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Alt 05.02.2012, 17:50   #1
Llynya
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Die Sims 2 Sunrise

Hallo Zusammen,

hier könnt ihr herausfinden, was passiert, wenn sich der Tod verliebt. Irgendwann hatte ich mir selbst die Frage gestellt, sie hat mich einfach nicht losgelassen und herausgekommen ist Sunrise.

Nur zur Info, ich lege persönlich kein Wert auf Titelbilder oder sonstigen Firlefanz. Darum gibt es an dieser Stelle auch nichts davon. Entschuldigung an alle, die so etwas gerne sehen wollen.

Das soll es auch mit den Vorworten gewesen sein. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.


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1


Love of two is one
Here but now they're gone
Came the last night of sadness
And it was clear she couldn't go on
(Blue Öyster Cult – Don't fear the Reaper)





Dumpf hallten meine Schritte durch den ansonsten totenstillen Wald. Meine Füße berührten nur leicht die am Boden liegenden Blätter und drückten das dazwischen wachsende Gestrüpp nur sacht runter. Trotz meiner brodelten Wut verursachte ich nur wenig Geräusche während ich auf mein Ziel zu marschierte. Die Nacht verschluckte das Meiste und mein Geschick darin mich leise zu bewegen tat das Übrige.





Auf meinem Weg kam ich an den Trümmern der Zivilisation vorbei. Schon fast verschwunden, begraben von dem immer wachsenden und sich ausdehnenden Wald. Für viele dieser leeren Hüllen menschlicher Ansiedlungen war ich verantwortlich, aber es bereitete mir kein Vergnügen zu sehen wie sie immer mehr zerfielen bis nichts mehr von ihnen übrig blieb als Staub. Es gehörte dazu, wenn man ich war. Es war Teil der Aufgabe, die ich zu erfüllen hatte.





Mit der Zeit lichtete sich der Wald ein wenig für mich und der verborgene Pfad, dem ich folgte wurde sichtbar. Jeder andere außer mir, hätte nur mehr Büsche und Sträucher gesehen. Die Illusion war perfekt. So vollkommen, dass jeder andere von dicken Dornenbüschen aufgehalten werden würde, wenn er versuchen sollte mir zu folgen. Nicht, dass mich jemand sehen würde, so sehr er sich es auch wünschen würde. Ich selbst war wie der Pfad vor den Blicken der Sterblichen verborgen. Es war auch ein Teil meiner Aufgabe.





Diese Aufgabe, die ich immer mit Stolz und Respekt erfüllt habe. Sie brachte mir viele Vorteile, wie ewiges Leben, die Möglichkeit die Zeit zu beeinflussen und noch vieles mehr. Doch sie hatte auch Nachteile und diese scheinbar kleinen und unbedeutenden Dinge führten jetzt dazu, dass ich meine ganze Existenz anzweifele und erfüllt bin von einer Wut, die keine Grenzen kennt. Denn trotz, dass ich Herrschaft über Zeit habe, gibt es bestimmte Regeln, die auch ich einhalten muss. Was passieren muss, muss passieren.





Ich hasste das, was hatte sein müssen, aber ich konnte es nicht ändern. Doch ich wollte es nicht auf sich beruhen lassen. Zu sehr verdunkelte die Wut meine Sinne. Wut auf die unveränderlichen Regeln, Wut auf die Macht, die das alles bestimmte und Wut auf mich, weil ich es hatte soweit kommen lassen. Wenn ich in dieser Nacht klar bei Verstand gewesen wäre, dann hätte ich erkannt, dass es nur meine Schuld gewesen ist, aber in Momenten des Schmerzes ist niemand davor gefeit falsche Urteile zu fällen. Ich wollte einfach nur Rache für das, was man mir genommen hatte. Was ich hatte gehen lassen müssen.





Ich war fast am Ziel angekommen. Der Pfad war zu Ende und ich kniete mich nieder. Überprüfte mit meine Hand die Erde und fühlte die alte, dunkle Macht in ihr. Dieser Ort war eigentlich immer meine Zuflucht gewesen und es war der Platz, an dem meine mir eigene Macht noch stärker war als sonst. Hier konnte ich normalerweise Ruhe finden vor der Welt und ihren Problemen. Hier gab es nur mich und kein anderes lebendes Wesen hatte hier Zutritt. Dieser Ort war mein, schon immer mein gewesen. Doch jetzt war ich kurz davor, dass zu ändern.





Ein letztes Mal stand ich allein an dem See. Ein letztes Mal ließ ich meinen Blick über das fast schwarze Wasser gleiten. Starrte in die Bäume, in denen noch nie Vögel ihre Nester gebaut hatten oder gar auf ihnen gesessen hatten. Auf dem Boden unter ihnen waren noch nie Tiere gelaufen. An diesem Ort waren nur die Bäume lebendig und das auch auf eine Art, die sich grundsätzlich von denen anderer Lebewesen unterschied. Diese Bäume hatten kein schlagendes Herz, was hätte stehen bleiben können. Kein Herz, was ich ihnen hätte stehlen können.





Einen kurzen Moment lang kamen mir Zweifel, ob ich wirklich zulassen wollte, dass jetzt auch noch meine Zuflucht zerstört werden sollte, nach allem was ich in dieser Nacht schon verloren hatte. Ich strich mir kurz über den Nacken und dachte einen winzigen Augenblick daran, was es bedeuten würde keinen Rückzugsort mehr zu haben. Aber dann siegte die fast schon übermächtige Wut in mir. Suchte sich alle Bahnen, die sie finden und nutzen konnte. Brach aus mir heraus wie ein Orkan.





Ich hob die Arme zum dunklem Nachthimmel und brüllte meine Wut heraus. Forderte die alte Macht auf, sich zu zeigen und sich mir zu stellen. Ich wusste, dass ich nicht gegen sie bestehen konnte, aber es mir gleich. So wie mir alles gleich war.
Dann erhellte ein greller Blitz den Nachthimmel und die Zeit stand endgültig still.

----
Fortsetzung folgt.




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Geändert von Llynya (01.03.2019 um 19:12 Uhr)
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Alt 05.02.2012, 18:06   #2
julsfels
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Hallo, meine Liebe!
Juchu, die Königin des Waldes ist wieder da. Ich hatte nach Tularea ja schon Entzugserscheinungen, und ich kann Dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass Du Dich letzlich entschieden hast, die neue FS auch hier zu posten. Ich hab sie schon kurz drüben gesehen, aber ich hab´s da noch nicht gelesen - ich fühle mich dort in letzter Zeit überhaupt nicht wohl, ich überlege sogar, ob ich Zeit der Finsternis dort überhaupt noch weiterführe.

Wie dem auch sei, ich hab´s hier gesehen und gleich gelesen. Der Anfang spricht mich mal wieder sehr an, geheimnisvoll und rätselhaft, ein bißchen unheimlich, und, wie ja öfter bei Dir, auch Stoff zum Nachdenken. Das Thema im ersten Kapitel spricht mich natürlich auch gerade sehr an, schlägt sich Neiyra doch im Moment mit ganz ähnlichen Fragen und Problemen rum.
Und der Typ ist heiss. Ich mag Narben.

Ich freue mich jedenfalls sehr, dass Du wieder hier bist, und harre gespannt der nächsten Fortsetzungen. Falls Du benachrichtigst, setzt Du mich bitte auf die Liste?

Ganz liebe Grüße!

EDIT: ha! Erste!
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Fotostory: Zeit der Finsternis - Fortschritt Kapitel 43: Text - fertig -- Neue Posen -3/5 -- Neue Objekte - 16/34 -- Neue Accessoires - 0/2 –- Locations - 0/1 -- Bilder - 0/16-- Bildbearbeitung - 0/16
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Alt 06.02.2012, 19:31   #3
Llynya
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Huhu Julsfels,

Königin des Waldes hört sich gut an.
Ich habe wirklich mit mir gerungen, ob ich hier starte oder nicht. Erstens hatte ich fast ein schlechtes Gewissen, weil ich hier mit Tularea nicht weitergemacht habe und zweitens geht es mir hier meistens so, wie dir im Blauen. Ich habe mich hier noch nie so wohl gefühlt wie dort. Ich könnte es darum nachvollziehen, wenn du da mit Zeit der Finsternis nicht mehr weitermachst. Auch wenn ich es natürlich mehr als schade finden würde.

Ich mags halt geheimnisvoll und rätselhaft.
Und was Neiyra und meinen Hauptdarsteller angeht... Tja, Höhere Mächte sind halt häufig fiese und gemein. Vor allem, wenn sie von Autoren missbraucht werden, um als Sündenbock für die Protagonisten herzuhalten. ^^
Narben machen ja auch männlich. Hat mir mein Bruder nämlich früher erzählt, wenn ich mir mal wieder die Knie aufgeschlagen hatte. ^^

Achja, hier war es ja mit Benachrichtigungen. Ich benachrichtige natürlich gerne.

Ganz liebe Grüße zurück.
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Alt 08.02.2012, 22:55   #4
Llynya
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2


Carry on my wayward son,
For there'll be peace when you are done
Lay your weary head to rest
Don't you cry no more


(Kansas – Carry on wayward son)






Doch ich habe am Ende begonnen, wo ich doch eigentlich mit dem Anfang hätte beginnen sollen. Nur ist es schwierig, denn es gibt keinen. Genauso wenig, wie es ein Ende gibt. Auf jeden Fall nicht für mich. Ich war schon immer und werde auch immer sein. Vielleicht nicht in dieser Form oder in dieser Zeit, aber es wird mich immer geben. Daran gibt es keinen Zweifel. Es kann keine Welt ohne mich geben.





Vielleicht sollte ich mich auch erst einmal vorstellen. Ich bin der Tod. Obwohl es korrekterweise heißen müsste: ein Tod. Von uns gibt es viele, sehr viele. Niemand weiß, wie viele. Noch nicht mal wir selbst. Auch kennen wir uns in den meisten Fällen nicht. Es passiert nur selten, dass uns ein weiterer Tod über den Weg läuft. Ich selbst habe in den Äonen, in denen ich schon hier bin, erst zweimal einen meiner Sorte getroffen und beide Begegnungen waren nicht angenehm. Wir sind Einzelgänger und legen keinen Wert auf die Gesellschaft unseresgleichen. Es gibt auch keinen Grund, warum wir uns öfter treffen sollten. Weder brauchen wir soziale Kontakte wie die Menschen, noch pflanzen wir uns fort. Es gibt auch nichts, was man miteinander bereden sollte, denn unsere, meine Aufgabe ist klar.





Die Menschen wissen nichts von mir als Person. Sie sehen mich nicht, sie spüren mich höchstens, wenn sie besonders sensibel sind. Sie verrichten wie immer ihre Arbeit und merken nicht, wenn ich auftauche. Sie spüren kaum die leichte Kälte, die ich verbreite. Sie gehen vielleicht einen Schritt näher ans wärmende Feuer und denken, dass es von draußen herein zieht, aber sie würden nie auf die Idee kommen, dass ich es bin, der sie frösteln lässt.





Und das, obwohl sie noch gar nicht dran sind. Manchmal spürt die Ehefrau am Feuer schon, dass mit ihrem Mann etwas nicht stimmt. Ihr Mann, der gerade noch dabei ist Holz für die kommende Kälte des Winters zu hacken. In einem Moment denkt sie noch daran, dass es schon spät ist und er nicht mehr im Dunkeln mit der scharfen Axt hantieren sollte. Und dann ahnt sie vielleicht, dass ihr Ehemann gleich einen Herzinfarkt haben wird und nicht mehr ins Haus kommen wird. Doch sie wird es als Hirngespinst abtun und sich einen ängstlichen Hasenfuß schimpfen.





Und wenn sie schon davon überzeugt ist, dass alles mit ihm in Ordnung ist, dann ist es schon zu spät. Ihr Mann wird sich ans Herz fassen und ich werde da sein, um ihm seinen letzten Atem zu nehmen. Er wird nur den scharfen Schmerz fühlen und nicht die Berührung meiner Hand. Er wird sich zusammen krümmen und ich werde nichts tun, um ihn zu stützen. Denn meine Aufgabe ist es nicht, es ihm leichter zu machen. Ich bin nicht grausam. Ich mache es ihm auch nicht schwerer. Ich habe auch keinen Spaß daran, Menschen leiden zu sehen. Ich mache nur meine Arbeit.





Und wenn die trauernde Ehefrau am Grab ihres Mannes steht und ihrer Trauer freien Lauf lässt, bin ich schon lange wieder weg. Ich bekomme nichts mit von den Vorwürfen, die sie sich macht. Oder von den Tränen und dem Hadern mit den Göttern. Und trotzdem weiß ich, was sie fühlt. Man lernt es, wenn man die Ewigkeit damit verbringt.

Ich kann nicht sagen, dass sie mir Leid tut. Ich fühle nicht mit ihr. Die Zeit ihres Mannes war abgelaufen und es gibt keine Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Diese Dinge müssen geschehen, sonst bricht die Welt aus ihren Fugen. Und irgendwann wird auch die frisch gebackene Witwe das akzeptieren.





In manchen Fällen ist es einfacher, weil die Menschen alt sind und schon lange mit ihrem Leben abgeschlossen haben. Sie warten schon auf mich und ich erscheine ihnen als gnädig und sanft. Sie wollen, dass ich sie hole, damit ihr Leid und ihre Schmerzen ein Ende haben. Ihre Seelen umarmen mich, wenn ich sie in die Ewigkeit begleite. Sie sind erleichtert, dass die Qual des Lebens vorüber ist und sie nun endlich ruhen können. Für sie bin ich ein Engel, auch wenn sie mich nicht sehen oder hören können. Wenn die Menschen bereit sind zu gehen, dann erscheint ihnen selbst der Tod als Freund.





Doch nicht immer ist es leicht, Leben zu nehmen. Besonders, wenn das Leben gerade erst begonnen hat. Kleine Kinder spüren mich immer. Manchmal sehen sie mich sogar. Sie setzen sich auf, obwohl sie eigentlich liegen sollten. Sie sprechen mit mir und ihre Mütter oder auch ihre Gouvernanten bekommen es mit der Angst zu tun. Sie lassen alles fallen und ihre Schreie tönen mir schrill in den Ohren. Doch es nützt ihnen nichts. Es gibt nichts, was sie tun können. Es gibt nichts, was ich tun kann.





Nicht immer ist meine Arbeit einfach. Manche Menschen machen es mir schwer und versuchen den Tod zu betrügen. Sie nehmen fragwürdige Tränke zu sich oder versuchen mit Talismanen oder Magie mir zu entkommen. Sie verlängern ihr Leben damit, aber es nützt ihnen nur für bestimmte Zeit etwas. Am Ende gewinne ich immer. Niemand kann mir auf Dauer entkommen. Wenn es nötig ist, kann ich eingreifen und selbst dafür sorgen, dass der Lauf der Welt nicht gestört wird.





Und ich gebe zu, in solchen Fällen bereitet es mir eine gewisse Freude zu gewinnen. Wenn sie dann letztendlich aufgeben und einsehen, dass man mir nicht entrinnen kann, dann kann auch ich ein Lächeln der Befriedigung nicht unterdrücken. Wenn sie dann ihr Leben aushauchen und ich ihre Seele in meinen Hände halte, dann verspüre ich ein Siegesgefühl. Ihre Essenz in die Ewigkeit zu schicken, ist für mich immer wieder ein Vergnügen. Ihr unnatürliches Leben verstößt gegen die natürliche Ordnung für die ich stehe und es enden zu sehen, macht mich zufrieden. Ja, manchmal sogar glücklich.





Aber es hält nie lange an, dieses kurze Gefühl des Glücks. Wenn ich wieder in meiner Zuflucht bin und die reale Zeit still steht, dann kehrt meine übliche Gleichgültigkeit zurück. Nein, ich bin nicht über längere Zeit glücklich. Ich weiß, dass der Großteil der Menschheit mich fürchtet. Und doch gibt es immer wieder Momente, in denen ich mir wünsche, dass es nicht so wäre. Es sind schwache und seltene Augenblicke, aber es gibt sie immer mal wieder. Es bleibt nicht aus, wenn man Jahrtausende auf der Erde wandelt und sich mit den Menschen beschäftigt. Man wünscht sich, man könnte ihnen verständlich machen, dass man nicht der Feind ist.





Man wünscht sich, dass man die Menschen erreichen könnte und mit ihnen reden könnte. Ihnen erklären, was man ist und warum es so wichtig ist, dass man existiert. Man wünscht sich, dass sie verstehen und sich nicht mehr fürchten. Man wünscht sich, dass sie einen ansehen und einem nicht den Rücken zu drehen. Man wünscht sich, dass sie einen anlächeln und ihre Augen strahlen. Man wünscht sich das alles, obwohl man weiß, dass man es nicht haben kann.





Nein, man kann es nicht haben. Auch wenn man es noch so sehr will.

Auf jeden Fall war es so, bis sich alles verändert hat. Sonst säße ich nicht hier und könnte meine Geschichte erzählen. Auch wenn es nicht nur meine Geschichte ist. Denn bis zu dem Augenblick an dem ich mein Schicksal heraufbeschwörte und die höheren Mächte herausforderte, drehte sich meine Welt nur noch um eines:





um Sie.


*Fortsetzung folgt*
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Geändert von Llynya (03.07.2013 um 19:53 Uhr)
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Alt 09.02.2012, 09:10   #5
julsfels
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Ah, der Tod! Ich hatte (ganz ehrlich ) schon mit diesem Gedanken gespielt - kennst Du "Die Bücherdiebin" vom Markus Zusak? Da ist nämlich auch der Tod der Ich-Erzähler (tolles Buch, übrigens), deshalb war mir der Gedanke nicht ganz so fremd. Und dass er kein normaler Sterblicher ist, konnte man im ersten Kapitel ja schon gut erkennen.
Die Gedanken, die unser Ich-Erzähler sich über sich selbst, seine Aufgabe und die Menschen macht, fand ich total klasse. Und nun hat ihn also eine Person aus seiner Gleichgültigkeit gerissen. Das klingt wirklich vielversprechend, besonders, weil es ja offenbar dazu führen wird, dass er sich gegen sein eigenes Schicksal und die Regeln auflehnen wird. Oder es vielleicht wenigstens versucht.
Die Bilder gefallen mir mal wieder richtig gut, besonders die, auf denen der Tod seine Arbeit verrichtet.
Und seeeehr angenehmes Update-Tempo. (Ja, ich weiss, Du hast Urlaub und das bleibt nicht so - was natürlich auch ok ist. )
Nun bin ich sehr auf das nächste Kapitel gespannt, und vor allem auf IHREN Namen. Und auf die Geschichte der Beiden.
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Alt 09.02.2012, 11:33   #6
Simellie
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Wow, ich muss jetzt auch einfach mal schreiben, dass deine Geschichte schon sehr vielversprechend anfängt. Ich kenne deine älteren Sachen nicht, aber die Geschichte scheint spannend zu werden. Vor allem die Art wie du schreibst finde ich schön und das ist ja ein gemeiner Abschluss. Nun will ich natürlich ganz schnell wissen, wer sie ist. Großes Lob und ich freue mich auf mehr.

Lg simellie
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Alt 09.02.2012, 17:34   #7
Erdbeeri
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Ich find deine Story klasse Ist wirklich eine gute Idee mit dem Tod als Erzähler Und das ihn eine (anscheinend) sterbliche aus dem Gleichgewicht gebracht hat hört sich gut an Der Tod ist verliebt gefällt mir.

Benachrichtigst du? Wäre voll lieb wenn du mich auch benachrichtigen könntest.

LG
Erdbeeri
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Alt 18.02.2012, 12:12   #8
Llynya
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@ Julsfels
Ich dachte eigentlich auch, dass es offensichtlich ist, dass es der Tod ist, der da erzählt. Aber selbst meine Freundin ist da nicht drauf gekommen.
Nein, kenne ich nicht. Hört sich aber auch mal lesenswert an.
Selbst der Tod ist nicht davor gefeit, dass ihn mal etwas umwirft. Oder besser gesagt, jemand. Mir ging der Gedanke nicht aus dem Kopf, was passiert, wenn der Tod sich verliebt. Und so ist ganz schnell die Idee zu der Story entstanden.
Ihren Namen erfährt man im nächsten Teil, an den ich mich nach der samstäglichen Hausarbeit ransetze. Mal schauen, wie weit ich so komme.

@ Simellie

Danke dir. Meine älteren Sachen sind hier auch schon ganz weit hinten verschollen und sind hier nicht abgeschlossen.
Ich versuche es weiter so spannend zu halten. Im nächsten Teil erfährt man mehr von ihr.

@ Erdbeeri
Danke. Tja, was passiert, wenn der Tod verliebt in eine normal Sterbliche ist, dass ist die große Frage.
Ich kann dich gerne mit benachrichtigen. Das ist kein Problem.
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Alt 19.02.2012, 09:48   #9
Llynya
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3



Pardon the way that I stare,
There's nothing else to compare
The sight of you leaves me weak
There are no words left to speak
(Frankie Valli – Can't take my eyes of off you)





Es war ihr Gesicht, was mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Sie war nicht die schönste Frau, die ich in meiner langen Existenz gesehen habe, aber sie war eine Schönheit. Es wäre sinnlos etwas anderes zu behaupten. Genauso könnte ich sagen, dass der Himmel grün ist. Es wäre eine Lüge. Normalerweise vermeide ich es zu lügen, auch wenn mir immer wieder etwas anderes nachgesagt wird. Natürlich kommt es vor, dass ich mal nicht die Wahrheit sage, aber dann habe ich immer gute Gründe dafür und keiner hat damit zu tun, dass ich mir einen Vorteil verschaffen möchte. Dieses Gerede, dass der Tod immer lügt um die Seelen der Sterblichen zu bekommen, ist eine Erfindung der Menschheit.





Aber ich schweife ab. Manchmal ist es nicht einfach, dem Faden zu folgen. Und manchmal schmerzt es einfach zu sehr.
Ihr Name war Annabelle. Sie war die Tochter eines einfachen Landmannes und niemand Besonderes. Niemand, dem ich meine Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Sie hatte keine speziellen Gaben und verfügte auch nicht über Macht. Sie war ein ganz einfacher, normaler Mensch wie jeder andere auch. Nun ja, vielleicht nicht ganz wie jeder andere. Sonst säße ich nicht hier. Sie hatte etwas an sich, was mich zu ihr zog.





Wenn ich jetzt zurückdenke, dann schätze ich, dass es vielleicht mein Schicksal gewesen ist, dass ich ihr begegnet bin. Auch wenn ich immer gedacht habe, dass es für mich keines gibt. Schließlich bin ich eine Art Schicksal, etwas Endgültiges, was für jeden Sterblichen vorgesehen ist. Aber ich habe sie getroffen und es hat mich in einer Weise verändert, die ich nie für möglich gehalten hätte. Ich hatte immer angenommen, dass mich das Sterben der Menschen nicht berührt und mir ihre Trauer egal ist. Doch sie hat mich eines Besseren belehrt. Ihr Kummer über den Verlust eines geliebten Menschen, hat mich aus meiner Gleichgültigkeit gerissen und aus mir den Mann gemacht, der hier heute sitzt.





