumindest macht sie es seeeehr, sehr oft.
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Papas Lieblingsbeschäftigung ist das Kochen. Einfach weil es immer ganz lustig aussieht, wenn Papa kocht.
Mama beim Kochen zu beobachten ist überhaupt nicht spannend. Da passiert einfach nichts. Aber wenn
Papa kocht, ist immer etwas los. Er macht dann nämlich immer ganz komische Dinge, wie die Pfannkuchen
in die Luft zu werfen. Und irgendwie fängt Papa sie immer auf. Papa ist außerdem viel schneller als Mama
und es gibt viel schneller etwas zu essen. Und ich habe richtig Hunger.

Ach ja, das ist übrigens mein Bruder Dylan.
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Er ist das erste Kind meiner Eltern und darf sich über ganz viele „Erste-Mal“-Fotos in unserem Fotoalbum
freuen. Und weil er der Erstgeborene ist – oder erfolgreicher gequengelt hat, wer weiß das schon
genau - kriegt er zuerst zu Essen.



Der Morgen bei uns ist immer ziemlich turbulent. Klar, einerseits sorgen Dylan und ich immer wieder dafür,
dass es in dem Haus nie zu ruhig wird. Andererseits sind die Erwachsenen irgendwie auch immer im Stress.
„Schatz, du hast doch noch gar nichts gefrühstückt!“, seufzt Mama als Papa wenig später in seinem komischen
Anzug in die Küche kommt.
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„Ich bin spät dran. Hauptsache ihr könnt jetzt erstmal frühstücken. Ich schnapp mir einfach in der Cafeteria
etwas“, antwortet Papa. Er gibt meiner Mama noch einen schnellen Schmatzer und ist auf und davon.
Das ist ein ganz großes Mysterium. Wo gehen die Erwachsenen ständig hin? Jeden Morgen raus und erst
abends kommen sie wieder heim. Manchmal nur Papa, manchmal nur Mama und ganz selten auch
beide – das ist das Schlimmste! Dann müssen wir immer in die Tagespflege.
Wenn meine Eltern gehen haben sie außerdem jedes Mal ganz komische Klamotten an. Wo auch immer
sie hingehen, ich mag das nicht. Vor allem, weil beide immer ganz müde und erschöpft nach Hause kommen.
Dann ist bei uns abends auch nicht mehr viel los. Meine Eltern haben dann einfach nicht mehr so viel Energie
um mit uns zu spielen. Und die Gute-Nacht-Geschichten sind dann auch immer kürzer Abends.
Mir wäre es lieber, Mama und Papa würden einfach zuhause bleiben.



Schließlich bleibe ich auch immer zuhause. Und seht mich an: Ich bin der glücklichste Sim der Welt!
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Wenn Mama da ist, verbringen wir den Morgen meist draußen im Garten. Ganz egal ob es sonnig ist oder
windig. Mama sagt immer, es gibt kein schlechtes Wetter. Und ich liebe es draußen in der Natur zu sein.
Hier kann man einfach so viel entdecken. In den vielen Pflanzen und Büschen kann man sich super
verstecken - auch wenn Mama das nicht besonders toll findet und dann immer mit uns schimpft.
Außerdem kann man hier Vögel beobachten - und unsere Nachbarn, die an unserem Zaun vorbei laufen.
Manche winken uns dann immer zu. Und ab und zu findet Mama jemanden, mit dem sie über den Gartenzaun
quatschen kann.
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Aber das Beste am Garten ist, dass ich hier ganz viel mit Puzzle toben kann.
Puzzle?
Na der kleine Hund da, der da auf unserer Spieldecke liegt! Eines Abends kam Papa mit dem kleinen
Hundewelpen nach Hause. Das war vielleicht eine Überraschung. Ich glaube, ich habe noch nie etwas
Süßeres gesehen als dieses kleine Fellknäul.
Puzzle ist auch noch ganz klein und muss auch noch ganz viel lernen. Außerdem darf er noch nicht so
lange allein sein. So wie Dylan und ich. Aber Alleinsein ist ja auch doof. Wer ist das schon gerne?
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Mit Puzzle spiele ich lieber als mit meinem Bruder. Der kann nämlich manchmal eine richtige Nervensäge
sein. Mit Puzzle zu spielen macht einfach immer Spaß. Man muss nur aufpassen, dass er die Finger nicht aus
Versehen mit seinen Zähnen erwischt, denn seine Beißerchen sind leider ganz schön scharf. Puzzle beißt ja
nicht absichtlich zu. Es ist nur so, dass er noch ziemlich tolpatschig ist. Ich kann das gut Verstehen, schließlich
passieren mir auch immer Dinge, die ich eigentlich gar nicht wollte, zum Beispiel, wenn mir mein Teller plötzlich
runter fällt. Außerdem glaube ich, dass Puzzle keine Ahnung hat, wie spitz seine Zähnchen eigentlich sind.
Puzzle ist aber nicht unser einziges Haustier. Das ist Oreo. Meine Eltern haben Oreo schon ganz lange und
er war eine Zeit lang das WG-Haustier ihrer Studenten-WG. Mittlerweile ist Oreo schon ein alter Kater und
im Haus eher selten zu sehen. Am liebsten streunert er durch die Nachbarschaft.
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Oder er lässt sich auf unserem Staubi durch die Wohnung fahren. Seit Puzzles da ist, ist Oreo immer öfter
auf Wanderschaft. Papa sagt, der kleine Welpe ist dem alten Kater einfach zu viel. Puzzles läuft Oreo
nämlich gerne hinterher. Ich glaube Puzzles denkt, dass Oreo einfach ein komischer Hund ist.