Als meine Aufgabe mich an ihrem Heim ankommen ließ, war es schon dunkel und ihre Familie hatte sich in ihrem Speisezimmer versammelt. Ein Blick durch das Fenster genügte, um zu sehen, dass jeder in seiner vorherbestimmten Position war. Ihre Mutter saß an der Spindel, ihr Vater am Feuer und sie stand vor ihrem Webrahmen. Ihr Vater unterhielt sich leise mit ihrer Mutter, während Annabelle so tat, als würde sie nicht zuhören. Aber ein schneller Blick meinerseits zeigte mir, dass sie sehr wohl lauschte. Ihre ganze Haltung reagierte auf das Gespräch zwischen ihren Eltern. Ich interessierte mich nicht dafür, was sie sagten. Es war bedeutungslos für mich, auch wenn es das für alle anderen Beteiligten nicht war. Ich wollte nur meine Arbeit erledigen und sonst nichts.





Ich begab mich ins Wohnzimmer, den richtigen Zeitpunkt abwartend. Niemand nahm Notiz von dem Licht, was meine Erscheinung umgab, oder von mir. Nicht, dass ich etwas anderes erwartet hätte. Es wäre mehr als außergewöhnlich gewesen, wenn es anders gewesen wäre. Es war schließlich noch nie vorgekommen, dass jemand meine Ankunft gesehen hätte. Vielleicht fröstelten sie ein wenig, trotz des wärmenden Feuers, aber mehr wäre nicht möglich gewesen. Meine Ankunft in ihrem trauten Heim störte ihren allabendlichen Ablauf nicht, noch nicht.





Aber ich würde ihn jeden Augenblick unterbrechen. Ich musste eine Seele mitnehmen, dafür war ich hergekommen und für nichts anderes. Ich ahnte nicht, dass dieser Auftrag höchst erstaunlich werden würde. Für mich war alles wie immer. Ich stellte mich hinter mein Opfer und begann damit seine Essenz auf zu saugen. Er spürte den kalten Hauch des Todes und verzog das Gesicht. Geschickt und routiniert verhinderte ich durch meine Macht, dass seine Essenz ins Nichts verschwand. Ich murmelte einige uralte Worte und nahm ihm den Lebenshauch noch bevor seine Familie merkte, dass etwas nicht stimmte.





Er ging zu Boden und ich folgte ihm. Seine Seele in meinen Händen haltend, um zu verhindern, dass sie zu früh in die Ewigkeit einging. Es war immer ein leicht kritischer Augenblick, wenn jemand sein Leben aushauchte. Es konnte immer etwas schief gehen und jemand könnte für immer verloren im Nichts sein. Aber es geschah selten, dass mir Fehler unterliefen. In diesem Fall lief alles nach Plan. Ich nahm seine Essenz in mir auf und sein Körper versagte den Dienst. Später würde ich ihn und die anderen in mir ruhenden Seelen ihrem letzten Ruheort übergeben.





Doch ich konnte noch nicht gehen. Die beiden Frauen standen weinend vor dem Verstorbenen. Etwas in dem Klang ihres Schluchzens ließ mich bleiben. Ich weiß bis heute nicht, was es war, was mich verharren ließ. Ich fühlte mich fast schuldig, dass ich sein Leben genommen hatte, obwohl es nicht meine Entscheidung war, dass er sterben musste. Ich war nur der Bote, die ausführende Kraft. Es war diese höhere Macht, die bestimmte wer leben und wer sterben musste. Und doch tat es fast Leid, als ich die ungehemmte Trauer der beiden Frauen sah. So verharrte ich länger, als ich es normalerweise tat und dann veränderte sich etwas.





Sie sah mich mit ihren nassen und roten Augen an.
Ich wusste, dass es nicht so sein konnte, aber es war niemand sonst hinter mir. Ihre Mutter war weinend zusammengebrochen und es gab keinen anderen mehr im Raum. Und doch stand sie da und sah mich anklagend an. Ich war so verwirrt, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Ich war wie gebannt von ihrem Blick. Es kam mir vor, als würde sie mir sagen „Das ist alles deine Schuld!“. Aber sie konnte nicht wissen, dass ich da stand. Sie konnte es nicht wissen. Es gab keinen Weg, dass sie mich wahrnehmen konnte. Es war unmöglich und doch sah sie mir direkt in die Augen.





Ich tat das Einzige, was mir einfiel. Ich verschwand vom dem Ort, versuchte zu vergessen, was geschehen war. Aber es war nicht so einfach. Ihr Blick hatte sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Wann immer ich die Augen schloss, sah ich ihre vor mir. Sie verfolgten mich und ließen mich nicht mehr los. Ich verzog mich in meine Zuflucht, aber auch das half nicht. Ich musste immer wieder daran denken, wie unmöglich es gewesen ist, dass sie mich sehen konnte. Ich musste Gewissheit haben. Also spürte ich sie auf, was nicht so einfach war. Wenn ich ihre Seelen nicht einfangen muss, fällt es mir schwer bestimmte Menschen zu finden. Es ist dann, als würden sie für mich nicht existieren.
Aber ich fand sie am Flussufer. Sie hatte einen Korb Äpfel gepflückt und sich gerade die Hände im eiskalten Wasser gewaschen. Sie waren leicht gerötet und glänzten noch vor Feuchtigkeit.





Sie hatte es nicht eilig und machte es sich am Ufer bequem. Ihr Gesicht hatte den melancholischen Ausdruck, den nur die Leute haben, die kürzlich einen geliebten Menschen verloren hatten. Wieder fühlte ich mich leicht schuldig, aber schnell schüttelte ich das ungewohnte Gefühl ab. Ich war hier aus einem bestimmten Grund und das war nicht Schuldigkeit. Ich musste wissen, ob sie mich spüren konnte. Ich musste wissen, ob sie mich sehen konnte. Aber wo ich sie da sitzen sah, verließ mich fast der Mut es herauszufinden. Plötzlich durchzuckte mich eine nie gekannte Angst. Was war, wenn sie mich wirklich sehen konnte? Was hätte das zu bedeuten? Was würde das verändern?





Ich stand angelehnt an einen der vielen Bäume und beobachtete sie aus einiger Entfernung, während diese Fragen sich in mein Hirn hämmerten. Es machte mir Angst, aber ich musste es auch wissen. Es gab keinen Ausweg. Wenn sich etwas in meiner Macht verschoben hatte, musste ich es wissen. Aber dann beschlichen mich auch wieder Zweifel, dass sie mich wirklich gesehen hatte und ich mir das nur eingeredet hatte. Es gab nur einen Weg es herauszufinden und der war nicht herumzustehen und sich Fragen zu stellen. Mit den Konsequenzen meiner Handlung würde ich mich später beschäftigen. Zuerst musste ich die Wahrheit erfahren.





Ich überlegte, wie ich am Besten vorgehen sollte, um mögliche Unklarheiten zu verhindern. Natürlich konnte ich mich vor sie stellen und abwarten ob sie mich sah, aber das erschien mir nicht passend. Ich war der Tod und das war dann doch ein wenig zu plump für mich. Ich konnte versuchen sie anzusprechen, um zu sehen ob sie antwortete. Aber was sollte ich ihr sagen. „Kannst du mich sehen?“ hörte sich in meinen Ohren falsch und dumm an. Es wäre sicher der einfachste Weg gewesen, aber ich wollte eigentlich nicht mit ihr reden. Was hätte ich ihr auch zu sagen gehabt.
Je länger ich da stand und nachdachte, desto sicherer wurde ich mir, dass ich viel zu viel Aufhebens um die Sache machte und mich einfach nur vor der ganzen Situation drückte.





Und so gab ich mir einen Ruck und ging ich auf sie zu, mein ganzer Körper schien vor Anspannung zu vibrieren. Es lag eine Spannung in der Luft und alles erschien mir viel lauter als normal. Meine Schritte, die üblicherweise lautlos waren, dröhnten in meinen Ohren. Die Vögel kreischten lautstark in den Bäumen und der Wind, kaum mehr als ein laues Lüftchen, rauschte und heulte.
Es kam mir wie eine kleine Ewigkeit vor, bis ich endlich neben ihr stand, obwohl es in Wahrheit nur ein kurzer Augenblick gewesen war. Ich kniete mich nieder und berührte sie leicht an der Schulter, ganz so als würde ich versuchen ihre Seele einzufangen. Aber ihr Gesicht verzog sich nicht, doch ein leichter Schauer durchlief ihren Körper. Sie fröstelte und ich zog meine Hand zurück.





Ich wich einen Schritt zurück als sie aufstand. Sie klopfte sich das Kleid ab und nahm ihren Korb. Keinerlei Anzeichen dafür, dass sie mich spürte. Ich hätte erleichtert sein müssen, aber seltsamerweise war ich es nicht. Ein Teil von mir wollte, dass sie mich sah und pfiff auf die möglichen Konsequenzen.
Aber als letzten Beweis dafür, dass ich mir das alles nur eingebildet hatte, ging sie direkt durch mich durch. In dem Moment war es an mir zu erschauern. Ihr Duft hüllte mich ein, traf mich wie ein Hammerschlag. Ich drehte den Kopf und sog den Geruch ihrer Haare ein. Sie rochen nach Lavendel.



*Fortsetzung folgt*
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Geändert von Llynya (03.07.2013 um 19:41 Uhr)
Llynya ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 20.02.2012, 14:04   #10
Liadan
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Alter: 52
Hallo, Llynya!

Das ist ja ganz schön gemein, an dieser Stelle aufzuhören!
Ich liiiiiiebe sowas!

Du machst sehr schöne Bilder und der Text ist gut geschrieben.
Eine tolle Idee, aus der Sicht des Todes zu schreiben und ich bin mehr als gespannt, was uns sehr geneigte Leser noch erwartet.

Ich bin nicht so die Kommischreiberin, aber du kannst sicher sein, dass ich dabei bleibe, auch wenn ich mich nicht zu Wort melde.
Also, ich habe mir "Sunrise" unter meinen Favoriten gespeichert und schaue regelmäßig rein.

Liebe Grüße, Liadan
Liadan ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.02.2012, 18:46   #11
Llynya
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Alter: 38
Huhu Liadan,

ich mag Cliffhanger auch total gerne.

Vielen Dank für das Lob. Ich freu mich, dass es dir gefällt und es macht absolut nichts, wenn du nicht kommentierst. Ich bin selbst ja auch kein großer Kommischreiber.
Ich kann dich auch gerne benachrichtigen, wenn ich ein neues Kapitel poste. Das wäre kein Problem.

LG Llyn
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Alt 24.02.2012, 19:39   #12
Totoh.
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Oh, wow. Das ist echt schön.
Ich hoffe, es passiert das, was ich denke.

Ich freue mich definitiv auf mehr und eventuell magst du mich benachrichtigen?

Liebe Grüße, Toto
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Bück dich hoch.
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Alt 26.02.2012, 19:31   #13
Llynya
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Huhu Toto,

Danke dir. Da ich nicht weiß, was du denkst, kann ich dir leider auch nicht sagen, ob es passiert. (Nicht, dass ich sowieso irgendwas verraten würde. ^^)

Ich kann dich gerne benachrichtigen. Ist kein Problem.

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Der nächste Teil wird gerade hochgeladen und kommt gleich im Anschluss. Ich wünsch viel Spaß beim Lesen.
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Alt 26.02.2012, 19:45   #14
Llynya
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Don't want to fall in love
Don't want to fall in love again
And you don't know where I've been
Don't want to fall in love again

(Extreme – Learn to Love)






An den Geruch von Lavendel erinnere ich mich am Deutlichsten. Und daran, wie er sich bei mir festgesetzt hat. Ich konnte an nichts anderes mehr denken. Er hat mich verfolgt in allem was ich tat. Und heute quält er mich am Meisten. Der Schmerz, den die Erinnerung daran hervorruft, ist unbeschreiblich. Niemals hätte ich gedacht, dass ich in der Lage wäre so zu fühlen, dass ich so menschlich sein kann. In meiner ganzen Existenz ist mir nichts Vergleichbares widerfahren.





Und doch kommen mir die Gefühle leicht bekannt vor, wie ein vergessener Traum. Doch ich träume nicht, wie auch da ich nicht schlafen muss. Trotzdem vergeht diese Vertrautheit nicht, aber ich kann mich nicht erinnern woher sie kommt.
Doch genug davon. Nachdem ihr Duft mich umgehauen hatte, stand ich noch eine Weile am Ufer und versuchte meine mehr als verwirrten Gedanken zu ordnen. Und wieder blieb mir nur noch eines übrig: mich in meine Zuflucht zu flüchten. Ich hoffte, ich würde dem Sirenengesang ihres Duftes dort entkommen.





Doch auch da war er in der Luft. Ich spürte ihn um mich herum und es gab kein Entkommen für mich. Ich stand auf meinem Lieblingsplatz direkt am Wasser des Sees und sog den Hauch von Lavendel ein. Ich wusste, es gab in der näheren Umgebung keine dieser Pflanzen, aber ich roch ihn trotzdem. Er war einfach überall, weil ich ihn tief in mir drin wahrnehmen wollte. Ich war süchtig danach und wusste es nicht mal. Niemals wäre mir in den Sinn gekommen, dass ich nach nur einem Mal schon nicht mehr davon los käme. Es war für mich einfach unvorstellbar, dass etwas mich so fesseln konnte.





Ich begann unruhig umher zu wandern, versuchte alles aus dem Kopf zu kriegen. Ich wollte nicht mehr daran denken, aber es war nicht möglich zu entkommen. Seinen eigenen Gedanken kann man nicht davon laufen. Sie verfolgen einen und beißen sich fest. Sie lassen einem keinen Raum für etwas anderes und zwingen einen sich damit zu beschäftigen, ob man will oder nicht. Und doch versuchte ich mir einzureden, dass es nichts zu bedeuten hat und ich bald wieder den Kopf und die Nase frei davon haben werde. Ich habe mich geirrt.





Es hatte sehr wohl etwas zu bedeuten, nur wollte ich es nicht wahr haben. Ich war der Tod, verdammt noch mal und kein Muttersöhnchen, was sich von der erstbesten Frau betören ließ. Mit aller Willenskraft, die ich aufbringen konnte, zwang ich mich an etwas anderes zu denken und mich wieder meiner Arbeit zu widmen. Ich hoffte, dass sie mich genug ablenken würde, damit ich bald wieder Ruhe finden könnte. Ich verließ meine Zuflucht fast fluchtartig, so eilig hatte ich es plötzlich obwohl Zeit keine Bedeutung für mich spielte.





Mein erstes Opfer fand ich im Wald am Feuer sitzend. Er und sein Räuberkumpan kamen gerade von einem Raubzug aus dem nahe gelegenen Dorf am Rande des Waldes. Sie ahnten nichts von meiner Ankunft und sprachen darüber, wie erfolgreich sie doch gewesen waren. Sie genossen das Gefühl des Triumphes und suhlten sich in ihrer Selbstherrlichkeit. Ich nahm ihre Stimmung in mir auf, alles war besser als das, was ich vorher gefühlt hatte. Es würde mir ein Leichtes sein, die Seele mit zu nehmen. Als Werkzeug der Ordnung machte es mir besondere Freude, Diebe und sonstige Verbrecher heim zu führen. Ja, das war ein Auftrag nach meinem Geschmack, lenkte er mich doch ab.





Ich brachte mich in Position. Mein Opfer wusste noch nicht, dass es gleich sterben würde. Er ahnte noch nichts vom dem gleich folgenden Versagen seiner Organe. Er hatte das Gift, was ihm sein Mitstreiter unter sein Abendessen gemischt hatte, nicht bemerkt. Er wusste nichts, von dem Neid und der Missgunst seines Kollegen. Mir war es gleich, woran er sterben würde. Ich wollte nur seine Seele einfangen und der Ewigkeit übergeben. Ich hoffte, dass er dort Gerechtigkeit finden würde. Auch wenn es nicht an mir war, über ihn zu richten.





Ich nahm seine Essenz in mir auf und in dem Moment nahm ich noch etwas anders wahr. Es war der starke Geruch nach Lavendel. Und schon war alles wieder da in meinem Kopf. Ich spürte kaum, wie der Körper des Mannes vor mir zusammensackte, mit den Haaren im Feuer landete. Ich hörte nicht den Siegesschrei des anderen Räubers. Alles was ich sah, war der große Busch voller Blüten, der selbst in der Dunkelheit der Nacht noch seinen intensiven Geruch verströmte. Einen Augenblick später stand ich vor der Blume und lächelte, während der Dieb seinen verstorbenen Gefährten aus dem Feuer zog.





Auch beim nächsten Auftrag wurde ich vom Lavendel abgelenkt. Ich nahm gerade einer jungen Frau das Leben, als mir die getrockneten Zweige über dem Bett auffielen. Wie von selbst blieb mein Blick auf ihnen haften, während die Frau ihren letzten Atemzug tat. Noch tat ich es als Zufall ab, weil meine Gedanken fast nur darum kreisten. Ich war mir sicher, dass ich es nur bemerkte, weil ich ständig daran dachte. Ich hatte keine Ahnung, dass es nicht zufällig geschah. Ich hatte keine Ahnung, dass das Schicksal sich einen Streich mit mir erlaubte.





Als ich im strömenden Regen die nächste Sterbliche zu mir holte, nahm ich wieder den Duft, ihren Duft wahr. Ich schloss die Augen und sog ihn regelrecht ein. Durch die Nässe kam er mir erdiger vor, weniger wie ein vergessener Traum als wie eine gerade erst zurückliegende Erinnerung, die es ja auch war. Einen langen Moment genoss ich den Duft, ließ ihn ganz nah an mich ran. Ich hatte anscheinend sowieso keine Wahl, was das betraf. Also konnte ich es genauso gut genießen. Während die Frau neben mir ihr Leben aushauchte, war ich versunken in der Erinnerung an ihr Gesicht.





Als ich mein Werk beendet hatte, ging ich zu der Pflanze. Sie glänzte vor Nässe und der Regen bildeten kleine Tropfen an den Blüten. Ich wünschte mir, dass der Regen aufhörte und die Sonne scheinen möge, damit sie funkeln würden. Es war albern und ich wusste das. Es machte mich wahnsinnig, dass ich meine Gedanken nicht mehr steuern konnte. Dass sich immer wieder lächerliche Sehnsüchte darin festsetzten und mich zu einem regelrechten Trottel machten. Aber ich konnte mir nicht helfen. Es war stärker als ich und ich hatte keine Ahnung, was ich dagegen tun sollte. Es schien ja nichts zu wirken, wenn ich selbst bei meiner Arbeit immer an sie erinnert wurde.





Ich pflückte eine der Blüten, hielt sie in der Hand und starrte sie an. Wie konnte etwas so Kleines, Einfaches mich so aus der Fassung bringen? Die einzige Erklärung dafür gefiel mir nicht, also verwarf ich sie sofort wieder. Es musste einen Weg geben, dem Ganzen zu entkommen. Es musste einfach.
Ich steckte die Blüte ein. Es wäre sinnlos gewesen sie weg zu werfen, sie hätte mich doch sowieso wieder gefunden. Und wenn nicht sie, dann eine andere. So nahm ich das winzige Ding an mich, versteckte sie unter meinem Gewand, damit ich sie nicht immer sehen musste. Es reichte mir schon zu wissen, dass sie da war.





Vorerst zufrieden mit meiner Arbeit und voller seltsamer Gedanken, kehrte ich in meine Zuflucht zurück. Dort überlegte ich, was ich tun könnte, was ich tun wollte. All meine Überlegungen führten zu nichts. Ich hatte keine Lösung für mein Dilemma parat. Es herrschte ein Chaos in mir. Ein Teil von mir wollte vergessen, ein Teil von mir wollte sie wiedersehen, ein Teil amüsierte sich darüber wie lächerlich ich doch war und ein Teil fragte sich welcher Teil am Ende gewinnen würde. Ich glaube heute, dass ich bis zum Augenblick als ich aufstand, nicht wusste was ich tun würde.





Aber heute weiß ich, dass ich keine Wahl hatte. Ich wollte sie wiedersehen und nichts in dieser Welt hätte mich davon abhalten können. Es war eine Sucht, sie einfach nur zu sehen. Ihr nahe zu sein, auch wenn sie nicht wusste, dass ich da war. Ich fand sie in ihrem Zuhause. Diesmal fiel es mir auch schon leichter, sie zu finden. Es schien als hätte sich mein Orientierungssinn bereits auf sie eingespielt. Sie saß auf einer Bank und war allein. Ich stand neben ihr und sah sie einfach nur an. Ich genoss das Gefühl ihr so nah zu sein. Sie machte wieder nicht den Eindruck, als könnte sie mich sehen. Einerseits fand ich es schade, aber andererseits war es auch eine Erleichterung, denn so brauchte ich mir keine Sorgen um die Folgen meiner Anwesenheit machen.





Nach einer Weile fand ich den Mut mich neben sie zu setzen. Ich konnte den Blick nicht von ihr abwenden, so schön, so zerbrechlich erschien sie mir. Und so traurig. Ich fragte mich, was sie dachte und warum sie so da saß, ohne sich zu regen. Sie hatte sich nicht ein Stück bewegt und starrte ins Nichts. Es beruhigte mich so dicht bei ihr zu sein. Ich konnte ihren ruhigen Atem und ihren regelmäßigen Herzschlag hören.
„Woran denkst du?“ flüsterte ich leise und ohne eine Antwort zu erwarten.


*Fortsetzung folgt*
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Geändert von Llynya (03.07.2013 um 19:30 Uhr) Grund: Falsches Bild ausgetauscht. O.o
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Alt 26.02.2012, 19:55   #15
Totoh.
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Toll!
Ich hoffe ja, dass sie ihn irgendwann Wahrnimmt und am Ende Friede, Freude, Eierkuchen ist.
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Alt 26.02.2012, 20:13   #16
Erdbeeri
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Eine sehr schöne Fortsetzung
Als ich das Kapitel las, hatte ich den Gedanken im Kopf was es wohl für ein Gefühl sein müsste wenn du herausfindest, dass sich der Tod in dich verliebt hat. Wäre wohl ziemlich strange
Aaah das ganze wurde vom Schicksal geplant.. dann nimmt's mich ja mal wunder wieso es sich das ausgedacht hatte Und vor allem ob es sich ein Happy End ausgedacht hat

LG
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Alt 27.02.2012, 16:41   #17
Linive
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Ich könnte mir vorstellen, dass das Schicksal auch noch - wie der Tod - menschenähnlich ist, wenn ich so drüber nachdenke

Aber die Geschichte finde ich einfach wunderschön. Es erinnert mich auch ein wenig an das Musical über Kaiserin Elisabeth, von der man ja auch sagte, dass er Tod sich in sie verliebt hatte. In dem Musical wurde er (bei der DVD-Version zumindest ) auch von einem gutaussehenden Menschen dargestellt, der sie am Ende dann ENDLICH küssen durfte (noch so ein Sprichwort)! :')

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und würde selbstverständlich gerne auf die Benachrichtigungsliste gesetzt werden, sofern sowas existiert.
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Liebe Grüße, Linive

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Alt 04.03.2012, 18:48   #18
Llynya
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@ Totoh.
Happy End? Ich kann da nur meinen Lieblingszauberer Schmendrik zitieren: "Es gibt kein glückliches Ende. Denn es endet nichts."

@ Erdbeeri
Ohja, es wäre schon ein sehr seltsames Gefühl, wenn sich der Tod in dich verliebt. Tja, mal schauen, ob sich Annabelle damit auseinander setzen muss.
Ja, das böse Schicksal erlaubt sich einen kleinen Streich mit dem Tod. Warum es sich das ausgedacht hat? Nun, vielleicht nur, damit ich euch die Geschichte präsentieren kann.
Zum Happy End habe ich ja schon bei Totoh. was geschrieben. ^^

@ Linvie
Das Schicksal ist, in diesem Falle, sehr wohl menschenähnlich. Es sitzt derzeit noch hinterm Laptop und denkt sich alles mögliche aus, um den Tod weiterzuquälen.
Ich muss sagen, dass ich die Geschichte um Elisabeth überhaupt nicht kenne. Ich oller Kunstbanause.
Aber vielen Dank, dass dir die Geschichte bisher gefällt und natürlich kann ich dich bei der nächsten Fortsetzung gerne benachrichtigen.

----
Vielen Dank für eure Kommis und nein, heute gibt es noch keine neue Fortsetzung, allerdings habe ich ein paar Outtakes mitgebracht. Viel Spaß dabei.

Outtakes





Bei den ersten Aufnahmen, war der Tod nicht gerade sehr begeistert vom Regen und der Dunkelheit. Ständig glotzte er mich mit dem „Muss das denn?“-Blick an. O.o





Tja, lieber Gartenverein, aber auch wenn das hier ein Waldgrundstück ist, gegärtnert wird hier nicht. Ätsch!





Kaum betritt der Tod ein Grundstück mit einer Töpfervorrichtung und schon will er einen Orden darin. Du bist der Tod, benimm dich auch so verflucht noch mal. *Kopf auf Tisch*





Und das wird hier ja immer Schlimmer. Jetzt wird auch noch getrunken am Set. Ich glaube, ich muss hier mal strengere Sitten aufziehen. Und woher hast du eigentlich die Dose, wir sind hier doch im Mittelalter.





Aber wenigstens weiß der Kerl, was er will. Auch wenn die Gute da noch etwas verheult ist. Scharf findet er sie trotzdem.





Da hat noch jemand Spaß am Set. Aber hey, auch hier gilt: Wunderkerzen gab es doch noch gar nicht.





„Und wenn sie mich so nicht wahrnimmt, dann greife ich halt auf härtere Mittel zurück. Auf irgendwas wird sie schon abfahren!“





Als ich darauf wartete, dass der Schnee auf meinem Set endlich verschwand, tauchte diese Dame auf, putzte genüsslich ihre Kugel und machte ansonsten gar nichts.





Die nicht gezeigten Nebendarsteller unterhielten sich, während der Schnee endlich weg taute. Und der Trend geht ja eh zum Zweitwolf. O.o





Und hier hatte wohl jemand Angst, der Nächste zu sein. Vorsichtshalber schon mal anknurren, kann ja nie schaden. XD





Annabelle hat sich Liebe am Brunnen gewünscht und sicher nicht damit gerechnet, dass dieser sehr seltsame Vogel dabei raus kommt. Tja, wenn sie den Traumtod schlechthin nicht sieht, muss man halt nehmen, was der Brunnen ausspuckt.





Hey, Mr. Humble, wir sind hier im Mittelalter da gibt es keine PCs und keinen Strom und überhaupt, wie sind sie eigentlich gekleidet. *kopfschüttel*





Mir egal, dass sie dich nicht wahr nimmt. Die Hand gehört da nicht hin. *entrüstet bin*





„Was? Ich soll wirklich mit ihr Tanzen? Bist du verrückt, ich bin der Tod, verflucht noch mal und nicht Baryshnikov.“





Sind sie nicht süß?
---


Ein paar Bilder davon sind in der bald kommenden 5 entstanden. Die ist Bildermäßig schon fertig, es fehlt nur noch der Text. Dauert also nicht mehr allzu lange mit der nächsten Fortsetzung.
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Geändert von Llynya (03.07.2013 um 20:19 Uhr)
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Alt 11.03.2012, 17:35   #19
Llynya
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The world was on fire and no one could save me but you
It's strange what desire will make foolish people do
I'd never dreamed that I'd meet somebody like you
I'd never dreamed that I'd love somebody like you
(Chris Isaak – Wicked Game)





Es war dumm von mir doch zu hoffen, dass sie antworten würde. Aber ich konnte nicht anders. Ich wollte wissen, woran sie in dem Moment dachte. Ich wollte es so sehr. Ich starrte sie an, versuchte sie zu beschwören, doch mit mir zu reden, aber sie reagierte nicht auf mich. Es war zum Verzweifeln. Ich wusste inzwischen, dass es keinen Sinn hatte zu versuchen, ihre Aufmerksamkeit zu erregen und doch konnte ich nicht anders. Ich versuchte es lauter und ich versuchte sie anzufassen, aber meine Hand ging durch ihre Schulter durch. Sie zitterte ein wenig und stand dann auf. In dem Moment gab ich auf es zu versuchen.





Ja, ich gab auf zu versuchen, sie dazu zu bringen mich wahr zu nehmen. In diesem Augenblick hätte ich alles vergessen und einfach gehen sollen. Ich wollte es, mein Verstand sagte mir, dass ich es tun sollte, tun musste. Einfach weg gehen und nie mehr zurück kommen, außer die Umstände erforderten meine Anwesenheit wenn der Tod selbst gefragt war. Es wäre das Beste gewesen und ich spürte es mit jeder Faser meines Seins. Es gab keine andere Möglichkeit, um wieder Normalität in meine Existenz zu bringen. Wenn ich ging würde ich wieder frei von ihr sein. Und ich hätte gehen sollen, dann wäre ich heute vielleicht nicht hier in dieser Misere.





Ich stand wirklich auf, aber ich ging nicht. Nun ja, ich ging schon aber nicht weg. Ich folgte ihr.
Annabelle nahm mit einer Hand den schweren Wassereimer, der neben dem Brunnen stand und ging in Richtung Stall. Ich bewunderte ihren sicheren Gang. Trotz des Übergewichtes an einer Seite blieb sie gerade und aufrecht. Man sah, dass sie diese Tätigkeit häufiger machte. Anmutig legte sie das Stück zurück ohne auch nur einen Tropfen des Wassers zu verschütten. Ihre Haare wippten auf und ab, verströmten wieder diesen unwiderstehlichen Duft nach Lavendel. Ich fragte mich, was sie damit machte, dass es so stark roch.





Bei den Tieren angekommen, schüttete sie das Wasser für die Pferde in die Tränken. Ein Blick genügte mir, um zu sehen, dass sie noch mindestens einmal laufen würde müssen, damit es für alle reichte. Doch bevor sie sich wieder zum Brunnen begab, blieb sie noch kurz bei einem der Pferde stehen. Sie hob die Hand und streichelte das schwarze Tier kurz sanft am Maul. Das Tier schnaubte leise und wandte den Kopf zu ihr. Sie lächelte und legte kurz den Kopf gegen den des Pferdes. So standen die Beiden eine Weile in totaler Eintracht, als würden nur sie existieren. Bis sich nebenan ein anderes Tier bemerkbar machte und die Beiden störte. Mit sichtlichen Bedauern ließ Annabelle von dem Rappen ab und verließ die Box mit ihrem Eimer.





Wie ausgewechselt rackerte sie sich mit der rostigen Vorrichtung am Brunnen ab. Sie lächelte immer noch und ich lächelte mit. Ich glaube, in dem Moment habe ich beschlossen den ganzen Tag mir ihr zu verbringen. Ich wollte mehr über sie wissen. Was sie machte, was sie fühlte, was in ihrem Leben vor sich ging. Sie war mir ein Rätsel und ich musste einfach alles über sie wissen. Es ging mir nicht mehr nur darum, dass sie mich sah.
Der schwere Wassereimer kam langsam aus dem dunklen Brunnenschacht hervor und sie schüttete das kühle Nass in den Holzeimer. Ein paar Tropfen gingen daneben und glitzerten im Sonnenlicht. Ein wenig Wasser landete auf ihrem Kleid und machte den Stoff an diesen Stellen dunkler. Sie störte das alles nicht, nahm es nicht mal wahr, während sich mir jedes kleine Detail ins Gedächtnis brannte.





Ich war so fasziniert davon, dass ich fast verpasst hätte, dass sie wieder zurück in den Stall ging. Annabelle versorgte die letzten Tiere mit Wasser und machte sich dann daran, die Ställe auszumisten. Die Pferde waren so an sie gewöhnt, dass sie ihr brav Platz machten. Nicht eines stand ihr im Weg herum oder versuchte die Box zu verlassen. Ich fragte mich, wie sie das machte. Es erschien mir wie eine Art Magie, aber ich fand nichts dergleichen an ihr was magisch war. Außer ihre ungewöhnliche Anziehungskraft auf mich.
Nachdem die Unterstände vom Mist gereinigt waren, lockerte sie die Strohballen und streute neues Stroh in die Boxen. Sichtlich zufrieden fingen die Pferde an auf dem Halmen herum zu kauen. Annabelle kontrollierte noch kurz, ob die Tiere alles hatten und verließ dann den Pferdestall.





Ihr nächster Weg führte sie zum Wäsche aufhängen. Ihre Mutter hatte die Laken gewaschen und sie musste die sperrigen, nassen Teile auf die Leinen bringen. Sie flatterten im leichten Wind, kaum dass sie auf der Leine hingen. Annabelle überprüfte nochmal ob alle auch fest genug angebracht waren damit sie nicht weg wehten. Ein kleiner Windhauch erfasste ihre Haare und schon roch es wieder verstärkt nach Lavendel. Ich sog den Geruch ein. Er war gemischt mit dem von nasser, gewaschener Wäsche. Ich lächelte, prägte mir alles ganz genau ein, bevor sie sich wieder auf den Weg zur nächsten Arbeit machte. Ich wollte nichts verpassen und folgte ihr in kurzem Abstand.





Ihr nächste Aufgabe war der Gemüsegarten. Sie schnappte sich eines der Gartengeräte, die an der Hauswand lehnten und jätete das Unkraut zwischen den Gemüsepflanzen. Sie arbeitete konzentriert und nicht eine der Pflanzen nahm Schaden unter ihrer Pflege. Die Karotten waren so gut wie reif und konnten mit Sicherheit bald geerntet werden. Ich konnte sehen, dass ihr warm wurde. Kleine Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn, während sie in der Nachmittagssonne den Garten pflegte. Ein paar mal wischte sie sie mit der Hand ab, aber trotz der schmutzigen Arbeit hinterließ sie dabei keine Spuren im Gesicht. Nach einer Weile ertönte ein Ruf aus dem Haus, dass es Zeit wäre das Abendessen vorzubereiten. Annabelle hob den Kopf. „Ich bin gleich da, Mutter,“ rief sie und hörte auf im Garten zu wühlen.





Sie säuberte die Hacke mit dem Fuß von loser Erde und stellte sie wieder dorthin, wo sie sie weggenommen hatte. Sie warf noch einen kurzen zufriedenen Blick aufs Beet und ging dann ins Haus. Ich folgte ihr nicht direkt dieses Mal. Da ich wusste, wo das Badezimmer im Haus war, stellte ich mich dort vor das Fenster. Es wurde inzwischen schon fast dunkel, trotzdem konnte ich gut sehen. Meinen Augen machte die Dunkelheit nichts aus. Außerdem kam schon kurze Zeit später Annabelle mit einer Kerze ins Bad. Sie füllte ein wenig Wasser ins Waschbecken und wusch sich gründlich die Hände. Ich beobachtete sie von draußen, legte die Hände auf die Scheibe und genoss den Anblick. Sie trocknete sich die Hände ab, öffnete das Fenster vor dem ich stand und kippte das schmutzige Wasser raus. Wenn es noch einen Beweis brauchte, dass sie mich nicht sah, war es dieser. Das dreckige Wasser wäre direkt auf mir gelandet, wenn ich nicht schnell einen Schritt zur Seite gemacht hätte.





Nachdem sie das Fenster wieder geschlossen hatte, nahm sie ihre Kerze und verließ das Bad. Ich beschloss ihr wieder zu folgen und nicht mehr von außen zu beobachten. Das war mir eindeutig zu gefährlich für meine Erscheinung. Und so gingen wir zusammen in die Küche, wo sie anfing das Essen vorzubereiten. Sie streute ein wenig Mehl auf die Arbeitsfläche direkt neben dem Ofen und fing an den schon vorbereiteten Brotteig zu kneten. Ich sah ihr eine Weile zu und dann wurde ich dreister in meiner Mission ihr nach zu stellen. Ich stellte mich direkt neben sie und nahm ihre Hand, vollführte die gleichen Bewegungen wie sie. Sie merkte kaum die Kälte, die ich ausstrahlte. Wahrscheinlich war es ihr sogar angenehm, da sie neben dem heißen Herd stand. Ich hatte so das Gefühl mit ihr zusammen etwas zu schaffen. Es war berauschend.





Das frische Brot buk im Ofen und sie machte schnell aus dem restlichen Brot ein paar belegte Brote für sich und ihre Mutter. Dann brachte sie den Teller mit dem Essen ins Wohnzimmer nebenan, wo ihre Mutter schon auf sie wartete. Es war ein viel zu großer Tisch für die beiden Frauen allein. Man merkte dem ganzen Raum an, dass eine Person immer noch fehlte. Der Esstisch war nicht dekoriert, als würde es keinen Sinn mehr machen nur für zwei Personen zu decken. Lediglich zwei einfache Holzteller standen darauf, für jede Frau einer. Ein Stuhl war zu viel, er schien zu warten, dass wieder jemand auf ihm Platz nahm. Natürlich könnte ich das tun, nur würde mich ja doch keine der Damen sehen. Für sie wäre der Stuhl immer noch frei, der Raum immer noch leer.





Sie saßen sich gegenüber. Jede von ihnen in ihre eigenen Gedanken versunken. Ich hatte mir den Stuhl geschnappt der vor der Spindel stand und sah ihnen lieber mit etwas Abstand beim Essen zu. Ich wusste nicht, ob es Absicht war, dass sich Annabelle neben den leeren Stuhl gesetzt hatte oder ob sie schon immer da gesessen hatte, auch als ihr Vater noch gelebt hatte. Ich stellte die Vermutung auf, dass sie erst nach dem Tod ihres Vaters dort Platz genommen hatte, weil ihre Mutter nicht mehr da sitzen wollte. Es erschien mir nur logisch und ich konnte ja nicht fragen, wie es vorher gewesen war.





Nach einer Weile fing ihre Mutter an zu erzählen und ich ließ das Gespräch so an mir vorbei plätschern. Es erschien mir nicht von Belang, was die Beiden sich zu erzählen hatten. Es war einfach ein angenehmes Nebengeräusch für mich, während ich Annabelle beobachtete. Sie hörte ihrer Mutter zu, aber sagte selbst kaum ein Wort. Auch war sie nicht sehr hungrig wie es schien. Sie hatte kaum etwas von ihrem Brot gegessen und machte zwischen den Bissen immer wieder eine Pause. Etwas beschäftigte sie, dass konnte ich ihr ansehen. Ihre Mutter hingegen aß mit sichtlichem Appetit, auch wenn sie dabei fast die ganze Zeit redete.





Nach einer Weile wurde es still in dem Raum, wahrscheinlich hatte ihre Mutter nichts mehr zu sagen. Man hörte nur noch das Knistern des Feuers und die Geräusche, die die beiden Frauen beim Essen machten. Ich spürte, dass gleich etwas Wichtiges passieren würde und konzentrierte mich auf Annabelle.
„Und Mutter, hast du dir schon überlegt, wie es weitergehen soll?“ fragte sie mit leiser Stimme, fast so als wollte sie die Antwort gar nicht hören.
Es herrschte einen kurzen Moment Ruhe und ich wusste, dass ich das Nächste nicht hören wollte.
„Ich habe eine Entscheidung getroffen, aber ich glaube nicht, dass sie dir gefällt.“ Ihre Mutter hörte sich bedauernd an und Annabelle senkte den Kopf. Auch sie schien nichts weiter hören zu wollen.





Doch wie auch ich musste sie da durch, denn ihre Mutter sprach unerbittlich weiter.
„Ich werde das Angebot von Robert annehmen und ihm das auch morgen mitteilen. Wir können hier nicht alleine bleiben, auch wenn das heißt, dass wir Dinge tun müssen, die wir nicht wollen.“ Sie seufzte leise. „Es gefällt mir ja auch nicht, aber ich kann den Hof nicht halten. Wir haben keine Wahl, du musst Robert heiraten.“
Ich hörte die Worte. Sie brannten sich ein und mein Herz zog sich zusammen, schmerzte wie noch nie zuvor. Und ich wusste, dass ich das um alles in der Welt verhindern musste, auch wenn ich keinen blassen Schimmer hatte wie.


*Fortsetzung folgt*
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Geändert von Llynya (03.07.2013 um 19:16 Uhr)
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Alt 12.03.2012, 11:49   #20
Totoh.
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Gutes Kapitel! Ich muss ja zugeben, dass ich den Tod schon ein bisschen heiß finde. :'D
Ich freu mich auf mehr!
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Alt 12.03.2012, 14:31   #21
julsfels
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Er ist ein Stalker!

Sorry, dass ich mich jetzt erst melde, aber ich hab leider so wenig Zeit, und Du bist so schnell.
Mir hat total gefallen, wie Du dieses langsame "in die Sache reingezogen"-werden dargestellt hast - wie der Tod sich sagt, dass das alles eigentlich keinen Sinn hat, und trotzdem nicht widerstehen kann, und wie er es vor sich selbst rechtfertigt, dass er der Versuchung doch nachgibt.
Sehr interessant fand ich auch, dass der ständig wiederkehrende Lavendel kein Zufall war - wer hat da wohl ein Interesse, dass sich der Tod in eine Sterbliche verliebt?
Beim letzten Kapitel konnte man richtig die Faszination spüren, die Annabelle auf den Tod ausübt, und ich bin sehr gespannt, was er jetzt unternehmen wird.
Vielleicht kann er ja einfach in eine sterbliche Hülle schlüpfen, damit sie ihn sehen kann.

LG!
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Alt 12.03.2012, 19:09   #22
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@ Totoh.
Danke.
Ich mag den Tod auch sehr gern ansehen. Erst fand ich ihn gar nicht so gelungen, aber je länger ich mit ihm arbeite desto toller find ich den Sim. Das letzte Bild aus der 3 hat es sogar geschafft auf meinem Rechner den Hintergrund zu zieren.

@ julsfels
Jaaa, ist er.
Es ist ja auch alles neu für ihn, da kann es ja nicht schnell gehen. Und er hat ja auch keine andere Wahl, wenn es das Schicksal so für ihn will. Da kann er sich wehren, wie er will.
Na, mit dem Lavendel könnte es sehr wohl Zufall sein. Es ist ja nicht sehr ungewöhnlich, dass irgendwo Lavendel steht. Er hat es ja sonst nicht bemerkt, weil er ja keinen Grund hatte darauf zu achten.
Tja, was er jetzt macht, ist die Frage. So viele Möglichkeiten hat er ja nicht.
Und du brauchst dich nicht zu entschuldigen, wenn du keine Zeit hast. Ich bin ja momentan noch schnell unterwegs mit den Fortsetzungen. Es bringt einfach Spaß zur Zeit.
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Alt 25.03.2012, 20:46   #23
Llynya
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I can't sleep
Won't you speak to me
I'm on dry land
Won't you help me please

(Marillion – Dry Land)




Ja, es traf mich wirklich, dass sie jemand anderen heiraten sollte. Ich wollte nicht, dass jemand so einen Platz in ihrem Leben einnahm. Wenn ich vorher auch nicht gewusst hatte, was Eifersucht war, wusste ich es in diesem Moment. Es machte mich fertig zu wissen, dass sie nicht mir gehören kann sondern jemand anderen. So klischeehaft es sich auch anhört, es brach mir das Herz. Es spielte keine Rolle, dass sie nicht begeistert von der Aussicht war Robert zu heiraten. Es spielte keine Rolle, dass sie mich nicht sehen konnte und es keine Möglichkeit gab, dass wir zusammen sein könnten. Der Schmerz war da und ging nicht weg.





Von meinen jetzigen Standpunkt aus war es lächerlich zu glauben, dass sie je jemand anderen als mich lieben könnte. Heute weiß ich, dass es keine Rolle spielte, dass sie ihn hatte heiraten müssen. Sie gehörte zu mir, auch wenn sie es damals noch nicht wusste, noch nicht wissen konnte.
Es amüsiert mich immer noch, dass ich damals so überreagiert hatte. Heute lache ich über meine Reaktion von damals. Es konnte ja niemand ahnen, wie sich meine Existenz und ihr Leben noch überschneiden würden. Aber wenn ich das gewusst hätte, dann wäre vielleicht doch alles anders gekommen. Wer kann das schon wissen. Vielleicht musste es einfach diesen Verlauf nehmen.





An diesem Abend blieb ich noch länger, beobachtete wie Annabelle mit der Nachricht fertig wurde. Ihrer Mutter gegenüber war sie gefasst, als hätte sie schon gewusst, dass es so kommen musste. Nach dem Essen ging sie in ihr Zimmer und wie schon den ganzen Tag über folgte ich ihr. Sie setzte sich aufs Bett und nach einer Weile kamen ihr die Tränen. Sie weinte und ich konnte sie nicht trösten, obwohl ich nichts lieber gemacht hätte. Ihre Schluchzer war lautlos, aber ich sah ihren Körper zucken. Und zum zweiten Mal an diesem Abend zerriss es mir das Herz. Ich fühlte mich völlig hilflos, dass ich ihr in ihrem Kummer nicht beistehen konnte, weil sie mich einfach nicht wahrnahm.