Wenn Oreo so lange draußen ist, habe ich manchmal Angst, dass er nicht mehr zurück findet. Aber Mama
sagt, dass Oreo noch nie weggelaufen ist und solange immer leckeres Fresschen im Napf ist, wird er auch
immer zurück finden.

So, jetzt habe ich euch meine kleine Welt vorgestellt. Leider kann ich euch gerade nicht mehr erzählen,
denn Mama scheucht mich und Dylan gerade zur Tür hinaus.
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Wir fahren heute mit dem Zug in die Stadt! Und das sind für mich gleich zwei Erste Male auf einmal. Ich
bin noch nie Zug gefahren und ich war noch nie woanders als in Evergreen Harbor. Ich bin mir noch nicht
ganz so sicher, ob mir das gefallen soll.
 
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Kalypso

Newcomer
Registriert
August 2020
Folge 02 - Meine erste Zugfahrt

Meine erste Reise! Ich bin total aufgeregt – und auch ein bisschen nervös. Na ja, okay, ich will ehrlich sein.
Eigentlich habe ich ziemlichen Muffensausen. Diese große Welt ist mir noch nicht ganz geheuer. Es ist alles
so viel größer als unser Garten. Und es gibt so viel zu sehen. Ein bisschen zu viel für meinen Geschmack.
Gott sei Dank hat Mama mich auf dem Arm und in ihren Haaren kann ich mich super verstecken.
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„Liebling, lass die Jacke bitte an“, ermahnt Mama meinen Bruder, der wohl schon wieder an seiner Jacke
gezupft hat.
„Nein!!! Heiiiiß“, quengelt Dylan. Dylan kann, anders als ich, schon sprechen.
Na ja, es hört sich noch ein wenig holprig an, wenn ich ehrlich bin. Und er kann nur ein paar Worte sagen.
Seine Lieblingsworte sind „Hunger“, „Auto“, „Spielen“ und „Nein“. Vor allem Letzteres sagt er fast ständig.
Kein Vergleich zu dem Wortschwall den Mama und Papa am Tag so von sich geben.
„So, Hase. Ich setz dich jetzt kurz ab. Immer schön an meiner Hand bleiben. Wir müssen nur noch schnell
Tickets kaufen.“
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Okay, auch wenn ich von dem Gequatsche nicht so überzeugt bin, muss ich zugeben, dass es dochauch
Vorteile hat. Denn wenn ich schon sprechen würde, könnte ich Mama mitteilen, dass ich lieber aufden Arm
bleiben möchte. Und dass ich nicht Hase heiße, sondern Sienna. Komisch! Eigentlich müsstesie ja wissen,
wie ich heiße.Andererseits weiß ich nicht, ob man wieder aufhören darf zu sprechen, wenn man einmal
damit angefangenhat. Was, wenn ich es ausprobiere und es mir nicht gefällt?
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„Schön, sitzen bleiben! Dylan, setz dich auch!“Der Nachteil, wenn man einmal mit dem Sprechen angefangen
hat, ist nämlich, dass Mama und Papadann ständig sagen, was man machen oder lassen soll. Zumindest kann
ich das an Dylan beobachten.Seit er angefangen hat, zu sprechen, hören Mama und Papa kaum mehr auf,
auf ihn einzuquasseln.