Nach einer für mich endlosen Weile beruhigte sie sich, stand auf und machte sich fertig fürs Schlafen gehen. Diesmal folgte ich nicht, ich wusste ja, dass sie wieder kommt. Ein wenig Privatsphäre wollte ich ihr lassen, auch wenn ich ihr an diesem Tag sonst keine gelassen hatte. Wenig später kam sie wieder mit offenen Haaren und schon im Nachtgewand. Sie legte sich in ihr Bett, pustete die Kerze aus und kurze Zeit später war sie schon erschöpft eingeschlafen. Ich setzte mich auf ihren Nachttisch und beobachtete sie im Schlaf und überlegte, was ich tun könnte um ihr zu helfen. Und natürlich blieb ich, weil ich in ihrer Nähe sein wollte, auch wenn sie nur schlief. Ich konnte es kaum glauben, wie schnell ich ihr verfallen war.





Es war schon komisch, was ich in dieser Zeit empfand. Heute kommt es mir gar nicht mehr so seltsam vor. Inzwischen weiß ich ja, dass es den Menschen gar nicht so viel anders ergeht als mir.
Mein Problem war einfach nur, dass ich nicht eine Idee hatte, wie ich ihr helfen konnte. Ich konnte nicht in ihr Leben eingreifen. Robert stand nicht auf meiner Liste, als das ich ihn hätte holen können. Das schied also aus. Sie sah mich nicht, also konnte ich ihr auch keinen Mut zu sprechen oder sie für mich zu gewinnen. Ich konnte der Familie auch nicht helfen, was ihren Hof anging. Es war einfach aussichtslos. Jede klitzekleine Idee, die ich in dieser Nacht hatte, musste ich wegen Undurchführbarkeit wieder verwerfen. Es war frustrierend.





Ich blieb aber trotzdem bei ihr bis zum nächsten Morgen. Sie erwachte früh und rieb sich die Augen. Sie hatte nicht gut geschlafen, dass sah man ihr an. Trotzdem schob sie schwungvoll ihre Decke aus dem Weg und stand auf. Ich wandte mich ab, wollte sie nicht in ihrem privaten Bereich stören. Aber sie ging schnurstracks ins Bad, wo sie sich kurz wusch und sich anzog.Dann versorgte sie schnell die Tiere und kam wieder ins Haus, um sich die Hände zu waschen. Ich stand neben ihr und konnte der Versuchung die Arme um sie zu legen nicht widerstehen. Sie fröstelte ein wenig, aber schon weniger als beim ersten oder zweiten Mal als ich sie berührt hatte. Ich wertete das als gutes Zeichen und blieb neben ihr stehen, solange sie vor dem Waschbecken stand. Aber nach viel zu kurzer Zeit waren ihre Hände sauber und sie verließ das Bad.





In der Küche machte sie sich ein Brot und obwohl ich gehen wollte, konnte ich es nicht. Ich versuchte weiter bei ihr zu sein, in der Hoffnung, dass sie spüren würde das jemand für sie da war. Es war lächerlich, aber es war alles was ich in dem Moment für sie tun konnte.
Ihre Hände zitterten leicht, als sie das frische Brot schnitt und den Käse zurecht machte. Ich konnte ihr ansehen, dass der Gedanke an die Hochzeit mit Robert ihr schwer zu schaffen machte. Ich fragte mich langsam, abgesehen von der Tatsache, dass ich nicht wollte das sie zusammen waren, was so schrecklich an dem Mann war. Entweder musste er ein ziemliches Ekel sein oder brutal oder sonst was, das ihr zu schaffen an ihm machte. In all den Jahren habe ich schon viele arrangierte Ehen gesehen und die meisten gingen gut aus, weil sich die Partner mit der Zeit einfach an einander gewöhnt hatten.





Ich wollte ihr sagen, dass es in den meisten Fällen gut ausging, aber sie hörte mich ja nicht. Also folgte ich ihr ins Esszimmer, wo sie heute alleine aß. Ihre Mutter war schon draußen beschäftigt und ich nahm an, dass Annabelle ihr folgen würde, sobald sie gegessen hatte. Aber ich fühlte auch, dass Annabelle froh über die scheinbare Einsamkeit war. Sie wollte alleine sein, das spürte ich ganz genau. Einen winzigen Moment war ich stolz auf mich, dass ich schon so leicht erahnen konnte, was sie fühlte auch wenn ich keine Ahnung hatte, was in ihrem Kopf vorging. Natürlich ignorierte ich trotzdem ihren Wunsch nach Einsamkeit, wenn sie mich nicht sah, dann war ich auch nicht da. Wenigstens ein Vorteil an dieser Tatsache.





Sie spülte ihren Holzteller kurz ab und schaute kurz durch die Hintertür.
„Ich bin eine Weile weg“, rief sie ihrer Mutter zu. Die nickte nur, verstand wohl den Wunsch ihrer Tochter nach Ruhe. Ich begriff, dass es der alten Frau auch Leid tat, dass sie gezwungen war solch einen Schritt zu tun. Wieder fragte ich mich beunruhigt, was so schlimm an diesem Mann war.
Annabelle ging durch die Vordertür und ich ihr hinterher. Ich nahm es ihr nicht übel, dass sie mir die Tür vor der Nase zu machte, sah ich doch wie die Beherrschung, die sie bisher an den Tag gelegt hatte, von ihr abfiel. Sie verzog das Gesicht zu einer Grimasse, die ich nicht deuten konnte und schritt schnellen Schrittes voran.





Je weiter sie vom Haus weg kam, desto schneller wurde sie, bis sie anfing zu laufen. Immer weiter weg von dem Hof. Ihre Atmung wurde schneller und ihre Schritte weiter. Sie hatte Ausdauer, dass musste ich ihr lassen. Sie lief durch das Umland und auf den Fluss zu und irgendwie hatte sie ihre Sorgen hinter sich gelassen. Ihre Gesichtszüge entspannten sich, je weiter sie von ihrem Elternhaus weg war. Ja, sie lächelte schon fast wieder als sie am Ufer ankam. Die Anstrengung, die Sonne, die frische Luft, das Plätschern des Wassers. Ich wusste nicht, was dafür verantwortlich war, vielleicht auch alles zusammen. Sie war wesentlich entspannter als sie an dem Ort ankam, wo ich versucht hatte sie auf mich aufmerksam zu machen. Sie hielt an, stemmte die Hände in die Hüften und pustete einmal kurz und kräftig.





Sie ließ sich nah am Wasserrand nieder, gerade so das ihre Füße oder das Kleid nicht nass wurden. Ich setzte mich neben sie und beide schauten wir aufs Wasser. Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht und seufzte leise.
„Warum?“ Flüsterte sie, fast unhörbar und für einen Moment fühlte ich mich angesprochen.
„Weil mir noch nichts eingefallen ist, um dir zu helfen.“ Antwortete ich genauso leise. Dann schwiegen wir beide wieder. Ich wusste, dass sie meine Antwort nicht gehört hatte, aber ich merkte, dass sie wieder unruhig wurde. Sie zupfte einen Grashalm aus und zerrupfte ihn beiden Händen.
„Das ist so ungerecht.“
„Ja, da hast du Recht.“ Mir blieb nichts anderes übrig als ihr zu zu stimmen. Es war ungerecht. Einfach alles.





Lange Zeit hörten wir beide nur das Wasser und die Vögel singen. Wir saßen still am Ufer und bewegten uns nicht. Ich genoss ihre Nähe und sie ließ sich von der Natur beruhigen. Doch die Ruhe wurde bald von lauten Schritten gestört. Annabelle registrierte sie kaum, so versunken war sie in ihren Gedanken. Doch dann erklang eine tiefe, raue Stimme:
„Hier bist du. Deine Mutter sagte mir, dass ich dich hier finden würde.“
Annabelle zuckte zusammen und drehte sich halb zu der Stimme um. Ich sprang nicht auf, man konnte mich ja eh nicht sehen, aber ich erhob mich halb, um den Neuankömmling besser zu sehen. Er hatte braunes Haar und trug teure Kleidung. Man sah ihm an, dass er nicht aus armen Verhältnissen kam. Überrascht war ich nur von den Falten, die seine Stirn und seine Augen schon zierten. Ich hatte mit jemand Jüngerem gerechnet. Zwei Narben hatte er im Gesicht und man sah ihm an, dass er sie im Kampf errungen hatte. Ich mochte ihn von Anfang an nicht.





Annabelle ließ sich von ihm hoch helfen und damit ich besser sehen konnte, stellte ich mich hinter sie.
„Vielen Dank, Herr“, sagte sie kaum, dass sie stand. Ich konnte sehen wie die Hand zuckte, die er berührt hatte. Sie wollte sie an ihrem Kleid abstreifen, aber sie wusste, dass es den Mann treffen würde wenn sie es tat.
„Keine Ursache meine Liebe“, antwortete er mit seiner tiefen Stimme. „Ich freue mich doch immer, wenn ich euch helfen kann.“
Wenn ich was gegessen hätte, dann wäre es mir in diesem Augenblick wieder hoch gekommen. Er klang so falsch und verlogen. Und es kam mir vor, als wäre da ein hämischer Unterton gewesen. Auch Annabelle schien diesen Ton gehört zu haben. Ihr Körper spannte sich merklich an und ich konnte sehen, wie sie die passende Antwort unterdrückte.
Stattdessen fragte sie freundlich aber reserviert: „Ihr habt nach mir gesucht?“
„Ja, ich bin dir hierher gefolgt, um dich wieder nach Hause zu bringen. Wir haben viel zu besprechen.“





„Dann lasst uns gehen“, Annabelle klang energisch, ganz so als wollte sie die Sache schnell hinter sich bringen. Ich konnte die Reaktion voll und ganz nachvollziehen.
„Aber sicher meine Liebe“, Robert grinste sie an und mir lief ein Schauer über den Rücken. Es war so ein falsches, gemeines Grinsen, wie ich es schon lange nicht mehr gesehen hatte. „Dann kommt. Ich führe euch.“ Und mit diesen Worten griff er nach ihren Schultern und ihrem Arm. Er schloss die Augen genießerisch und auch Annabelle machte ihre Augen zu, allerdings eher aus Missfallen als aus anderen Gründen. Sie war steif wie ein Brett kaum, dass seine Hände sie berührten. Am liebsten hätte ich ihn in den Fluss gestoßen, so wütend war ich. Ich wollte ihn anschreien und ihn fragen, ob er nicht sehe, dass sie das nicht wollte. Aber ich wusste, dass es ihm bewusst war und ich hasste ihn mehr als ich je jemanden zuvor gehasst hatte.





Ich blieb am Flussufer als die Beiden langsam wieder zurück in Richtung Hof gingen. Sie hatte sich bei ihm untergehakt und er wandte ihr den Kopf zu. Ich hörte nicht mehr, was sie sagten. In meinem Kopf herrschte ein Sturm der Wut und ich blendete alles aus. Ich wusste nur, dass ich schnell etwas unternehmen musste, wenn ich diese Hochzeit verhindern wollte.


*Fortsetzung folgt*
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Alt 25.03.2012, 21:38   #24
Erdbeeri
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Hallo

Eine schöne Fortsetzung! Man erfährt viel über die schreckliches von diesem Robert. Aber auch etwas über die Zukunft der beiden du schaffst es gekonnt eine Spannung aufzubauen, so dass man unbedingt wissen will wie er jetzt in der heutigen Situation gekommen ist und vor allem wie das sie je zusammen kommen können (was ich vermute das sie tun, den Andeutungen zufolge) wenn sie ihn nicht sehen kann Aber ich bin mir sicher für dieses Problem hast du eine Lösung

Aber ich mag sie: dank ihr scheine viele Menschen nicht sterben zu müssen schliesslich läuft er jetzt denn ganzen Tag ihr hinterher und scheint seine Pflicht vergessen zu haben Oder hat er sich ferien genommen?

LG

Erdbeeri
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Alt 30.03.2012, 12:36   #25
julsfels
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Hm, okay. Robert, der Bräutigam in Spe, ist ein Ekelpaket. Das macht die Sache für uns natürlich leichter, denn wenn er ein netter Kerl wäre, würden wir vielleicht nicht zu Mr. Sensenmann halten.
Dieser einseitige Dialog zwischen Annabelle und ihrem unsichtbaren Verehrer hat mir gut gefallen.
Und jetzt bin ich wirklich gespannt, was er sich einfallen lässt. Kann er nicht einfach in einen Körper schlüpfen, so wie damals Brad Pitt als Joe Black? Dann würde er zwar nicht mehr wie er selbst aussehen, aber wenigstens könnte er auf dem Hof mit anfassen.
Aber bestimmt lässt Du Dir eine tolle Lösung einfallen, denn dass die Beiden sich tatsächlich begegnen, scheint mir ziemlich sicher zu sein.

Liebe Grüße und vielen Dank für dieses Kapitel, dass mich ganz wunderbar abgelenkt hat!
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Alt 21.04.2012, 21:11   #26
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@ Erdbeeri
Oh ja, es war schon aufschlussreich diese Fortsetzung. Auch wenn ich natürlich nur Häppchenweise Sachen verrate.
Und natürlich habe ich schon die Lösung für das Problem, wenn auch der Hauptdarsteller noch darüber grübelt. ^^
Öhm ja, seine Pflicht hat er schon ein wenig vernachlässigt, aber er hat ja auch ein wenig Herrschaft über die Zeit, wenn auch in Grenzen. So kann er halt trotzdem noch ein wenig seiner Arbeit erledigen. Aber dazu auch mehr im nächsten Teil.
Ferien wären aber auch gut. Ist ja eh total fertig der Arme.

@ Julsfels
Ich hätte natürlich auch den Charmeur schlechthin oder den totalen Superman als Bräutigam in Spe nehmen können, aber das wäre doch zu gemein gewesen.
Der Dialog war wichtig.
Im Moment ist er noch ziemlich einfallslos was das betrifft. Aber er sucht einen Weg, wenn auch nicht den von dir vorgeschlagenen. Auf die Idee ist er bisher noch nicht gekommen, vielleicht weil er sich nicht sicher ist, ob das funktionieren würde.
Und ja, es ist sicher, dass die Beiden sich begegnen. Soviel sei schon mal verraten.

@ All
Vielen lieben Dank für eure Kommis!
Die nächste Fortsetzung sollte morgen eigentlich fertig sein. Es sei denn dieser vermaledeite Schnupfen hindert mich daran. ^^
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Alt 22.04.2012, 11:21   #27
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Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich war so voller Wut und konnte sie nicht auslassen. Ich hatte niemanden, den ich sie hätte spüren lassen können. Also ging ich, verließ die Beiden und hoffte, dass mir endlich etwas einfiel, was ich tun konnte. Ich zog mich zurück in meine Zuflucht, denn dort war ich zumindest sicher, wenn der Hass aus mir raus brach. Ich wanderte den Weg zum See, denn das Gehen beruhigte meine unruhigen Gedanken. Je mehr ich meine Beine bewegte, umso mehr lichtete sich der Nebel in meinem Kopf. Ich wurde wieder ruhig.





Als ich mich wieder im Griff hatte, blieb ich stehen. Ich hatte den Teich noch nicht erreicht, aber ich war ihm schon sehr nahe. Einen Fuß auf die verfallenen Ruinen gestellt, beobachtete ich den Weg zurück in die Welt. Ich wusste, ich würde nicht lange bleiben können. Schon zu lange hatte ich meine Pflicht vernachlässigt. Und doch bereute ich es nicht. Es kam mir richtig vor, mich zuerst um Sie zu kümmern als um alles andere. Heute weiß ich, dass es nur mein Egoismus war, der mir diese Wahrnehmung der Dinge vorgegaukelt hatte. Niemals hätte ich in meiner Aufgabe nachlässig werden dürfen, denn es war der einzige Grund, warum ich existierte.





Ich konnte mir zwar gewisse Freiheiten erlauben, aber nicht auf Dauer abgelenkt sein. Mein einziger Vorteil war, dass ich die Zeit beeinflussen konnte. Ich konnte es so aussehen lassen, als hätte ich all die Menschen schon zur Schwelle begleitet. Ich musste mich nur wieder der Pflicht widmen und doch fiel es mir viel schwerer als sonst. Die bevorstehende Hochzeit ließ mir keine Ruhe. Aber ich hoffte, dass mir, wenn ich in der Welt der Sterblichen verweilte, eine erfolgversprechende Idee kommen würde. Nein, eigentlich legte ich all meine Hoffnung auf diesen Plan. Ich war am Ende meiner Weisheit und hoffte von ganzem Herzen, dass die Sterblichen mir einen Ausweg zeigen würden. Ich war mir der Ironie bewusst, dass mir jetzt tatsächlich die Menschen aus der Klemme helfen mussten. Gerade weil ich mich doch immer größer und besser als sie gefühlt hatte. Aber was hatte ich schon noch für eine Wahl? Sie kannten sich am Besten mit dem aus, was ich gerade fühlte und so erschien es mir nur logisch, dass ich dort einen Weg aus dem Dilemma finden würde.





Doch es war frustrierend, denn ich irrte. Sie hatten keine Antworten für mich. Eher das Gegenteil, ich hatte nach einem langen Tag Seelen einfangen nur noch mehr Fragen offen. Doch bei meiner letzten Pflichtaufgabe wurde ich hellhörig. Ich kam in der Nacht. Das Mondlicht schien nur sacht und überall hatten die Bewohner des Herrenhauses Kerzen aufgestellt um die Dunkelheit fern zu halten. Das Ehepaar saß draußen auf steinernen Bänken und unterhielt sich. Ansonsten war niemand außer mir in der Nähe. Die Bediensteten waren schon entlassen worden. Außer den leisen Stimmen des Paares waren nur ein paar späte Grillen zu hören und in der Nähe krächzte ein Vogel sein Lied.





Immer im Schatten haltend näherte ich mich den Beiden. Ich wusste, ich hatte noch ein wenig Zeit bevor ich ihn holen musste und so gönnte ich ihnen noch ein bisschen gemeinsame Zeit.
„Erinnerst du dich noch an den Abend, als wir uns zum ersten Mal sahen?“ Fragte sie ihn. „Ich habe dich gar nicht wahr genommen.“
Ich horchte auf.
„Natürlich“, antwortete er lachend. „Ich musste mich ganz schön anstrengen um deine Aufmerksamkeit zu erlangen und wenn du nicht plötzlich in Ohnmacht gefallen wärst, säße ich heute hier wohl mit jemand anderen.“
Sie lachte nun auch. „Ja, es war schon ein komischer Zufall, dass mein Kleid mir die Luft abschnürt hatte. Was das für ein Aufruhr gewesen ist.“ Ihr Lachen wurde lauter. „Aber ich sah nur noch dich nach diesem Abend.“ Ihre Stimme war zärtlich und liebevoll, es spiegelte sich in ihren Augen wieder als sie ihren Mann ansah.





„So wie ich dich immer nur gesehen habe, in all den Jahren.“ Er lächelte sie an und wollte gerade ihre Hand ergreifen, als ich einschreiten musste. Es tat mir Leid die Beiden zu unterbrechen, aber ich hatte keine andere Wahl. Schon jetzt verschleierte sich sein Blick und er verkrampfte sich. Ich kniete mich nieder und nahm seine Hand. Ich blendete ihre Sorge aus und konzentrierte mich nur auf den Todgeweihten. Sanft versuchte ich es ihm leichter zu machen. Doch er konnte nicht loslassen. Seine Seele klammerte sich verzweifelt ans Leben. Er war noch nicht bereit für die Ewigkeit und ich wusste, dass ein Kampf werden würde ihn zur Aufgabe zu bringen.





Es war ein hartes Ringen zwischen ihm und mir, übertönt von dem besorgten Ruf seiner Ehefrau. Auch wenn es mir wie eine Ewigkeit erschien, dauerte sein Kampf nur ein paar Sekunden. Seine Frau hatte kaum eine Chance auf zu springen und zu ihm zu eilen. Er sackte zur Seite und legte wie ein Kind die Beine auf die Bank. Gerade so als wolle er schlafen. Doch er schlief nicht. Seine Essenz lag nun bei mir und der letzte Atem entwich ihm mit einem leisen Seufzer. Ich machte einen Schritt zurück, gab ihr die Chance sich neben ihn zu knien und ihn besorgt zu schütteln. Doch es war zu spät. Auch sie begriff es langsam, strich ihm noch einmal sanft das Haar aus dem Gesicht und sagte leise ihre Abschiedsworte: „Ich liebe dich.“





Um ehrlich zu sein, ich floh von der Szene. Ihre letzten Worte hämmerten sich mir ins Gedächtnis und verfolgten mich. Bis zu dem Abend hatte ich nicht gewusst, was es war, was mich so Anteil an Annabelles Leben hatte nehmen lassen. Aber als ich die letzten Worte der Frau hörte, wusste ich, dass ich selbst voll Liebe zu Annabelle entbrannt war. Es erschreckte mich, es ließ mich an mir selbst zweifeln und doch hatte ich nicht das Gefühl, dass es falsch war. Nein, es fühlte sich richtig an.
Und so ging ich wieder zu ihr, wollte nur in ihrer Nähe sein während sie ihr Leben lebte. Aber ich wollte auch mehr, ich wollte ihr Leben verändern. Es musste einfach einen Weg geben.





An diesem Morgen sah sie richtig zerbrechlich aus. Ganz so als wäre aus der vorher so stark erscheinenden jungen Frau eines von diesen hilflosen Mädchen geworden, die man überall findet. Aber doch war da der Glanz in ihren Augen, der mir zeigte, dass sie nicht schwach und hilflos war.
Sie saß auf der Bank, auf der ich auch schon neben ihr gesessen hatte und ihr Blick ging ins Nichts. Bis sie aufblickte, weil sie Schritte gehört hatte. Es waren natürlich nicht meine. Ich stand diesmal ein Stück von ihr entfernt, damit ich nicht wieder in Versuchung kommen konnte, sie zu berühren. Ich wusste aber schon vorher, wem die Schritte gehörten, auch wenn ich ihn noch nicht sehen konnte. Auch Annabelle schien es zu wissen, ihr Blick wurde für einen Moment hart und voller Verachtung. Doch dann riss sie sich zusammen und machte ein möglichst unbeteiligtes Gesicht.





Robert erschien wieder in edlen Kleidern und mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Er kam aus dem Haus, wo er wohl gerade mit ihrer Mutter gesprochen hatte. Er schien sehr mit sich selbst zufrieden und machte vor Annabelle eine leichte Verbeugung. Es sollte wohl höflich sein, aber mir kam es nur spöttisch vor. Wieder stieg der Hass auf diesen Mann in mir auf und ich bekämpfte ihn, weil ich mich nicht zu impulsiven Handlungen hinreißen lassen wollte. Ich hielt weiterhin meinen Abstand zu den Beiden auch wenn es mir mehr als schwer fiel.
Annabelle hingegen schien die Ruhe selbst zu sein. Ein anderer Beobachter als ich hätte annehmen können, dass sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden hätte. Doch ich sah ihre Anspannung und ihre Abneigung gegen den Mann, dem sie versprochen war. Doch sie gab sich alle Mühe es vor ihm und wohl auch vor allen anderen zu verbergen.





„Guten Morgen meine Liebe“, säuselte Robert in dem Versuch seine tiefe, raue Stimme sanfter klingen zu lassen.
„Guten Morgen Herr“, antwortete Annabelle mit möglichst neutraler Tonlage. Ein wenig klangen ihre wahren Gefühle heraus, aber ich ging nicht davon aus, dass Robert sie bemerkt hatte, musterte er sie doch mit Gier in den Augen.
„Ich habe mir gerade die Erlaubnis deiner Mutter geholt, dich heute von hier zu entführen“, sagte Robert immer noch in diesem süßlichen Ton. „Wir verbringen heute den ganzen Tag zusammen. Ich hoffe du freust dich. Steh von der kalten Bank auf und komm mit mir.“
Annabelle gehorchte und stand auf. Und kaum stand sie vor ihm, nahm er ihre Hand und küsste sie, während sie versuchte glücklich auszusehen.
In mir schlug der Hass und auch der Neid Wellen. Ich konnte es kaum fassen, wie er mit ihr umsprang. Ich hörte den Befehlston und wusste, wie ihre Ehe aussehen würde. Aber ich wusste auch, dass ich es nicht ertragen konnte den Beiden heute weiter zu folgen.





Ich zog mich weit zurück und widmete mich erst einmal wieder meiner Pflicht. Doch ich war nicht richtig dabei diesmal. Eine Seele entglitt mir sogar, weil meine Gedanken immer wieder abschweiften und ich mich fragte, was Annabelle und Robert wohl gerade machten. Doch versagte ich es mir, sie zu beobachten. Es war zu schmerzhaft, zu sehen wie sie unter der Gesellschaft dieses Mannes litt. Ich wäre gerne für sie da gewesen, aber leider half ihr meine Anwesenheit nicht.
Und so landete ich an diesem Abend am großen See. Ich setzte mich in den Sand und lauschte dem Geräusch der Wellen. Ich sog den Geruch des Wassers ein und dachte nach. Es musste einen Ausweg geben, denn ich wollte nicht länger hilflos sein. Ich dachte daran sein Leben zu beenden, aber ich wusste, dass die Strafe dafür fürchterlich sein würde. Und doch hatte die Vorstellung seinen Reiz, würde sie dann von ihm befreit sein.





Doch dann drängte sich mir ein Bild auf, was mein Blut gefrieren ließ. Es zeigte Annabelle und Robert wie sie sich küssten und glücklich zu sein schienen. Und schon war der Zweifel in mir gesät. Was wenn ich irrte? Wenn sie für einander bestimmt waren und ich mir alles nur einbildete, weil ich wollte was ich nicht haben konnte. Was wäre, wenn Annabelle mit der Zeit anfangen würde Robert zu lieben? Einige arrangierte Ehen funktionierten so und wurden mit der Zeit glücklich. Und wenn ich Robert umbringen würde, dann wäre diese Chance vorbei.
Ich war wie erstarrt. Doch dann löste ich mich mit einem Ruck von der Vorstellung. Es war abwegig. Ich konnte mich nicht irren. Sie hasste ihn genauso wie ich ihn hasste. Dessen war ich mir sicher. Es war keine Einbildung meinerseits.





Es hatte angefangen zu regnen, während ich am Strand saß und über meine Möglichkeiten grübelte. Es störte mich nicht sonderlich, passte es doch zu meiner Stimmung.
Ich zog ernsthaft in Erwägung die Welt von Robert zu befreien, aber ich konnte mir nicht sicher sein, dass der nächste von Annabelles Verehrern nicht genauso ein Mistkerl war. Nicht nur hätte ich dann für sie alles noch schlimmer gemacht, sondern auch mein Schicksal endgültig besiegelt. Ich wusste, dass die Strafe für ein solches Vergehen, die vollständige Vernichtung meinerseits gewesen wäre. Ich war nicht bereit dieses Risiko einzugehen, wenn ich mir nicht sicher war, ob es die Situation für sie besser machen würde. Ich behielt die Option allerdings im Kopf, für den Fall der Fälle. Es wäre mein letzter Ausweg.





Lange Zeit saß ich im Sand und ließ die Umgebung auf mich wirken. Ich versuchte meinen Kopf leer zu machen, damit ich mich nicht zu sehr an die Vorstellung gewöhnte Robert zu holen. Mit der Zeit gelang es mir mich von der Idee zu lösen.
Als ich so dasaß, kamen mir plötzlich Wortfetzen von einem meiner letzten Aufträge in den Sinn. Und langsam aber sicher, begann eine neue Idee seinen Anfang zu nehmen. Ich war mir nicht sicher, ob es funktionieren würde und es war vermutlich gefährlich. Trotzdem wollte ich es versuchen. Es war wenigstens eine Möglichkeit zu verhindern, dass ich zum Mörder wurde.
Der Regen hörte auf und ich erhob mich vom nassen Sand. Ich wusste nun, was ich zu tun hatte.


*Fortsetzung folgt*
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Geändert von Llynya (03.07.2013 um 18:46 Uhr)
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Alt 22.04.2012, 14:15   #28
OrangeSheep
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wow... ich bin begeistert von deiner Geschichte
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Alt 23.04.2012, 12:31   #29
julsfels
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Aha, ein Kapitel mit neuen Erkenntnissen für Monsieur Sensenmann.
Ja, wie soll er auch benennen können, was in ihm vorgeht, wenn er es noch nie vorher gefühlt hat und vermutlich bislang sein ganzes Leben - oder seine ganze Existenz lang, ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich "lebt" - allein war. Bislang war Liebe vermutlich ein abstrakter Begriff für ihn, er hat davon gehört und sich vielleicht sogar darüber lustig gemacht oder verächtlich auf die armen Menschen herabgeblickt, die von ihren Gefühlen gesteuert werden. Nun erlebt er es am eigenen Leibe.
Ob die Ehe zwischen Robert und Annabelle ohne sein Eingreifen tatsächlich eine Chance hätte? Ich glaube nicht. Man kann es zwar sicher nicht vorher sagen, aber ich schätze, damit in einer geplanten Ehe im Laufe der Zeit tatsächlich Liebe wachsen kann, muss vorher mindestens Respekt voreinander da sein, vielleicht auch ein Mindestmaß an Zuneigung. Bei dem, was Annabelle ihrem Bräutigam gegenüber zu empfinden scheint, halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass da irgendwas anderes wachsen kann als Hass oder Abscheu.

Und zum krönenden Abschluss hat er eine Idee. Keine ungefährliche (aber das hat wohl auch niemand erwartet ), aber zumindest etwas, was nicht gleich die Vernichtung des armen Todes nach sich ziehen wird. Obwohl das natürlich der ultimative Liebesbeweis wäre: sich selbst zu opfern, um die Geliebte zu retten. Was allerdings natürlich, wie er es ja auch selber klar erkennt, in diesem Fall nicht besonders nützlich wäre, weil er sie vor dem nächsten Freier dann ganz bestimmt nicht mehr retten kann, wenn eine höhere Macht ihn zur Strafe pulverisiert.

Ach, war wieder schön zu lesen und anzusehen. Vielen Dank!
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Alt 11.05.2012, 17:08   #30
Llynya
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@ OrangeSheep
Danke dir. Freut mich, dass es dir gefällt.

@ Julsfels
Erstmal Glückwunsch zum Modposten. Ich wünsch dir viel Spaß und immer nette User.
Hm, also Existenz trifft es wohl doch eher, was ihn angeht. Auch wenn er vielleicht früher mal ein sterblicher Mann gewesen ist, ist er jetzt doch eher ein höheres Wesen.
Früher hat es ihn einfach nicht interessiert, was die Menschen so treiben. Er hat die Liebe halt auch immer nur kommen und gehen sehen. Was sie bedeutet, war ihm nicht wirklich klar.
Die Ehe zwischen Annabelle und Robert wäre nicht glücklich. Im Moment weiß man ja noch wenig über seine Beweggründe für die Hochzeit. Er macht es ja nicht, weil er der großzügige Großmotz ist, der der Familie helfen will. Und so haben die Beiden nicht wirklich eine Chance, egal ob der Tod dazwischenfunkt oder nicht.
Erstmal muss sich zeigen, ob seine Idee überhaupt etwas taugt. Vielleicht funktioniert der Plan ja auch gar nicht.

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Vielen Dank euch für Kommis. Fortsetzung ist in Planung, aber ich weiß noch nicht wann ich dazu komme.
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Alt 17.05.2012, 18:12   #31
Llynya
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So you resigned yourself to failure, my friend
And I emerged the chilling stranger, my friend
To eradicate the problem, my friend
Unsheathe the blade within the voice
(Marillion - Assassing)





Oh ja, ich wusste, was ich tun musste, aber ich war mir absolut nicht sicher, ob es auch funktionieren würde. Ob ich überhaupt in der Lage war, so etwas zu tun. Ob ich die Möglichkeit dazu finden würde. Ob ich danach nieder gestreckt werden würde, für die Einmischung.
Ich hätte es nicht mit Bestimmtheit sagen können, aber ich wusste, dass ich mich an der Grenze dessen befand, was mir erlaubt war. Doch ich war mir sicher, dass es das Risiko wert war. Aber bevor ich meinen Plan in die Tat umsetzen wollte, musste ich noch einmal versuchen an Annabelle heranzukommen, ohne sie oder mich in zusätzliche Gefahr zu bringen.





Ich fand sie am Flussufer, wo sie gerade dabei war die Wäsche zu waschen. Kaum war ich in ihrer Nähe verzog sich mein Mund zu einem Lächeln. Sie machte mich glücklich, ohne das sie etwas dazu tun musste. Ich musste mich regelrecht zusammenreißen, damit ich nicht vergaß wozu ich hier war. Und doch beobachtete ich sie eine Weile, wie sie sich mit der nassen Kleidung abmühte. Ich konnte nicht anders und wie es aussah drängte die Zeit auch noch nicht. Ich wusste, dass sie noch eine Weile beschäftigt war und kostete alles aus, obwohl mich die unbestimmte Vorfreude kribbelig machte. Nicht, dass ich ernsthaft damit rechnete Erfolg zu haben, aber ich konnte die leise Hoffnung nicht unterdrücken.





Als sie ihr letztes Wäschestück in Wasser tauchte, sah ich meine Chance gekommen. Ich begab mich in das kalte Nass, ohne die Kälte zu spüren, und wartete auf den richtigen Moment zum Auftauchen. Annabelle sah mich natürlich nicht, aber das war auch nicht meine Absicht gewesen. Ich passte den richtigen Augenblick sekundengenau ab und tauchte mit einem Sprung auf. Im Auftauchen wirkte ich ein wenig von meiner Magie, nur soviel, dass das Wasser auf mich reagierte. Es war die selbe Magie, die es mir ermöglichte starre Gegenstände zu berühren. Das Wasser spritzte auf und ich war wieder an der Oberfläche.





Annabelle schrie auf und taumelte nach hinten. Sie war nur geringfügig nass geworden, darauf hatte ich geachtet. Aber sie sah verwirrt aus und schüttelte leicht den Kopf. Misstrauisch beäugte sie das nun wieder ruhige Wasser. Sie sah nicht, was dieses Phänomen hätte auslösen können und das verstörte sie leicht. Aber sie hatte etwas gespürt und das war mein erstes Ziel gewesen. Ich wusste, dass das hier nicht der Schlüssel war, aber ich musste einfach meine Grenzen austesten. Auch wenn es mir schwer fiel, sie so zu verunsichern. Aber ich sagte mir immer wieder, dass ich es wieder gut machen würde, sobald sie endlich Notiz von mir nehmen würde.





Als sie sich von dem Schreck erholt hatte, setzte sie sich auf und ich kniete mich neben sie. Sie hatte die Hand am Kopf, ganz so als wüsste sie nicht, ob sie ihren Sinnen noch trauen könne. Ich hockte mich ganz nah an sie heran und flüsterte ihr leise zu:
„Du brauchst dich nicht zu fürchten. Dir wird nichts passieren. Alles ist gut.“
Sie hörte mich nicht, aber ihre Anspannung wich von ihr. Ich konnte sehen, wie sie sich einredete, dass ihre Sinne ihr einen Streich gespielt hatten und dort im Wasser nichts war. Sie blieb noch einen Moment sitzen und starrte ins Wasser. Doch da sie darin keine weitere Störung sehen konnte, verschwand auch noch der letzte Rest ihres Misstrauens.





Sie stand auf und ich mit ihr. Sie sah auf ihre fertige Wäsche und das eine Kleidungsstück was vergessen und klatschnass auf dem Boden lag. Doch bevor sie sich danach bücken konnte, schlang ich meine Arme um sie und hielt sie fest. Ich spürte ihren Körper unter meinen Händen und versuchte sie mit aller Macht fest zu halten. Ich fühlte ihr Zittern, als meine Kälte sie durchdrang. Nicht bereit Annabelle los zu lassen, verstärkte ich meinen Griff.
„Du spürst nichts. Dir ist nicht kalt. Du willst hier stehen und dich nicht bewegen,“ raunte ich in ihr Ohr. Sie blieb stehen, abermals verwirrt, was los war. Sie hörte meine Stimme nicht, fühlte meine Hände auf ihrem Körper nicht und doch reagierte sie auf mich. Ein leichtes Gefühl von Triumph machte sich in mir breit. Ich begann zu hoffen.





Immer fester hielt ich sie, versuchte sie davon abzuhalten sich nach dem nassen Hemd zu bücken. Ich wollte sie nicht quälen, aber ich tat es. Sie krümmte sich zusammen, bibberte vor Kälte und schlang ihre Arme um ihren Körper. Sie wusste nicht, warum es so kalt war. Wie hätte sie das auch wissen können?
Ich ließ sie los und beendete mein kleines Experiment mit einem Gefühl von Triumph und Hoffnung. Sie erholte sich langsam wieder und war wieder verwirrt. Es wehte kein Lüftchen, so dass sie die plötzliche Kälte auf den Wind hätte schieben können. Sie schaute sich um, aber nicht deutete auf etwas hin, womit sie es hätte erklären können. Sie betrachtete sie versonnen und hätte ihr am Liebsten erklärt, was gerade geschehen war.





Aber ich konnte das natürlich nicht. Und so beschloss sie nach kurzer Zeit ihre Wäsche zu nehmen und den Ort für heute zu verlassen. Sie wrang das letzte Kleidungsstück aus und schmiss es zu den anderen Sachen in den Korb. In ihrer Eile von hier weg zu kommen, machte es ihr nichts aus, dass es nicht mehr ganz sauber war. Es klebten einige Grashalme und ein wenig Erde daran.
Ich sah ihr zu und fragte mich, wie es sein würde, wenn sie mich endlich ganz wahrnehmen würde. Ich freute mich auf den Moment, wenn es endlich soweit war. Doch zuerst musste ich weiter feilen an meinem Plan, denn trotz allem Ungemach was ich ihr bereitet hatte, wusste ich nun, dass es unter gewissen Voraussetzungen möglich war Menschen zu beeinflussen, auch wenn sie nicht wussten woher die Manipulation kam.





Ich kehrte zurück in meine Zuflucht, wo mich das nächste Problem bei meinem Plan wie ein Hammer traf. Was war, wenn sie meine Kälte nicht ertragen konnte? Wie könnte ich sie je berühren, wenn sie jedes Mal fast zu Tode frieren würde, sobald ich ihr nahe kam? Darüber hatte ich bisher noch gar nicht nachgedacht und es war ein ernstes Problem. Ich musste einen Weg finden. Noch einen. So langsam wurde es frustrierend, wann immer ich eine Sache gelöst hatte, kam eine Neue dazu. Allmählich verstand ich die Menschen, wenn sie an einem Problem verzweifelten und keinen Ausweg mehr fanden.
Nach einer Weile beruhigte ich mich wieder und fasste neue Zuversicht, in dem ich mir sagte, dass ich einfach eins nach dem anderen angehen würde. Zuerst musste ich den nächsten Schritt machen, damit mein Plan aufgehen konnte.





Doch es war gar nicht so einfach, den perfekten Komplizen zu finden. Ich beobachtete einige Menschen, aber niemand kam in Frage für die Mission, die ich für ihn geplant hatte. Doch an einem Abend, hatte ich endlich Glück.
Es war dunkel in der Gasse, wo er sein Opfer verfolgte. Der reiche Kaufmann bemerkte den Schatten hinter sich nicht und drehte sich nicht einmal um. Der Mörder bewegte sich fast so leise wie ich. Seine Schritte waren nur für meine Ohren zu hören und selbst sein Atmen verursachte keine Geräusche. Er war hervorragend für sein Vorhaben gerüstet und ich sah ihm an, dass er keinerlei Skrupel hatte. Sein Messer hatte er bereit in der Hand, als er immer näher zu dem Kaufmann aufschloss. Der Händler war so von seinen Gedanken eingenommen, dass er nichts ahnte. Ich machte mich bereit, genauso wie der Assassine.





Als es soweit war, konnte der feiste Kaufmann sein Entsetzen nicht verbergen. Der Mörder war schnell und setzte sein Messer in Position, während er sein Opfer festhielt. Der Händler rechnete mit einem normalen Überfall und nahm automatisch die Hand an seine pralle Geldbörse.
„Nehmt alles, was Ihr wollt, aber lasst mich am Leben“, flehte er mit zitternder Stimme.
„Alles was ich will, ist Euer Leben“, antwortete der Mann mit dem Messer und lachte leise. „Ihr habt einige Leute zu häufig betrogen, mein Freund und jetzt ist Zahltag.“ Das Messer drückte sich noch weiter in die Haut und Blut floss. Die nackte Angst spiegelte sich auf dem Gesicht des Händlers wider, als er realisierte was gerade geschah.
„Bitte! Ich flehe Euch an“, bettelte er vergebens. „Ich werde alles zurückzahlen und Ihr könnt Euch nehmen was Ihr wollt.“
„Ich handel nicht mit Betrügern“, flüsterte der Mörder und vollendete seinen blutigen Auftrag.





Der Kaufmann sank leblos zu Boden und ich sammelte seine Seele ein. Es war ein leichtes, da er keinerlei Widerstand mehr leistete. Der Assassine kniete sich ebenfalls nieder und überprüfte sein Werk. Er fühlte den nicht mehr vorhandenen Puls und nickte zufrieden. Dann nahm er den Geldbeutel des Kaufmanns und überflog kurz den Inhalt. Er lächelte und steckte die Börse ein. Danach zog er einen Zettel aus einer seiner Taschen. Diesen befestigte er an dem Wams des Toten und betrachtete seine Arbeit. Sichtlich zufrieden stand er auf und schickte sich an den Ort des Verbrechens zu verlassen. Ich beendete schnell meine eigene Arbeit, damit ihn ihn nicht aus den Augen verlor. Ich wusste ja nun, dass ich längere Zeit mit jemanden verbringen musste, damit ich ihn ohne Probleme immer wiederfand.





Doch ich hätte mich nicht so beeilen müssen, denn der Mörder hatte es nicht eilig. Ich stellte mich einen Moment hinter ihn und beobachtete seine Bewegungen. Er bewegte sich geschickt und ich sah, dass er versuchte nicht aufzufallen. Es waren um diese Uhrzeit kaum noch Menschen unterwegs, aber er wollte das Risiko entdeckt zu werden nicht eingehen. So schaute er sich gewissenhaft um, ehe er aus der Gasse trat. Niemand außer mir bemerkte ihn, aber seine Wachsamkeit ließ nicht nach. Erst nachdem er das Dorf hinter sich gelassen hatte, entspannte er sich ein bisschen, wenn auch nicht viel. Er hörte auf die Geräusche der Nacht und bewegte sich natürlich im Einklang mit der Dunkelheit. Ein perfekter Jäger. Genau das was ich gesucht hatte.





Ich folgte ihm den ganzen Weg zu seinem Versteck tief im Wald. Er spürte, dass er verfolgt wurde, denn er sah sich immer wieder verstohlen um, aber er konnte mich selbstverständlich nicht entdecken. Manchmal war es doch ganz hilfreich, mein Problem. Kurz vor seiner Hütte drehte er sich noch einmal halb zu mir um.
„Ich weiß, dass du da bist“, raunte er. „Du kannst dich nicht vor mir verstecken. Und sei gewarnt, folgst du mir ins Haus, werde ich dich töten.“ Er sprach mit der ruhigen Gewissheit des Überlegenen. Er konnte ja nicht wissen, dass ich es war, der ihm folgte. Ich, dem er so lange Jahre gedient hatte. Ich lachte leise über die Ironie der Situation. Der Assassine sah sich noch einmal misstrauisch um und verschwand dann in der Hütte.





Ich fühlte mich nicht an seine Warnung gebunden und folgte ihm trotzdem. Er konnte mich ja nicht töten und ich brauchte noch ein wenig Zeit mit ihm, um mich auf ihn einzustellen. Es war dunkel in dem Raum und ich brauchte einen kurzen Moment ehe ich ihn sah. Er hatte sich es auf seinem Bett bequem gemacht und beobachtete die Tür. Ich sah ihm an, dass er darauf wartete das die Tür aufging. Ich musste ihn da leider enttäuschen, denn für mich bedeutete die Tür kein Hindernis. Aber so gab es mir Zeit den Mörder in Ruhe betrachten zu können. Er war nicht mehr ganz jung und sein Leben hatte Spuren in seinem Gesicht hinterlassen. Das eine verbliebene Auge funkelte aufmerksam, selbst im Dunkeln. Sein Körper war durchtrainiert und hatte nicht ein Gramm Fett an sich. Unter dem Hemd zeichneten sich die Muskeln ab. Man sah ihm an, dass er sich nur selten wirklich entspannte und ständig wachsam seine Umgebung betrachtete.





Ich weiß nicht mehr wie lange ich dort stand und mir die Persönlichkeit des Mannes einprägte. Irgendwann übermannte ihn die Müdigkeit und er schlief ein. Selbst im Schlaf machte er den Eindruck jederzeit aufspringen zu können und alles unter Kontrolle zu halten. Ich war beeindruckt und zufrieden mit meiner Wahl des Werkzeugs.
Ich verließ die Hütte im Morgengrauen. Mein Plan nahm langsam Formen an und ich konnte es kaum erwarten die nächsten Schritte einzuleiten. Die Zeit brannte schließlich. Es war nicht mehr viel Zeit bis zur Hochzeit.


*Fortsetzung folgt*
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Geändert von Llynya (03.07.2013 um 18:32 Uhr)
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Alt 18.05.2012, 11:46   #32
Aminte
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Ich muss doch endlich auch mal. Hab schon ein schlechtes Gewissen, dass ich immer noch nicht kommentiert hab, denn deine Story gefällt mir sehr.
Tolle Bilder, wunderschön erzählt, und der Tod als Protagonist... was will man mehr? Besonders schön finde ich, dass du nicht durch die Story hetzt, sondern sich alles schön Stück für Stück entfaltet. So kann man auch deine bezaubernden Locations so richtig ausgiebig genießen. Hab ich schon gesagt, dass mir deine Bilder gefallen? Besonders die Landschaft, die Wälder sind superschön.