Peeep! Peep! Peeeeeep!

Bevor ich nachschauen kann, woher dieses Geräusch kommt und was es wohl bedeutet, fängt die Weltdort
draußen plötzlich an, sich in Bewegung zu setzen und ich kann spüren, wie mich etwas in den Sitz drückt.
Was passiert denn jetzt. Hey, darauf war ich noch nicht vorbereitet!
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„Wir fahren jetzt los“, erklärt Mama und so wie sie das sagt, muss es etwas Gutes sein. Sie klingt zumindest
ganz erfreut. Allerdings könnte das auch ihre „Ich-tu-nur-so“-Stimme sein und in Wahrheit ist es doch nichts
Gutes. So wie die blöden Erbsen. Mama sagt mir auch immer mit dieser fröhlichen Stimme, dass ich den
Mund ganz weit aufmachen soll, nur um mir im nächsten Moment einen Löffel dieser ekeligen, grünen
Dinger in den Mund zu schieben.

„Schaut mal, ist das nicht schön“ Sie zeigt auf das Fenster und unsere Heimat zieht plötzlich an uns vorbei.
Ob wir auch an unserem Haus vorbei fahren? Und werden wir wieder zurückkommen? Was Papa wohl
denkt,wenn er nach Hause kommt und keiner ist da? Und was werden aus meinen Spielsachen, wenn
ich nicht wieder zurückkomme, um mit ihnen zu spielen?
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„Wir besuchen heute eine Freundin von mir“, plappert Mama munter vor sich hin und lenkt mich so von
den traurigen Gedanken ab, die sich ganz plötzlich in meinen Kopf geschlichen haben.
„Die habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Und sie hat eine kleine Tochter. Ihr werdet euch sicher
verstehen und ihr könnt heute Nachmittag schön miteinander spielen ...“