Da will er also dem Bräutigam in spe einen Assassinen auf den Hals hetzen? Dass das hart an der Grenze des ihm Erlaubten ist, glaub ich gern. Ob das so klappt?
Aber ansonsten dürfte sich diese Romanze wohl weiterhin schwierig gestalten - Frostbeulen statt heißen Dates sind irgendwie... ähm, abtörnend? Mit was man so zu kämpfen hat, wenn man der Tod ist. Aber vermutlich stand bei der Erfindung desselben nicht wirklich auf dem Plan, dass er sich in eine Sterbliche verliebt. Nun muss er also sehen, wie er das Problemchen löst. Und die zwei, drei anderen, die es da noch gibt.
Aber wichtig ist wohl jetzt erstmal, dass diese unsägliche Hochzeit nicht zustande kommt. Wie er das mit seinem neuen "Schützling" bewerkstelligen will, ist mir ja noch nicht ganz klar, aber er wird sich da sicher was überlegt haben. Den finde ich übrigens auch ganz lecker - wobei mir alle deine Darsteller sehr gut gefallen. Alles Charaktertypen.

So ein richtig schöner langer Kommentar, wie du es verdient hättest, ist es doch wieder nicht geworden, ich bin irgendwie so uninspiriert, was aber nicht an deiner Story liegt. Aber etwas ist besser als nichts, und ich finde, du kriegst viel zu wenig Rückmeldung. Also musste das jetzt unbedingt mal sein.
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Alt 23.05.2012, 14:37   #33
Simellie
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Hmm, sind ja alles neue Entwicklungen hier und ich bin sooo gespannt, jedes Mal bin ich traurig, wenn das Kapitel zu Ende ist und sie den Tod immer noch nicht bemerkt. Ich will doch endlich wissen, wie er an sie rankommen will, ob sie ihn dann überhaupt mag etc. Aber ich werde mich in Geduld üben, denn du baust die Geschichte so schön langsam auf und das mag ich wiederum sehr. Es wird nichts überstürzt, sondern man kann sich hier schön reindenken. Mit jedem Kapitel deckst du was neues auf und schilderst so wundervoll. Das mag ich sehr. Bei der Szene am Fluss musste ich lachen, er kann sie doch nicht einfach so erschrecken. Aber ist ja klar, dass er noch mal alles versucht sie auf sich aufmerksam zu machen. Und irgendwie bemerkt sie ihn ja auch, aber eben nicht als das was er ist. Ich freu mich auf mehr.

Liebe Grüße
Simellie
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Alt 29.05.2012, 17:58   #34
Llynya
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Kommibeantwortung

@ Aminte
Aber bitte doch kein schlechtes Gewissen, ich hab mich auch so schon so tierisch gefreut, dass du hier überhaupt liest.

Zitat:
was will man mehr?
Die Standardantwort wäre vermutlich: einen Sack voll Geld und das mir einer den Rücken krault.

Ich versuche nicht zu hetzen. Es würde nicht passen und ich persönlich mag es, wenn man nicht durch die Geschichte gehetzt wird und es immer nur peng! jetzt das. Bumm! nun dies. Es muss ein Gleichgewicht da sein und die Protagonisten müssen sich ja auch entfalten können.
Und danke! für das viele Lob für die Kulissen. Ich liebe Wälder einfach. Die machen es einem so einfach zu knipsen. Die Häuser sind bis auch wenige Ausnahmen alle runtergeladen. Da war ich faul diesmal.

Zitat:
Da will er also dem Bräutigam in spe einen Assassinen auf den Hals hetzen?
Nein, ich mach mir jetzt einen Knoten in die Finger. *schweig*

Probleme wird es wohl noch genug geben für die Beiden, selbst wenn sie sich endlich mal richtig gesehen haben. Es wäre ja auch doof, wenn sich alle Probleme in wohlgefallen auflösen würden und es nur noch rosa Sonnenschein geben würde. Auf jeden Fall wäre es langweilig und kaum einer Story wert.

Zitat:
Aber wichtig ist wohl jetzt erstmal, dass diese unsägliche Hochzeit nicht zustande kommt.
Ob die sich noch verhindern lässt? Selbst wenn er jetzt seinen Plan durchzieht (und das alles so funktioniert, wie er sich das vorstellt), dann ist die Zeit doch wohl sehr knapp.

Zitat:
Den finde ich übrigens auch ganz lecker
Ich auch! Darum kriegt er jetzt auch mehr als nur eine kurze Nebenrolle. Ich bau ihn einfach weiter mit ein, nur weil er mir so gut gefällt. ^^

Vielen Lieben Dank. Ich seh das gar nicht so eng mit der Rückmeldung hier. Ich kommentiere ja selber auch nicht wirklich hier.

@ Simellie
Oh, ja. Es wäre ja auch langweilig, wenn ich alles nur wiederholen würde.
Ich kann dir aber schon mal versprechen, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis die Beiden sich "treffen". Tja, und dann werden wir wohl einfach mal abwarten müssen, wie es zwischen dem Tod und Annabelle weitergeht.
Wie ich schon bei Aminte geschrieben habe, finde ich, dass eine Geschichte Zeit braucht um sich zu entwickeln. Dieses von einer Situation in die nächste schmeißen finde ich in den meisten Fällen einfach nur doof.

Zitat:
Bei der Szene am Fluss musste ich lachen, er kann sie doch nicht einfach so erschrecken.
Naja, irgendwie muss er ja versuchen sie auf sich aufmerksam zu machen.

Vielen lieben Dank auch dir.

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Wann es weitergeht kann ich leider noch nicht sagen. Ich hoffe, dass ich am Wochenende den Kopf frei habe. Im Moment sind da zu viele andere Sachen drin (die allerdings gut zu der Story passen würden. )
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Alt 09.06.2012, 20:21   #35
Llynya
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And there's nothin' sure in this world
And there's nothin' pure in this world
Look for something left in this world
Start again come on
(Billy Idol – White Wedding)





Zeit war das Problem. Von Anfang an. Sie hält einfach nicht an, wenn man es braucht, wenn man es möchte. Ich habe zwar einige Kräfte, die mich die Zeit beeinflussen lassen können, aber niemals kann ich die Zeit ganz stoppen. Sie ist unerbittlich in ihrem Verlauf und nichts in dieser Welt kann sie aufhalten. Noch nicht einmal der Tod.
Sie sorgt dafür, dass die Sonne auf und wieder unter geht. Und das sich die Welt weiter dreht, was auch passiert. Sie sorgt dafür, dass wir alle unser für uns bestimmtes Schicksal erfüllen.





Es schmerzt mich mehr als ich zugeben mag, aber es war nie mein Schicksal diese unglückselige Hochzeit zu verhindern. Sie brach mir und Annabelle das Herz und es gab nichts in dieser Welt, was sie hätte verhindern können. Es war so bestimmt.
Das ist das Einzige, was mir die Kraft gab weiterzumachen. Ich musste einfach daran glauben, dass es so sein musste. Dass es keinen anderen Verlauf hatte nehmen können. Dass ein Mensch und der Tod leiden mussten. Dass wir keine andere Möglichkeit gehabt hatten, als es passieren zu lassen. Dieser Gedanke ist es, der es mir heute leichter macht darüber zu sprechen. Er tröstete mich damals, nachdem es geschehen war und bis heute klammere ich mich daran, denn ich kann es nicht ertragen zu denken, dass ich es vielleicht doch hätte verhindern können, wenn ich nur richtig gewollt hätte.





Doch ich greife wieder einmal vor.
Als ich Annabelle an diesem Morgen besuchte, fand ich sie im Pferdestall sitzend. Sie sah total unglücklich aus und ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Ich fragte mich, was wohl passiert war, aber ich bekam keine Antwort auf meine Frage. Sie sprach nicht ihrem Tier, sondern beobachtete es nur traurig. Ich dachte, dass vielleicht etwas mit dem Pferd war, aber ein kurzer Blick sagte mir, dass das Tier kerngesund war. Keinerlei Anzeichen von Krankheit oder gar Tod. Ihre Stimmung war mir ein Rätsel und sollte es auch bleiben. Ich fand keinen Anhaltspunkt für diese Traurigkeit, weder hier im Stall noch auf dem Rest des Grundstücks. Vielleicht ein Streit mit ihrer Mutter, dachte ich mir und beließ es dabei.





Sie war lange in der Pferdebox und ich stand draußen und sah sie einfach nur an. Ich konnte nichts tun für sie, dass war mir klar. Es dauerte noch etwas bis ich meinen Plan in die Tat umsetzen konnte und ich konnte ja nicht ahnen, dass die Zeit fast abgelaufen war.
Nach einer Weile hörte ich Schritte draußen und mir schwante Übles. Ich erkannte ihn, bevor er in den Stall trat. Mein Hass auf ihn war immer noch vorhanden und würde es auch immer bleiben. Ich funkelte ihn an, als er mit vor Süßlichkeit triefender Stimme nach Annabelle rief.
„Annabelle, meine Liebe, bist du hier irgendwo?“
Natürlich war sie hier und er wusste es auch, ging er doch schnurstracks auf die richtige Box zu.
„Ja, hier bin ich“, ertönte es leise und man hörte das Stroh rascheln, als Annabelle sich erhob.





Ich konnte sehen, wie sie aufstand und ihr Kleid von dem daran haftenden Einstreu befreite. Sie öffnete die Box ehe Robert es für sie machen konnte. Fast erwischte sie ihn mit der aufschwingenden Tür und ich hätte herzlich gelacht, wenn es ihr gelungen wäre. Doch es gab nichts Fröhliches an diesem Tag.
„Schön, dass ich dich endlich gefunden habe“, säuselte Robert, als hätte er Stunden damit verbracht auf dem Hof nach ihr zu suchen. Mir wurde übel.
„Nun, hier bin ich.“ Annabelle war nicht bereit auf sein Spielchen einzugehen und ich war ein wenig stolz auf sie.
„Schön, schön“, schnurrte er fast. „Ich habe mit deiner Mutter gesprochen und ich habe großartige Nachrichten für dich. Für uns.“ Er lächelte, nein, er strahlte sie an, fuhr aber nicht gleich fort.
„Nun, und was sind das für Nachrichten?“ fragte Annabelle mit mühselig geheucheltem Interesse.
Robert ignorierte ihre offensichtliche Täuschung und grinste noch breiter. „Die Hochzeit wird schon morgen stattfinden. Ist das nicht großartig?“





Mir wurde heiß und kalt und Wellen des Hass schlugen in mir hoch. In dem Moment hätte ich am Liebsten das getan, was mir verboten war. Ich war kurz davor Robert umzubringen. Doch ich zügelte meine Wut, nicht wegen mir sondern wegen ihr. Es hätte ihr nicht genutzt, sagte ich mir immer wieder.
Während ich mit mir kämpfte, hatte ich ihre Antwort verpasst, aber ihr Gesicht sagte mir alles, was ich wissen musste. Es spiegelte Angst, Panik und Übelkeit wider. Sie war leichenblass geworden, aber sie versuchte trotzdem zu lächeln.
Robert lächelte immer noch triumphierend. „Ich hoffe, du freust dich. Es war gar nicht so einfach alles so kurzfristig zu organisieren. Dein Kleid, die Kirche und den Priester. Leider werden dann nicht viele Leute zugegen sein, aber dafür haben wir es dann umso intimer. Ich bin ja so glücklich, dass es geklappt hat.“
„Ja“, flüsterte Annabelle mit erstickter Stimme „ich auch.“
Robert nickte sichtlich zufrieden, nahm dann ihre Hand und küsste sie zum Abschied. „Aber da noch so viel zu tun ist bis morgen, muss ich mich auch schon wieder von dir verabschieden. Am Besten gehst du zu deiner Mutter, sie wird dir alles weitere erklären. Bis morgen meine Liebste.“





Annabelle riss sich zusammen, bis Robert den Stall wieder verlassen hatte. Doch kaum war er außer Sicht- und Hörweite, konnte sie das Schluchzen nicht mehr zurückhalten. Ihre Schultern fingen an zu beben und aus ihrem Mund kam ein erstickter Schrei. Sie fing herzzerreißend an zu Weinen, als all ihr Kummer aus ihr heraus brach. Sie tat mir unendlich Leid. Ich trat neben sie, versuchte sie zu stützen, zu halten und ihr Kraft zu geben, während mein eigenes Herz genauso brach wie ihres. Sie spürte meine Versuche nicht, zu tief saß der Schock über die so baldige Hochzeit. Sie hatte genauso wie ich gehofft, dass der Tag noch fern bliebe und jetzt war es viel früher als wir gerechnet hatten. Es war das erste Mal, dass ich mich fragte, warum der Mistkerl es so verflucht eilig hatte eine einfache Bauerntochter zu heiraten.





Nachdem sie sich wieder einigermaßen gefangen hatte, machte sie was Robert ihr gesagt hatte. Sie ging zu ihrer Mutter, die sich in der Küche befand.
„Mutter“, murmelte sie heiser vom Weinen. „Robert war gerade bei mir. Ist es wahr?“ Man konnte das Flehen hören. Sie hatte noch ein winziges Fünkchen Hoffnung, dass es nur ein übler Scherz war. Doch auch dieses letzte Quäntchen wurde ihr sofort genommen.
„Ja, mein Liebes“, seufzte ihre Mutter. „Er meint es ernst mit dir. Und du solltest dich freuen, dass es so schnell geht. Wir könnten sonst die Abgaben nicht zahlen diesen Monat und die Eintreiber werden sich nicht mit leeren Versprechungen zufrieden geben. Es muss sein und zwar so schnell wie möglich. Ich bin nur froh, dass Sir Robert das genauso sieht. Er liebt dich jetzt schon so sehr, dass er auf mein Drängen zur Eile eingegangen ist.“
Annabelle schwieg einen Moment verbissen. Sie wusste, dass ihre Mutter Recht hatte, aber sie wollte es nicht einsehen.





„Hätten wir es nicht einfach versuchen können? Was wäre, wenn wir eins der Tiere verkaufen würden? Würde es dann reichen?“ Sie wagte dann doch noch einen Versuch ihre Mutter zu überreden.
„Nein, nein und nochmals nein“, herrschte ihre Mutter sie an. „Wir können es uns nicht leisten etwas zu verkaufen. Weniger Tiere bedeuten weniger Einkommen im nächsten Monat. Wie oft soll ich es dir denn noch erklären. Du weißt es doch selber, dass wir keine andere Wahl haben. Ihr müsst heiraten und das so schnell wie möglich. Du kannst nur froh sein, dass du so einen Ehemann bekommst. Er wird dich auf Händen tragen. Das ist mehr als man von den meisten Männern erwarten kann.“
Annabelle war geschockt über die Ignoranz ihrer Mutter. Ich konnte sehen, dass sie ihr am Liebsten gesagt hätte, was Robert in Wahrheit für ein Mensch war und was sie in ihrer Ehe zu erwarten hatte. Aber sie beherrschte sich eisern, kniff den Mund noch fester zusammen und ließ die Tirade ihrer Mutter über sich ergehen.
„Und nun lass uns über Morgen sprechen. Wir haben noch soviel zu tun.“
„Ganz wie du möchtest, Mutter.“





Ich blieb bei ihr, den ganzen langen Tag. Verfolgte die beiden Frauen bei jedem ihrer Schritte und versuchte nicht daran zu denken, dass Annabelle ab morgen nicht mehr frei sein würde. Auch ihr erging es wie mir. Sie riss sich zusammen und ging mit ihrer Mutter das Programm für den morgigen Tag durch. Stur und ohne weitere Klagen oder Versuche ihre Mutter doch noch von der Idee abzubringen. Sie hatte bereits aufgegeben. Ich konnte es ihr ansehen, während ihre Mutter es gekonnt ignorierte. Die Maske der Beherrschung fiel erst als sie abends in ihrem Bett lag.
Sie lag auf ihrem Bett, die Decke hatte sie unter sich begraben, als wäre selbst das leichte Gewicht zu viel für sie. Sie so zu sehen zerriss mein Herz noch mehr, gerade weil ich absolut nichts mehr für sie tun konnte. Ich schob meine Hand unter ihre und hoffte, dass sie die plötzliche Kälte nicht noch mehr mitnehmen würde. Doch ihre Hand blieb wo sie war und mich tröstete die Wärme, die sie abgab, ein wenig.
Wir blieben die ganze Nacht so. Annabelle starrte ins Nichts und konnte kein Auge zu bekommen. Wann immer sie die Augen schloss, quollen Tränen hervor. Und so kämpfte sie scheinbar einsam und verlassen gegen das Unvermeidliche.





Der nächste Morgen kam dennoch viel zu früh. Kaum hatte die erste Helligkeit ihr Schlafzimmer erreicht erhob sie sich langsam wie eine alte Frau. Sie setzte sich auf und starrte auf den Fußboden und ihre Füße. Die Stimme ihrer Mutter erklang aus dem Flur, ermahnte sie sich zu beeilen. Mit einem Ruck stand sie auf, streckte sich und trat ihren Gang ins Bad an. Sie ignorierte das Kleid, was an ihrem Schrank hing geflissentlich. Im Bad wusch sie sich das Gesicht, versuchte die schlaflose Nacht zu vertuschen. Ich wollte ihr ein wenig Privatsphäre lassen und wartete vor der Tür. Als sie wieder aus dem Bad kam sah sie schon frischer aus, aber so ganz ließen sich die Spuren nicht verwischen. Ihre Mutter erwartete sie ebenfalls, um ihr in ihr Kleid zu helfen und ihre Haare zu machen.





Es dauerte eine Weile, aber das Ergebnis war bezaubernd. Ich verfluchte Robert zwar, aber ich musste sagen, dass er wusste was gut an ihr aussah. Das Kleid, was er ausgesucht hatte passte wie angegossen und der Schmuck unterstrich ihre Schönheit. Ihre Mutter hatte ihr Haar wunderschön gebändigt und ihr mit ein wenig Farbe noch mehr Frische verpasst. Sie war zwar immer noch leichenblass, aber sie sah nicht mehr so krank aus.
Auch hatte sie ihr Gesicht unter Kontrolle und ich bewunderte sie dafür. Je näher der Zeitpunkt der Trauung rückte, desto beherrschter wurde ihr Mimik. Ganz im Gegensatz zu mir. Ich litt in jeder Minute, die verstrich noch mehr.
„Es tut mir so unendlich Leid“, flüsterte ich, als sie sich zum letzten Mal die Hände wusch. Sie hörte mich nicht, reagierte nicht und meine entschuldigenden Worte verklangen in der Stille des Badezimmers.





Ich weiß nicht mehr, wie sie es schaffte bis vor den Altar zu treten. Für mich war es die reinste Folter. Ich war ihr so nahe wie möglich, obwohl es die reinste Qual für mich war. Annabelle und Robert standen vor dem Altar und der alte Priester hielt seine Rede. Ich weiß nicht, wie sie es schaffte Robert auch noch an zu lächeln. Sie schien von irgendwoher Kraftreserven zu bekommen, um die ich sie bitter beneidete. Robert selbst lächelte kaum. Er erschien eher ungeduldig, als könnte es ihm gar nicht schnell genug gehen.
Sowohl das Brautpaar als auch ich, bekam von der eigentlichen Zeremonie nichts mit. Die Worte des Priestern plätscherten um uns herum, doch wir nahmen sie nicht wahr. Genauso wenig wie die wenigen Gäste, die es doch noch zu der kurzfristigen Veranstaltung geschafft hatten. Zu gefangen waren wir von unseren eigenen Gedanken.





Viel zu früh, kam der Teil der Hochzeit, vor der Annabelle und ich uns gefürchtet hatten. Der Priester beendete die Trauung und die Beiden mussten ihren Bund besiegeln. Ich konnte Annabelles Gesicht nicht sehen, wohl aber Roberts. Gier war in seinen Augen zu sehen und mich schüttelte es vor Wut. Ich konnte nicht hinsehen, als das Brautpaar sich küsste. Ich warf mich auf den Boden und flehte die höheren Mächte an, doch einzugreifen. Diese Scheußlichkeit nicht zu zu lassen und sie vor dem Schicksal zu befreien.
Doch nichts geschah. Sie küssten sich, besiegelten damit den Bund der Ehe und dann war es vorbei. Sie waren nun offiziell verheiratet und Annabelle scheinbar für immer für mich verloren.





Doch ich konnte nicht gehen. Ich konnte sie nicht alleine lassen. Zu groß war die Angst vor dem, was jetzt mit ihr passieren würde. Sie hatte sich an den Mann gebunden, den sie verabscheute und es gab kein Zurück mehr.
Die wenigen Gratulanten, die in der Kirche waren, erledigten ihre Pflicht mehr aus Höflichkeit als aus anderen Gründen. Jeder wusste, dass dies keine Liebesheirat war und darum hielten sie sich zurück. Allzu schnell verteilten sich die Gäste wieder. Es gab keine große Feier. Dazu hatte die Zeit nicht mehr gereicht. Das frisch vermählte Paar verließ die Kirche schnell und zielstrebig. Die einzigen Beiden, die darüber glücklich zu sein schienen, waren Robert und Annabelles Mutter. Annabelle selbst lächelte nicht mehr. Ihre Augen waren leer und wenn sie sich nicht auf den Arm ihres Mannes gestützt hätte, wäre sie wohl zusammen gesackt. Alles Leben war aus ihr verschwunden und auf dem Weg zurück auf ihren Hof, sagte sie kein Wort, trotz dass Robert sie immer wieder ansprach. Kaum in ihrem Zuhause angekommen lenkte er sie auch schon in ihr Schlafzimmer.





Dorthin folgte ich ihnen nicht. Ich wollte es nicht wissen, nicht sehen. Es brach mir sowieso schon das Herz zu wissen, dass er jetzt jedes Recht hatte sie zu berühren. Doch ich stand noch lange vor der Tür und starrte sie in stummer Wut an. In meinem Kopf herrschte Leere und erst viel später fing ich an mich zu fragen, warum sie in ihr Haus gegangen waren und nicht zu ihm auf sein Anwesen. Aber es waren nur müßige Gedankenfetzen, ich war in meinem momentanen Elend nicht wirklich an einer Antwort interessiert. Das kam erst viel später.


*Fortsetzung folgt*

Edit: Ich hoffe, die Bilder sind gleich wieder da. Eben hatte ich sie noch gesehen. O.o
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Geändert von Llynya (03.07.2013 um 18:17 Uhr)
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Alt 12.06.2012, 09:47   #36
Simellie
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oh je, der arme Tod. Da hat er die Hochzeit nicht verhindern können und muss alles wortlos mitansehen. Anabelle tut mir auch leid, wer weiß was mit der Ehe noch auf sie zukommt. In ihrem Hochzeitskleid und den Haaren sieht sie aber unglaublich bezaubernd aus, das hast du ganz toll ausgewählt. Ansonsten kann ich nur dem Tod die Daumen drücken, dass er bald einen Weg findet sich zwischen Robert und Anabelle zu stellen und sie für sich zu gewinnen. Bin weiter gespannt.
Tolle Story.
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Alt 12.06.2012, 11:47   #37
Aminte
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Zitat:
Er wird dich auf Händen tragen. Das ist mehr als man von den meisten Männern erwarten kann.
Ja, klar. Sie ist jetzt sein Besitz, und genau so wird er sie auch behandeln.
Ich find's ja süß, dass der Tod so theatralisch leidet. Diese Posen... Echt herzig. Ja, jetzt sieht er mal, wie es uns armen Menschlein geht. Alles nicht so einfach.

Also nix mit Assassin - jetzt grübel ich natürlich, was sein Plan ist. Und es ist passiert - und ich finde das natürlich ganz schrecklich, wie konntest du das tun? Jaja, ich weiß schon, Protagonisten muss man quälen...
Aber solche Zwangsehen finde ich immer ganz furchtbar, ich möchte mir das gar nicht ausmalen, wie das ist. Diese Vorstellung entsetzt mich irgendwie, dabei kommt das so häufig vor, selbst heute noch. Ich weiß gar nicht, was ich tun würde, wenn mir sowas passieren würde. Irgendwie ist damit auch immer diese Besitz-Vorstellung verbunden, was anderes ist es ja auch nicht. Mit Haut und Haaren verkauft. Ich gehöre jetzt dir... Das hat einen ziemlich bitteren Beigeschmack.
Wenn sowas Männern passiert, wird daraus immer eine ganz tragische und heldenhafte Geschichte, aber bei Frauen... muss man sich eben damit abfinden, das ist nun mal so. 2000 Jahre Bullshit. Die wissen gar nicht, was die mit ihren blöden Sprüchen alles angerichtet haben. Die Frau sei dem Manne untertan... Man möchte das am liebsten aus denen rausprügeln, mich regt das so maßlos auf. Und manche Herren nehmen das natürlich nur allzugern wörtlich. Sir Robert ist natürlich einer davon, das wird noch "lustig".

Ich frage mich ja, was dieser saubere Sir an ihr findet, dass er so interessiert ist. Aber vermutlich ist es gar nichts weiter, sie ist wahrscheinlich das hübscheste Mädchen in der Umgebung, das ist eine reine Prestige-Sache. Oder sie haben Land, das er will, so ganz arm scheinen sie ja nicht zu sein, auch wenn es am Geld klemmt. Aber der Mutter scheint der Deal nicht viel auszumachen, nach Alternativen sucht sie ja nicht wirklich. Wahrscheinlich glaubt sie auch, dass ist eben so. Und ein Sir ist eine gute Partie... Ich glaub, mich würde es würgen, wenn der mir zu nahe käme. Dieses süßliche Gesäusel verursacht mir Brechreiz.
An mir hätte der wohl keine Freude. Müsste ständig Laken wechseln wegen der Sauerei. Und die wäre ganz sicher nicht nach seiner Vorstellung.

Das war jedenfalls wieder ein sehr schönes Kapitel, wenn ich es auch sehr traurig fand, besonders die Szene in der Box. Das kann ich so richtig mitfühlen, sie muss sehr allein sein. Die Gegenwart von Pferden tröstet und beruhigt mich auch immer wieder, die sind irgendwie so... seufz. Pferde haben einfach eine tolle Ausstrahlung, besonders wenn man sie in Ruhe lässt. Dann sind die so ganz bei sich, und manchmal überträgt sich das, das ist immer toll.
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Unsere wahre Absicht ist, sichtbar zu machen die Dinge, die sind, wie sie sind. Friedrich II. von Hohenstaufen
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Alt 12.06.2012, 21:43   #38
xbrini
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die fotostory ist der hammer.....voll gefesselt habe ich nun alles durch.....wunderbar geschieben und schöne bilder dazu.....
freue mich auf neues
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Alt 18.06.2012, 12:41   #39
julsfels
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Hallo meine liebe Llynya,

sorry, dass ich letztes Mal gar keinen Kommi dagelassen habe! Bin einfach nicht dazu gekommen, und dann war auch schon das neue Kapitel da. Was mich natürlich gefreut hat. (also, nicht, dass ich zu spät mit dem Kommi war, sondern dass es schon wieder was Neues zu lesen gibt).

Diese Mörder-Sache hat mich etwas irritiert. Der Tod darf Robert nicht selbst kalt machen, aber falls er jetzt vor hat, ihn durch diesen Attentäter aus dem Weg räumen zu lassen, wo ist denn da der Unterschied? Er hat es dann zwar nicht selbst getan, aber er ist genauso dafür verantwortlich. Und das Ergebnis wäre auch dasselbe: Annabelle müsste den nächsten Kerl heiraten.
Ich denke also, dass der Tod etwas anderes mit dem finsteren Gesellen vorhat, und lasse mich überraschen.

Die Hochzeit kam dann aber doch überraschend. Allerdings - hey, JETZT kann er den Kerl doch über den Jordan befördern! Annabelle ist mit ihm verheiratet, und wenn er Robert jetzt umbringt/umbringen lässt, ist sie eine reiche, unabhängige Witwe. Sie kann ihrer Mutter mit Geld unter die Arme greifen und muss sich nicht mehr einfach verheiraten lassen, denn sie ist ja kein unverheiratetes Ding mehr, sondern eine Witwe. Eine gesetzte Matrone.
Boah, wie böse.
Nein, sowas machen wir natürlich nicht. Und ausserdem DARF er es ja auch nicht.

Tja, und nun ist sie diesem merkwürdigen Unsympath ausgeliefert. Auf Händen tragen, na klar. Ich schätze, ihm schweben da andere Dinge vor. Man fragt sich, ob die Mutter es nicht sehen will oder wirklich nicht sieht.
Und diese Sache, dass er sie nicht mit zu sich nach Hause nimmt, ist auch hochgradig merkwürdig. Passt gar nicht zu ihm, sich mit so einer primitiven Umgebung zufrieden zu geben. Da ist bestimmt was oberfaul, ich fürchte, diese Hochzeit wird Mutti möglicherweise nicht das einbringen, was sie sich erhofft hat, und dann war am Ende alles umsonst.
Ach, Du wirst uns bestimmt noch oft quälen.

Vielen Dank für die schöne(n) Fortsetzung(en)!

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Alt 03.08.2012, 18:34   #40
Llynya
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Zitat:
Dieses Thema ist bereits 47 Tage alt. Bist du sicher, dass du darauf antworten möchtest?
Ups, so lange ist es schon her?

Sorry, aber irgendwie lief mir in letzter Zeit dieselbige einfach weg. So ist das halt, wenn das RL zuschlägt.

Aber nun erstmal zur

Kommibeantwortung



@ Simellie

Ja, es war für beide Hauptdarsteller grausig, aber leider doch notwendig. Und es kommt noch einiges auf die arme Annabelle zu.
Ich mochte Annabelles Hochzeitsoutfit auch total gerne. *g*
Tja, der Tod findet immer einen Weg, fragt sich nur was für einen.

@ Aminte

Ja, jetzt gehört sie ihm und niemand scheint sich dafür zu interessieren.

Zitat:
Ich find's ja süß, dass der Tod so theatralisch leidet. Diese Posen... Echt herzig.
Ja, er ist halt eine Dramaqueen.

Sein Plan hat etwas mit dem Assassinen zu tun, aber was es ist verrate ich jetzt lieber nicht.
Ich bin auch ein strikter Gegner noch Zwangsehen. Ich finde es grausig nicht selbst zu bestimmen, mit wem ich den Rest meines Lebens verbringen soll. Ich tue mich ja schwer denjenigen zu finden, aber fremdbestimmt möchte ich dabei nicht sein.
Und was Robert angeht, der sieht Annabelle jetzt wirklich als seinen Besitz, genauso erworben wie den Hof.
Und warum er den Hof und Annabelle haben wollte, werden wir wohl noch herausfinden. Er hatte auf jeden Fall einen Grund, warum er ausgerechnet sie und den Hof haben wollte.

Hm, was die Pferde angeht kann ich nicht wirklich mitreden. Das letzte Mal als ich in einem Pferdestall war ist gut und gerne 17 Jahre her. Mein mädchenhaftes Interesse an Pferden hat nicht lange gehalten.

@ xbrini
Freut mich wirklich, dass es dir gefällt.

@ julsfels
Och, mit dem Kommi ist doch nicht so wild. Ich vermassel das ja auch häufig überhaupt irgendwo Kommentare zu hinterlassen.

Tja, was der Tod mit dem Assassinen (das hört sich irgendwie komisch an ) vorhat, kann ich jetzt ja noch nicht verraten. Wäre dann doch ein langweiliges Kapitel, wenn ich alles schon vorweg nehme.
Ich hatte auch überlegt, ob ich die Hochzeit noch ein zwei Kapitel hinauszögere, aber mich dann dafür entschieden sie gleich durchzuziehen. Es hätte ja nichts geändert, sie musste eben sein.
Ja, theoretisch könnte er Robert jetzt um die Ecke bringen, wenn da nicht die Konsequenzen wären. Der Schaden ist jetzt ja gemacht und sich sicher kann er auch nicht sein, dass sie nicht wieder an so eine Flachpfeife gerät.
Und was die Ernte nach der Hochzeit betrifft, ich schätze mal, die wird mager ausfallen. Robert ist ja nicht gerade vertrauenserweckend und seine Maske wird bald schon fallen.

@ All

Vielen lieben Dank euch allen.
Die nächste Fortsetzung könnte jetzt am Wochenende kommen, ich habe es mir auf jeden Fall vorgenommen. Ich habe ja schon ein schlechtes Gewissen, weil ich das schon so lange habe schleifen lassen.
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Alt 28.08.2012, 20:30   #41
Llynya
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I still love you girl
I really love you girl
And if he ever hurts you
True love won't desert you
(Journey - Separate Ways (Worlds Apart))





Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie ich zurück in meine Zuflucht gekommen war, aber ich war ein Wrack. Ich schaffte es bis kurz vor meinem See, ehe ich mit Schmerzen in der Brust zusammensackte. Noch nie hatte mein Körper so reagiert, aber in meinem Elend nahm ich es kaum wahr. Der Schmerz wurde stärker und ich griff mir an mein Herz, als ich im nachtfeuchten Gras hockte. Ich atmete schwer, während in meinem Kopf die Bilder der Hochzeit herumwirbelten.





Um den Schmerz zu betäuben schmiss ich mich ins kühle Gras, aber es nützte nichts. Ich weiß nicht mehr wie lange ich dort lag und Welle über Welle durch meinen Körper raste. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Ich verlor jedes Gefühl für Zeit als ich gegen den allmächtigen Schmerz kämpfte. Ich war froh um die Dunkelheit, die mich einhüllte. Es war entwürdigend, wie ich dort so lag und mich vor Krämpfen krümmte. Niemals hätte ich gedacht, dass man so leiden konnte. Dass ich so leiden konnte. Niemals zuvor war so etwas mit mir geschehen und es wundert mich immer noch, wie heftig der Schmerz in jener Nacht war.





Es erschien mir wie eine ewige Nacht. Vielleicht war sie das ja auch. Zeit war relativ und vielleicht sorgte ich unbewusst dafür, dass es um mich herum dunkel blieb. Die Nacht war wie eine schützende Decke, die mich vor dem Grauen des Tages schützte. Leider konnte sie mich nicht vor den Bildern in meinem Kopf schützen.
Irgendwann viel später schaffte ich es mich aufzusetzen, der Schmerz ebbte langsam ab, aber er verschwand nicht. Es kam mir vor, als könnte nichts diese Pein in mir verschwinden lassen. Lange saß ich da und versuchte meinen Körper dazu zu zwingen, ruhig zu werden. Es musste ja weitergehen, auch wenn sie für mich verloren schien.





Ich erhob mich nach einer Weile und schaffte es bis zu meinem Lieblingsplatz. Lange stand ich dort und ließ mich von den leichten Wellen im See beruhigen. Das Wasser war ebenfalls in leichter Aufruhr, eine Reaktion auf meinen Gefühlszustand. Normalerweise war der See ein Ort der Stille und Ruhe, aber ich konnte die Spuren des viel größeren Aufruhrs sehen. Die Steine waren noch nass von den Wellen, die über sie hinweg gefegt waren. Das Ufer glänzte noch silbrig vom Wasser, das die dort wachsenden Gräser durchnässt hatte. Doch je ruhiger ich wurde, umso mehr beruhigte sich auch das Wasser. Ich ließ das leichte Plätschern auf mich wirken und versuchte mir einzureden, dass für sie alles gut werden würde.





Ich sah es vor mir, wie sie mit Robert glücklich war. Ich sah wie sie sich glückselig an ihn schmiegte und er sie wirklich auf Händen trug. Ich sah ihr zufriedenes Lächeln und wie sie sich bei ihm fallen lassen konnte.
Ich sah das Alles vor mir und ich wusste, dass es eine Lüge war. Ich wusste, dass sie niemals mit ihm glücklich sein könnte. Ich war mir dessen so sicher, wie ich mir sicher war, dass nach Regen die Sonne wieder scheinen würde. Ich wusste, dass diese Gewissheit der Grund für meinen Schmerz war.





Es machte mich wütend und gleichzeitig hilflos. Ich konnte mir keinen Weg vorstellen, wie ich ihr helfen konnte. Ich hatte nur einen Plan, wie ich es schaffen konnte, dass sie mich wahrnahm. Es war unausgereift und schwierig, aber es war meine einzige Möglichkeit. Auch wenn sie zu spät kam, um die Hochzeit mit diesem Ekel zu verhindern. Doch von jetzt an würde ich all meine Energie darauf verwenden, um diese Idee in die Tat umzusetzen. Das war ich ihr und auch mir selbst schuldig. Vielleicht könnte ich dadurch auch das Schlimmste verhindern und ihr dann wenigstens richtig beistehen. Denn ich wusste tief in meinem Innern, dass sie diesen Beistand nötig hatte.





Wie nötig sie ihn wirklich hatte, sah ich im Licht des nächsten Morgens. Ich wusste nicht, wie viel Zeit ich verloren hatte in meinem Elend, aber es schien wenigstens mehr als ein Mond gewesen zu sein. Ich war mehr als erschrocken, als ich Annabelles Gesicht an diesem Morgen sah. Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen und eines ihrer Augen war blau. Man sah ihr an, dass sie noch mehr Schmerzen hatte, während sie sich ein wenig wenig Wasser ins Gesicht spritzte. Ihre Bewegungen waren langsam und vorsichtig.
Wut durchflutete mich wie ein weiß glühender Strahl aus Hitze. Ich war kurz davor, alle Bedenken gegenüber dem Töten über Bord zu werfen und die Konsequenzen dafür zu tragen. Es wäre so eine Erleichterung, aber ich konnte es nicht tun. Nicht weil ich Angst um mich hatte, sondern um sie. Irgendetwas war faul an Robert und ich hatte Bedenken, was sein plötzlicher Tod für Auswirkungen hätte.





Und ich war nicht der Einzige, der sich Sorgen um Annabelle machte. Auch ihre Mutter hatte inzwischen erkannt, dass es nicht die beste Idee gewesen war, Annabelle an Robert zu verschachern.
„Es tut mir Leid“, sagte sie wohl schon zum hundertsten Mal und berührte leicht Annabelles lädiertes Gesicht.
Annabelle zuckte leicht zusammen. „Bitte lass das doch. Und hör auf, dich zu entschuldigen. Ich weiß, dass es dir Leid tut, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass wir ihm jetzt ausgeliefert sind.“ Sie klang müde und geschafft, obwohl es erst Morgen war. Sie seufzte leise und drehte sich von ihrer Mutter weg. „Es ist das Beste, wenn wir versuchen die vielen Gemeinheiten zu ignorieren. Es bringt doch nichts, wenn wir uns beklagen.“
„Du hast Recht, aber trotzdem möchte ich, dass du weißt das es mir wirklich unendlich Leid...“
„Hör endlich auf!“ Annabelle erhob die Stimme, um ihrer Mutter über den Mund zu fahren. „Ich will das nicht mehr von dir hören.“





Mit diesen Worten verließ sie die Küche und ließ ihre Mutter dort mit hängendem Kopf stehen. Ich drehte mich nochmal kurz zu der alten Frau um und sah, dass auch sie richtig verzweifelt aussah. Was tat dieser Mann den beiden Frauen bloß an?
Diese Frage beschäftigte mich als ich Annabelle zum Brunnen folgte. Sie ging vorsichtig und war wesentlich langsamer als noch vor einiger Zeit. Ich machte mir wirklich Sorgen um sie. Mit schmerzverzerrten Gesicht betätigte sie die Winde und holte einen Eimer Wasser hoch. Sie brauchte mehrere Anläufe ehe sie es schaffte, den Eimer nach oben zu ziehen. Ich versuchte ihr Kraft zu geben in dem ich den Arm um sie legte, aber alles was ich erreichte war, dass sie zitterte. Hastig nahm ich den Arm wieder von ihren Schultern. Das war doch frustrierend.





Ich folgte ihr den ganzen Tag über, verfolgte ihre Bewegungen und brodelte vor Wut über den Mistkerl, der ihr das angetan hatte. Und das völlig legal. Niemand konnte Robert Einhalt gebieten. Sie war seine Ehefrau und er hatte jedes Recht sie so zu behandeln, wie er es für richtig hielt.
Ich musste mich zusammenreißen als Annabelle ihrem Ehegatten das Essen servierte. Ich war so wütend, dass ich mich kaum zügeln konnte. In meinem Kopf spielten sich viele Möglichkeiten ab, wie ich Robert am liebsten töten wollte. Ich hatte schon so viel Tode in meiner Existenz gesehen und einer war grausiger als der andere. Und doch konnte ich es nicht tun. Ich wusste einfach nicht, was für Folgen es hatte wenn ich es tat. Ich hatte keine Angst um mich, aber um sie. Es musste ja einen Grund für diese Hochzeit geben und der hatte bestimmt nichts damit zu tun, dass Robert einfach nur den Hof haben wollte.





Ich konnte es nicht länger ertragen. Also ging ich, wohl wissend, dass sie bald wieder alleine im Schlafzimmer mit ihrem Mann war und er nicht zimperlich mit ihr umging. Ich hoffte nur, dass sie nichts tat, was ihn aufregen konnte.
Ich wusste, dass ich was tun musste, um Annabelle dazu zu bringen, mich zu sehen. Ich hoffte, dass es ihr helfen würde, wenn sie jemanden hatte, der ihr beistand. Und so machte ich mich auf zu dem Berufskiller, der mir dabei helfen sollte. Er war in seiner Hütte zu finden und kam gerade von einem Auftrag. Ich sah ihm an, dass es ihm schwer fiel wieder zu sich zu finden. Der letzte Auftrag schien ihn mitgenommen zu haben. Ich frohlockte, so würde er meinen Einschmeichelungen leicht erliegen.





Trotzdem beobachtete ich ihn noch eine Weile. Sah mir genau an, wie die Linien in seinem Gesicht verliefen. Ich sah seinen Zweifel an seinem Tun und doch sah ich, dass diese Bedenken für ihn bedeutungslos waren. Er würde nicht aufhören, denn es war das Einzige, was er wirklich beherrschte. Und genau deshalb war er genau der Richtige für das was ich mit ihm vorhatte. Er würde genau das tun, was ich von ihm verlangte und ich hoffte, dass es die richtige Entscheidung war, diesen Weg zu gehen. Es barg so viele Risiken und das nicht nur für mich, sondern auch für sie. Und doch musste ich das Risiko eingehen und dem Schicksal eine Chance geben.
Ich stieß mich von der Wand ab und machte einen Schritt auf ihn zu.





„Du wirst tun, was ich dir sage“, raunte ich, als ich mich langsam auf ihn zu bewegte. „Du gehörst mir.“
Ich stellte mich neben ihn und ergriff seinen Arm. Ich spürte, wie ein Schauer durch ihn lief. Er spürte die Kälte und das machte mich sicherer.
„Ich werde dir sagen, was du zu tun hast und ich verlange, dass du es genauso ausführst“, flüsterte ich leise. „Solltest du das nicht tun, dann wird deine Strafe fürchterlich sein.“
Der Mörder schüttelte sich leicht und stand auf. Ich ließ seinen Arm los und er ging zu dem schmutzigen Fenster.




Ich stellte mich dicht neben ihn. So dicht, dass ich spüren konnte, wie er auf meine Kälte reagierte. Ich beugte mich dicht an sein Ohr und fing an zu flüstern.
„Du wirst tun, was ich dir sage. Du gehörst mir.“ Immer und immer wieder die gleichen Zeilen.
Er schüttelte den Kopf, gerade so als würde eine Fliege um ihn herumschwirren. Ich grinste. Es würde klappen, davon war ich überzeugt. Die Nacht schritt voran, während ich ihm immer wieder die Worte ins Ohr flüsterte. Es würde noch dauern, bis die Methode anschlagen würde, aber ich war davon überzeugt, dass es werden würde. Erst als die Sonne langsam aufging, hörte ich auf.

*Fortsetzung folgt*

Sorry, dass es doch länger gedauert hat, aber der Text wollte nicht so wie ich. -.-
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Alt 03.09.2012, 18:15   #42
julsfels
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Dacht ich es mir doch, dass dieser Robert ein Ekelpaket ist. Wehe, Du ziehst ihm nochmal ein Outfit von mir an.
Ich frage mich nur, was er bezweckt und was da nicht stimmt - wenn er doch eigentlich nicht unbegütert ist, warum wohnt er dann bei den beiden Frauen auf diesem ärmlichen Hof? Und andererseits, wenn er Geld braucht - warum hat er dann keine reiche Erbin geheiratet? Das wäre doch bestimmt möglich gewesen, weil alle ihn für einen wohlhabenden, ehrenhaften Mann halten.

Was den Tod angeht: herzlich wllkommen in der Gefühlswelt der Sterblichen. Einen Moment lang habe ich mich gefragt, ob er wohl selbst vor Schmerzen sterben kann.
Ich habe immer noch keine Idee, was er mit dem Assassinen plant. Wenn er erreichen will, dass der Killer Robert tötet, ist das Ergebnis ja eigentlich auch nicht anders, als wenn er es selber tut. Selbst wenn man den Assassinen dabei erwischen würde (weil der Tod ihn sozusagen opfert, was echt GEMEIN wäre! ), würde doch auch wieder ein Verdacht auf Annabelle fallen, denn sie könnte es ja gewesen sein, die ihn beauftragt hat.
Da tappe ich wirklich noch total im Dunkeln.
Interessant fand ich auch, dass die "Kommunikation" zwischen dem Tod und dem Assassinen offenbar klappt, auch wenn sie umständlich, langwierig und anstrengend ist. Mit Annabelle hat das ja nicht geklappt, obwohl er doch auch ein paar Mal versucht hat, mit ihr zu reden. Hat das einen besonderen Grund, oder würde es mit Annabelle auch funktionieren, wenn er es genauso machen würde wie mit dem Killer?