Ich höre Mama jedoch nur halb zu. Ich bin so fasziniert davon, wie sich die Aussicht aus dem Fensterständig
ändert. Die ganze Welt scheint an diesem Fenster förmlich vorbei zu fliegen. Erst sind ganz viele Häuser zu sehen,
und dann auf einmal Container. Ja sogar große Schiffe! Immer schneller und schneller rauscht Evergreen Harbor
am Fenster vorbei bis alles nur noch ein buntes Allerlei ist.
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„Sienna, nein! Pass auf, dass du nicht hinfällst! Setz dich wieder hin.“
Nein, das kann ich auf keinen Fall tun!
Ich muss runter hier. Und zwar sofort! Ich habe entschieden, dass Zugfahren doof ist. Mein Magen sagt mir
jedenfalls, dass er diesen Zug, das ganze Geschaukel und Gewackel nicht mag. Ich kann spüren,wie es in
meinem Bauch blubbert. Vermutlich werde ich gleich die Pfannkuchen wiedersehen, die Papa heute Morgen
gemacht hat und die mir super geschmeckt haben. Aber allein der Gedanke an Pfannkuchen reicht aus,
um das Geblubber in meinem Bauch noch schlimmer zu machen.
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„Oh je! Du bist ja ganz weiß um die Nase! Bekommt dir das Zugfahren nicht? Gott sei Dank ist es nichtweit.
Gleich müssten wir schon da sein“, summt Mama während sie mich von meinen klapprigen Beinen, die
noch nicht ganz so standfest sind, erlöst und mich wieder auf den Arm nimmt. Diese Stimme mag ich.
Das ist Mamas „Alles-wird-gut“-Summ-Stimme. Immer wenn sie in diesem summenden Singsang spricht,
fühlt sich die Welt auf einmal ganz anders an. So wohlig warm und ruhig.
„Schau, wir fahren schon über die Rote Brücke! Ja, so schnell geht das und gleich sind wir auch schon da
und steigen aus. Dann haben wir wieder festen Boden unter den Füßen. Na? Das ist doch was,oder?“, summt
Mama weiter und ich kann nicht anders als ihr ganz gebannt ins Gesicht zu schauen.
Plötzlich jedoch verschwindet ihre sanfte Summ-Stimme.
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„Bitte kotz nur nicht. Das hätte mir gerade nochgefehlt. Ich hab ausnahmsweise keine Wechselkleidung
dabei“, stöhnt Mama nun genervt.
Als wäre das Wort „kotzen“ der Startschuss spüre ich, wie mein Blubberbauch einen kleinen Purzelbaum
schlägt und ein säuerlich, wiederlicher Brei meinen Hals entlang hochschießt.
„Nein!“, kreischt Mama mit weit geöffneten Augen. Wie auf’s Stichwort gibt es einen mächtigen Ruck und
der schaukelnde Zug kommt quietschend zum Stehen.
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„Nein, nein, nein, nein, nein! Bitte nicht!“, fleht Mama und hält mich mit ausgestreckten Armen so weitwie
nur möglich von sich weg. Meine Beine baumeln nun frei in der Luft. Aber das hält meinen Blubberbauch
leider auch nicht auf.
Na ja, was soll ich noch groß sagen. Es passiert, was passieren muss. Als könnte ich mein störrisches Frühstück
einfach auf Mamas Kommando davon abhalten, wieder rückwärts aus mir heraus zu schießen. So funktioniert
das einfach nicht. Ich erspar euch mal die dreckigen Einzelheiten.
Aber das beweist jedenfalls, wie sinnlos dieses Gequassel eigentlich ist.
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Nun, was soll ich dazu noch groß sagen. Meine erste Zugfahrt war eine Katastrophe und so schnell möchte
ich dieses Erlebnis definitiv nicht mehr wiederholen. Und ich hoffe Mama sieht das genauso.
Erwachsene scheinen nämlich ganz schön dickköpfig zu sein. Ständig machen sie Dinge, die keinen Spaß
machen oder verlangen Sachen, die einfach sinnlos sind. Und lernen sie daraus? Nun, die Antwort darauf
ist Nein. Denn sonst würde Mama mich nicht immer noch überreden wollen, dieses blöde Töpfchen-Dings
zu benutzen.

Aber da ich Mama nun von oben bis unten eingekleistert habe, hoffe ich, sie hat dieses Mal daraus gelernt.
 
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Nikita22

Member
Registriert
September 2016
wie niedlich. zugfahrten mag die kleine wohl nicht so sehr. ihre mutter muss zumindest die kleidung wechseln, sobald sie bei ihren freunden ist. ich will nicht wissen, was die anderen passagiere dachten bei dem kotzenden kind.:lol:
 

Kalypso

Newcomer
Registriert
August 2020
Oh ja, da hat man mal ausnahmsweise nichts zum Wechseln dabei und dann sowas!=)

Zum Glück war die Zugfahrt schon vorbei. Den Geruch von Erbrochenen möchte man als Passagier mit Sicherheit nicht eine ganze Fahrt lang in der Nase haben. =)
 

Kalypso

Newcomer
Registriert
August 2020
Vielen Dank für das Kompliment :love:


Auch wenn es Zugfahrten in Sims 4 nicht gibt und man stattdessen eine Flut an Ladebildschirmen hat, wollte ich irgendwie ein Erlebnis der ersten Zugfahrt von Sienna als Fotostory-Element hier einbauen. Ich freue mich, wenn es gefällt!!!
 

susannescholl

Newcomer
Registriert
September 2020
Ort
Hamburg
Geschlecht
W

Wow! Das ist alles was ich sagen kann- du hast es richtig gut gemacht !
Bitte mach es weiter!
Das mit der Zugfahrt - echt klasse.
War wirklich sehr schön es durchzulesen :)

LG,
Susanne :)
 

Lulu-

Member
Registriert
Juli 2017
Geschlecht
w

Oh, das ist wirklich eine ultra süße Idee! Und so niedlich beschrieben aus der Sicht der Kleinen! Ja ja, die Erwachsenen und die Sinnlosigkeiten, die sie andauernd verlangen :D
Auch eine echt schöne Idee mit der Zugfahrt.
Freue mich schon, wenns weiter geht, und bin mal gespannt, wie die beiden auf die Tochter der Freundin reagieren werden!
 

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