Schönes Kapitel, und wie immer ganz tolle Locations. Ich liebe Deine Settings, vor allem die Aussenaufnahmen sind immer wunderschön (obwohl es diesmal natürlich etwas zu dunkel war, um die volle Pracht bewundern zu können ), daran kann ich mich immer kaum sattsehen.

Liebe Grüße!
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Alt 03.09.2012, 19:11   #43
Llynya
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Okay, dann muss ich wohl wieder mal auf Kleidersuche gehen.
Was Robert und seine Motive angeht, da muss ich dich und alle anderen noch ein wenig im Dunklen tappen lassen. Auf jeden Fall so lange, bis mir der Grund, ähhh, bis der Tod das rausfindet.

Es wäre ja mal spannend zu sehen, ob der Tod sterben kann oder nicht. Auf jeden Fall ist er in letzter Zeit erschreckend menschlich geworden. ^^
Tja, was der Tod dem Mörder jetzt genau aufgetragen hat, kommt in der nächsten FS. Ich verrate jetzt nichts.
Und was die Kommunikation zwischen dem Assassinen und ihm angeht. Ich nehm jetzt mal meine Antwort an Innad:
Der Assassine und der Tod sind halt aufeinander eingespielt. Der Mörder "arbeitet" ja schon lange für den Tod, daher besteht zwischen den Beiden eine Verbindung. Er hat ja auch den Tod hinter sich gespürt als diesen ihn verfolgt hat. Und nein, die Worte versteht er nicht, aber er wird wissen was er machen soll. Sieh es einfach als plötzliche Eingebung, die ihm vom Tod eingegeben wurde.
Wenn er das mit Annabelle machen würde, dann könnte er ihr halt auch Eingebungen vermitteln, aber so richtig mit ihr kommunizieren könnte er nicht. Es würde außerdem Jahre dauern ehe das so funktionieren würde wie mit dem Assassinen.

Und danke für das Lob. Ich freu mich ja, dass gerade dir als wahre Bau- und Dekoriermeisterin meine bescheidenen Aufbauten gefallen.
Beim nächsten Mal gibts auch wieder mehr Licht.
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Alt 03.09.2012, 20:07   #44
julsfels
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Ah! Ja, das leuchtet mir ein.
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Alt 09.09.2012, 19:03   #45
Llynya
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Now that I know what I’m without
You can't just leave me
Breathe into me and make me real
Bring me to life
(Evanescene – Bring me to life)





Es war soweit. Alles war vorbereitet. Der Ort stand fest, die Zeit war gekommen. Und ich wartete auf die beiden Hauptdarsteller und meinen Auftritt.
Es war Mittagszeit und die Wärme des Sommers hatte ihren Höhepunkt erreicht. Die Luft flimmerte vor Hitze, kein Windhauch regte sich. Alles war ruhig, als hielte die Welt den Atem an, selbst die Vögel waren stiller als sonst. Als würde ihnen die Wärme ebenso zusetzen wie den Menschen. Sie hockten auf ihren Ästen und rührten sich kaum, die Flügel leicht von sich gestreckt, damit sie wenigstens ein wenig Kühlung hatten. Unten im hohen Gras hörte ich die Bienen summen. Alles war friedlich bei dem alten Turm. Doch ich wusste, das dieser Frieden bald gestört werden würde und ich war dafür verantwortlich.





Ich wartete oben auf dem Turm und die Sonne brannte auf mich hinab. Doch ich spürte die Hitze nicht, ich war nervös. Fragte mich, ob ich das Richtige tat. Es gab keine Garantie für den Erfolg und ein Misserfolg hätte schlimme Konsequenzen zur Folge.
Ich schloss die Augen, wollte nicht an den Misserfolg denken. Ich klammerte mich an die Hoffnung auf Erfolg. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Bald war es soweit, bald würde sie mich zum ersten Mal sehen, wenn alles gut ging. Wieder diese leichten Zweifel, doch ich schüttelte sie wieder ab. Es musste einfach alles gut gehen. Es war alles so perfekt vorbereitet. Ich war mir sicher, dass ich an alles gedacht hatte, jede Möglichkeit im Kopf durchgegangen war und keinerlei Fehler im Plan gefunden hatte.





Die Zeit verstrich während ich wartete. Mittag ging langsam in Nachmittag über und die Schatten wurden schon etwas länger. Die fast schon drückende Stille hing weiter über dem Grundstück. Nur gelegentlich hörte ich einen Vogel rufen, während die Zeit vorbei strich.
Ich blickte nach unten auf meinen Schauplatz und horchte auf die Schritte, die sie ankündigen würden. Noch hörte ich nichts, aber es sollte nicht mehr lange dauern, bis der erste der Beiden an seinem ihm vorbestimmten Platz sein würde. Ich wusste, dass es er sein würde. Ich hatte ihm Ort und Zeit genannt und er war noch nie unpünktlich zu einem Job erschienen. Und auch wenn es diesmal kein normaler Auftrag war, würde er mich nicht enttäuschen. Ich hatte ihm in den letzten Tagen oft genug gesagt, was und wann er zu tun hatte. Er würde bald da sein. Ich wusste es einfach.





Und ich irrte mich nicht, schon bald hörte ich seine leisen Schritte. Hörte wie die Absätze seiner Stiefel auf den abgewetzten Holzboden des Turms gedämpft klapperten, als er sich in dem alten Gemäuer versteckte. Ich war zufrieden, er war schon mal in Stellung.
Kurze Zeit später hörte ich auch ihre Schritte. Sie ging schon wesentlich leichter als noch beim letzten Mal als ich sie gesehen hatte. Sie hatte immer noch Ringe unter den Augen, aber die Schwellung war zurückgegangen und blau war das Auge auch nicht mehr. Doch ich war wirklich froh, dass sie keine neuen Blessuren hatte. Robert schien ein wenig zurückhaltender mit seiner Zuneigung gewesen sein und ich war erleichtert. Das würde das Folgende zwar nicht leichter machen, aber es beruhigte mich.





Annabelle erreichte die eingestürzte Mauer und ließ sich auf einem der Steine nieder. Sie sah nicht besonders glücklich aus, aber das war auch kein Wunder. Ich konnte ahnen womit sie sich beschäftigte und ich verfluchte im Stillen ihre Mutter, die sie an den Mistkerl gegeben hatte und Robert, der sie so schändlich behandelte.
Ich hörte ihr leises Seufzen und litt mit ihr mit.
„Bald“, flüsterte ich „bald bin ich für dich da. Nur noch ein klein wenig mehr Geduld.“
Sie hörte mich natürlich nicht, aber ich vernahm, dass der Assassine sich in Position gebracht hatte. Er stand jetzt an der Mauer, die den Turm umrundete.





Er hatte sich so leise bewegt, dass sie nichts mitbekommen hatte. Er stand jetzt so, dass sie ihn fast sogar sehen konnte, wenn sie den Kopf nur noch mehr nach links gedreht hätte. Doch sie tat es nicht und der Mörder wusste das mit seinen langen Jahren der Erfahrung in diesem Geschäft. Er wusste, dass sie viel zu sehr von ihren eigenen Gedanken eingenommen war um ihn zu bemerken.
Ohne auch nur einen Laut mehr als leichtes Atmen von sich zu geben beobachtete er sie, wartete auf den richtigen Moment um zu zu schlagen. Genau wie ich. Innerlich total angespannt beobachtete ich jede noch so winzige Bewegung des Mannes. Wartete darauf, dass er sich in Bewegung setzte und mit dem anfing, was ich ihm mühevoll aufgetragen hatte.





Und dann war es endlich soweit. Der Mann machte sich auf den Weg zu ihr. Ich hielt den Atem an, als er geschmeidig und ohne ein Geräusch zu verursachen über die brüchige Mauer kletterte und auf der anderen Seite der eingestürzten Wand entlang schlich. Er schaffte es auf kein Blatt oder Zweig zu treten, die auf dem Boden reichlich vorhanden waren. Der Assassine wusste genau wo sich sein Opfer befand und das sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt war, um ihn zu bemerken. Er versteckte sich hinter der abgebrochen Mauer und vor den Ästen des sich dort ausbreitenden Gestrüpps. Sein eines Auge fixierte Annabelle wachsam. Nahm jede ihre auch noch so kleinen Bewegungen wahr. Sein Atemrhythmus passte sich ihrem an. Er war der perfekte Jäger und sein Wild war ahnungslos. Zufrieden lächelte er, war sich seiner Überlegenheit bewusst und würde genau das tun, was er am Besten beherrschte.





Ich machte mich bereit, sah die Szene von oben und stand parat um jederzeit eingreifen zu können. Ich wusste, dass jetzt die kritischen Sekunden anfangen würden. Die, die meinen ganzen Plan hinfällig machen könnten. Mein Herzschlag beschleunigte sich und jede Faser meines Körpers war angespannt. Jetzt war es gleich soweit und ich würde endlich wissen, ob mein kühner Plan von Erfolg gekrönt sein würde. Es war so gefährlich, wenn nur einer von uns den falschen Schritt machen würde, dann wäre alles hinfällig.
Der Mörder machte den entscheidenden Schritt und trat aus seinem Versteck. Er hatte seine Waffe schon in der Hand und in dem Moment stand auch Annabelle auf. Der Mann machte einen langen Schritt und stand hinter ihr, immer noch ohne das sie ihn bemerkt hatte. Er würde tun, was ich von ihm verlangte und in dem Wissen machte ich auf den Weg nach unten.





Und dann ging alles blitzschnell. Der Mörder packte Annabelle am Arm, während ich hinter ihm stand. Es tat mir in der Seele weh, dass ich ihr so etwas antun musste, aber es gab keine andere Möglichkeit. Ich hoffte nur, dass sie nicht allzu sehr leiden musste. Ich war sehr präzise gewesen als ich dem Mann seine Instruktionen gab und war guter Hoffnung, dass er es schnell und relativ schmerzlos machte.
Ich sah das Messer blitzen und das Blut fließen. Annabelle keuchte auf, spürte die Kälte des Messers und gleichzeitig die Wärme des Blutes. Der Mörder ließ ihren Arm los und zog das Messer aus ihrem Rücken. Dann schüttelte er der Kopf, wie als wenn er aus einem Traum erwachen würde und versuchte den lästigen Gedanken daran aus dem Kopf kriegen. Er wusste nicht, warum er das gerade getan hatte, aber er war schon zu abgestumpft um etwas anderes als Verwirrung zu fühlen. Das alles nahm ich aber nur am Rande wahr. Ich war zu sehr auf Annabelle fokussiert, um mich um meinen etwas unwilligen Helfer zu scheren.





Ich war neben Annabelle als sie zusammenbrach. Ich war so auf sie konzentriert, dass ich kaum bemerkte wie der Mann ging. Ich kniete nieder, hatte meine Hand auf ihrer Wunde und wartete auf den Moment, der alles entscheiden würde. Ich wusste, das es jeden Augenblick, jede Sekunde soweit sein müsste. Der eine magische Moment durfte mir nicht entgehen. Der Zeitpunkt in dem all meine Wünsche wahr werden würden.





Annabelle stöhnte und ich versuchte ihre Qualen in mir aufzunehmen, damit sie es leichter hatte. Doch es funktionierte nicht. Leichte Panik machte sich in mir breit. Was ist wenn ich falsch gelegen hatte und es nicht klappte? Was ist, wenn ich alles aufs Spiel gesetzt hatte und doch verlor? Wenn sie mir jetzt starb, dann wäre ich dafür verantwortlich und sie wäre gestorben, ohne mir auch nur einmal in die Augen zu schauen. Das durfte nicht sein!
Ich legte all meine Macht in die Waagschale und wurde belohnt. Sie atmete leichter, während ihr Kleid immer feuchter und dunkler wurde von ihrem Blut. Behutsam half ich ihr sich auf den Boden zu legen. Widerstand der Versuchung ihre Seele in mich aufzunehmen. Der Drang danach war stärker als ich vermutet hatte. Es lag in meiner Natur die Seele der Sterbenden einzufangen und das ließ sich nicht so einfach abschalten.





Sie lag auf dem Boden und ihr Leben floss aus ihr heraus, während ich auf den richtigen Zeitpunkt wartete. Es konnte sich nur noch um Sekunden handeln und ich hielt den Atem an. Annabelles Augen schloss sich und sie seufzte noch ein letztes Mal.
In dem Moment stieg ihre Seele hinauf und ich griff nach ihr, während ich all meine Magie benutzte um ihre Wunde zu heilen. Ich hielt ihre Seele fest, nahm sie nicht in mir auf, obwohl jede Faser meines Wesens danach verlangte. Geduldig hielt ich dem Drang stand, gleichzeitig flüsterte ich ihrer Seele beruhigende Worte zu. Ich wusste, dass sie sie hören würde. Es war einfach die saubere Wunde zu heilen und ihr wieder Kraft zu geben, damit sie den Blutverlust verkraften würde. All das tat ich, obwohl ich wusste, dass man mich, wenn es schief ging, jeden Moment dahin strecken konnte.





Ich bekam nicht mit, wie der Mörder sich weiter von uns entfernte. Zu sehr war ich damit beschäftigt Annabelles Leben zu retten. Ich richtete sie auf, nachdem ich mir sicher war, dass ihre Verletzung geheilt war. Ihre Seele hielt ich noch in meinem Bann, bereit sie wieder in ihren Körper zu verfrachten. Das war der einzige wirklich kritische Punkt, dem ich mich jetzt noch stellen musste. Wenn es mir nicht gelang, dann war alles umsonst.
Beruhigend redete ich auf sie ein, versuchte sie zu überreden wieder zurück zu gehen. Sanft schob ich sie in Richtung ihres Körpers, aber ich war mir nicht sicher ob sie auf mich hörte. Ich hatte Angst sie zu früh los zu lassen, damit sie mir nicht doch noch entwischte und auf ewig verloren sein würde.





Mechanisch stützte Annabelle sich auf ihre Arme, ohne ihre Seele war ihr Körper nur eine Puppe, die man in jede Position bringen konnte, die man wollte. Ihre Essenz hielt ich noch in meinen Händen, doch dann war der Moment gekommen. Ich musste loslassen und alles auf eine Karte setzen.
Ich versetzte ihrer Seele einen letzten, leichten Schubs und löste meinen Griff. Gebannt beobachtete ich, wie sie einen Moment in der Luft schwebte, bevor es sie zurück in ihren Körper zog. Ich atmete erleichtert aus, der kritische Augenblick war vorüber. Körper und Seele waren wieder vereint. Annabelles Zeit war ja auch noch nicht gekommen und ich war mir sicher, dass der Trick nur deshalb funktioniert hatte.





Doch ich war gespannt, ob mich Annabelle jetzt sehen konnte. Noch hielt sie ihre Augen geschlossen, nahm noch nicht alles wieder wahr. Fast schon zitternd vor Aufregung starrte ich sie an. Ich lächelte. Es war soweit, sie würde nun ihre Augen öffnen und mich hoffentlich sehen. So wie ich es ihrer Seele erklärt hatte in den Minuten die ich sie in meinem Griff gefangen hielt.
Dann öffnete sie die Augen.
„Hallo“, sagte ich lächelnd und wartete gespannt auf ihre Reaktion.


*Fortsetzung folgt*

Diesmal ging es schnell mit der Fortsetzung, ich weiß. Aber ich hatte die Location einfach im Kopf und kriegte das nicht eher raus, ehe ich nicht angefangen hatte zu bauen.
Und dann war es nur ein kleiner Schritt, ehe dieses so wichtige Kapitel fertig geknipst und geschrieben war.
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Geändert von Llynya (02.07.2013 um 20:13 Uhr)
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Alt 13.09.2012, 10:28   #46
Innad
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Das war jetzt eine echte Überraschung für mich, Llyn.
Ich dachte ja felsenfest, dass der Assassine Robert umbringen soll. Auf die IDee, dass er auf Annabelle angesetzt sein könnte, wäre ich im Leben niemals gekommen.

Zuerst dachte ich, er solle sie umbringen, damit sie "rüber" zum Tod kann, bei ihm sein kann. Aber er gibt die Seelen ja nur weiter, das fiel mir dann auch ein. Die Idee, ihre Seele für einen Moment abzulösen und wieder in sie zurückzuhauchen, damit sie ihn sieht - sehr gewagt. Ich habe ja drüben schon geschrieben, es schockierte mich dabei doch ein wenig, wie abgebrüht er dabei ist. Ich meine, natürlich hast Du gut rüber gebracht, dass er sich unsicher war, sich sorgte usw. Aber alleine diesen Schritt zu gehen und so mit Annabelles Leben zu "spielen" - letztlich ja aus reiner Selbstsucht.

Mich interessieren jetzt vor allem drei Dinge - erstmal, wieso funktioniert dieser Schritt? Wieso kann sie ihn jetzt wahrnehmen, nur weil er ihre Seele wieder zurückgegeben hat? Weil sie bereits in diesem "Hinüber"-Zustand war und die Seele ihn wahrnehmen kann, wenn der Körper sie verlassen hat und dieses Wissen als Erinnerung in das körperliche Dasein mitnimmt?

Und ist die "Unwilligkeit" des Mörders noch von Bedeutung? Könnte der zu einer Schlüsselfigur werden oder war er wirklich nur ein temporäres Mittel zum Zweck in der Storyline?

Und dann frage ich mich natürlich, was nun mit dem "Robert"-Problem wird. Denn letztlichist der ja immer noch da....

Edit: Die Kulisse fand ich übrigens super. Ich konnte mir die Hitze auch so richtig gut vorstellen.
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Alt 13.09.2012, 12:12   #47
julsfels
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Ooookay.
Ich hatte tatsächlich schon mal mit dem Gedanken gespielt, dass der Mörder Annabelle umbringen soll und nicht Robert, hab diesen Gedanken aber sofort wieder verworfen - schließlich bringt man doch seine Hauptdarsteller nicht um. *grins* Na ja, wenigstens nicht so früh in der Geschichte.
Deshalb war ich doch sehr überrascht, als Annabelle dort aufgetaucht ist und sie tatsächlich das Ziel des Mörders war. Wie Innad dachte ich auch zuerst, dass der Tod sie quasi zu sich rüberholen wollte, damit sie zusammen sein können. Ich bin froh, dass das nicht so ist, ich glaube, das hätte mir nicht gefallen - selbst, wenn Annabelle es im Moment nicht besonders gut geht, wäre das doch unglaublich egoistisch von ihm gewesen.
Nun, man wird sehen, ob diese Maßnahme von Erfolg gekrönt war. Ich würde ja mal tippen, dass es geklappt hat, denn irgendwie habe ich durch den bisherigen Text das Gefühl, dass diese Liebesbeziehung nicht nur einseitig war, was bedeutet, dass Annabelle den Tod schon irgendwann wahrnehmen muss.
Das wirft dann natürlich gleich den nächsten Schwall Probleme auf. Robert ist immer noch da - aber vielleicht hat Annabelle ja durch dieses Seelenhopping nicht nur die Fähigkeit, den Tod zu sehen, sondern noch ein paar andere nützliche Sachen mitbekommen - ungeheure kosmische Kräfte, zum Beispiel.
Dann muss er ihr ja auch noch erklären, wer und was er ist, was er getan hat, warum, und dass nur sie ihn sehen kann. (Okay. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken. Wenn ich Annabelle wäre, wäre ich erst mal ganz schön sauer, schätze ich. Wenn sie ihn haut, tut ihm das weh, oder geht die Faust einfach so durch ihn durch? )
Und sie muss in Zukunft höllisch aufpassen, dass niemand in der Nähe ist, wenn sie mit ihm redet. Wenn sie dabei erwischt wird, wie sie mit der Luft redet, wird es Robert bestimmt eine niederträchtige Freude bereiten, sie in die mittelalterliche Variante einer Klappse zu stecken, und die sind bestimmt kein Zuckerschlecken.

Tolle Location! Der Turm ist mal wieder klasse. Ich sag ja immer: Königin des Waldes.

Liebe Grüße!
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Alt 07.11.2012, 19:29   #48
Llynya
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Hallo Zusammen,

ich muss leider ankündigen, dass es hier vorerst nicht so bald weitergeht. Ich finde zur Zeit einfach keine Ruhe für die Fotostory. Es tut mir wirklich von Herzen Leid, aber es geht zur Zeit einfach nicht anders.
Abgebrochen ist die Story aber nicht. Sobald es wieder geht, werde ich natürlich weitermachen.

LG
Llyn
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Alt 26.01.2013, 18:31   #49
Llynya
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Huhu Zusammen,

erstmal ein ganz großes Sorry dafür, dass es so lange nicht mehr weiterging hier. Aber meine Mutter ist im vergangenen Dezember nach schwerer Krankheit gestorben und daher war mir meine Hauptfigur einfach zu Nahe, um hier weiterzumachen.

Aber inzwischen geht es wieder bei mir und ich konnte heute schon mal die Bilder für das nächste Kapitel schießen. Ich versuche den Text dazu morgen fertig zu machen und dann geht es hier auch wieder regelmäßiger weiter.

Ganz liebe Grüße an alle Leser
Llyn
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Alt 26.01.2013, 21:44   #50
Aminte
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Erstmal ein ganz großer Hug-Smiley - der hier leider auch fehlt. :???:

Es tut mir wirklich leid, und ich hoffe, du verkraftest das. Aber wenn du jetzt schon ans Weitermachen denkst... Ich schicke dir mal alle Kraft, die ich übrig hab. Ist nicht so viel im Moment, aber ich hoffe, das hilft ein bisschen.
Mir ging es ja auch nicht so wirklich gut im letzten Jahr. Ich weiß, wie das ist. Denke ich zumindest.
Aber neues Jahr, neues Glück... Hoffe ich. Auch für dich.

Ich freue mich jedenfalls schon sehr, Herrin des Waldes. Und des Todes mit Zöpfchen...
Der ist schon ein Netter, ich mag den wirklich gern. Ist nicht ganz so wie der, den ich kenne, aber echt kein übler Kerl. Da gibt es wirklich sehr viel schlimmere. Meiner sieht so aus: http://www.vamp.org/Gothic/Images/images/deathbleed.jpg
Mein Lieblingsbild hab ich nicht gefunden, das ist aus Dream Country, Façade. Und das andere ist aus Worlds End, da ist sie 14 oder so.
Vielleicht kann sie dich ein bisschen trösten, sie ist echt gut darin.
http://www.amazon.de/Death-The-High-...9235919&sr=8-5
Eins meiner all-time-favourites. Laudatio von Tory Amos - die ist fast noch besser als das Buch.
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